nicht die gewählten Vertreter der Steuerzahler, sondern nur ein vomMinister eingesetzter „Lenkungsausschuss“ unter Leitung desFinanzstaatssekretärs Jörg Asmussen. Der Bundestag selbst, so beschlosses die Große Koalition im vergangenen Oktober, verzichtet ausgerechnet bei der umstrittenen Bankensanierung mit Staatsgeldern auf seinwichtigstes Recht: die Kontrolle über die Staatsausgaben.Ausschuss mit MaulkorbLediglich ein kleines Gremium von neun Abgeordneten aus demHaushaltsausschuss wurde eingesetzt, dem die Bankenretter einmal proSitzungswoche ihre Entscheidungen mitteilen. Immer am Freitagmorgentrifft die Gruppe mit Asmussen oder dem parlamentarischen Staatssekretär Karl Diller sowie Hannes Rehm, dem operativen Chef des Soffin, zusammenund darf Fragen stellen. Ablehnen oder ändern können die Parlamentarier die Beschlüsse jedoch nicht. Und selbst die Unterrichtung ist geheim.Weder ihren Kollegen noch ihren Wählern dürfen die neun Auserwählten dieerhaltenen Informationen weitergeben. Wer dagegen verstößt, dem drohteine Anklage wegen Geheimnisverrats und im schlimmsten Fall eineHaftstrafe von bis zu fünf Jahren. Handelt es sich also nur um eine pseudodemokratische Veranstaltung nach dem Modell Nordkorea? Und wievereinbaren die Abgeordneten das mit ihrem Selbstverständnis alsVolksvertreter?Rupprecht, ein smarter Dynamiker mit Oberpfälzer Akzent, kontert miteiner Gegenfrage: „Was wäre die Alternative?“ Würde der Bundestag öffentlich über die Staatshilfe für einzelne Bankendebattieren, „würde das doch sofort zu Verwerfungen auf denMärkten führen“, rechtfertigt er das Verfahren. Aktienwertekönnten abstürzen oder Banken ihren Kredit bei anderen Marktteilnehmernverlieren. Das Überleben der Geldkonzerne dürfe aber nicht vomParteienstreit abhängig sein. Gewiss, die Öffentlichkeit würde mehr erfahren, „aber das Ergebnis wäre nicht Klarheit, sondern nochviel größere Unsicherheit“, behauptet er. Insofern sei dasGeheimgremium „der beste Kompromiss“. Und schließlich, soversichert er, werde dort „scharf nachgehakt, gerade auch vonmir.“ Auch Carsten Schneider, Sprecher für Haushaltspolitik beider SPD-Fraktion, hat mit dem Konstrukt kein Problem. Schließlich seidies „eine bewusste Entscheidung“ gewesen und ohnehin wolleer sich „nicht anmaßen, zu entscheiden, welche Bank Bürgschaftenund Kapitalhilfen erhält“. Das liege „bei der Exekutive“ in guten Händen.Linkspartei: Das Parlament hat sich entmündigtDas sieht Roland Claus, der für die Linksfraktion dabei ist, naturgemäßanders. Das Parlament habe „sich entmündigt“, klagt der Abgeordnete aus Sachsen-Anhalt, und seine Sorgenfaltenmiene zeigt an,wie schwer ihm die Mitarbeit in dem rechtlosen Ausschuss fällt. Indirektübernehme er schon „die Mitverantwortung für die Täuschung der Öffentlichkeit“, gesteht er. Gleichwohl sei das Gremium
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