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Dörfler Zur Urstofflehre des Anaximenes 1911

Dörfler Zur Urstofflehre des Anaximenes 1911

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Published by: Acca Erma Settemonti on May 13, 2013
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01/24/2014

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original

 
Zur Urstoffiehre des Anaximenes.
Der dritte bedeutende und einflreiche jonische Denker stehtmit seiner Naturphilosophie zunächst
dem
Thaies näher als seinem un¬mittelbaren Vorgänger Anaximander. Denn Anaximenes setzt an denAnfang alles Werdens und Seins einen qualitativ bestimmten Stoff,nämlich die Luft,
arjp
oder auch
TiveOjxa
genannt. Aber darin ist dieEinwirkung der Lehre Anaximanders sichtbar, daß Anaximenes diesemUrstoff im wesentlichen dieselben Eigenschaften zuschreibt wie der zweite Jonier seinem Urwesen, dem
äiteipov,
nämlich die unbegrenzteAusdehnung
(aTteipov)
1
), „die unaufhörliche Bewegung"
(xEvtjgis
acSco?)
2
)und die Göttlichkeit
(frelbv)
3
). Wie bei Anaximander, so geht auch beiseinem Nachfolger Anaximenes aus dem Urstoff das Warme und dasKalte hervor; nur in der Art und Weise, wie dieser Prozvor sichgeht, unterscheiden sich die beiden Jonier. Anaximander nennt diesenProz„Ausscheidung", bei Anaximenes het er „Verdichtung"
(raixvwais)
und „Verdünnung"
(dpat'wat?
oder ^avwois).Soweit wäre also Anaximenes ohneweiters aus seinem Vorgänger zu verstehen. Aber woher hat er die Anregung bekommen, die Luft(ä^p) als Urstoff aufstellen? Mit
dem
Hinweis auf die größere Beweg¬lichkeit und Wandelbarkeit oder auf die größere Ausbreitungsfähigkeitder Luft z. B. gegeber dem Wasser kann die Frage nicht abgetansein. Denn damit ist nur die Frage nach dem „Warum" der Wahl,nach der Bevorzugung dieses Stoffes, nicht aber die wichtigere Fragenach dem „Woher", nach der Quelle und nach
dem
Ursprung der Vor¬stellungen, die Anaximenes seiner Urstoffiehre zugrunde gelegt hat,gelöst.Daß die Jonier sehr genaue und scharfe Naturbeobachter waren,zeigen ihre verschiedenen physikalischen Lehren und Theorien. Abewenn schon Thaies seinen Urstoff, das Wasser, nicht aus der blen Naturbeobachtung abgeleitet hatte, sondern wenn er die Anregungenzur Aufstellung seines Wasserprinzipes von der vorausgehenden undgleichzeitigen kosmogonischen und theogonischen Reflexion bekommen
hat
4
), wenn ferner Anaximander in hervorragender Weise von dieser 
') Vgl. Frg.
1
A (H. Diels Fragmente der Vorsokratiker 
1.2 S.
17, Z. 37); Frg.5A, 6A (Diels ebd. S. 18, Z.
10
ff.).
2
) Vgl. Frg. 5A, 7A (Diels a. a. 0.
S.
18, Z. 14, 35).
3
) Vgl. Frg.
7
A (Diels, S. 18,
Z.
32).
4
) Vgl. meinen Aufsatz: Die kosmogonischenElemente in der Naturphilosophiedes Thaies, Arohiv für Geschichte der Philosophie, Bd. 25 (1912),
S.
305
ff.1*
 
