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Die Welt Am Sonntag 010511

Die Welt Am Sonntag 010511

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05/19/2013

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DEUTSCHER MEISTER 2010/11
URSULA VON DER LEYEN
Bildungspaketsucht Abnehmer
Seite 31
     A     P     /     J     O     H     N     S     T     I     L     L     W     E     L     L
Der neue Bundesbeauftragte für die Sta-siunterlagen, Roland Jahn, will ehemalige Angehörige der SED-Geheimpolizei nichtausgrenzen. „Auch die Menschen, die bis1990 bei der Stasi tätig waren, haben einezweite Chance verdient“, sagte der frühe-re ARD-Journalist der „Welt am Sonn-tag“. Zugleich hält Jahn an dem Vorha- ben fest, sich von 47 früheren Stasimitar- beitern in der Stasi-Unterlagen-Behördezu trennen. Allerdings habe er auchgegenüber diesen Mitarbeitern „eine so-ziale Verantwortung“, sagte Jahn. Er wolle helfen, sie in anderen Behördenunterzubringen. Im Umgang mit DDR-Biografien warnt Jahn vor Überheblich-keit. Niemand solle so tun, als ob manschon immer gegen alles gewesen sei. Erselbst habe unter den Bedingungen derDiktatur zu einem zentralen Motto sei-nes Lebens gefunden: „Freiheit mussman sich nehmen!“
 Jahn: „Freiheitmuss mansich nehmen!“
Seite 6
INTERVIEW
Dr. Housekann auchanders
Seite 21
0,14¤/Min. aus dem dt. Festnetz;Mobilfunkmax. 0,42¤/Min.
SERVICE: 01805/6 300 30
NR. 18 AUSGABE B
**
SONNTAG,1.MAI2011
PREIS D ¤ 3,10
 Deutschlands gre Sonntagszeitung | Gegründet 1948 | www.welt.d
MATTHIAS KAMANNUND DOROTHEA SIEMS
D
eutschland wird wieder zueinem gespaltenen Land.Doch die Grenze verläuftnicht mehr zwischen Ostund West, sondern Nordund Süd driften auseinander. Ob wirt-schaftliche Dynamik, Arbeitsmarkt, De-mografie oder Forschung – während derNorden zurückfällt, werden neben Bay-ern und Baden-Württemberg auch Hes-sen und Rheinland-Pfalzsowie Thüringen und Sach-sen zu Erfolgsregionen. Verstärkt wird das Gefäl-le durch Wanderungsbewe-gungen. Nach aktuellenDaten des Bundesinstitutsfür Bevölkerungsforschung(BIB), die der „Welt amSonntag“ vorliegen, zogBayern seit 1990 im Saldo670000 Bewohner aus an-deren Teilen Deutschlandsan. Im selben Zeitraum verlor Niedersachsen fast eine halbe Mil-lion Menschen, Berlin knapp 100000. Auch Mecklenburg-Vorpommern oderBremen bluten aus. Laut BIB zieht es vorallem junge Menschen zwischen 18 und30 Jahren zur Arbeit oder Ausbildung inandere Länder. Bayern prognostizierendie Experten bis 2030 eine anhaltendeZuwanderung. Mit ihr werden auch ande-re Süd-Länder ihre Bevölkerung im Ge-gensatz zum Rest der Republik relativ stabil halten. Auf dem Arbeitsmarkt herrscht im Sü-den fast Vollbeschäftigung, während dieErwerbslosenquoten im Norden hoch bleiben. So meldet Bayern im April eine Arbeitslosenquote von 3,9 Prozent, Ber-lin oder Mecklenburg-Vorpommern kom-men dagegen auf mehr als 13 Prozent. Imgesamten Norden fiel der Rückgang der Arbeitslosigkeit in den vergangenenzwölf Monaten viel schwächer aus als imSüden. Weil die Wirtschaft vor allemdort investiert, dürfte das Gefälle zuneh-men. Laut Stifterverband für die Wissen-schaft fließen 52 Prozent der gesamtenForschungsausgaben der Wirtschaft nachBayern und Baden-Württemberg.Die Unterschiede