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Dörfler Die Eleaten und die Orphiker 1911

Dörfler Die Eleaten und die Orphiker 1911

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04/19/2014

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Die Eleaten und die Orphiker.
Gegen die
philosophiege
schichtliche Auffassung, wie sie Zeller inseinem klassischen Werke
„Die
Philosophie der Griechen" vertreten hat,macht sich immer nachdrücklicher eine Strömung geltend, welche denrationalistischen und deshalb einseitigen und unhistorischen StandpunktZellers bekämpft und in der Forschung auf die Quellen zurückgreift,aus welchen die vorsokratischen Denker geschöpft haben. Dem Beginnder griechischen Philosophie ist eine Zeit der kosmogonischenund theo-gonischen Spekulation vorausgegangen und die in den Darstellungendieser theogonischen und kosmogonischen Dichter niedergelegten Ideensind
als
Ausgangspunkt für 
die
Doktrinen der ersten griechischen Denker und ihrer Nachfolger anzusehen. Während Zeller eine Beeinflussungder Philosophie durch die genannten Richtungen der Theologie nur in
zwei
Punkten,
im
pantheistisch gefärbten Monotheismusund
in der 
Seelen¬wanderungslehre gelten lässt, haben neuere Darsteller des Gegenstandes,wie Überweg-Heinze-Praechter, Th. Gomperz, v. Arnim und zuletztA. Gercke die Grenzen dieses Einflusses viel weiter gezogen, nachdem,von früheren derartigen Versuchen abgesehen,
schon K. Joel
1
)
mit Rechtden Ursprung der Naturphilosophie der Vorsokratiker in den Mysterien¬lehren nicht bloß gesucht, sondern auch gefunden hatte. Auch Wolfg.
Schultz
2
) trifft trotz mancher "Verkehrtheiten in vielen Punkten dasRichtige.r uns aber sind die Lehren der griechischen Mystiker am deulichsten in der spekulativen Richtung der Orphiker fassbar und dieOrphiker waren es ja auch in der Tat, die fast auf alle bedeutendenVertreter der vorsokratischen Philosophie einen weitgehenden Einflausgeübt haben. Was die Dichter der orphischen Kosmogonien durchmythologische Begriffe und durch Namen von Göttern und göttlichenWesen, wie Chronos(Kronos), Chthonie, Ge, Okeanos, Zeus (Zas), Eros,
Chaos,
Aither,
Metis, Nyx,
Phanes, Uranos
u.
dgl. zum
Ausdruck brachten,kehrt in der philosophischen Naturbetrachtung aller Vorsokratiker alsdieselbe Sache in anderer Form wieder.Schon die alte Orphik lehrte einen ziemlich derben Pantheismus(vgl. das altbezeugte Frg. Nr. 6 bei Diels, Fragmente der Vorsokra¬tiker 
IL
2
) und pantheistisch ist auch der Gottesbegriff der jonischenPhysiologen, Heraklits und der Eleaten.
!) Der Ursprung der Naturphilosophie aus dem Geiste der Mystik, Basel 1903.
2
) Altjonische Mystik (Stud. z. antik. Kultur, Heft II
u.
III), Wien
u.
Lpz. 1907.1*
 
 — 4
Mit dem subjektiv-lyrischen Zug und der starken Betonung desSelbstgefühls und der Persönlichkeit ging bei den Orphikern Hand inHand die here Bewertung der Seele und überhaupt des geistigenPrinzips gegenüber 
dem
Körper. Alles ist nach ihrer Anschauung belebtund beseelt, die Seele überdauert den Körper, sie lebt selbständig nachdem Tode im Elysium oder im Tartarus fort, oder sie wandert durchverschiedene Tier- und Menschenleiber. Die
Seelen
Wanderungslehre,die
wir 
nur in der pythagoreischen Form kennen, geht nicht auf Pythagorasals Urheber zuck, sondern ihre Wurzeln liegen in der orphischenMystik, was auch der Pythagoreer Philolaos bezeugt, wenn er sich auf alte Theologen und Seher 
beruit.
1
)Auch die Vorstellungen der Joiiier und Eleaten von der Seelefinden ihren Ursprung und ihre Erklärung nur in den entsprechendenAnschauungen der Orphiker. Die Doktrin von der Seelenwanderungkehrt in irgend einer Form bei vielen Denkern der vorsokratischenPeriode wieder (Kreislauf der Elemente, periodischer Wechsel von Welt¬ bildung und Weltzerstörung, Wanderung der Seele durch Menschen-und Tierleiber).Aus dem pantheistischen Gottesbegriffe und aus der Allbeseeltheitder Natur ergab sich für die Orphiker die Identifizierung der Gottheitmit der Natur und mit der Welt. Die Stofl'lehre Heraklits und dieEinheitslehre der Eleaten ist nichts anderes als die philosophischeKon¬zeption jener orphischen Lehre.Unter solchen Umständen ist man berechtigt, zum Zwecke einer richtigen Auffassung und Erklärung der alten Naturphilosophie jenenzahlreichen Einflüssen nachzugehen, welche
von
der Orphik ausgegangensind und auf die Systeme der Vorsokratiker eingewirkt haben. Nunist aber die älteste Naturphilosophie,von der Orphik nicht in dem Sinne beeinflusst worden, daß beide Eichtungen sich vom Anfange an alsfremd oder gar feindlichgegenübergestanden wären, sondern üi gewissemSinne sind die ältesten Naturphilosophen selbst Orphiker, „jedenfallsviel zu sehr eines Geistes mit den Orphikern, um ihrer Einfsse zu bedürfen, die gewiß oft vorhanden, aber gegenseitig sind und öfter nochvielmehr 
sich
als natürliche Übereinstimmungen gleichgerichteter Geister erklären. Es ist
eine
grundlegend wichtige Tatsache: Orphik 
und
Natur¬ philosophieblühen gleichzeitig auf,
im
6.
Jahrhundert,
sind
Kinder einesZeitgeistes! Weil sie orphischen Geistes sind, schreiben Xeuophaues,Parmenides, Empedokles ihre Philosophie als Dichtung. Ein theolo¬gischer Ehapsode begründet die eine der drei alten Schulen der Natur¬ philosophie,
die
eleatische.
Die
zweite, der Pythagoreismus, ist
in
seiner 
'
*)
Frg. 14, Diels I. S. 245; vgl. Zeller, die Phil, der Gr.
I.
B
56. 455. Joe],a. a. 0. 74.
i
 
