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Mein Deutschland(2)
»Hitlers Tagebücher entdeckt«:Michael Jürgs über denPresseskandal schlechthin
POLITIK
SEITE 21
Preis Deutschland 3,60 € 
Preise im Ausland:
DKR 40,00/FIN 6,20/E 4,70/Kanaren 4,90/F 4,70/NL 4,20/A 4,00/CHF 6,80/I 4,70/GR 5,30/B 4,20/P 4,70/L 4,20/HUF 1420,00
I
rgendwann werden sie wieder einkaufen ge-hen, werden es müssen, weil einfach nichtsmehr im Haus ist – nichts zu essen, kein
Shampoo, kein Toilettenpapier. Und sie wer-
den sich dabei ertappen, dass sie die Eierwaffelnoder die Müsliriegel oder die Frucht-Smoothiesin den Wagen legen, die sie immer kaufen, weilihre Tochter sie so gern mag – so gern mochte.
Irgendwann wird das letzte T-Shirt aus der Wäsche
auftauchen, das ihr Kind getragen hat vor demTag, an dem es ermordet wurde, und sie werdensich fragen, wo sie das jetzt hinlegen sollen. Ir-gendwann, ziemlich bald, wird das fiebrige Inte-resse der Öffentlichkeit sich abwenden von Win-nenden, vom Amoklauf und von den Opfern
einer Gewalttat, die so routiniert durcherklärt und
zugleich als unerklärlich abgestempelt worden ist wie kaum eine zuvor. Dann sind sie allein, die
Eltern der getöteten Kinder, mit einer unerträglich
langen grauen Strecke Leben vor sich.»Nichts ist mehr, wie es war«, hat Bundesprä-sident Horst Köhler in seiner Trauerrede beimGedenkgottesdienst gesagt. Für die Eltern unddie Geschwister stimmt das. Aber für den Restder Gesellschaft? Sechs Familien haben sich ineinem offenen Brief an den Bundespräsidenten,die Bundeskanzlerin und den Ministerpräsiden-ten von Baden-Württemberg gewandt, weil sie wollen, dass sich nicht nur für sie, sondern füralle etwas ändert. Sie fordern Altersbeschränkun-gen und technische Abrüstung im Schießsport, weniger Gewalt im Fernsehen, das Verbot vonmenschenverachtenden Computerspielen, einebessere Kontrolle verhetzender Internetforen,eine zurückhaltende Berichterstattung über Amokläufe in den Medien. Maßvolle Forderun-gen, die jeweils nur geringe Einschränkungen füreinzelne Bürger, Institutionen und Interessen-gruppen mit sich brächten – besonders, wennman sie im direkten Vergleich mit den Leidender Opfer und ihrer Angehörigen betrachtet. Aber so leicht wird sich diese Gesellschaftnicht ändern. Die Tränen der Fernsehzuschauer werden kaum getrocknet sein, da wird die Waf-fenlobby wieder tausend Gründe finden, warumes einer Menschenrechtsverletzung gleichkommt, wenn Sportschützen ihre Munition im Vereinoder bei der Polizei lagern müssen, getrennt vonihren Waffen. Die TV-Programmverantwort-lichen werden ihr Programm unter Verweis auf Publikumsgeschmack, Quote und Satelliten-empfang exakt so gestalten wie bisher. Die Com-puterspiellobby wird weiterhin so tun, als seiennoch ihre abscheulichsten Produkte zugleichLernmodule der digitalen »Wissensgesellschaft«.»Gamer« werden bis zum Jüngsten Tag die tolleGrafik ihrer Spiele preisen und darauf pochen, esgebe keine »Beweise« dafür, dass Spiele, in denenzermatschte Aliens von den Wänden herunter-tropfen, gefährlich seien.Die Netzapologeten werden wie immer auf-heulen bei dem Gedanken an irgendeine syste-matische Kontrolle ihrer geliebten rechtsfreienChaträume – Internetanbieter zucken ja bereitsbeim Versuch der Familienministerin zusam-men, den Zugang zu Seiten mit kinderpornogra-fischen Inhalten zu sperren. Und die Medien? Sie werden über das nächste Massaker – wieder wirdes ein junger Mann mit einer Neigung zu Waffenund digitaler Unkultur veranstalten, und seineEltern werden rein gar nichts gemerkt haben –genauso dramatisch berichten wie über dieses,und das Publikum wird’s lesen, lesen, lesen undsehen, sehen, sehen wollen.Der andere Verlauf, das ist der unwahrschein-liche. Aber es ist immerhin möglich, dass die lei-sen Stimmen der Eltern von Winnenden eineSekunde der Stille erzwingen. Eine Sekunde, inder wir uns entscheiden könnten, den beschwer-lichen Weg zu nehmen. Das hieße dann, sichvon der bequemen Phrase zu verabschieden, Ver-bote nützten nie etwas. Das hieße, dass massen-haft Einzelne – in Redaktionen, auf Elternver-sammlungen, in Bundestagsausschüssen – an-fangen müssten, sich gegen einen Anspruchs-und Gleichgültigkeitsliberalismus zu stellen, der jedem sein Hobby gönnt, seine großkalibrige Waffe, seine Pornofotos, sein Internetmobbing.Da ginge es um eine Haltung des kollektiven,freiwilligen, aber eben verbindlichen Verzichts: Weil Killerspiele und Horrorvideos und beson-ders echte Beretta-Pistolen nicht gut sind für ge-fährdete Jugendliche, müssten alle Konsumentenihren Umgang damit mäßigen.
Wir müssen uns einmischen in das Leben unserer Kinder 
Da ginge es, außerdem, um die Bereitschaft zurEinmischung: Nichts gilt heute als schlimmer, alsEltern für ihren Erziehungsstil zu kritisieren. Aber genau das müssten wir tun: es manchen El-tern nicht durchgehen lassen, dass ihre Kinderandere quälen. Und diejenigen ansprechen, dieihre Kinder niemals loben. Vor allem aber müss-ten wir uns einmischen in das Leben unsererKinder. Viel zu leichtfertig haben wir die Sicht- weise akzeptiert, die Jugendlichen lebten in ihrereigenen Welt, einer digital geprägten Kultur, vonder Erwachsene nichts verstünden und zu der sieauch nichts sagen dürften. Eine große Gefahrvon Netz und Spielkonsole besteht in ihren ge- walttätigen Inhalten – aber die vielleicht nochgrößere darin, dass diese Medien zwischen dieMenschen treten und das Gespräch der Genera-tionen abschneiden. Es hilft alles nichts: Wirmüssen uns neben die Jugendlichen setzen unduns den ganzen Müll ansehen, den sie sich ein-verleiben und verbreiten, und wir müssen ihnenden Respekt entgegenbringen, ihnen zu sagen,dass es Müll ist. Und wenn es nötig ist, müssen wir bis drei Uhr morgens mit ihnen darüberstreiten. Nur dann besteht die Chance, dass nichtalles so bleibt, wie es ist, in dieser Gesellschaft.
Sekunde der Stille
Angehörige der Opfer von Winnenden haben sich an die Öffentlichkeitgewandt. Hörte ihnen nur jemand zu!