werden durch denLänderfinanzausgleich nicht eingeebnet.Laut bayerischem Finanzministerium wurden zwischen 1950 und 2010 fast 157Milliarden Euro zwischen den Ländernumverteilt. Bayern, Baden-Württembergund Hessen sind die Hauptfinanziers.Doch regt sich bei ihnen wegen eigener Haushalts-nöte Widerstand; debat-tiert wird eine Klage vordem Bundesverfassungs-gericht.Bayerns Finanzminis-ter Georg Fahrenschon(CSU) kündigte an, man werde an der Klage fest-halten, wenn zwischenGeber- und Nehmerlän-dern eine „gütliche Eini-gung nicht möglich ist“. Auch die grün-rote Landesregierung vonBaden-Württemberg wird „vor einer Kla-ge gegen den Finanzausgleich nicht zu-rückschrecken“, wie der designierte Fi-nanzminister Nils Schmid (SPD) der„Welt am Sonntag“ sagte. Das Systemmüsse verändert werden, „weil es unge-recht ist und falsche Anreize setzt“.Doch wird ein Zusammengehen vonBaden-Württemberg und Bayern schwie-rig, da Bayerns Ministerpräsident HorstSeehofer (CSU) die Kooperation beiderLänder wegen Grün-Rot im Ländle auf-gekündigt hat. In der „Süddeutschen Zei-tung“ sagte er in der Sprache der Block-Konfrontation: „Wir haben nun einen Wettbewerb der Systeme.“ Darauf ant- wortete Nils Schmid aus Stuttgart, „dieseüberholte Parteipolemik“ nütze nieman-dem, „schon gar nicht Bayern und Baden- Württemberg“.
Erfolgsregionen südlich des Mains hängenden Rest des Landes ab. Grün-Rot inStuttgart rüttelt am Länderfinanzausgleich
Seiten 8 und 9
Deutschlandzerfällt inNord und Süd
DieUmverteilungzwischenden Ländern istungerecht
Nils Schmid
, SPD,künftiger Finanzministervon Baden-Württemberg
Die drei am Freitag festgenommenenmutmaßlichen Terroristen sind laut Bun-desanwaltschaft von einem hochrangigen Al-Qaida-Mitglied beauftragt worden, inDeutschland Anschläge zu begehen. DieMänner seien Teil eines größeren Netz- werks, sagte der Präsident des Bundes-kriminalamts (BKA) Jörg Ziercke amSamstag in Karlsruhe. „Wir gehen derzeitdavon aus, dass mindestens sieben bisacht Personen zu diesem Netzwerk gehö-ren.“ Die Beschuldigten sollen seit De-zember 2010 ein Attentat womöglich imRaum Düsseldorf vorbereitet haben undsuchten nach Wegen, Chemikalien fürden Bombenbau zu beschaffen.Bei den drei Festgenommenen handeltes sich nach Angaben von BundesanwaltRainer Griesbaum um den hauptverdäch-tigen 29-jährigen Marokkaner AbdeladimEl-K., den 31-jährigen Deutsch-Marokka-ner Jamil S. sowie den 19-jährigenDeutsch-Iraner Amid C. Die Bundesan- waltschaft wirft ihnen Mitgliedschaft ineiner terroristischen Vereinigung vor.Gegen die drei Männer wurde am Sams-tag Haftbefehl erlassen.Die Festnahmen entfachen erneut dieDebatte um die Vorratsdatenspeiche-rung. Der innenpolitische Sprecher derUnionsfraktion im Bundestag, Hans-Pe-ter Uhl, forderte BundesjustizministerinSabine Leutheusser-Schnarrenberger(FDP) auf, den Widerstand bei der Spei-cherung von Kommunikationsdaten auf-zugeben. „Angesichts des hohen konspi-rativen Aufwands, den die Terroristen anden Tag gelegt haben, liegt der Schlüsselzum Erfolg in der Aufklärung ihrer Kom-munikationswege“, sagte der CSU-Politi-ker. Die Liberalen wehren sich gegen dieUnionsforderungen, die Kommunikati-onsdaten aller Bürger auch ohne konkre-ten Verdacht für mindestens sechs Mo-nate zu speichern.
