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www.humane-wirtschaft.de – 01/2009
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Tumorartige
Selbstvermehrung
der Geldvermögen
Von Helmut Creutz
Ü
ber die Hintergründe unserer derzeitigen Banken- und Wirt-schaftskrise, als Folge der Ein-brüche auf den Finanzmärkten, wirdfast genau so viel spekuliert, wie vor-her an den Börsen dieser Welt. Als Ur-sachen für diesen Einbruch werdendie fragwürdigen Immobilienkrediteebenso angeführt wie die mangelndenstaatlichen Regulierungen, die falscheGeld- und Zinspolitik der Notenbankenoder auch die Gier der Menschen. Dietatsächlich auslösende Ursache wurdejedoch bisher so gut wie nie angespro-chen: Das seit Jahrzehnten andau-ernde Überwachstum der Geldvermö-gen! Dabei resultieren daraus nichtnur die viel beschriebenen aktuellenExzesse und Hiobsmeldungen un-serer Tage, sondern auch die seit Jahr-zehnten diskutierten sozialen und öko-logischen Fehlentwicklungen in un-seren Volkswirtschaften!Dieses Überwachstum der Geld-vermögen wird bereits deutlich, wennman die Entwicklung der Geldvermö-gen in Deutschland mit jener der volks-wirtschaftlichen Leistung vergleicht:Während diese Leistung, das BIP, in in-flationsbereinigten Größen von 1950bis 2005 auf das 8-fache gesteigertwurde, sind die Geldvermögen in der gleichen Zeit auf das 45-fache explo-diert! Oder anders ausgedrückt: Lagendie Geldvermögen Anfang der 1950er  Jahre noch bei 60% des BIP, haben sieinzwischen die Marke von 320% über-schritten! Das heißt: Die Geldvermögensind heute bereits 3,2mal so groß wieunsere jährliche Wirtschaftsleistung!Diese wuchernden Geldvermö-gen mussten jedoch, zur Schließungdes Geldkreislaufs und Absicherungder Nachfrage, über Kredite in die Wirt-schaft zurückgeführt werden. Das be-deutet, dass im Gleichschritt mit denGeldvermögen nicht nur die Verschul-dungen angestiegen sind, sondernauch die Zinsströme, die aus der Lei-stung der Volkswirtschaft laufend be-dient werden müssen! Da die Volks-wirtschaften mit diesem Überwachs-tum jedoch immer weniger mithaltenkönnen, sind sie – aus einfachen ma-thematischen Gründen – letztendlichzum Scheitern verurteilt.Schon in der Oktoberausgabeihres Monatsberichtes 1993 hat dieDeutsche Bundesbank diesen Vermeh-rungsmechanismus als „Selbstalimen-tation der Geldvermögensbildung“ he-rausgestellt. Weiterhin wurde in demBeitrag darauf hingewiesen, dass dieZinserträge der Haushalte damalsschon bei 80% der Neuersparnisse la-gen! Das heißt, die vorhandenen Ver-mögensbestände vermehren sich ge-wissermaßen ‚von selbst’!Der bisherige Vorsitzende desSachverständigenrates, Professor BertRürup, hat diese wundersame Selbst-vermehrung durch den Zinseszins kürz-lich sogar als „achtes Weltwunder“ be-zeichnet, offensichtlich ohne sich der zerstörenden Wirkungen dieses „Wun-ders“ bewusst zu sein! Dabei zerrüt-ten die ständigen Umverteilungen vonder Arbeit zum Besitz nicht nur das so-ziale Gefüge in den Gesellschaften unddamit letztlich auch den Frieden in der Welt, sondern – zu einem ständigenWirtschaftswachstum gezwungen –auch noch die Umwelt!Selbst Politikern aus dem grünenoder linken Lager scheint nicht klar zu sein, dass alle diese Zinseinkom-men nicht vom Himmel fallen, son-dern von der Gesamtheit aller Bürger getragen