 VON SUSANNE GASCHKE
www.zeit.de/audio
ZEIT-Plagiat
Das von Attac in 150 000 Exem-plaren verbreitete Plagiat der
 ZEIT,
 datiert auf den 1. Mai 2010, bietetauf halbierter Größe die Visioneiner sozial und ökologisch befrie-deten Weltordnung, in der Ent- wicklungsländer eine faire Chancehaben, Raffgier bestraft, Opel ge-rettet wird und Mehdorn nichtmehr Bahnchef ist. Wie bisher be-fördert die
 ZEIT 
diese Ziele nachKräften, wird aber auch 2010 beiihrer alten Größe bleiben.
GRN.
PROMINENT IGNORIERT
DIE ZEIT 
WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR
Nr. 14 26. März 2009 
NR.
ZEIT Online GmbH: www.zeit.de;ZEIT-Stellenmarkt: www.jobs.zeit.deZeitverlag Gerd Bucerius GmbH
&
Co. KG,20079 HamburgTelefon 040 / 32 80 - 0; E-Mail:DieZeit@zeit.de, Leserbriefe@zeit.de Abonnentenservice:Tel. 0180 - 52 52 909*,Fax 0180 - 52 52 908*,E-Mail: abo@zeit.de
*) 0,14 €/Min. aus dem deutschen Festnetz,Mobilfunkpreise können abweichen
14
ONLINE
Führen in der Krise: Waszeichnet gute Manager inschwierigen Zeiten aus?
 a 
www.zeit.de/debatte/gute-manager
Ein Gespräch mit demForscher H. J. Schellnhuber,der wie kein anderer warnt
DOSSIER
SEITE 17
 Wie Oda Jaune, die Witwedes großen Jörg Immendorff,zum Gesamtkunstwerk wird
MAGAZIN
SEITE 10
Das Klima ist allesOda an die Kunst
SCHWARZcyanmagentayellow
Nr. 14DIE ZEITS. 1
Nr. 14
S.1
SCHWARZcyanmagentayellow
DIE ZEIT
64. Jahrgang C 7451 C
Und jetzt auch noch die
Sparkassen
Sie müssen für marode Landesbankengeradestehen und Krediteabschreiben: Die Lieblingsinstituteder Deutschen geraten ins Wanken
WIRTSCHAFT
SEITE 23
J
e schlimmer die Krise, desto größer der Wunsch nach Gemeinsamkeit. In der Notsollen die führenden Länder zusammen-stehen, deren Regierungschefs sich nächste Woche in London treffen. Doch wie schon nachden Terrorangriffen von 2001 oder im Kampf 
gegen den Klimawandel droht eine Enttäuschung. Allen Annäherungen zum Trotz wirft Amerika den
Europäern vor, nicht genügend Milliarden für dieKonjunktur auszugeben. Und Europa verdächtigt
die Amerikaner, sie wollten die globale Regulierung 
der Finanzmärkte unterlaufen.Das ist mehr als nur Gezänk. Die Alte und dieNeue Welt unterscheiden sich in ihren Werten,
Erfahrungen und volkswirtschaftlichen Strukturen.
Und die neuen Mächte von China bis Brasilienbringen wiederum eigene Vorstellungen mit. DieUnterschiede sind zu groß, als dass gemeinsameErklärungen sie beseitigen könnten. Natürlich ist
es gut, wenn die Welt zusammenhält, um zum Bei-
spiel die Gefahr des Protektionismus abzuwehrenoder kleine Länder im Osten und Süden der Welt
aufzufangen, die nun als Folge der Finanzkrise un-
verschuldet zu kollabieren drohen. Aber: Die Re-
gierungen müssen nicht alles gemeinsam regeln, sie
können zu ihren Unterschieden auch stehen.
 Amerikanische Politiker und Ökonomen zwei-feln derzeit mit Vorliebe am Sachverstand der deut-
schen Regierung, weil sie zu wenig gegen den Ab-schwung unternehme. Die keilt zurück, vielleicht
sollten die lieben Kollegen mal die Zahlen prüfen.Stimmt, die Bundesrepublik stützt die Konjunkturin diesem und im nächsten Jahr mit rund zwei Pro-
zent der Wirtschaftsleistung und braucht sich damit
nicht zu verstecken. Im Sommer dürfte Peer Stein-brück sogar weiteres Geld aufnehmen, um die So-
zialkassen aufzufüllen. Auch das Argument, die
Deutschen müssten mehr tun, weil sie es sich noch
leisten könnten, ist absurd: Sollen wir jetzt dafür
büßen, dass wir sparsamer gewirtschaftet haben als
andere Industrieländer?
Berlin hat verhindert, dass Europa gemeinsam die Konjunktur stützt 
Doch in einem haben die Amerikaner recht: Berlinhat lange verhindert, dass die Europäer gemeinsam
die Konjunktur stützen – mit dem Ergebnis, dass
unsere Handelspartner Frankreich und Italien kaum
etwas gegen den Abschwung tun. Die Länder Eu-ropas treiben fast zwei Drittel ihres Handels mit-einander, und teilweise unterhalten sie dieselbe Währung; sie müssen sich auch gemeinsam derKrise erwehren. Das haben die Deutschen zum
Schaden der eigenen Exporte ignoriert. Erst als die Amerikaner lautstark Konjunkturpakete forderten,
 wurde Angela Merkel zur Europäerin – und orga-nisierte das gemeinsame Nein. Immerhin fahrendie Europäer geeint auf den G-20-Gipfel.
Dort prallen unterschiedliche Traditionen auf-einander. Das kollektive Gedächtnis der Amerika-
ner fürchtet vor allem Deflation und Depression,
 wie das Land sie vor dem Zweiten Weltkrieg erlebthat. Also geben die Vereinigten Staaten in der Kri-
se eher zu viel als zu wenig Geld aus und nehmendas Risiko einer künftigen Inflation in Kauf. Die
Deutschen dagegen wurden geprägt von der Erfah-
rung der Hyperinflation; ihre Angst vor Geldent- wertung bestimmt den Stabilitätspakt des Euro. Amerika ist – im Namen der individuellenGlückssuche – dafür geschaffen, sich abrupt zuverändern. Die Wirtschaft ist flexibler. Und wennes abwärtsgeht, ist der Staat zu massiven Gegen-
maßnahmen gezwungen, weil das schwache sozia-le Netz die Arbeitslosen nur ein bis zwei Jahre hält.Deutschland und seine Nachbarn haben einen stär-keren Sozialstaat. Die Industrie ist zwar innovativ, wandelt sich in ihrer Struktur aber langsam. Wenn
die Regierungen riesige Schulden auftürmen, er-schrecken sich die Bürger und kaufen weniger.
So gesehen, fiel es den Amerikanern auch leich-
ter, sich auf das Abenteuer freier Finanzmärkte
einzulassen.
Boom and bust,
Aufstieg und Fall, gehö-
ren dort zur kapitalistischen Normalität. Washing-
ton will nun zwar die Finanzbranche neu regulieren.
