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Katharina Wagner - Lieber Richard, Du Bist Noch Unheimlich Lebendig - Nachrichten Kultur - DIE WELT

Katharina Wagner - Lieber Richard, Du Bist Noch Unheimlich Lebendig - Nachrichten Kultur - DIE WELT

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Katharina Wagner - Lieber Richard, Du Bist Noch Unheimlich Lebendig - Nachrichten Kultur - DIE WELT
Katharina Wagner - Lieber Richard, Du Bist Noch Unheimlich Lebendig - Nachrichten Kultur - DIE WELT

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22.05.13Katharina Wagner : "Lieber Richard, Du bist noch unheimlich lebendig" - Nachrichten Kultur - DIE WELTwww.welt.de/kultur/article116392983/Lieber-Richard-Du-bist-noch-unheimlich-lebendig.html?config=print1/6
22. Mai. 2013, 13:38
Diesen Artikel finden Sie online unter 
http://www.welt.de/116392983
06:37
Katharina Wagner 
 Am 22. Mai 2013 wäre Richard Wagner 200 Jahre alt geworden.Urenkelin Katharina schreibt einen Glückwunschbrief und schwärmt vomLeben mit Bayreuth, dem "schönsten Abenteuerspielplatz der Welt".
Lieber, alter Richard,ich weiß nicht wirklich, warum wir Dich so nennen, aber zumindest in unserem Stamm der Familie heißt Du so, seit ich denken kann. Richard Wagner klingt für uns zu weit weg undUrgroßvater irgendwie auch. Du bist ja schließlich noch sehr, sehr präsent, als Charakter, wieauch mit Deiner Hinterlassenschaft. Tante Verena ist ja die einzige, die Dich noch Großvater nennen kann.Ja, übrigens: "Stamm", so haben wir die verschiedenen Familienmitglieder deiner vier Enkelbenannt, denn wir heißen zwar Wagner, aber sind eben nicht nur Wagner, sondern DeineVerwandten. Unser Nachname ist häufig. Dabei hätten wir durchaus auch Geyer heißenkönnen, nach Deinem Stiefvater, der Dir ja auch für mehr als ein Jahrzehnt seinen Namen zur Verfügung gestellt hatte.Du bist sehr konkret für mich, aber auch fern, und manchmal versuche ich sogar Dich fern zuhalten. Denn ganz bist Du mir nicht geheuer. Dann verstecke ich Dich gern hinter DeinemWerk. Ich werde nicht müde, es zu hören, Dein assoziationsreiches Werk, das mich zum
"Lieber Richard, Du bist noch unheimlich lebendig"
 
22.05.13Katharina Wagner : "Lieber Richard, Du bist noch unheimlich lebendig" - Nachrichten Kultur - DIE WELTwww.welt.de/kultur/article116392983/Lieber-Richard-Du-bist-noch-unheimlich-lebendig.html?config=print2/6
Inszenieren inspiriert. Schließlich kann ich mich ja immer nur auf Deine Musik beziehen oder auf das, was Du selbst über Dich geschrieben hast und andere über Dich schreiben. Denn auchich habe Dich ja nicht mehr gekannt, und mein Vater hat von seinem Vater auch nicht so viel Anekdotenhaftes, Familieninternes mitbekommen.Wenn ich die Gemälde und Fotos von Dir betrachte, dann sehe ich häufig Inszenierung undKünstlichkeit, es ist fast unmöglich, Dir in die Seele zu schauen, eine emotionale Beziehung zuDir zu entwickeln. Mir wurde natürlich eine Nähe zu Dir mitgegeben. Viele haben ein Bild vonDir: Ich habe meines, andere ihres. Es gibt sozusagen mehrere Bilder von Dir. Welches daswahrhaftigste ist, kann ich nicht beurteilen.Ich kenne Dich sicherlich nicht aus genetischen Gründen besser, denn auch sehr viele anderesind mit Deinen Opern aufs das Engste vertraut. Und vor allem mit Deinem tönenden Nachlasshabe ich gegenwärtig ja ziemlich aktiv zu tun, und so muss ich oft an Dich denken. Ganz ohne jede Ehrfurcht oder Weihe. Was Du alles gemacht hast! Was Du dazu wohl heute sagenwürdest? Ob Du schockiert oder begeistert wärest, was seit Deinem Tod in Deinem Namen beiden Bayreuther Festspielen passierte? Schade, dass Du nicht in Frank Castorfs neuem "Ring"sitzen kannst. Ob Du ihn mögen würdest? Aber, Verzeihung, nicht zu selten auch würde ich Dich gern fragen wollen, was für ein windigeKerl Du gewesen bist. Im Umgang mit Frauen, und überhaupt mit Deiner Umwelt. Wie Du dieLeute behandelt hast, die Dich verehrt, ja geliebt haben. Ich kann es mir bisweilen nur sehr schwer vorstellen. Was Dich zu Deinem Sendungsbewusstsein getrieben hat, zu Deiner Überzeugung, als einziger auf dem richtigen Weg zu sein, alle hinter Dir zu lassen.Wenn ich Dich heute treffen könnte, würde ich Dich unbedingt zu Deinem grauenvollenJudenhass befragen. Woher Du Deinen schrecklichen, unsagbaren Antisemitismus hast, der noch heute Dein Werk verschattet, vielleicht sogar verdunkelt, und mit dem ich mich beständigauseinandersetze, als Mensch, als Familienmitglied, als Festspielleiterin. Manchmal graut esmir vor Dir. Auch vor dieser direkten Nähe, nur drei Generationen zurück. Und ich weiß, immer wenn ich jemandem vorgestellt werde, die erste Überlegung ist meist: Wie viel vom altenRichard ist in der noch drin?
 