 — 5Einheit mit der Orphik, in seinem ganzen Bestände ein einziger Protestgegen die Scheidung der 
fts-olöyoi
und
cpuaiy.01'."
1
)Der Urstoff des Thaies, das Wasser oder das Feuchte, ist nichtsanderes als eine physikalische Ausdeutung des orphischen Okeanos.Das
Ärcetpov
Anaximanders ist selbst das grosse Mysterium, das unend¬liche Chaos, von dem wiederholt auch in den altorphischen Fragmentendie Rede
ist.
2
) Ebenso geht der Satz Anaximanders:
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... xföv
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...
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V)
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3)
auf 
orphischeAnschauungen
zurück.
4
 j
Das
Welt¬ prinzip des Anaximenes, die Lüt't
(ärjp xaä
Tweöp-a),
scheint nach dennwas Aristoteles von den Orphikern berichtet (Frg. 11 Diels), ebenfallsauf eine orphische Lehre Bezug zu nehmen. Nirgends aber findensich so viel orphische Ideen, wie im pythagoreischen System. AuchHeraklit steht zur Orphik in engste
Beziehung.
5
; Den Einfluß deOrphiker auf Empedokles hat 0. Kern (Arch. f. Gesch. d. Phil. I. 1888,498—5u8) besprochen. Für die Eleaten ist das bisher nur mit einigenverstreuten Hinweisen geschehen, welche J. Freudenthal ber dieTheologie des Xenophanes, Breslau 1886) r Xenophanes, H. Diels(Des Parmenides Lehrgedicht, Berlin 1897), 0. Kern (Zu Parmenides,Arch.
f.
G. d. Ph. III. 173—176) und Wolfg. Schultz (a. a. 0. S. 259 ff.u. 328 ff.) für Parmenides und K. Joel r die Eleaten überhaupt ge¬geben haben.Bei der Untersuchung des orphischen Einflusses auf die Eleatenhandelt es sich um eine genaue Unterscheidung dessen, was vor allemXenophanes und Parmenides aus der Lehre Anaximanders und was sieaus pythagoreischen Doktrinen hebergenommen haben. In vielenFällen ist es natürlich schwer, ja unmöglich,zu sagen, was die Eleatendirekt und was sie auf dem Wege über Anaximander und die Pytha-goreer aus der Orphik entlehnt haben.Obwohl die orphischen Fragmente, wie sie
z. B.
in der Sammlungvon E. Abel vorliegen, vielfach mit neupythagoreischen und neuplato-nischen Lehren vermischt und durchsetzt sind und deshalb der Gedanken¬gehalt der altorphischen Lehre sehr stark von späteren Ideen undSpekulationen überwuchert ist, so ist es bei einiger Vorsicht und Be¬hutsamkeit in der Benützung und Auswahl der Zeugnisse immerhinganz gut glich, das alte Gedanken- und Lehrgut aus all den spätehinzugekommenenReflexionen herauszufinden. Und in der Beurteilung
J
) Jogi, a. a. 0. 85.2) Diels 66 A 12; B 9; 12 (S. 476, 21. 22. 24. 31. 36 Anm.); 13.3) Nr. 9 Diels.
*)
vgl. Abel, Orphica, Frg. 36, Diels, Frg. 13; Diels, Bin orphischer Denieter-hymnus, S. 1; Joel, a. a. 0. 45 f; 85; 92.
5)
W. Nestle, Heraklit und die Orphiker, Piniol. 64; S. 367 ff.

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