 Al-Qaida-Terroristenplanten Bombenbau
Seite 5
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Die Meisterschaft ist entschieden,der Abstiegskampf wird umso span-nender. Borussia Mönchengladbachgewinnt überraschend in Hannover.Christoph Daum hingegen verliertmit Eintracht Frankfurt in Mainzund muss nun um den Klassener-halt zittern.
Seiten 23 bis 30
Gladbach träumt von der Rettung
BUNDESLIGA
Samstag
Dortmund – Nürnberg
2:0
Hamburg – Freiburg
0:2
Mainz – Frankfurt
3:0
Hoffenheim – Stuttgart
1:2
Köln – Leverkusen
2:0
Hannover – M’gladbach
0:1
München – Schalke
4:1Freitag
Bremen – Wolfsburg
0:1
Kaiserslautern – St. Pauli
2:0
Z
 wei
Milliarden Menschen in aller Welt beobach-teten begeistert, wie in London ein 29-Jährigermit starkem Haarausfall die Tochter einesScherzartikelherstellers zur Frau nahm. Die Massen verfolgten ergriffen das Jawort sowie das Brautkleidund den Kuss des Jahres live am Bildschirm. Allein inDeutschland schauten 60 Millionen zu.
 Wenn hier schon alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden, sollen wenigstens die Fernsehgeräte einge-schaltet bleiben. Unser Bundespräsident hat demPaar seine herzlichsten Glückwünsche ausgerichtet.Er fühlt sich dem englischen Königshaus beson-ders verbunden, da er mindestens genauso überflüs-sig ist wie die Windsors, aber genau wie sie auf Kos-ten der Steuerzahler in einem Schloss leben darf.Heute geht die Party in Rom weiter, wenn Johan-nes Paul II. von seinem Nachfolger Benedikt XVI. se-liggesprochen wird. Es werden noch mehr Besucherals in London erwartet, denn es handelt sich um dieschnellste Seligsprechung aller Zeiten. Ein echtes Wunder also, das auch dringend benötigt wird, damitKarol Wojtyla in Kürze heiliggesprochen werdenkann. Es ist eigentlich unverständlich, warum mandie beiden Events nicht zusammengelegt hat. Bei derGelegenheit hätte auch Lady Di endlich seliggespro-chen werden können, die gelitten hat, um die Aufla-gen von Zeitschriften und die Einschaltquoten vonFernsehsendern zu steigern. Noch weiß man übri-gens nicht, welches Kleid der Papst bei der Zeremo-nie tragen wird. Der Bundespräsident schickte seineGlückwünsche nach Rom und erklärte, es sei ein er-freuliches Ergebnis der neuen EU-Freizügigkeitsre-gelung, dass ein ehemaliger polnischer Papst nun eu-ropaweit als Seliger arbeiten dürfe.
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Eine Hochzeit vor den Augen der Weltöffentlichkeit ist anstrengend.Das Brautpaar schien erleichtert, als die Zeremonie vorbei war.Ihr Wochenende verbringen Kate und William an einem geheimen Ort
Nach ihrem Auftrittauf dem Balkon desBuckingham Palacefahren Kate und Williamim Aston Martin für einekurze Erholungspauseins Hotel
Seiten 2, 3 und 4
 Just married...
 Alles zum DortmunderTitelgewinn
Seiten 15 bis 20 und 23 bis 25
 
E 85
Benzin braucht der Motor des Aston MartinVolante DB6 MKII aus dem Besitz von PrinzCharles. Der Motor wurde auf den Betrieb mitE 85 Bioethanol umgerüstet. William und Katefuhren damit am Nachmittag durch London.Ereignisse waren im Internet größer alsdie Hochzeit. Die Spitze bei Nach-richten-Seiten lag bei 5,3 MillionenAbrufen pro Minute. Platz eins gebührt derFußball-WM 2010. Bei Live-Streams überragenWilliam und Kate aber alle anderen Ereignisse.
67 Prozent 
der Deutschen glauben, dass die Ehe von PrinzWilliam und Kate glücklicher wird als die vonDiana und Charles. Das ergab eine Umfrageder „Bild am Sonntag“. Frauen (74 Prozent)sind optimistischer als Männer (59 Prozent).
20
bescheidene Sekundendauerte das Feuerwerkauf der Party für Williamund Kate.