22.05.13Katharina Wagner : "Lieber Richard, Du bist noch unheimlich lebendig" - Nachrichten Kultur - DIE WELTwww.welt.de/kultur/article116392983/Lieber-Richard-Du-bist-noch-unheimlich-lebendig.html?config=print3/6
Ja, ich gebe zu, manchmal würde ich gerne eine der vielen anderen Wagners sein wollen. Soehrenvoll das sein mag, mit Dir verwandt zu sein, es ist auch eine ganz schöne Bürde, istPrivileg und Verdammnis. Mehr Mittelmaß täte Not: Niemand muss mich dafür bewundern, ichmöchte aber deswegen auch nicht angespuckt oder fast mit einem Schirm geschlagen werden – beides schon passiert. Ich bin eben nun mal die Urenkelin eines Genies wie eines Antisemiten. Den Strauss- oder Weber-Nachfahren geht das sicherlich anders.Man hat mir mal vorgeschlagen, ich sollte mich mit den Wittelsbachern oder Hohenzollernauseinandersetzen, wie die mit ihren Vorfahren umgehen, aber das ist nicht das Gleiche. Ich willmein Leben so normal wie möglich führen. Du, alter Richard, bist ein Teil davon, aber Du alleinbist nicht mein Schicksal. Ich will keine Deiner sich für einen Mann aufopfernden Frauen sein,ganz bestimmt nicht. Schließlich ist ein Leben mit und in der Oper schon unkonventionellgenug. Hier kann man auch mal seiner Fantasie freien Lauf lassen. Fantasie ist schön, aber ichmöchte weiterhin auch mit Realität konfrontiert werden.Dass man mit Dir verwandt ist, kann man kaum verstecken. Wer weiß, vielleicht versuchen daskünftige Familienmitglieder. Andere womöglich werden den Namen sendungsbewusst alsSchild vor sich her tragen. Aber ich bin meinen Eltern noch heute dankbar, dass Sie mich langeKinderjahre davor bewahrt haben, zu merken, dass nicht jedes kleine Mädchen mit der Drachenpuppe Fafner im eigenen Opernhaus nebenan spielen kann.Und wie habe ich es geliebt, durch diese Traumwelt zu tollen, die sich da jeden Sommer wieder aufgetan hat. Diese merkwürdigen, unsichtbaren Tonurgewalten, denen man mich anfangs nur aktweise ausgesetzt hat. Pures Klanggift, eine Droge, ich weiß, aber, ich glaube, ich lebe damitbis jetzt trotzdem sehr gesund. Danke, lieber alter Richard, für den schönsten Abenteuerspielplatz der Welt! Inzwischen ist es wunderbar, dass hier auch andere Kinder inaltersgerechten Varianten Deines Werkes begeistert Zugang finden.Ich habe mit Deiner – neben den Opern – schönsten, wenn auch gegenwärtig etwasrenovierungsbedürftigen Hinterlassenschaft fast tagtäglich zu tun: dem Festspielhaus. Und ichbin immer wieder fasziniert, welch ein Klangwunder dieser Orchestergraben ist – wie Deinezehn Opern, die Du hier für spielwürdig befunden hast, da klingen, sich entfalten. Mit einer 

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