Vorwort zur 7. Auflage
„Unerwünschte Nebenwirkungen von Vitaminen", Der Arzneimittelbrief, 14.Jg., Nr. 8, 1980, S. 81. „Toxic Effects of Water-Soluble Vitamins", NutritionReviews, Vol. 42, No. 2, 1984, p. 33. Ist der Leser im falschen Buchgelandet? Keineswegs - das gehört lediglich zu der Literatur, die ichmehrere Monate durchforstet habe, um eine wiederholt an mich gestellteFrage beantworten zu können: „Was halten Sie von Multivitaminpräparatenbzw. warum erklären Sie nicht klipp und klar, mit welchen Kombinationenman die Leistung steigern kann?" Wenn es doch so einfach wäre! Als ichvor zehn Jahren anfing, dieses Buch zu schreiben, schöpfte ich sozusagennur von der Oberfläche, um praxisnahe Informationen zu bieten; tiefergehende theoretische Erörterungen waren für die angepeilteLeserzielgruppe vorwiegend jugendlicher Interessenten irrelevant, und soschienen auch detaillierte Für-und-wider-Überlegungen zum ThemaMultivitamine nicht aktuell, zumal weder meine Trainingskameraden nochich zu Zeiten persönlicher Bestleistungen entsprechende Präparateschluckten. Andererseits ist nicht auszuschließen, dass wir mit solchenZusätzen noch weiter gekommen wären - wer weiß? Inzwischen ist dasThema aktueller geworden. Jeder Supermarkt bietet Vitamine „fürGesundheit und Fitness", und speziell die Muskelpresse ist voll von Artikeln,in denen die leistungssteigernde Wirkung von Vitaminpräparaten gepriesenwird - aber dann kann man gleich daneben den entsprechendenBestellschein ausfüllen, und die kommerzielle Absicht ist allzu deutlich.Verfährt auch hier die Werbung nach dem klassischen Prinzip:„Mangelgefühl erzeugen und dann das (nutzlose) Heilmittel anbieten", oderhat der Käufer tatsächlich einen Nutzen von zusätzlichen Vitaminen? Solltengar die in den USA und auch auf deutschen Fitness-Messen werbendenVertreiber hochdosierter Präparate mit ihrer „Mehr hilft mehr" - Philosophierecht haben, wonach hohe Leistungsfähigkeit am sichersten durchMegadosen zu erreichen ist? Fragen dieser Art sind wiederholt an michherangetragen worden, und ich musste erkennen, dass das bisherigeVitaminkapitel in diesem Buch (S. 120-124) dem gewachsenen Interesse andiesem Thema nicht gerecht wird. Bei meinen Recherchen stieß ich schonbald auf Arbeiten der oben angeführten Art, die zumindest den „Mehr hilftmehr" - Ansatz fragwürdig erscheinen ließen. Das Problem ist: SolcheFachartikel werden primär von Fachleuten gelesen, aber kaum ein jugendlicher Sportler wühlt sich durch die Spezialliteratur inUniversitätsbibliotheken und -Instituten; folglich erfährt er nur selten etwasüber die Schattenseiten beliebiger Selbstmedikation und ist einseitig derWerbung und Flüsterpropaganda in der „Szene" ausgesetzt.Meine Darstellung zu diesem Thema (ab S. 187) erhebt weder Anspruch aufWissenschaftlichkeit noch auf Vollständigkeit, sie ist persönlich gefärbt,aber vielleicht gerade deshalb glaubwürdig: Ich predige nicht von hoherKanzel, sondern spreche aus zum Teil handfester persönlicher Erfahrung.Eberhard Schneider Mai 1988
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