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Gerechtigkeit

Gerechtigkeit

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www.freiheit.org
Kerstin Brauckhoff 
Gerechtigkeit
Die Debatte darum, was gerecht ist, ist allgegenwärtig: Mal geht es um Gerechtigkeit,mal um soziale Gerechtigkeit. Egal, welcher Ausdruck verwendet wird, es scheint umein gemeinsames Ziel zu gehen: die soziale Gerechtigkeit unseres Gemeinwesens. Einzweiter und differenzierter Blick auf die Debatte eröffnet, welche unterschiedlichenDefinitionen, Dimensionen und Zielvorstellungen die unterschiedlichen gesellschaft-lichen Akteure mit diesem Ziel verbinden. Während die einen soziale Gerechtigkeit alsumfassende Gleichheit von normativen Rechten und sozialen sowie materiellen Gü-tern betrachten, bezweifeln die anderen die schiere Möglichkeit, soziale Gerechtigkeitüberhaupt definieren zu können, geschweige denn, diese zu erreichen. Was aber ist dasliberale Verständnis von Gerechtigkeit? Und wann ist ein Gemeinwesen, ein Staat, imliberalen Sinne gerecht?Folgt man der Theorie des Liberalismus, ist die liberale Auffassung von Gerechtigkeiteinfach und klar zu definieren: Gerechtigkeit ist ein universelles Prinzip, an dem allespolitische Handeln gemessen und auf sein moralische Legitimität hin überprüft werdenkann
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. Dies setzt zunächst und unter allen Umständen gleiche Regeln für alle voraus.Für Liberale gilt der Grundsatz, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich zu behandelnsind. Diese Gleichheit vor dem Gesetz ist die Grundvoraussetzung für eine Gesellschaftfreier Menschen. Hieraus folgt, dass die Regierung eines Staates ohne sachlichen Grundniemanden bevorzugen oder benachteiligen darf und für alle Menschen die gleichen Re-geln gelten. Diese Gleichheit vor dem Gesetz ist objektiv überprüfbar.
Soziale Gerechtigkeit
Anders als bei der Gerechtigkeit geht es bei der sozialen Gerechtigkeit allerdings nichtum universelle Prinzipien mit gleichen Regeln für alle. Es geht vielmehr darum, dass eseine Form materieller Umverteilung geben muss, die aber gerade nicht jeden gemäßgleich angewandten Regeln behandelt. Umverteilung ist nur dann möglich, wenn un-gleich behandelt wird. Der Begriff soziale Gerechtigkeit suggeriert, es gäbe einen um-fassenden moralischen Maßstab für Umverteilungen. Dies würde bedeuten, dass jederan den Gütern der Welt bekommt, was ihm zusteht. Schwierig zu klären ist hierbei schondie Frage, was genau jedem zusteht, wie hoch der Anteil an den materiellen Gütern seinmüsse. Dieses Verständnis von sozialer Gerechtigkeit erlaubt einen fast unbegrenztenSpielraum des Transfers von einer gesellschaftlichen Gruppe zur anderen. In dieser Ge-sellschaft kann jeder nehmen, es kann aber auch jeder geben – oder sogar zum Gebengezwungen werden. Der Endzustand, die Zufriedenheit der Menschen in der Gesell-
1 Vgl. dazu u. a. Friedrich August von Hayek: Die Illusion der sozialen Gerechtigkeit; Landsberg 1981, Derselbe:Die Verfassung der Freiheit; Tübingen 1971.
 