 Aber um den Banken ihre Schrottpapiere abzukau-
fen, paktiert man mit den Finanzjongleuren von
der Wall Street und wird sie schon deswegen nicht
mit zu vielen Regeln drangsalieren.
Die gute Nachricht: Die Europäer können vie-les allein regeln. Lange genug haben sie an dem vonden Angelsachsen bekräftigten Irrtum festgehalten,die Welt könne nur gemeinsam ihre Finanzmärkteordnen. Selbst ein einzelnes EU-Land wie Spanien
hat seine Banken mit geschickten Regeln vor dem
großen Abenteuer bewahrt. Die müssen im Boommehr Eigenkapital horten als in schwachen Phasen
und gehen deshalb weniger Risiken ein. Die EU
sollte von Spanien lernen. Zur Not können die Eu-
ropäer auch allein vorschreiben, dass jedes neueFinanzinstrument der Banker öffentlich geprüft
 wird. Das wäre ein Standortvorteil, kein Nachteil.
Sie können Hedgefonds unter strenge Aufsichtstellen, ohne dass es ihnen die Kapitalzufuhr ab-schneidet. Europa ist zu groß, als dass Investorenaus Übersee unseren Kontinent meiden könnten.
Der Utopie von der vollendeten Gemeinsamkeit
 würde dagegen nur der Frust folgen. Und selbst
 wenn alle großen Länder dasselbe wollten, könnte
es doch das Falsche sein. So hatte die Welt sichschon vor der Krise auf die Basel I und Basel II
genannten Bankenregeln verständigt. Doch so gut
sie gemeint waren, ermutigte Nummer eins die
Institute, sich mit kurzfristigen Krediten in Gefahrzu begeben. Nummer zwei vertraut zu sehr darauf,
dass die Banken selbst ihr Risiko abschätzen. AmEnde wähnt sich dann jede einzelne Bank sicher, während das System zusammenbricht.Man sieht: Einigkeit heißt noch nicht Sicher-heit. Besser, die Nationen wetteifern um die besteVorgehensweise. Damit London ein Erfolg wird,sollten die G-20-Staaten zwar ihren Egoismus zü-geln, sich aber zu ihren Unterschieden bekennen.Der Welt würde es guttun.
Notfalls ohne Obama
Gute Nachrichten vor dem Gipfel: Wenn Amerika nicht mitmacht, kannEuropa seine Finanzmärkte auch allein regeln
 VON UWE JEAN HEUSER
www.zeit.de/audio
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   G  r  a   f   i   k  :   D   Z
 Fotos (v.o.n.u): Nan Goldin für DIE ZEIT; FAN/a-life;Attac
 
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Nr. 14DIE ZEITS. 2
Nr. 14
S.2
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DIE ZEIT
2
 26. März 2009 DIE ZEIT Nr. 14 
POLITIK
D
er Brief verließ die Hauptstadt Anfangder Woche. Der Absender: Peer Stein-brück, Bundesminister der Finanzen,
Berlin. Der Empfänger: Paul Krugman,
 Wirtschaftsprofessor an der Universität Princeton,
USA. Der Inhalt: Eine Einladung nach Deutschland.
Steinbrück will sich mit seinem prominentestenKritiker treffen, seinem ärgerlichsten Widersacher,diesem Störenfried aus Amerika. Sein Brief ist mitdem Kanzleramt abgestimmt.Seit Monaten arbeitet sich Krugman, der No-belpreisträger und Kolumnist der angesehenen
New York Times,
an Steinbrück ab: Das BerlinerKabinett bestehe aus
boneheads,
aus Holzköpfen.Deutschland begreife »das ungeheure Ausmaßdieser Krise« nicht. Und Vergleichbares zur »ah-nungslosen Hetze« des Finanzministers bekämeman in den USA »nur von Republikanern zu hö-ren«. Für einen deutschen Sozialdemokraten istdas die verbale Höchststrafe.
Entsprechend einsilbig reagiert Steinbrück, wenn
man ihn auf Krugman anspricht. Ein Experte, dereinen Politiker beschimpft, das ist an sich nichts
Besonderes. Doch dieser Fall liegt anders. Das zeigt
schon Steinbrücks Brief. Krugman gilt in der SPDals Vorzeigevolkswirt, auch der Finanzminister hatseine Bücher gelesen. Jetzt muss sich der Deutscheausgerechnet von diesem Amerikaner »mangelnde
intellektuelle Beweglichkeit« vorwerfen lassen – er,
der sich selbst für den geborenen Krisenmanager
hält. Und Krugmans Kritik zieht Kreise. In den Late-
Night-Shows des US-Fernsehens verspotten sie deneigenwilligen Herrn »Schteinbrrruuuck« bereits als
Sinnbild des Starrsinns, als
bonehead 
eben.
Die Krisenerfahrung der USA ist eineandere als die der Deutschen
Dies sind keine glücklichen Tage für den Finanz-minister. Ein Schweizer Abgeordneter beschimpft
ihn als Nazi-Schergen, weil er dem Nachbarland im
Kampf gegen Steuerhinterziehung eine härtereGangart androhte. Und zu Hause in Deutschland
muss er erleben, dass seine Partei sich wieder einmalan Plänen berauscht, von denen er selbst wenig hält:
Staatshilfen für Opel etwa.
Lange hat Steinbrück davon träumen dürfen, alserster Finanzminister seit 40 Jahren ohne zusätzliche
Staatsschulden auszukommen. Nun muss er diehöchste Neuverschuldung überhaupt ausweisen.Zwischenzeitlich durfte er dafür den obersten Kri-
senmanager neben der Kanzlerin geben. Aber dieseRolle macht ihm – je mehr die Finanzkrise zur Wirt-
schaftskrise wird – der neue Wirtschaftsminister
streitig. Die wirtschaftspolitische Strategie der SPD
 wiederum bestimmt jetzt der Außenminister undKanzlerkandidat. Steinbrück fügt sich Steinmeier,aber Vertraute berichten, dass zwischen die beiden
stones 
längst mehr passt als nur ein Blatt Papier. Auch
Steinmeier will Opel mit Staatshilfen retten.
Und dann ist da noch dieser einflussreiche Ame-rikaner, dessen neuestes Buch auch in Deutschland
schon wieder auf der Bestsellerliste steht.
