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Fairness - as published - LetzebuergerLand-3mai2013

Fairness - as published - LetzebuergerLand-3mai2013

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Published by Michel Cames
Über die Fairness des Luxemburger Geschäftsmodells
Über die Fairness des Luxemburger Geschäftsmodells

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10/02/2013

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D'Lëtzebuerger Land - 3. Mai 2013Luxemburg und sein Geschäftsmodell 
Über die Fairness
Michel Cames
In seiner Erklärung zur Lage der Nation
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hat der Premier dem Prinzip dersozialen Gerechtigkeit, der Gleichheit und der Solidarität in der Gesellschafteinen hohen Stellenwert eingeräumt. Er hat dies mit ‚
Fairness
’ umschrieben.Ganze 19 Mal hat er diesen Begriff als Haupt- oder Eigenschaftswortgebraucht. Er begründet die Verpflichtung zur Fairness mit individuellem,aber vor allem mit korporatistischem Egoismus, welcher uns bedrohe. Erbescheinigte der Regierung Punkt für Punkt, alles in ihrer Macht stehendegetan zu haben und zu tun, um die distributive Gerechtigkeit zugewährleisten.In der Tat, was die Ungleichheit der Einkommensverteilung im historischenKontext angeht (Gini-Index), so liegt Luxemburg traditionell in derLändergruppe mit den am wenigsten ausgeprägtenEinkommensunterschieden. Zudem reiht Luxemburg sich unter dieWohlfahrtsstaaten mit am besten ausgeprägten Sozialstaat.Das hat historische Gründe. Nach dem ‚catch-all’-Konzept haben dieständig an Regierungen beteiligten Volksparteien in Luxemburg und hiervor allem die Partei der Rechten, und ihre Nachfolgerin, die CSV, es besserals anderswo fertiggebracht, die Pfründe der wirtschaftlichen Entwicklungmehr oder weniger gerecht unter den sozialen Gruppen aufzuteilen. Dashatte jedoch seinen Preis. Die Einbeziehung korporativer Strukturen ausPatronatskreisen in die staatlichen Entscheidungsstrukturen erlaubte esdem Staat flexibel und nahe am Marktgeschehen zu agieren beigleichzeitigem Mitspracherecht der Gewerkschaften in Fragen derVerteilungsgerechtigkeit. Diese zumal in Europas Kleinstaaten gängigePraxis hatte jedoch eine Erwartungshaltung der korporativen Akteure zurFolge, welche auch dann an den Entscheidungsstrukturen beteiligt bleibenwollen, wenn wenig zu verteilen ist. Gleichzeitig sind durch geradezudemographische und sozio-ökonomische Umwälzungen heutige anTripartite-Verhandlungen teilnehmende Arbeitnehmerverbände weitweniger repräsentativ als früher. Ein hierdurch erzeugter Gruppenegoismusist es wohl, was den Premier dazu bewegt von korporativem Egoismus zusprechen. Besonders die Gerechtigkeit zwischen den Generationen, den jetzt lebenden und den zukünftigen steht hier zur Debatte.Jean-Claude Juncker spricht davon, die Fairness in unserem nationalenMiteinander, falls sie denn in Mitleidenschaft gezogen ist, wiederherzustellen. Über die nationalen Grenzen überschreitende Fairness spricht
1
 
Discours sur l'état de la nation, 10 avril 2013 :http://www.gouvernement.lu/gouvernement/etat-nation/index.html  
 
er hingegen nicht. Falls sich Fairness im anständigen Miteinander vonsozialen Gruppen im Staatswesen wiederspiegelt, so lässt sich Fairnessauch im angemessenen Umgang der Nationen untereinander ausmachen.Wie fair verhält sich Luxemburg als Kleinstaat hier?Um dies zu beantworten, bedarf es einer Wirtschaftsanalyse derbesonderen Bedingungen welche Kleinstaaten unterliegen. So habenspätestens seit den 1960er Jahren die meisten kleinheitsbedingtenNachteile der Kleinstaaten wie negative Skaleneffekte bei der Beschaffungvon öffentlichen Gütern an Bedeutung verloren. Gleichzeitig habenkleinheitsbedingte Vorteile an Bedeutung gewonnen. An nationaleSouveränität gebundene legislative Entscheidungskompetenzen haben esKleinstaaten seitdem ermöglicht, ein hohes Niveau an Wohlstand zuerreichen
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.Das trifft auf Luxemburg eindeutig zu. Bis in die 1960er Jahre dümpelte dasWirtschaftswachstum in Luxemburg unterhalb dem Durchschnitt seinerPartner in der damaligen Sechser-Gemeinschaft. Seit den 1980ern aberwuchs es kräftig darüber hinaus. Es war die Zeit als in Luxemburg derHauptwirtschaftszweig Industrie vom Dienstleistungssektor hauptsächlichim Finanzwesen verdrängt wurde. Standortvorteile auf Grund vonlegislativen Strategien könnten die Souveränität regelrecht zu Geld machen,äußerte sich damals der heutige Präsident der Luxemburger ZentralbankGaston Reinesch
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zu seiner These über die Funktionsweise einerMikroekonomie.Es ist nämlich die schiere einwohnermäßige bzw. territoriale Kleinheit,welche Kleinstaaten wie Luxemburg – aber nicht nur – zu Größe verhelfen.Sie können ihre Steuerlast in etlichen entscheidenden Bereichen soattraktiv gestalten, dass der Minderertrag durch die von Einheimischengetragene niedrige Steuerlast durch eine hohe Inanspruchnahme vonGebietsfremden mehr als wettgemacht wird. Dies bleibt größeren Ländernverwehrt.Solch ein kleinheitsbedingter Vorteil ist als Geschäftsmodell jedoch beileibekein produktives Unterfangen sondern ein ‚trade-off‘: das Einkommen desKleinstaates beruht auf dem Verlust eines anderen Staates. Reineschmeinte damals, dass es deshalb für Kleinstaaten so wichtig sei, wenigaufzufallen um als Trittbrettfahrer wirtschaftlich gut zu leben. BetroffeneStaaten würden den Schaden schon deshalb stillschweigend erdulden weilder Aufwand zu intervenieren meist den erlittenen Schaden übersteigt. DieKleinstaaten hätten nur Sorge zu tragen, das delikate Gleichgewichtzwischen ihrer Autonomie und ihrer Kleinstaatenexistenz mit Geschick zuhandhaben.
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Kocher, Martin Georg (2003), Very Small Countries: Economic Success Against  All Odds, Beiträge 37, Liechtenstein Politische Schriften, Band 35 
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Reinesch, Gaston (1987), „Existe-t-il un déterminisme de la très petitedimension?” in Forum, 93-94 (erratum: Fernand Reinesch)
 

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