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Gerechtigkeit
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schaft, wird nie erreicht, denn hat die eine Gruppe ein Privileg zugeteilt bekommen, somuss es auch die nächste Gruppe bekommen. Dies führt letztlich dazu, dass einzelneGruppen ausgegrenzt werden, dass eine bestimmte Generation auf Kosten der nächstenGeneration lebt oder dass die öffentliche Verschuldung immens ansteigt. Und dies führtletztlich auch dazu, dass alle Vorstellungen von „sozialer Gerechtigkeit“ mit einer Zu-nahme der Bevormundung in einer Gesellschaft verknüpft sind.
Gerechtigkeit in der Sozialpolitik
Im Zusammenhang mit sozialpolitischen Maßnahmen ist immer wieder darüber ge-stritten worden, inwieweit Ungleichheiten reduziert werden sollen bzw. welche Umver-teilungen notwendig sind. Jede Veränderung marktgenerierter Einkommens- und Ver-mögensverteilung durch Politik ist eine solche Umverteilung. Schon die reine Existenzdes Staates bringt notwendigerweise Umverteilungen mit sich, da Steuern und andereLeistungen eingefordert und „öffentliche Güter“ dafür bereitgestellt werden. Ohne denStaat würde das Recht des Stärkeren herrschen, und „Umverteilung“ wäre durch Machtund Gewalt bestimmt.Gerechtigkeit als universeller Maßstab dessen, was jedem gebührt, ergibt nur Sinn, wennnicht willkürliche Ansprüche an andere gemeint sind, sondern das formale Recht auf Schutz dessen, was als das „Eigene“ erworben wurde. Das, was dem Menschen gebührt,ist das, war er ohne Verletzung der Rechte anderer erworben hat. Jeder Mensch hat dasgleiche unveräußerliche Recht, sich selbst und sein Eigentum geschützt zu sehen. Diesist die liberale Vorstellung von Gerechtigkeit. Nur eine an diese Gerechtigkeitsvorstel-lung gebundene Politik schützt die Freiheit des Einzelnen vor Zwang und Gewalt.Mit dem Grundsatz des Schutzes individueller Eigentumsrechte hat der Liberalismusauch zugleich einen Schutz vor gewaltsamer Ausbeutung geschaffen, die sich fast im-mer politischer Machtmittel bedient. Fast alle großen Armuts- und Hungerkatastrophender Weltgeschichte sind durch rücksichtslose Anwendung staatlicher Macht entstan-den – nicht durch zuviel Freiheit im liberalen Sinne. Der Sieg über die Not ist einer dergroßen Triumphe des Liberalismus. Insofern können auch Liberale für sich reklamieren,dass ihre Gerechtigkeit eine „soziale Gerechtigkeit“ ist. Das „Soziale“ wird vom Liberalenwieder auf seine ursprüngliche Bedeutung zurückgeführt, wie man sie etwa bei EdmundBurke findet. Die materiellen Wohltaten des liberalen Staates müssen an das Prinzipder Freiheitswahrung und der allgemeinen Rechtsgleichheit gebunden bleiben. EdmundBurke formulierte dies 1790 folgendermaßen:„Die Freiheit, die ich meine, ist die soziale Freiheit. Es ist der Stand der Dinge, in demFreiheit durch die Gleichheit der Begrenzung gesichert ist; eine Verfassung der Dinge, inder die Freiheit keines Menschen und keiner menschlichen Gemeinschaft … Mittel zumÜbergriff gegen die Freiheit irgendeiner Person oder irgendeiner Gruppe von Personenin der Gesellschaft finden kann. Diese Art von Freiheit ist tatsächlich ein anderer Namefür Gerechtigkeit.“Schließlich leitet sich der Begriff „sozial“ von „societas“, dem lateinischen Wort für Ge-sellschaft, ab. Und der ganzen Gesellschaft soll schließlich gedient sein – und nicht or-ganisierten Interessen, die politische Macht zu ihren Zwecken missbrauchen. In diesemSinne haben die Väter der „Sozialen Marktwirtschaft“ den Begriff „sozial“ verstanden,als sie meinten, ein liberaler Staat sei nicht stark, weil er Gruppenegoismen diene, son-dern weil er ihnen widerstehen könne. Aber dann wäre die „soziale Gerechtigkeit“ zum

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