Krugman versus Steinbrück: Das ist mehr als nur
ein Dissens zwischen Professor und Politiker, zwi-
schen zwei Männern, die einander charakterlich sehrähneln. Es ist der personifizierte Streit über die rich-tige Politik in dieser Phase der Krise. Vor allem mehrGeld für die Konjunktur – das wollen die Amerika-
ner, das will Krugman. Vor allem eine bessere Re-
gulierung der Finanzmärkte – das wollen die Deut-schen, das will Steinbrück. Diese Debatte wird den
zweiten Weltfinanzgipfel kommende Woche inLondon prägen. Wer hat das bessere Krisenrezept?Und wer setzt sich durch?Es ist wie in der Geschichte vom Hasen unddem Igel – wo Steinbrück hinkommt, war Krug-
man schon. Brüssel, am Dienstag der vergangenen
 Woche. Im Gebäude der EU-Kommission, an ei-
nem Redepult mit der Sternenflagge Europas drauf,
steht ein vollbärtiger Universitätsprofessor und
verteilt Schulnoten. »Ungenügend« sei das Krisen-management der EU, lästert Krugman, und wieder
müssen sich vor allem die Deutschen vorhalten
lassen, sie würden sich gegen notwendige Konjunk-
turhilfen stemmen. Zwei Tage später reist Stein-
brück nach Brüssel. Auf ihrem Gipfeltreffen kön-
nen sich die 27 Staaten Europas gerade mal dazudurchringen, weitere 5 Milliarden Euro aus EU-
Haushaltsmitteln in Investitionen umzuleiten. Diedeutsche Delegation feiert das als Erfolg. Insgesamt300 Milliarden Euro geben die Staaten der EU in-zwischen für Konjunkturprogramme aus – gemes-
sen an den 1,3 Billionen Dollar der USA, ist dasein eher geringer Betrag.»Angemessen« nennt das Steinbrück.»Europa patzt«, lästert Krugman.
Krugman überzieht, er polemisiert, geht häufig 
zu weit. Der 56-Jährige sieht sich als Kämpfer gegen
die ökonomische Dummheit – nicht erst, seit er2008 den Nobelpreis gewann. Dazu gehört dannauch die gesunde Selbstüberschätzung, die Ursa-chen der Krise früh gesehen zu haben. In seinem
neuen Buch – einer aktualisierten Auflage des zehn Jahre alten Bestsellers
Die große Rezession
– geht erhart mit der Zinspolitik des früheren Notenbank-
chefs Alan Greenspan ins Gericht. Dass er Green-
span in der ursprünglichen Fassung von 1999 noch
hoch gelobt hatte? Ist heute vergessen. Auch Steinbrück ist der festen Überzeugung,zeitig gewarnt zu haben. Dieses Selbstverständnis
des Finanzministers beruht auf seiner Initiative aus
dem Frühjahr 2007, als er im Rahmen der deutschen
EU-Präsidentschaft die Hedgefonds stärker kontrol-lieren wollte. Die britische Regierung lehnte das ab.
Heute verweist Steinbrück genüsslich darauf, dassman die Finanzmärkte schon früh habe regulieren wollen. Überzeugend ist das nicht. Wenn ein Gut-
achter die Stabilität eines Hauses bemängelt und auf 
den Schimmel an den Wänden verweist – kann er wirklich behaupten, er habe gewarnt, wenn kurzdarauf die Gasleitung in die Luft fliegt?Der Streit zwischen Krugman und Steinbrück,zwischen Amerikanern und Deutschen, hat vielmit einer tiefen gesellschaftlichen Prägung zu tun.Das amerikanische Verständnis von Konjunktur-politik in der Krise speist sich aus den Erfahrun-gen der Großen Depression 1929, aus Massen-arbeitslosigkeit und Verelendung. Amerikanerglauben, dass eine Regierung im wirtschaftlichen Abschwung früh reagieren muss – durch Steuer-senkungen oder höhere Staatsausgaben –, um das Abrutschen in die Depression zu verhindern. Auch um den Preis steigender Staatsschulden.Die deutsche Prägung ist eine andere: Sie resul-tiert aus den Jahren 1923/24, aus der Zeit vonHyperinflation und Geldentwertung, riesigerStaatsverschuldung und drohendem Staatsbank-rott. Deutsche Politiker warten lieber ab, bevorsie viel Geld ausgeben, sie versuchen, den best-möglichen Zeitpunkt für Staatshilfen zu erwi-schen, selbst wenn man diesen Punkt naturgemäßerst hinterher kennt.
Beim nächsten Konjunkturpaket wird sich Steinbrück wieder vergeblich wehren
 Wenn aus den USA wieder die Forderung nach
Mehrausgaben kommt, entgegnet Steinbrück, dass
es sinnlos sei, ständig über neue Konjunkturpro-gramme zu reden, solange man nicht die alten Be-schlüsse umgesetzt habe. Tatsächlich hat die Bun-desregierung ein Konjunkturpaket geschnürt, daszwar groß ist, aber so schnell nicht wirken wird.
Insgesamt 50 Milliarden Euro wollen die Deutschenausgeben, verteilt über zwei Jahre. Von den geplan-ten Investitionen in Straßen und Schienen ist bisher
aber noch keine einzige verabschiedet worden; derKinderbonus von 100 Euro kommt erst im April;die Entlastung der Bürger mit niedrigeren Steuernund Abgaben erst im Juli.Inzwischen schließen auch Steinbrück wohl-
gesinnte Sozialdemokraten nicht mehr aus, dass dieRegierung in den kommenden Monaten noch ein-
mal nachlegen muss. Der Finanzminister dürftedann zwar alles tun, um den Begriff vom »dritten
Konjunkturpaket« zu vermeiden. Und er wird sich,
 wie immer, gegen weitere Staatsausgaben wehren.
 Aber am Ende wird Steinbrück nachgeben müssen.
 Wie so häufig in den vergangenen Monaten.Berlin, am Montag dieser Woche. In der Aka-demie der Künste, direkt am Brandenburger Tor,steht der Finanzminister und hält sich mit beiden
Händen an seinem Rednerpult fest. Er soll eine Lau-datio auf Jean-Claude Juncker halten, den Premier-minister von Luxemburg. Der war von SteinbrücksSteueroasenkampagne zuletzt so genervt, dass er sich
über die »deutsche Kraftmeierei« beschwerte. Jetztsitzt Juncker in Reihe eins, verschränkt die Armeund streckt entspannt die Beine aus.Steinbrück spricht ganz ruhig, fast leise, er istsichtlich getroffen von der Kritik der letzten Tage,vom Nazi-Vergleich und den anderen Schmä-hungen aus der Schweiz. In der Sache – seinerKritik an Steueroasen – bleibt er hart. Im Grundeverkörpert der Finanzminister für viele Deutsche ja das Ideal des standfesten Politikers, der auchmal unpopuläre Positionen einnimmt. Doch derGrad zwischen Standfestigkeit und Sturheit istschmal. Und wenn Steinbrück etwas Richtigesvertritt, geschieht das oft in einer Weise, die ihnselbst ins Zwielicht rückt.Der Schweizer Finanzminister Hans-Rudolf 
Merz jedenfalls will seinen deutschen Amtskollegen
so schnell nicht treffen. Der amerikanische Ökonom
Paul Krugman aber wird die Einladung nach Berlin
 wohl kaum ausschlagen. Die Chance auf eine Pri-
vatvorlesung lässt sich der Professor bestimmt nicht
entgehen.
www.zeit.de/audio
Christa Wolf: »Mein Deutschland«.
Im drit-ten Teil der
 ZEIT-
Serie schildert die Schrift-stellerin, wie die SED auf dem »Kulturple-num« 1965 mit kritischen Schriftstellern undKünstlern der DDR abrechnete. Wolf tratdamals ans Rednerpult. Sie erinnert sich: »Ich wusste, dass ich nicht mehr schreiben könnte, wenn ich hier schweigen würde«
POLITIK
Warum, Herr Schröder?
