Ach meine lieben Mitspazierinnen und Mitspazierer, üreine Kolumnistin gibt es eigentlich nichts Dankbareresals eine Reizgur, die ständig Steilvorlagen lieert. AberHand aus Herz – wenn immer der selbe Mittelstürmerdie Tore schießt, macht das das Spiel nicht spannender.Also, lieber Jose Benedikt Ratzinger: du langweilst.Wenn du nicht mehr als das gebetsmühlenartige wi-derkäuen steinzeitlicher Denkansätze drau hast undernsthat spirituelle Erleuchtung ür ein probates Mittelzur Lösung von Aids, Armut und Homosexualität hältst– bitte. Aber muss es denn wirklich sein, jede noch soabstruse Meinung der gesamten Menscheit zu verkün-den? Ich jedenalls kann mich darüber nicht einmalmehr wirklich auregen, daür ist das Ganze zu abge-schmackt und abgedroschen. Das konkrete Leiden undSterben von Millionen Menschen zu einem Schlachteldder Religion und Ideologie zu machen, ist einach nurbillig. Interessant ist, dass bei all‘ den Problemen, diedie Welt aktuell hat, die religiösen Führungsgestaltendie Sexualmoral und ihre Ansichten zur Familie in denMittelpunkt ihrer Arbeit stellen. Oenbar ehlt den altenMännern in Rom, Istanbul, Moskau und sonstwo jegli-ches Konzept, mit der real existierenden Welt umzuge-hen. Für durch Wirtschatskrise, wackelndes Weltbildder globalisierten Welt und rapide Umwälzungen derGesellschat verunsicherten Menschen muss es dochmehr als hohle Phrasen und refexartige Schuldzuwei-sung an „Homoperverse“ und andere angebliche Zer-störer der abendländischen Moralvorstellungen geben.Zum Glück scheint sich in weiten Teilen der westlichenWelt wenigstens die Politik endlich aus dem Würgegrides Dogmatismus bereien zu können. Dänemark hatals erstes Land der Welt das Adoptionsrecht ür Frauen-und Männerpaare dem der Heteros gleichgestellt. UndBayern önet die Standesämter ür Verpartnerungen,wobei ich persönlich zweites ür wesentlich sensatio-neller halte. Ob das und die oene Papstkritik der kon-servativen Bundeskanzlerin schon der Dammbruch imbürgerlichen Lager ist, ist zwar zu bezweieln. Aber dieDinge kommen auch in Deutschland deutlich in Bewe-gung. Und das wird auch höchste Zeit, denn bei uns ha-pert es trotz Homo-Ehe und Gleichstellungsgesetz nochan vielen Ecken und Enden.Beispiele geällig? Während es im erzkatholischen Spa-nien und im konservativ regierten London kein Problemür Atheisten ist, eine Buskampagne zu starten, habendeutsche Kommunen damit ein massives Problem.München, Berlin und Köln winkten mit adenscheinigenBegründungen ab, obwohl seit Jahren Werbung ürSekten, christliche Vereine und rechte Philsophen wiedie „Neue Akropolis“ ohne irgendwelche Bedenken imöentlichen Nahverkehr plaziert werden düren. Auchdie Gleichstellung in unserem ach so liberalen Landschlägt sich in Sonntagsreden deutlich ausgeprägterals in den Geldbeuteln nieder. Mit aktuell immer noch22 % weniger Lohn ür Frauen im gleichen Job rangie-ren wir nicht nur in der Adoptionsrage näher an Leso-tho als an Dänemark.Aber wie gesagt, ich mag mich nicht mehr darüberauregen. Das Leben ndet jetzt und hier statt, ob mitoder ohne Götter ist und bleibt eine persönliche Ge-schmacksrage. Ich habe viel Lust am Leben. Und ge-nau diese wünsche ich Ihnen auch, ür einen April, derhoentlich endlich wieder Farbe au die Bäume, Wiesenund unsere Gesichter zaubert!Sarah Jäckel, Verlegerin
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