 WELT AM SONNTAGNR.181.MAI2011
2
DIE HOCHZEIT
IN DIESER AUSGABE
 Eine kurze Übersicht 
IMMER AKTUELL:
 www.welt.de/
Mission erfüllt: Dank Markus Babbelkehrt Hertha BSC mit mehr Beschei-denheit in die Fußball-Bundesligazurück
Seite 28
Sport
Nivea wird 100: Die Marke stand stets fürQualität, aber nie für Luxus. Versuche, daszu ändern, sind gescheitert. Der Erfolg istdennoch geblieben
Seite 40
 Wirtschaft
Flucht in Grund und Boden: Immer mehrAnleger kaufen aus Furcht vor der Geld-entwertung Häuser und Wohnungen.Eine neue Blase?
Seite 43
Finanzen
Gedichte als Therapie: Der Schau-spieler Ulrich Tukur, der im Kino denGulag übersteht, glaubt im Leben andie Kraft der Poesie
Seite 54
Kultur
Der mit der Dose in der Hose: AndréSaraiva ging für seine Graffiti insGefängnis. Er sprüht weiter. Und ist jetzt ein Star.
Seite 63
Stil
Heraus zum 1. Mai: Als CDU-Chef inBerlin-Kreuzberg ist Kurt Wansnerein Exot im rebellischen Bezirk. Den-noch zeigt er tapfer Präsenz
Seite 5
Politik
G
ibt es in Deutschland eigentlich Menschen, die sich weder für Fußball noch für die Hochzeit in Londoninteressieren? Gehören Sie auch zu diesem er-lauchten Kreis? Schenken Sie mir drei Minuten Ihres kost- baren Sonntags, um Ihre Neugierde für unsere Bericht-erstattung über zwei Ereignisse zu wecken, die die Gefühleund Nachrichten des Wochenendes bestimmt haben.Keine Angst vor Fußball! Bei der jungen DortmunderMeistermannschaft von Trainer Jürgen Klopp spielt ereigentlich nur eine Nebenrolle. Die Geschichte diesesTeams handelt eben nicht von 11schwitzenden Millio-nären, die hinter einem Ball herlaufen und in dieser Saisonzufällig besonders viele Tore geschossen haben. Der grüneRasen ist vielmehr die Bühne für die ewige Geschichte von Aufstieg und Fall. Es geht um eine geheimnisvolle Kraft,die eine ganz besondere Fußballmannschaft aus der Tradi-tion, aus den Legenden, den Geschichten einer Stadt, einerganzen Region und ihrer einzigartigen Typen geschöpfthat. Auf den Straßen, den Plätzen, den Stadien und in den Wohnungen in Dortmund lernt man demütig, wie großund bedeutsam der Fußball im Leben von vielen Fans seinkann. Und man beginnt zu verstehen, warum.Die ganze Stadt Dortmund und viele andere haben sichin eine junge, entschlossene Fußballmannschaft verliebt,die von einem Trainer an die Spitze geführt wurde, dessenEigenschaften man sich auch im Berufs- oder Privatleben von Mitmenschen wünscht: Energie, Leidenschaft, Be-geisterungsfähigkeit. Lesen Sie unser Titelthema auf denSeiten 15 bis 20. Gerade wenn Sie kein Fußballfan sind.Der genaue Blick auf die Hochzeit in London kann unsetwas Ähnliches lehren. Es geht bei dieser Feierlichkeiteigentlich nicht um die prunkvolle Oberfläche und diekönigliche Familie. Sie liefert nur die Hauptdarsteller füreine Aufführung, die den Briten einen Moment des un-getrübten Patriotismus und der Selbstvergewisserungschenkt. Wir bewundern die Pracht einer Monarchie – und blicken gleichzeitig in das Herz einer der ältesten Demo-kratien der westlichen Welt. Jede Geste, jede Bewegung,der ganze Ablauf dieser Veranstaltung war minutiös fest-gelegt und Ausdruck eines selbstbewussten, stolzen, vonTraditionen geprägten Landes. Und über allem lag dieserHauch von lässiger britischer Selbstironie. Einzigartig –genau wie dieser Sonntag. Genießen Sie ihn.Frank Schmiechen, Stellv. Chefredakteur
Chefredakteur Jan-Eric Peters ist in Urlaub
Liebe Leserinnen,liebe Leser
Birma ist wie Thailand vor 40 Jahren:Magisch, buddhistisch, ohne Massen-tourismus. Momentaufnahmen auseinem unbekannten Land
Seite 71
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... die Familie, dieGäste, die Kleider – Momentaufnahmeneiner Königshochzeit 