Fünfzig Prozent derDeutschen verstehen nicht, warum sich derfrühere Bundeskanzler so eng mit RusslandsMinisterpräsident Putin verbündet. Ein Ge-spräch über Menschenrechte, die russischeSeele und die Lust, noch einmal als Kanzlerin den Ring zu steigen
MAGAZIN
Wer denkt für morgen?
Wir haben uns auf die Suche nach Ideen gemacht, die für dieZukunft gebraucht werden. In einer
 ZEIT-
Serie stellen wir jede Woche Menschen vor,deren Denken über den Tag hinaus Gewichthat. In der ersten Folge porträtieren wir dieindische Ökologin Sunita Narain (Foto), diefür Alternativen zum Auto kämpft, und denamerikanischen Wirtschaftstheoretiker Ro-bert Shiller, der das ökonomische Menschen-bild vom Kopf aufs Gefühl stellt
WISSEN
Ein Hitzkopf ruft »Holzkopf«
Finanzminister Peer Steinbrück nimmt sich die Schelte eines prominenten Kritikers zu Herzen
 VON MARC BROSTMAIL AUSNÄCHSTE WOCHE IN DER ZEITWORTE DER WOCHEZWEI ÖKONOMEN
mit einer einseitigen Beziehung: Steinbrück (rechts) schätzt Krugman; dieser hält wenig von ihm
»Ja, ich glaube schon.«
Angela Merkel,
Bundeskanzlerin, auf die Frage, ob siedie richtige Regierungschefin sei, die Krise zu meistern
»Wer glaubt, diese Krise sei nur einBetriebsunfall, der irrt gewaltig.«
Frank-Walter Steinmeier,
Bundesaußenminister,über die Krisenpolitik der Kanzlerin
»Die Rede von Steinmeier vorden Opel-Arbeitern war zumindestversuchter Betrug.«
Wolfgang Schäuble,
Bundesjustizminister, über denEinsatz seines Kabinettskollegen Steinmeier
»Die Krise ist keine Kulissefür Schaukämpfe.«
Horst Köhler,
Bundespräsident, über Konflikte in derBundesregierung
»Mir ist egal, ob die Politik überfordert ist. Ihr Job ist es, dasLand in die Zukunft zu führen, unddas tut sie zurzeit nicht.«
Volker Hauff,
Vorsitzender des Rates für NachhaltigeEntwicklung, über den Zustand der Bundesregierung
»Ich nenne das kaltblütigen Mord.«
Ein israelischer Soldat
über einen Einsatz seinerEinheit, die angeblich ein Haus in Gaza Etage fürEtage durchkämmt und alle Bewohner erschossen hat
»Die israelische Armee ist eine dermoralischsten weltweit.«
Ehud Barak,
israelischer Verteidigungsminister, überBerichte, die die Brutalität israelischer Soldaten imjüngsten Gaza-Krieg bezeugen
»Der schwedische Staat ist nicht in derLage, Autofabriken zu besitzen.«
Maud Olofsson,
schwedische Wirtschaftsministerin,über die Entscheidung ihrer Regierung, demAutokonzern Saab staatliche Beihilfen zu verweigern
»Es ist ein trauriger Tag für Südafrika.«
Mandla Mandela,
Präsidentschaftskandidat undEnkel von Nelson Mandela, nachdem südafrikanischeBehörden dem Dalai Lama die Einreise weigerten
ZEITSPIEGEL
Ausgezeichnet
Die
ZEIT-
Redakteure Kerstin Kohlenbergund Wolfgang Uchatius werden für ihr Dos-sier
Wo ist das Geld geblieben? 
 
(ZEIT 
Nr.49/08) mit dem renommierten Herbert-Riehl-Heyse-Preis der
Süddeutschen Zeitung 
 ausgezeichnet. Wochenlang haben die beidennach dem Verbleib der Milliarden geforscht,die Firmen und Privatleute aufgrund der Weltfinanzkrise verloren haben.Dirk Asendorpf,
 ZEIT-
 Autor, nimmtEnde des Monats in Heilbronn den Robert-Mayer-Preis entgegen. Ausgezeichnet wird erfür seine Berichte über Probleme der Energie-versorgung, die in der
 ZEIT,
in anderenPrintmedien und im Rundfunk veröffentlicht wurden.
DZ
Moskau
 VON:
johannes.voswinkel@zeit.de
BETREFF:
Schauprozess im Kabinett
Die Residenz des Premierministers liegt gut20 Kilometer westlich von Moskau und istvon eher bescheidener Eleganz. Die Journalis-ten warten im Billardzimmer, traditionell beiTee und Zwieback. Das Treffen Putins mitzwei seiner Minister ist für 16 Uhr angekün-digt, aber der Regierungschef ist berüchtigtfür seine Verspätungen.Um 20 Uhr, ist es so weit: Schwarze Li-mousinen fahren vor. VizepremierministerDmitrij Kosak, zuständig für die Olympi-schen Winterspiele in Sotschi 2014, und derUmweltminister Jurij Trutnjew stehen gerade,als Putin in den Raum eilt. Alle drei setzensich. Putin richtet eine Frage an den Umwelt-minister und unterbricht dessen Antwortgrantig im ersten Satz.Nun wird es klar: Die Journalisten solleneiner höchstamtlichen Schelte Trutnjews bei- wohnen. Eine Woche zuvor hatte jener mitseiner Aussage, auf den Baustellen in Sotschiherrsche Chaos, wohl für Verärgerung bei sei-nem Vorgesetzten gesorgt. Putin zischt einigeFragen hervor zu Robbenjagd, Leoparden-schutz und Pipelinebau, und Trutnjew be-müht sich, mit seinen Antworten den Flur-schaden gering zu halten. Nach zehn Minutenist die kleine Inquisitionsrunde vorbei. Drau-ßen tritt Trutnjew vor die Journalisten undsagt Sätze wie »Ich habe Wladimir Wladimi-rowitsch Bericht erstattet« und »Wladimir Wladimirowitsch hat mir den Auftrag erteilt,die Baustellen zu inspizieren«. Es ist fast 21Uhr abends.
Brüssel
 VON:
jochen.bittner@zeit.de
BETREFF:
Irland ist wieder da
Michaels Hände sind noch mit Farbe über-zogen, vor lauter Spannung merkt er nicht, wie die Zigarette bis an seinen imprägniertenZeigefinger herunterbrennt. »Und, für wenbist du?«, fragt er atemlos, »für Irland, oder?«Na, für wen denn sonst? Seit 61 Jahren hatIrland den Rugby-Grand-Slam nicht mehrgewonnen. An diesem Abend ist die Chancegekommen, gegen Wales. Der Irish Pub anBrüssels Place Flagey ist überfüllt, Kampfrufegellen durch die Straße. Die krisengebeutel-ten Iren, sie sehnen sich nach einem Sieg.Endlich mal wieder Spitze sein statt Absteiger!Vor allem Osteuropäer, den Iren durch Ar-beitsmigration der letzten Jahre verbunden,helfen im Pub beim Anfeuern.Michael stammt aus der Grafschaft Kerry,seit ein paar Jahren lebt er in Brüssel, arbeitet»na ja, für die reichen Leute eben«: Teppichlegen, Wände streichen, Bäder sanieren, washalt so anfällt. Ich nippe am schwarzen Bierund frage mich, ob das jetzt wohl die Zukunftist: dass der Software-Ingenieur aus Polen sichden Klempner aus Irland kommen lässt. Wirleben in einer Zeit schneller Wechsel.Kurz vor Schluss punktet Wales, die Nie-derlage scheint besiegelt. Dann, 90 Sekundenspäter: Irlands Ronan O’Gara setzt ein traum-haftes
drop goal 
hinter die feindliche Linie.15 : 17 für Irland, Abpfiff! Unsicher versuchtMichael, sich von seinem Stuhl zu erheben.Irgendwo zerbrechen Gläser.