werden müssen. Denn allevon den Kreditnehmern in der Wirt-schaft gezahlten Zinsen gehen als Ka-pitalkosten genau so in die Preise ein,wie alle Personal- und Materialkosten!Das heißt, alle Haushalte zahlen inzwi-schen mindestens ein Drittel ihrer Aus-gaben direkt und indirekt in den zins-bedingten Umverteilungstopf, währenddie Höhe ihrer Zinserträge von denhöchst unterschiedlichen Vermögens-beständen abhängig ist. Diese befin-den sich – selbst nach amtlichen Sta-tistiken – inzwischen zu mindestens
 „Spekulationen richten keinen Schaden an, wenn sie nur Bla- sen auf einem ruhigen Strom von Unternehmertätigkeit sind.Die Lage ist aber ernst, wenn die Unternehmertätigkeit zur Blase auf einem Strudel von Spekulationen wird.“  John Maynard Keynes
Ursache der Finanz- und Wirtschaftskrise:
SELBSTVERMEHRUNG DER GELDVERMÖGEN
 
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60% in den Händen einer Minderheitvon nur 10% der Haushalte! Und die-se Minderheit gewinnt netto gerech-net laufend so viel hinzu, wie alle an-deren Haushalte bei diesen Zins-transfers netto verlieren! Mit diesemUmverteilungsmechanismus erklärtsich nicht nur die ständige Zunahmeder Millionärs- und Milliardärshaus-halte in aller Welt, sondern auch dieZunahme der Armut, die inzwischen –trotz Wachstum – sogar in den reichenLändern registriert wird!In welchem Maße sich die Diskre-panzen in unserer Gesellschaft lang-fristig entwickelt haben, geht aus der 
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hervor. In ihr werden diejährlichen Zuwachsraten der Geldver-mögen, des Bruttoinlandprodukts (BIP)und der Nettolohneinkommen in denfünf vergangenen Jahrzehnten ausge-wiesen. Während die Zuwachsratendes BIP im Schnitt der 1950er Jahrenominell bei 9 Mrd. Euro lagen und inden 1990er Jahren bei 58 Mrd., stiegendie der Geldvermögen von 13 auf 335Mrd. an! Oder anders ausgedrückt: DleWachstumsrate der Wirtschaftsleistungnahm in den 50 Jahren auf das Sechs-fache zu, die der Geldvermögen auf das 26-fache!Noch frappierender jedoch ist der Vergleich mit den Zuwachsgrößen der Nettolöhne und -gehälter: In den er-
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sten drei Nachkriegs-Jahrzehnten nochim Gleichschritt mit dem BIP von dreiauf 14 Mrd. ansteigend, fielen sie bisins fünfte Jahrzehnt sogar auf 10 Mrd.zurück! Das heißt, sie stiegen in dengesamten 50 Jahren nur auf das Drei-fache an, und die jährlichen Steige-rungen von 10 Mrd. in den 90er Jahrenreichten noch nicht einmal aus, um dieKosten für die Verzinsung der hinzuge-kommenen 335 Mrd. Geldvermögen zubedienen!Zieht man einmal die gesamtenZinserträge der Banken heran, die im Jahr 2000 bei 370 Mrd. Euro lagen, sowirkte sich alleine dieser Zinsposten,umgelegt auf die 38 Millionen Haus-halte, für jeden dieser Haushalte alseine durchschnittliche Belastung von9.700 Euro (= 31% der Ausgaben!)aus! Damit lag dieser Kostenfaktor fastbeim Dreieinhalbfachen der Mehrwert-steuer, die im Jahr 2000 je Haushaltim Durchschnitt mit 2.820 Euro zu Bu-che schlug. Mit Recht beschreibt Gero Jenner in seinem Buch „Das Pyrami-denspiel“ diese Zinslasten als eine Artvon „Reichensteuer“, die – netto ge-rechnet – nur einer Minderheit zugutekommt.
SELBSTVERMEHRUNG DER GELDVERMÖGEN
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