Zu eng geschnürt: Elton Johnund Partner David FurnishGeweih- oder Brezel-Hut? Prin-zessin Beatrice (r.) und EugenieNa, was macht das Baby? DavidBeckham streichelt VictoriaDas ist zu laut: Blumen-kind Grace van Cutsam, 3
gleich übertreiben und hat deswegen die Rolleder Disco-Queen abgelehnt. Wild soll es aber zugegangen sein an die-sem Abend im Königsschloss. Diejenigen, die bis drei Uhr morgens vor dem Buckingham-Palast ausgeharrt hatten, konnten auf jedenFall berichten, dass ein paar der letzten der300 Gäste sich im Auto geküsst hätten. MitBildmaterial belegt ist allerdings nur dieses:Der Prinz trug einen Smoking, die Herzogin von Cambridge ein wie das Hochzeitskleid von Sarah Burton designtes, weiß schimmern-des Kleid und einen Angora-Bolero. Und sahdamit erneut sehr elegant und nach englischerParty aus. Der einzige Fashion-Fauxpas derNacht: Prinz Harry verließ die Hochzeit ohneFliege und mit den obersten drei Hemdknöp-fen offen. Das ist angesichts der Verkleidungs-künste, die dieser Prinz der Welt sonst so zu-mutet, aber zu verkraften.Ihrem ältesten Enkelsohn hat die Queenoffenbar mehr zugetraut. Prinz Williamdurfte seine Rede schon am Nachmittagin ihrer Anwesenheit und der von den650 Hochzeitsgästen halten. Er reihte sichin die Tradition der Vater-und-Sohn-Redenein. Prinz Charles hatte Witzchen überdie zunehmende „Krone“ auf dem Kopf seines Sohnes gemacht, womit er auf den sichtbaren Haarverlust anspielte,der Bräutigam dankte es ihm mit An-spielungen auf Charles’ zunehmendeTaille. Der Thronfolger sprach dieHoffnung aus, sein Sohn würde sich im Alter um ihn kümmern, nur das könntedann so aussehen: William schubst denRollstuhl des Vaters über eine Klippe:(Der Humor dieser Reden erschließtsich dem Fremdling nicht sofort).Doch es wurde natürlichauch ernst: William sprachüber seine Liebe zur Brautund über den großen Wert von Familie. Am Samstagmorgen verließen die Frisch- vermählten dann sichtlich entspannt mit demHelikopter der Royal Air Force den Palast – al-lerdings nicht in die Flitterwochen, sondernnur zu einem Wochenende an einem unbe-kannten Ort im Königreich. Prinz William, soließ der Palast mitteilen, wird in der kommen-den Woche wieder seine Arbeit als Rettungs-hubschrauberpilot bei den Streitkräften antre-ten. Im Ausland geflittert wird zu einem spä-teren Zeitpunkt, wann und wo, wurde nichtmitgeteilt. Die Medien versuchten stattdes-sen, so viele Details wie möglich des vorange-gangenen Tages zu vermelden: Die Hochzeits-torte war achtstöckig und mit 900 symbol-trächtigen Blumen aus Zuckerguss bestückt. Von der Menüfolge des Dinners – zur Vorspei-se Krabben, zum Hauptgang Lamm, zumNachtisch Eis – wurde viel geschrieben sowieüber die angeblich später gereichten Sandwi-ches mit Wurst und Schinken, auf denen Har-ry bestanden haben soll – doch mehr drangaus dem Palast leider nicht heraus – nichts, bis auf das Wummern der Bässe und dasnächtliche Feuerwerk, welches das Ende derParty an Londons Himmel verkündete.Und so musste man sich auf Gerüchte ver-lassen: Charles habe in seiner Rede seineFreude über die Schwiegertochter ausge-drückt. Sie sei die Tochter, die er nie hatte.Harrys Rede sei großartig lustig gewesen, wa-rum, blieb leider unklar. Ein einziger Witz hates angeblich nach draußen geschafft: SeinGroßvater, der Duke of Edinburgh, sehe nebender Braut aus wie ein Zwerg. Nun ja. Wichtigist: Alle glauben fest daran, dass Harry sehrlustig und respektlos war. Vielleicht deswe-gen, weil es das ist, was man von Harry erwar-tet. Und so passt der Glauben an die spekta-kuläre Rede gut in das Gesamtbild dieserHochzeit, mit der die Queen sich mit ihrem Volk versöhnt. Die Hochzeit von Prinz Wil-liam und Kate Middelton ist ein Wunsch, der wahr geworden ist.Die Welt nimmt freudige Ereignisse gerne wahr, wo immersie stattfinden. Rund um den Globus feierten Briten undFreunde der britischen Monarchie die prunkvolle Hoch-zeit. Hüte gibt es schließlich in der kleinsten Hütte. Die al-lerletzte Hochzeitsparty lässt übrigens noch auf sich war-ten. Der Yaohannen-Stamm auf der Pazifik-Insel Vanuatufühlt sich dem Königshaus verbunden, seit Prinz Philipdort 1980 weilte. Die Feier für Kate und William kann erststattfinden, wenn die Nachricht der Vermählung per Bootauf die Insel gebracht wurde, nächste Woche.