Achiltibuie
 VON:
reiner.luyken@zeit.de
BETREFF:
De mortuis …
Nachrufe sind eine journalistische Darstel-lungsform, in der es niemand den Britengleichtut. Sie füllen täglich eine Seite der gro-ßen Zeitungen. Man liest vom Tod einesOberst Smiley, der im Zweiten Weltkrieg ineinem Dampfbad in Kairo splitternackt dieEntführung des deutschen Generals Kreipevorbereitete, vom Dahingehen des walisischenPartylöwen Sir Dai Llewellin, der sein Lebenlang nicht lernte, die BHs williger Debütan-tinnen einhändig zu öffnen, und vom Able-ben des Folksängers John Martyn, der nacheinem Konzert volltrunken von der Bühnestürzte, dennoch drei Zugaben gab und vonder Königin mit dem Orden des BritischenEmpire geehrt wurde. Auch obskure Publikationen pflegen die
Kunstform. In den
Fishing News 
standen anrüh-
rende Zeilen über einen Trawlerkapitän, dereinen lebenslangen Kampf gegen Bürokraten
und Politiker geführt hatte, die Ausländern bri-tische Hoheitsgebiete zur Plünderung der Fisch-bestände öffnen, dabei jedoch nie seinen Humor
verlor, denn »er war ein perfekter Gentleman«.Das kam einem Fischereiaufseher spanisch
vor, der einen Skipper gleichen Namens wegenfortwährender Regelverstöße verfolgte. Wie sich
herausstellte, hatte der »Verstorbene« eine Eu-
logie auf sich selber verfasst und führte den pa-triotischen Kampf um die Fischbestände unter
neuem Namen fort. Der zur Rede gestellte Chef-
redakteur der
Fishing News 
gab zu bedenken, erkönne sich ja nicht gut eine Leiche zeigen lassen,
 wenn jemand seinen eigenen Nachruf einschi-cke. Zum Glück kommt das nur selten vor.»Eine Kolumne ist dazu da, dass sichviele Leute über sie aufregen«, hatPaul Krugman einmal gesagt. SeineKolumne in der
New York Times
undsein Weblog »The Conscience of aLiberal«
(
Das Gewissen eines Lin-ken
)
regen vor allem den deutschenFinanzminister auf. Peer Steinbrück richte
»beträchtlichen Schaden«
an,so Krugman. Deutschland sei »einProblem für Europa«. Und dieFinanzpolitik Steinbrücks nennt er
»außergewöhnlich deprimierend«.
Attacke von links
    M  o  n   t  a  g  e  :   D   Z  ;   F  o   t  o  s  :   M  a  r   k  u  s   K   i  r  c   h  g  e  s  s  n  e  r   /   l  a   i   f   (   l   i .   )  ;   H  a  n  s -   C   h  r   i  s   t   i  a  n   P   l  a  m   b  e  c   k   /   l  a   i   f   (  r  e .   )  ;   A   b   b .  :  w  w  w .   k  r  u  g  m  a  n   b   l  o  g  s .  n  y   t   i  m  e  s .  c  o  m    (  u .   )    F  o   t  o  :   A  n  a  y   M  a  n  n   /   P   h  o   t  o   i  n   k   /   A  g  e  n   t  u  r   F  o  c  u  s
 
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Nr. 14DIE ZEITS. 3
Nr. 14
S.3
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DIE ZEIT
 26. März 2009 DIE ZEIT Nr. 14 
3
POLITIK
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I
st das die Zukunft – oder sind es die Ruinenvon morgen? Gurgaon, die Satellitenstadt vonDelhi, ist eine Science-Fiction-Landschaft aus
Glas und Beton. Als würde man nicht mit dem
 Auto, sondern in einer Zeitmaschine hierherkom-
men, aus dem Menschengewühl in der Altstadt oder
von den britisch-imperialen Herrschaftsbauten und
den säulengeschmückten Bungalows im Regierungs-
sitz Neu-Delhi. Mit seinen Büroblöcken, aus denen
Konzerne von General Electric bis PepsiCo ihr In-diengeschäft steuern und von wo Amazon seinen
Buchversand managt, mit seinen Shoppingmalls undKomfort-Wohnanlagen ist Gurgaon das steingewor-
dene indische Wirtschaftswunder, das Wahrzeichen
eines Landes, das in den vergangenen Jahren fastchinesische Wachstumsraten erzielt hat. Gurgaonist auch seelenlos, ein kulturelles Niemandsland, in
dem Callcenteragenten, die sich am Telefon für ihre
amerikanischen Kunden Sam oder Eliza nennen, in
ihrer Freizeit die Wahl zwischen Pizza Hut und dem
Multiplex-Kino haben. Und Gurgaon, das ganzeIndien, für das Gurgaon steht, ist verwundbar – das
ultimative Boom-Gewächs im Augenblick des Wet-
terumschlags, im Moment, da eine globale Wirt-schaftskrise die Stärke der chinesischen, russischenoder indischen Aufsteigermächte nicht weniger tes-tet als die Kräfte des Westens.Der Boom, sagen Vivek Menon und PankajRenjhen von der Immobilienfirma Jones LangLaSalle Meghraj, Global Business Park, Turm A,9. Stock, der Boom war verrückt, die Blase mussteplatzen. Von 2001 bis 2007 haben sich die Mietenpro Quadratmeter in Gurgaon verdreifacht, mitden Gehältern war es kaum anders. Es wäre zu vielgesagt, dass die beiden jetzt erleichtert klingen,aber doch überraschend entspannt. Sie hoffen, inihrer Firma ohne größere Entlassungen auszukom-men, mit Sparen und Effizienzsteigerung. Esherrscht ein Grundvertrauen, dass die neue Mittel-schicht, die Makler, Software-Ingenieure und Ste- wardessen in den privaten Fluglinien, es schaffen wird, individuell und als gesellschaftliche Kraft,die das künftige Indien verkörpert. Die über 30- Jährigen, die jungen Eltern, seien im Boom nichtdurchgedreht – anspruchsvoll, aber immer nochsparsam. Die indische Großfamilie, das soziale Si-cherheitsnetz in einer Gesellschaft mit schwachem Wohlfahrtsstaat, funktioniert noch. Es ist keineSchande, in ihren Schoß zurückzufallen, sogar wieder zu den Eltern zu ziehen. Anders, das sagen Menon und Renjhen auch,ist es bei den ganz Jungen, in den Zwanzigern, dienichts als den Aufschwung gekannt haben undkulturell entwurzelt sind. Da gibt es den Angestell-ten, der sich von seinem ersten Gehalt als erste An-schaffung einen riesigen Plasmabildschirm gekauftund in seine leere Wohnung gestellt hat. DeeptiDang von der Computerfirma Hewlett-Packardim Büroturm nebenan wundert sich über das Pu-blikum der
 golden halls,
