hinnerk
04/0922
kultur
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Heidi kann mich …“
Unter dem Motto „Meine Herren, los geht‘s. Mögedie Beste gewinnen.“ läuft ab 24. April jeden Frei-tag „RuPaul‘s Drag Race“ auf TIMM. In der Showsucht die berühmteste Drag Queen der Welt unterneun Kandidatinnen ihre Nachfolgerin. Dabei hel-fen berühmte Schauspiel-Kollegen wie Lucy Lawlessund Tori Spelling, das Supermodel Jenny Shimizuund Stardesigner Bob Mackie.
„RuPaul‘s Drag Race“ ist in den USA einriesiger Erfolg. Wieso glaubst du, ist das so?
Wir sind erst wenige Wochen on Air und mit einemso großen Erfolg hatte wirklich niemand gerech-net. Ich erkläre mir den so: die USA sind in den letz-ten zehn Jahren von der personifizierten Angst re-giert worden. Uns wurde suggeriert, wir wären eineNation im Krieg und die Regierung Bush hat es ge-schafft, das Gefühl der permanenten Bedrohungauf den gesamten Alltag zu übertragen. Im Kriegbrauchst du nur eine Art Mann: Soldaten. Und rich-tig gefährlich wird es, wenn du in einem solchenKlima auf unterhaltsame Art die Geschlechterord-nung in Frage stellen willst. Deswegen waren DragQueens in den letzten zehn Jahren so gut wie un-sichtbar im US-Mainstream. Und das alles ändertsich gerade wieder. Verstehst du?
Noch nicht ganz.
Nun, dann hole ich etwas weiter aus: Ich denke, Draggestattet einer Gesellschaft, sich von außen zu be-trachten und sich nicht so ernst zu nehmen. WeilDrag Queens personifizierte Beispiele dafür sind,dass alles Drag ist, von deinen Klamotten über deinesoziale Positionierung bis zu deinem Geschlecht.Alles ist veränderbar und im Fluss, wenndu das willst. Selbst das,was dir vonaußenzugeschrieben wird. Alles ist eine Rolle, die duspielst. Drag Queens und Drag Kings illustrieren ge-nau das und legen damit Möglichkeiten gesell-schaftlicher Veränderung frei, die viele Leute garnicht aushalten, weil du mit Drag viel von dem inFrage stellst, was die meisten dummerweise als ge-geben hinnehmen. In Amerika ist es jetzt wiedermöglich, diese Fragen zu stellen – und vielleicht auchnötig.
Und warum brauchen Männer in Deutsch-land „RuPaul‘s Drag Race“?
Weil Drag auch in der schwulen Szene fast unsicht-bar geworden ist – und zwar weltweit. Die meistenSchwulen machen doch heute irgendeine Form vonstraight-acting, nach dem Motto: ‚Ich bin genausomännlich wie jeder Hetero und genauso normal!‘.Sind schwule Männer ja auch. Aber ein Mann kann ja trotzdem feminin sein. Und seit wann ist es eigent-lich ein Zeichen von Normalität langweilig zu seinund Geschlechterklischees zu bedienen?
Und das ändert sich, indem du Heidi Klumspielst?
Schätzchen, sag Heidi, sie kann mich mal – anrufen(lacht), wenn sie eine wirklich tolle Kandidatin se-hen möchte. Wer bei uns gewinnen will, muss nichtnur ein Top-Model sein, sondern auch ein talentier-ter Designer und eine begnadete Entertainerin.Außerdem müssen die Mädels bei all dem noch per-manent selbstständig denken und werden nichtfremdgesteuert. Das ist nicht so einfach. Wir hattenbuchstäblich Tausende von Bewerberinnen. Davonsind die neun Besten in der Show. Die repräsentie-ren das gesamte Spektrum von Punk über androgynbis Glamour.
Und die Gewinnerin wird wirklich deineNachfolgerin?
Das hoffe ich sehr. It‘s very lonely at the top. Ichsehne mich nach etwas Gesellschaft hier oben.I
NTERVIEW
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AUL
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CHULZ
„RuPaul’s Drag Race“, ab 24. April freitags 20.15 Uhr, TIMM
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Drag Queen RuPaul über ihre neue Castingshow auf TIMM
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