Kanada: Fröhliche Untertanen in ManitobaAfghanistan: Die Truppe freut sich für den OffizierLos Angeles: Alix, 25, weintRumänien: Im Dorf Viscri ist PrinzCharles GrundbesitzerSüdafrika: Hauptsache Kopfbedeckung Hannover: Johanna und Hund Shivas sind stolz
So feierte die Welt
„Grüße aus China“ in London
     R     E     U     T     E     R     S     /     H     A     M     I     S     H     B     U     R     K     E     /     H     O    ;     R     E     U     T     E     R     S     /     L     U     C     Y     N     I     C     H     O     L     S     O     N    ;     R     E     U     T     E     R     S     /     B     O     G     D     A     N     C     R     I     S     T     E     L    ;     A     P     /     K     E     N     G     I     G     L     I     O     T     T     I    ;     D     P     A     /     N     I     C     B     O     T     H     M     A    ;     A     F     P     /     G     E     O     F     F     C     A     D     D     I     C     K    ;     D     A     P     D     /     N     I     G     E     L     T     R     E     B     L     I     N
So schön war die Hochzeit
 Witzige Reden, Discoim Palast und vorerstkeine Flitterwochen – wie es nach derHochzeit weiterging
JUDITH LUIG
D
ie Queen war ‚not amused‘. Allerdings nicht wegen desInhalts der heiß erwarte-ten Worte von Prinz Harry,sondern weil sie, wie vor-her angekündigt, schonnach dem Champagner-empfang im Buckingham-Palast mit Prinz Phi-lip nach Windsor abreiste und sich so selbstum die Gelegenheit des komischen Höhe-punkts englischer Hochzeiten brachte: die Re-de des Trauzeugen beim Dinner am Abend. Angeblich soll Chelsy Davy, südafrikanischeFarmerstochter und immer mal wieder dieFreundin von Prinz Harry, ihm beim Formu-lieren seiner Rede auf den Bräutigam geholfenhaben. Vielleicht reicht ein Detail von Chelsy aus, um sich ungefähr vorzustellen, was danndabei herausgekommen ist: Ihre Handtasche,die sie in der Westminster Abbey trug, war von Mark Lana, einer von Lady Dianas Lieb-lingsdesignerinnen: eine Clutch aus Alligato-renleder. Nun ja, ein bisschen zu viel des Gu-ten eben. Harry hatte angekündigt, dass er dieRede entschärfen würde, wenn er sie in Anwe-senheit seiner Großmutter vortragen müsste.Im Internet erklärten nicht näher genannteQuellen, von denen es dieser Tage viele gibt,die Königin sei nicht von der Rede ihres En-kels, sondern von der Idee, Popmusik im Pa-last zu spielen, verscheucht worden. Die Quel-len wussten auch etwas von Disco-Kugeln, dieim Ballsaal hingen, und DJs, die der Party ein-heizen sollten. Eine offizielle Stellungnahmedes Königshauses gab es zu all dieser vermu-teten Modernisierung selbstredend nicht. Auf der Hochzeit am Freitag haben sich dieEngländer wieder neu in ihre Königin verliebt.Das „Ich will“ von Braut und Bräutigam wurde vor den Bildschirmen vor allem mit Jubel be-grüßt, aber bei „God save the Queen“ flossenTränen. Vielleicht wollte die Königin es nicht
GETTYIMAGES/PASCALLESEGRETAIN
Prinz William und sein Trau-zeuge und Bruder Prinz Harry 
14 Millionen
Menschen sahen in der Spitze in Deutschlanddie Hochzeit im Fernsehen. Die höchste Quotewurde während des Jawortes nach 12 Uhrerzielt. Die meisten Zuschauer schalteten dieARD ein, 4,48 Millionen im Schnitt, und hörtendie getragenen Erklärungen von AdelsexperteRolf Seelmann-Eggebert, 74.
