Organismus und schließlich, wie viele(unabhängige) Untersuchungen zeigen, zufatalen Folgen. Hier ist neben der absolu-ten (temporären) Strahlungsintensität,auch die Dauereinwirkung (Dosis) zu be-achten. Hinsichtlich der Ein- und Auswir-kungen sowie Schädigungen durch EMFan lebenden Organismen sind bereits zum jetzigen Zeitpunkt vielerlei Effekte unbe-stritten herausgearbeitet, von denen einigehier aufgezählt werden sollen:Ein einfacher
und häufig geführter Nach-weis kann die unmittelbare
Blutbildver-änderung
bei einem Handy-Gespräch be-legen: Nach einer Dauer von 90 Sekundentritt beim Probanden eine Anordnungbzw. Verklumpung der roten Blutkörper-chen (Erythrozyten) in Form einer so ge-nannten Geldrollenbildung auf, welchesich erst 40 Minuten nach dem Gesprächwieder abbaut. Der gleiche Effekt tritt so-gar, in abgeschwächter Form, noch bei Per-sonen in 1,7 m Entfernung auf. Auswir-kungen auf die Sauerstoffversorgung desGehirns sind damit vorprogrammiert. Inverschiedenen Arbeiten wurde bereits inden 70er Jahren festgestellt, dass eine mo-dulierte 147-MHz-Strahlung eine
Gehirn-stromveränderung
bei Katzen bewirkt.Die Beeinflussung der Hirnaktivität anmenschlichen Gehirnen wurde durch v.Klitzung (1995) mit Hilfe eines üblichenEEG-Tests (Elektro-Enzephalogramm)nachgewiesen. Dies ist bereits bei einerLeistungsflussdichte von einem Tausends-tel des deutschen Grenzwertes der Fall.Bei Einwirkung von EMF treten
Störun-gen im Hormon- und Kalziumhaushalt
auf. Melatonin reguliert bei Lebewesenzahlreiche Funktionen im Bereich vonBiorhythmen (z.B. Schlaf), Fortpflanzung,Wachstum und Immunabwehr, wohin-gegen Serotonin Einfluss auf die Stim-mung (Depressionen!), Schlaf-Wach-Rhythmus, Nahrungsaufnahme, Schmerz-wahrnehmung und Körpertemperaturnimmt. Durch EMF-Belastung konntensowohl im Labor (Semm et al.1980) wie in(ungewollten) „Feldversuchen“ (FamilieKind, 2007) der Schwankungsverlauf vonMelatonin und Retikulozyten (Maß fürKnochenmarkaktivität) in Abhängigkeitvon der Bestrahlung, z.B. durch eine Sen-deanlage, korreliert werden. Danebenkann grundsätzlich eine Verschiebung desCa-Haushalts bei Bestrahlung festgestelltwerden, wie sie in einem Untersuchungs-fall demonstriert werden konnte (C. Wald-mann-Selsam, 2007). Das Ca
++
-Ion hatvielfältige Funktionen, wie Regulation derNerven- und Gehirnzellen, Beteiligung amAufbau des Melatonins und des Seroto-nins, sowie der Differenzierung von Zellenund es ist bei der Signalisierung von Zell-defekten (u.a. Hinweis auf Krebszellenbil-dung) beteiligt.Durch die Einwirkung von EMF werdenStröme induziert, welche an den Zellwän-den Ladungsverschiebungen verursachen.Die so genannte
Öffnung der Blut-Hirn-Schranke
lässt Zellen durchlässiger fürStoffe bzw. größere Moleküle werden, diedamit in den Hirnbereich eingeschleustwerden können (Salford et al., 2003). Dieswäre eine Erklärung für die zunehmenden„Fremdeiweißanhäufungen“ im menschli-chen Hirn. Als Folgen hierzu werden De-menz, Alzheimer, Parkinson, Autoimm-unerkrankungen und BSE diskutiert.Im EU-finanzierten REFLEX-Projekt(2004) von elf Forschergruppen aus siebeneuropäischen Ländern wurden isolierteZellen nach biologischen Effekten vonEMF weit unterhalb des gegenwärtigendeutschen Grenzwertes untersucht. Hier-bei wurden in verschiedenen Abstufungenbei den untersuchten Zellen jeweils deutli-che Hinweise auf
Gentoxität
(DNA-Schä-digungen) gefunden. Bei 0,01 W/m² tretenStörungen des zentralen Nervensystemsund bei 0,1 W/m² tritt Kanzerogenität(Krebsgefahr) auf. Die IARC (Internatio-nale Agentur für Krebsforschung, der WeltGesundheitsorganisation (WHO) zuge-hörig) hat bereits im Jahr 2001 die EMF abeiner Leistungsflussdichte von 120 µW/m²in die Liste der potenziell Krebs erregen-den Faktoren aufgenommen.