der Erster-Klasse-Säle inden Großkinos von Gurgaon: 20 Plätze, riesigeSessel, aus denen man den Film im Liegen betrach-tet, 1000 Rupien (20 US-Dollar) pro Ticket – undder Saal ist ausverkauft. Da ist eine quasi amerika-nische Konsum- und Kreditkartenkultur schonziemlich weit vorgedrungen. Hätte der Boom zehn Jahre länger gedauert, wäre der Einbruch zehn Jah-re später gekommen, dann würde er ein Land mitgeringerer Widerstandskraft treffen.Es ist seltsam, in den Kapitalismus-Tempelnvon Gurgaon ein Heimweh nach der Welt vor demKapitalismus zu hören. Die Erleichterung, dass esdas alte Indien noch gibt – die Familie, sogar dieReste der Staatswirtschaft, die von aufgeklärtenBürokraten nach dem Ende der britischen Herr-schaft 1947 eingeführt und durch eine markt-freundliche Reformpolitik seit Anfang der neunzi-ger Jahre nur teilweise abgeschafft wurde. PankajRenjhen hat sich über seinen Vater immer lustiggemacht, weil der sein Konto bei der trägen undunfreundlichen »Staatsbank von Indien« behielt;der Sohn ging natürlich zu einem schicken pri-vaten Geldinstitut. Er würde es heute nicht mehrtun. Bei den Absolventen der Indian Institutes of Management, der Elite-Wirtschaftshochschulendes Landes, sind die öffentlichen Unternehmentrotz ihrer mageren Bezahlung als Arbeitgeber wie-der beliebt. Indien, das anders als China nie seinegesamten Kräfte für den ganz großen Sprung nachvorn mobilisiert, das immer irgendwie an seineVergangenheit und seine tausend Kompliziert-heiten gefesselt bleibt, dieses Indien ist auch dasLand, das nie alles auf eine Karte setzt. Nicht ein-mal auf den Kapitalismus.Die große Frage, vor der Indien steht, ist nichtdie Wirtschaftskrise. Die große Frage ist politischund sozial – nicht ob das Gurgaon-Indien weiter-blüht, sondern was aus Rest-Indien wird, aus den70 Prozent der Bürger, die immer noch auf demLand leben, aus den mehr als 50 Prozent, die in ei-ner Stadt wie Mumbai in Slums oder vollkommenheruntergekommenen Blöcken wohnen. Indien hateinen globalen Hype um seine Supermacht-Zu-kunft genossen, sich als »größte Demokratie der Welt« feiern lassen, als das andere, gute Asien (imGegensatz zur chinesischen Parteidiktatur). Es hateinen gigantischen Imagewechsel bewerkstelligt:»Der Inder«, den die Welt vor Augen hat, ist keinhungriges Kind und kein barfüßiger Guru mehr,sondern Programmierer – oder Bollywood-Star.Doch der Staat und die Bürgergesellschaft habennicht mitgeboomt, nicht die vielfach korrupte Ver- waltung und Justiz, nicht die marode Infrastruktur,nicht die öffentlichen Schulen und Krankenhäuser.Im April und Mai, auf fünf Termine verteilt,finden im Riesenland Parlamentswahlen statt – aberdie politische Desillusionierung und der Zynismussind im Bürgertum der »größten Demokratie der Welt« extrem. Anderswo gehen die Reichen undGebildeten am fleißigsten wählen, in Indien ist esumgekehrt: Die Wohlhabenden, und gerade dieneue Mittelschicht, sind radikal entpolitisiert. Siebrauchen den Staat auch am wenigsten; jeder Bü-robau in Gurgaon etwa hat eine komplette eigeneElektrizitätsversorgung, hundertprozentige Not-fallsicherung, und ist damit immun gegen dieständigen Stromausfälle. Das war der besondereSchock durch die Terroranschläge auf die Luxus-hotels in Mumbai im vergangenen November: dasssie diese geschützte, abgekoppelte Sonderwelt auf-brachen. Auf einmal wurde den Privilegierten be- wusst, dass sie doch einen funktionierenden Staatnötig haben: Polizei, Rettungsdienste, einen Küs-tenschutz, der die aus Pakistan von See her ein-dringenden Attentäter hätte abfangen können. Seitdiesem Augenblick der Verunsicherung hängt eine Wolke verstörender, bedrohlicher Fragen über In-dien: ob man nicht das Bürger-Sein ernster neh-men und sich sogar politisch engagieren müsste,ob in der dramatischen sozialen Ungleichheit einerevolutionäre Situation lauert, was das Land ei-gentlich zusammenhält.Dass das Verbindende fehlt, dass Indien keinGanzes ist, nicht einmal eineeinzelne indische Stadt – das war die Erfahrung, die der junge Schriftsteller Altaf Ty-rewala mit seinem ersten Ro-man
No God in Sight 
gemachthat. Tyrewala, 1977 in Mum-bai geboren (das damals nochBombay hieß, bevor der Namevon Hindu-Nationalisten »in-discher« gemacht wurde), hatin New York Betriebswirt-schaft studiert. Er kam zu-rück, in den Stadtteil seinerKindheit, und wollte einenBombay-Roman schreiben –ein Buch, das die Essenz die-ser größten, kosmopolitischs-ten, wildesten Stadt Indienserfassen sollte.
No God inSight 
(auch auf Deutsch erschienen,
Kein Gott inSicht,
bei Suhrkamp) ist ein wunderbarer Roman,eine Expedition nach unten und ins Dunkel, einProtokoll von Stimmen, die sonst in der feinerenindischen Literatur nicht vorkommen: derQuacksalber, der sich mit Abtreibungen seinenLebensunterhalt verdient, der Hühnerhändlerund -schlachter, der den Gestank des Todes nichtmehr loswird. Aber das Buch ist nicht der Roman geworden,den der Autor eigentlich schreiben wollte, nichtder Bombay-Roman. Altaf Tyrewala ist Muslim, Angehöriger einer Minderheit in einer überwie-gend hinduistischen Nation und Stadt, und Bycul-la, der Stadtteil seiner Kindheit und seines Buchs,ist ein muslimisches Viertel. Beim Schreiben merk-te Tyrewala, dass es ihm schwerfiel, Hindus oderChristen Sprache und Gesicht zu geben. Seine Fi-guren waren unversehens fast alle Muslime, mitden typischen Problemen einer Minderheit, dievon der Polizei schikaniert oder von Hindu-Fana-tikern verfolgt wird. »Ich begriff«, sagt Tyrewala,»dass ich in einem Getto gelebt hatte.«Er führt sein »Getto« ohne Sentimentalität vor –
als wolle er den Besucher mit Härte an jeder falschenRomantik, an der Verklärung des Exotischen hindern.Clare Road, wo der Autor wohnt, ist eine großzügige
Metropolenstraße; aber schon einen Block einwärtsins Viertel, an der nächsten Parallelstraße, beginnteine andere Welt. Das Stadtbild verwandelt sich ineinen Open-Air-Basar, mit Läden und Ständen, die
sich über die Bürgersteige auf die Straße vorschieben:Nahrungsmittel, Kleider, Haushaltsartikel, Ersatztei-le für Elektrogeräte, die längst außer Produktion sind.