Richtung beeinflußt ist, was liegt da näher, als der Frage nachzugehen,ob nicht auch Anaximenes auf kosmogonischeLehren zurückgegriffenhat, in welchen er 
die
Luft,
arjp,
in mythischer Personifikation
'Atjp
ge¬nannt, an den Anfang der Welt- und Götterbildung gestellt
fand
?Von Hesiod kann die Anregung, die Luft als Wellprinzip aufzu¬stellen, nicht ausgegangen sein. Denn
bei ihm
wird
a-qp
nur ein einzigesMal in der Bedeutung „Nebel" genannt. Dagegen scheint es eineorphische oder wenigstens der Orphik nahestehende Kosmogonie bzw.Theogonie gegeben zu haben, in der die Luft, de
'A^p,
als
&pyj]
ver¬wendet war. Drei Stellen aus der kosmogonischen und theogonischenLiteratur aus jener Zeit legen diese Vermutung nahe.Aristophanes,
ein
guter Kenner der Orphik, hat in mehreren seiner Komödien auf orphische Lehren
angespielt
1
). Eine Stelle aus den„Aves" hat H. Diels in seine Sammlung altbezeugter orphischer Framente aufgenommen*). Dort ist mit unverkennbarer Deutlichkeit auf 
orphische
Weltbildungslehrenangespielt.
Auch
der 
orphische
Eros ist dortgenannt, ferner das silberglänzende Weltei, Okeanos,
Chaos, Nyx,
Erebos,Tartaros, Uranos und Ge, die ttin der Erde. Der vorzugsweiseorphische Charakter dieser Gottheiten
und
ihre Bedeutung für die orphi-schen Theogonien und Kosmogonien steht fest. Wenn nun in diesemZusammenhang auch
Arjp
genannt wird, so ist das zunächst wohl eineAnspielung auf 
die
Luftlehre des Diogenes von
Apollonia,
dessen Natur¬ philosophie der große Komiker auch in den „Wolken" verspottet hat,Es ist aber auch zweifellos, daß dieser 
Arjp
in orphischen oder orphi-sierenden Kosmogonien eine nicht unwichtige Rolle gespielt hat. DieVerse
bei
Aristophanes, soweit sie hier in Betracht kommen, lauten:
 jL&oc,
(
v
y.od
Nb§ "Epeßö'g ts uiXav Tcxov
v-od
Tapxapog eüpög,
Tr\
§'
oöS'
A
7]
p
o5S'
Oöpav&g ?jv
' vxLHier ist auf solche orphische KosmogonienBezug genommen, vondenen die eine das Chaos, die andere die Nachtgöttin Nyx, eine dritteden Erebos
u.
s.
w.
an den Anfang der Weltentwicklung gestellt haben.Die kosmogonische Literatur darf man sich keineswegs einheitlichdenken, sondern es traten verschiedene Dichter auf, die in Prosa undVersen dasselbe Thema, aber sehr verschieden, behandelten, wie uns dieÜberreste
der vier 
bei
E.Abel
3)
zusammengestellten
orphischen
Theogonienzeigen. Die einen nahmen dieses, die anderen jenes Prinzip zum Aus¬gangspunkt der Götter- und Weltenwicklung.Man muß zugeben, daß die eine angeführte Stelle für sich alleinnicht ausreichen würde, die oben angedeutete Vermutung in gebühren-
II
!) Vgl.
A.
Dieterich, Nekyia,
S.
71, 92f.: 99, 199; E. Norden, Kommentar zumVI. Buch von Vergils Aeneis, Register I, IV; E. Maass, Orpheus, Index.
2}
Frg. 11, S. 472.
3
) Orphica, Leipzig-Prag 1885.
 