HOCHZEITIN ZAHLEN
5
UND DANN WAREN DANOCH
 
EVA SUDHOLT
E
s gibt eine Hotline fürdie Frage „Sollen Harry und Pippa ein Paar wer-den?“ Bitte anrufen.Der „Guardian“ fragtsich, ob der Blick, dendie beiden in der Kircheaustauschten, nicht die perfekt geplanteInszenierung von Gelassenheit sei, so wunderbar unaffektiert könne doch keinRoyal sein. Obwohl (oder weil?) Harry soaussah, als habe er sich die „Cocktail-grippe“, wie man in England sagt, ein-gefangen, hat er für drei der char-mantesten Momente des Tages ge-sorgt: Als er sich vor dem Altarzur heranschreitenden Brautumdrehte und William an-grinste, als er seinerSchwippschwägerin Pip-pa süße Nichtigkeitenzuflüsterte, und als erauf dem Balkon des Buck-ingham Palace seinen Opazum Lachen brachte.Harry ist der Star des Königs-hauses. Von der Art, der die Mäd-chen zurufen: „Harry, ich will einKind von dir!“ Am 29. April hater ein weibliches Pendant ge-funden. Philippa CharlotteMiddleton, 27 Jahre alt,kleine Schwester der neuen Herzogin von Cambridge.Es ist nicht gerade so, als hätte sichCatherines Schwester versteckt all dieJahre. Es heißt sogar manchmal, sie habeschon immer ins Rampenlicht gedrängt. Aber irgendwie wollte niemand etwas wissen von ihr. Bis zu dem Tag, als ihreSchwester heiratete.Maid of Honour hat im Englischenzwei Bedeutungen: Trauzeugin und Hof-dame. In beiden Rollen ist Pippa amFreitag aufgegangen. Die Art, wie sie denSchleier richtete, hingebungs- und wür-devoll, stolz und liebreizend lächelndüber die Aufgabe, der Schwester zu die-nen. Das ist die eine Betrachtungsweise.Die andere ist etwas schlichter. Catheri-ne mag Her Royal Highness sein. Jetztist Philippa „Her Royal Hotness“, wie die„Daily Mail“ bemerkt. Für die drei blon-den, zweifellos bildhübschen Töchterdes Earl of Spencer, Lady Dianas Bruder,interessierte sich niemand. Vielleicht ist das der Moment, in demein abgedroschener Ausdruck zum Ein-satz kommen sollte: Philippa Middletonhat das „gewisse Etwas“. Zu ihrem Hö-here-Töchter-Appeal mit den niedlichenBlumenmädchen an der Hand geselltsich ein minimales, perfekt eingesetztesZuviel. In Textilien ausgedrückt: DieKnopfleiste an der Rückseite desKleides endet einen Hauchzu weit unten, das Dekolleté gibt genaudie entscheidende Andeutung. Pippa,heißt es oft, hat das, was Catherine fehlt.So wie Harry das hat, was William fehlt,etwas Wildes vielleicht.„Pippa and Harry“, sagte BBC-Mode-rator Chris Evans, „would be soRock’n’Roll“. Pippa ist das zweitältesteKind von Carole und Michael Middleton. Als sie 1983 geboren wurde, wardie Familie von Reichtumnoch weit entfernt. Der Vater arbeitete als Flug-koordinator, ihre Mutterhatte ihren Job als Ste- wardess für die Kinderaufgegeben. Aber CaroleMiddleton fing im kleinenBradfield Southend an, fürKindergeburtstage kleineTüten zusammenzustel-len mit Partyutensi-lien, Luftschlangen,Süßkram, Hütchenund so weiter. DieTüten verkaufte sie inder Nachbar-schaft. 