Es sieht, an einem ruhigen Sonntag, alles noch bunt
und friedlich aus, aber schon einen Schritt weiterbeginnt das Elend – in den Querstraßen haben die jüngsten Neuankömmlinge im Menschenhafen
Mumbai ihre Bretterverschläge und Zelte aufgebaut,
oft Zuwanderer aus dem bitterarmen Bangladesch.Der Slum ist nicht einfach ein Stadtteil, nicht amRand, der Slum ist überall. Ir-
gendwie nimmt Mumbai jeden
auf, für einen mehr ist immer
noch Platz, sagt Tyrewala. Aber
er meint es nicht versöhnlich,
nicht als Ausdruck von rettender
Humanität. Eher schwingt einGrauen vor der Anarchie mit,
vor einem unheimlichen Sozial-
organismus von grenzenloser, jeden guten wie bösen Willenaustricksender Anpassungs-fähigkeit.Das Indien, das Tyrewalaerlebt und darstellt, ist keineHeimat aller seiner Bürger. Während er an seinem Bucharbeitete, im Februar 2002, wurden im Staat Gujarat etwa2000 Muslime von einemHindu-Mob umgebracht, unter Komplizenschaftvon Polizei und Politik. Tyrewala, der seinen Glau-ben mit 18 verloren hatte, war es nicht gewohnt,religiöse und kulturelle Identitäten sonderlichernst zu nehmen; nun zerbrach sein Bild eines sä-kularen und fairen Indien. Aber fast schlimmernoch als die Diskriminierung ist in seinen Augendas Chaos. Die indische Presse (die immer als Be-leg für die vitale politische Kultur der »größtenDemokratie der Welt« zitiert wird), die indischePresse, sagt Tyrewala, »ist nicht frei, sie ist nur au-ßer Kontrolle«. Im Grunde ist das seine Formel fürdas ganze Land: Es ist, von der wuchernden Mo-derne von Gurgaon bis zum Strom der Elendswan-derer nach Mumbai, außer Kontrolle – doch le-benswerte Freiheit wäre etwas anderes.Es ist aber jetzt auch ein Punkt erreicht, an demdie aufgeklärte indische Gesellschaft diese Ver- wahrlosung nicht mehr ignorieren will und kann.Zeitungen, Bürgerinitiativen und Firmen habenKampagnen gestartet, um das politisch desinteres-sierte Bürgertum diesmal zum Wählen zu bewe-gen. Dass im Parlament Dutzende von Abgeord-neten mit krimineller Vergangenheit (oder Gegen- wart) sitzen, wird öffentlich angeprangert.Die Mittelschicht begreift allmählich, dass ihrdas Schicksal der Massen nicht gleichgültig seindarf. Natürlich, sagen Vivek Menon und PankajRenjhen aus Gurgaon, arbeiten in einem Makler-büro gut ausgebildete, englischsprachige Angestell-te, letztlich eine kleine Elite; aber Jobs für Fahrer,Liftboys und Wachpersonal gibt es auch. Und de-ren Kinder, die nächste Generation, werden or-dentliche Schulen besuchen und sozial aufsteigen.Selbst wenn das geschönt ist – es drückt sich einVerantwortungsgefühl darin aus, womöglich auchnur das Gefühl, beobachtet zu sein. Die Tag undNacht brennenden Lichter des Hotel Taj Mahal,sagt der linke Autor Dilip D’Souza in Mumbai,sind von Häusern aus zu sehen, die keinen Stromhaben – so wie in einer globalisierten Welt der Wohlstand in den wohlhabenden Ländern denHungrigen nicht verborgen bleibt. Darin liegt dieExplosivität der in Indien aufgehäuften Gegensät-ze, darin liegt auch die Chance ihrer politischenBearbeitung. Die indischen Armen sind nicht nurOpfer oder ein Problem, sie sind auch Wähler – siesind tatsächlich eifrige Wähler, und wenngleichihre Stimmen oft gekauft, im Block verschachertund missbraucht werden, so garantiert die demo-kratische Mitbestimmung der Massen in Indiendoch, dass der Staat nie ganz zum Staat der Rei-chen werden kann. Altaf Tyrewala, der an das blitzblanke neue In-dien der Büroblöcke und Wohnparadiese nichtglaubt, hat eine Lieblings-Shoppingmall in Mum-bai. Sie war die erste, die in der Stadt eröffnet wur-de, noch in den neunziger Jahren, und damals eineungeheure Attraktion. Die Leute strömten in sol-chen Mengen hin, dass der Zutritt beschränkt wer-den musste: Nur wer ein Mobiltelefon oder eineKreditkarte besaß, wurde eingelassen. Inzwischen,seit Jahren schon, ist das Wunderding leer, aufgege-ben, ein architektonischer Schandfleck, der abge-rissen werden müsste. Für den Schriftsteller ist dietote Einkaufspassage das Symbol einer irregeleite-ten, letztlich zerstörerischen Modernisierung, dieHässlichkeit wie kulturellen Giftmüll hinterlässt. Wenn man hinfährt, sieht man: Es stimmt. DasGebäude ist verlassen, selbst das McDonald’s-Res-taurant im Erdgeschoss, das am längsten ausgehal-ten hatte, ist weggezogen.Doch hinter der Fassade wird gearbeitet, sogar
am Abend noch; man erkennt es am Licht, das nachaußen dringt. Es geht schon wieder los, es geht wei-
ter. Hässlich ist das alles vielleicht. Aber tot ist esnicht.
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Weitere Hintergründe auf ZEIT ONLINE:
www.zeit.de/indien
Ein Stoßdämpfer mit tausend Federn
Die Wirtschaftskrise trifft Indien hart, doch das Land hat sich nie vollends dem Kapitalismus ausgeliefert. Er ist nur eine Wirklichkeit unter vielen
 VON JAN ROSSZWEI INDER
 waschen sich aneiner öffentlichenWasserstelle inGurgaon. Im Hin-tergrund stehenMietshäuser.Gurgaon zählt zuden am schnells-ten wachsendenStädten Indiens
Bürgersinn
Die indische Elitebeginnt sich zu fragen,ob sie sich nicht für dieGesellschaft engagierenmuss, um sich selbstzu schützen. Mit wachsendem Entsetzenschaut sie auf ein Land,das außer Kontrolle zugeraten droht
    F  o   t  o  :   T  o  m  a  s   M  u  n   i   t  a   /   l  a   i   f
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