 — 5 — der Weise zu bekftigen. Aber zum Glück stehen uns noch zwei, be¬ziehungsweise drei andere Stellen zu Gebote, die ebenfalls beweisen,daß es eine wahrscheinlich orphische Kosmogonie gegeben hat, in der dem
'A'/jp
eine weltbildende Bolle zugeschrieben war.Damaskios
1
) berichtet nämlich:
xöv
§£
'Em|j,£v£Sr)v
860
Tcpwxag
äpyac,(moHa&ai 'Aipa vod
N6%xa
. . . .,
e£&v
yevvrj&^vatTdpxapov . . . . &v
 p,ix{)'£vxwv aXXrjXoic;
<köv
ysvecyfl'at .
.
.
., e^ oö
TraXiv
«AXtjv yevsäv
npozX&elv.Und damit stimmt die Angabe des Philodemos
2
) überein, der sagt: bi §£
xoic,
sie, 'EmpviSTjv [nämlich:
dvaepepo^evot?
etooov] e£'Aipoc, v.a.1
 jv.ibc,
xä rcävxa
auaxfjvac
xxÄ. An diesen beiden Stellen wird also demimenides eine Kosmogonie zugeschrieben, in der 'Ayjp und £alsUrwesen an den Anfang der Weltbildung und Weltentwicklung gestelltwaren. Von Epimenides aber steht fest, daß er zur Orphik in engeBeziehung steht
3
;. Bei diesem Umstände re es ein Streit um Worte,wenn man sagen wollte: nicht eine orphische Kosmogonie ist es, in de'Atjp als äpyj],
Avie
die jonischen Philosophen ihr Prinzip nannten, er¬scheint, sondern diese Kosmogonie gert dem Epimenides an und hatdiesen zum Verfasser. Wer so spricht, bedenkt nicht, wie außerordenlich ungenau, unsicher und unzuverlässig derartige Angaben über Vefasser und literarisches Eigentum überhaupt in jener Zeit sind. Es ge¬gt, feststellen zu nnen, daß es eine Kosmogonie gegeben hat, inder dem 'Arjp dieselbe Rolle in mythischer Auffassung zugeteilt war,die Anaximenes als Naturphilosoph der Luft zuteilte. Noch ein anderes Zeugnis bestätigt diese Tatsache. Pherekydesvon Syros, der ebenfalls in sehr naher Beziehung zur Orphik seiner Zeit steht
4
), lehrte in seiner kosmogonischen Schrift
Il£vx£|j,i>xos,
daß ausdem Samen des Chronos das Feuer, der Lufthauch und das Wasseentsprungen sei:
c&spexoSTjs
Ss 6 Supwg Zdvxa
[jiev efvao
ad val Xpovovxal X^oviav
iccc,
xpeli;
-npöxag
&pyäc,
........ xöv
§£
Xpovov
%oi.fjaai
hv,xoö yovoo eauxoö [aüxou] uöp
v.a.1
tcö[a«val
öScop
. . . ., e£
&v
sv rcevxe
\iuy_oic,
Si7|ip7)|jivwv
tcoXXyjv
$.Xkqy
yevsav auatTjvai
9'£wv,xyjV7i:£vx£[iu)(ov
>taXou|jV7jV,xaöxöv §e
i'cjwg efoteTv,
Ti£vx£zocr[xov
5
). Unte
TiVEöjxa
aber ist nichts andereszu verstehen als ä-qp. Denn uv£0[xa und
aV)p
sind in der Lehre desAnaximenes identisch, wie Aetios beweist, wenn er der Anhrung deseinen zusammenngend erhaltenen Fragmentes von Anaximenes dieWorte hinzufügt
0
):
XsyExai
8e
auvwvö|j,(i)?
avjp val uv£öp,a. Eine solche
!) Frg. 5 (Diels,
S.
495).2) Ebd. Frg. 5.
8
) Vgl. 0. Kern, De Orphei, Epiinenidis, Phereeydis theogoniis quaestiones cri-tioae; 0. Gruppe in Roschers Mythol. Lexikon
s.
v. „Orpheus" Sp. 1106, H. Diels,Fragmente der Vorsokratike
IT. 2
, S. 4921
*)
Vgl. 0. Kern, a.a.O.; Th. Gomperz, Grieehische Denker I.»S. 70f.
5
) Frg. 8A (Diels, S. 506).
6
) Frg. 2B (Diels, S. 21).

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