1995, alsdie Middletons nach Bucklebury zogen, war aus dem Hinzuverdienst ein Famili-enunternehmen geworden. Heute solldie Familie millionenschwer sei.Schon an der Uni soll Pippa die meisteZeit damit verbracht haben, große Festezu organisieren. Mit Ausschweifungenund Partynächten hat sie trotzdem keineSchlagzeilen gemacht. Heute arbeitet die27-Jährige in der Firma ihrer Eltern – sie betreut die „Party Times“, das Online-magazin zum Versandhandel. Drei Tagedie Woche arbeitet sie außerdem füreine Londoner Cateringfirma namens„Table Talk“. Kurz vor der Hochzeithat sie sich einen kleinen Fauxpasgeleistet. Die „Party Times“ hattenoch am Montag ihre Kunden dazuaufgerufen, sich noch schnell mitPartyausrüstung für den Hochzeits-tag einzudecken. Ein bisschen zu viel Opportunismus, die Familie hatschnell reagiert und den Aufruf ge-löscht.Das Magazin „Tatler“ hat PippaMiddleton mal als Sexiest Single in Lon-don bezeichnet. Im Moment ist sie ver-geben, ihr Freund, der frühere Kricket-spieler Alex Loudon, durfte sie zurHochzeit begleiten. Vor Loudon warPippa dreieinhalb Jahre mit demsteinreichen Erben J.J. Jardine Patter-son liiert, der einer Bankiersfamilie mitFirmensitz in Hong Kong entstammt.2007 war Schluss. Übrigens kurz nach-dem sich William und Kate da-mals getrennt hatten.Das spektakuläre Kleid aus derKirche hat Pippa am Abend gegenein grünes eingetauscht – esstand ihr natürlich fantastisch.In den Augen der Queen viel-leicht den entscheidendenHauch zu viel.
+
1.MAI2011WELT AM SONNTAGNR.18
*
DIE HOCHZEIT
3
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Total schrill: TaraPalmer-TomkinsonEin bisschen schrill: PrinzHarrys Ex Chelsy Davy Cool wie 007, aber mit Biosprit: Das Brautpaar fährt im Aston Martin davonEndlich zur Party: Die Braut erneut in SarahBurton mit Stiefschwiegermutter Camilla Am Morgen danach: FamilieMiddleton verlässt das Hotel Alles vorbei, endlich zu zweit: Prinz William undHerzogin Catherine auf dem Weg zum Helikopter
     A     F     P     (     3     )    ;     A     P     (     3     )    ;     G     E     T     T     Y     I     M     A     G     E     S     (     2     )    ;     D     P     A    ;     R     E     U     T     E     R     S
 von
William
und
 Kate 
Als am Freitag Kate und William hei-rateten, wurde die königliche Hoch-zeitszeremonie
zum ersten Mal in derGeschichte live mitgeschnitten
undsofort im Anschluss digital veröffent-licht. Bereits wenige Stunden nach Endedes Gottesdienstes hat das britischeTraditionslabel Decca Records (Uni-versal Music) die gesamte Trauung auf den wichtigsten Download- und Strea-ming-Plattformen zur Verfügung ge-stellt. Folgende Musiker wirkten unteranderem an der Zeremonie mit: derChoir of Westminster Abbey, der Cha-pel Royal Choir und das London Cham-ber Orchestra. Gespielt wurden unteranderem „Serenade für Streicher ine-Moll Op. 20“ von Edward Elgar, „Fare-well To Stromness“ von Sir Peter Max-well Davies, „Touch Her Soft Lips AndPart“ aus der Suite „Henry V.“ vonWilliam Walton und „I Was Glad“ vonSir Charles Hubert Hastings Parry.Seit
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Catherine Middleton und ihre Trauzeuginund Schwester Philippa
 
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