Epidemiologische Untersuchungen
vorallem im Ausland, zeigten die unmittel-baren Auswirkungen von Mobilfunkstrah-lung: Mild (1998) hat in umfangreichenUntersuchungen und Befragungen von11.000 Bürgern in Schweden und Norwe-gen Effekte bei unterschiedlicher Zeitdau-er von Handygesprächen herausgearbei-tet. Letztlich zeigen sich bei nahezu derHälfte der digital telefonierenden Proban-den nachteilige, dosisabhängige Sympto-me. Szmigielski et al. (1988) sprechen voneiner zweiphasigen Reaktion des Immun-systems auf HF-Strahlung. Nach einmali-ger Exposition kommt es zunächst zu einerStimulation des hormonellen Immunsys-tems. Hält die HF-Belastung über mehrereMonate an oder steigt die Intensität,kommt es zu einer Unterdrückung der Im-munabwehr.
Tierversuche
bieten die Möglichkeit, psy-chisch bedingte Effekte auszuschalten.Hierzu hat
Varga (2002) Hühnereier einerHF-Strahlung von 1.500 MHz bei einerLeistungsflussdichte von 0,1 bis 3 mW/cm² für eine kurze Dauer ausgesetzt. Indieser Versuchsserie wurde festgestellt,dass signifikant mehr missgebildete Hüh-ner (u.a. gespaltene Schnäbel, verquere Fü-ße, etc.) schlüpften und ebenso vermehrtHühnerembryos im Ei abstarben. MitStrahlungsversuchen konnte Repacholi(1997) an Mäusen Krebs hervorrufen. Inder Praxis kommt es immer wieder zu Erb-gutschädigungen, Missbildungen, und To-desfällen bei Tieren in der Umgebung vonMobilfunkanlagen (u.a. „Bayrisch-Hessi-sche Rinderstudie“, „Lilienfeld-Studie“).
Bäume
stellen grundsätzlich wirksameAntennen dar. Bereits seit 1930 wird vonSchäden an Pflanzen durch Einwirkungvon EMF berichtet. Typische Erscheinun-gen sind: Einrollen der Blätter und Einstel-len des Blattwachstums an der bestrahltenBaumseite, mit der Folge „nackter“ Äste.Daneben sind auch Aufplatzungen imStammbereich, sowie letztlich auch Wur-zelschäden zu beobachten (Report in„raum und zeit“; 2007). Diese Beobach-tungen decken sich mit den in der Litera-tur beschriebenen Baumschäden durchMikrowellen- und Radarbelastung, wobeiverschiedene Erklärungen zur Begrün-dung herangezogen werden können.
Späte Lehren aus frühen Warnungen
In der Entwicklung, Behandlung und Ab-wicklung von technischen (Fehl-)Ent-wicklungen haben die modernen Indus-triestaaten eine gewisse Routine ent-wickelt. Die Europäische Umweltagentur(EEA) hat mit einer ausführlichen Recher-che („Späte Lehren aus frühen Warnun-gen“ (dt.), 2004) von Fallbeispielen darauf hingewiesen. Die thematischen Schwer-punkte sind Fischsterben, Röntgen- undradioaktive Strahlung, Benzol, Asbest,PCB, FCKW, Östrogene, Antibiotika, TBT,Hormone in der Tierzucht und BSE.Den Ablaufphasen wohnt dabei offen-sichtlich ein typisches Ablaufschema inne:Am Anfang stehen Produktakzeptanz und
Fachberichte
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Sicherheitsbeauftragter 4/2009
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