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Die Wahrheit über Armut in Deutschland

Die Wahrheit über Armut in Deutschland

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Wohlfahrtsorganisationen, Sozialverbände und Umverteilungslobbyisten versuchen mit Hilfe von diversen Umfragen und Studien Handlungsbedarf zu suggerieren. Die Medien übernehmen diese mehrheitlich fragwürdigen Quellen meistens ungeprüft. Zudem verkaufen sich negative Schlagzeilen besser. Und nicht zuletzt haben auch Neidgefühle einen bedeutenden Platz in Deutschland und werden gern bedient.
Wohlfahrtsorganisationen, Sozialverbände und Umverteilungslobbyisten versuchen mit Hilfe von diversen Umfragen und Studien Handlungsbedarf zu suggerieren. Die Medien übernehmen diese mehrheitlich fragwürdigen Quellen meistens ungeprüft. Zudem verkaufen sich negative Schlagzeilen besser. Und nicht zuletzt haben auch Neidgefühle einen bedeutenden Platz in Deutschland und werden gern bedient.

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12/03/2013

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    a    r    g    u    m    e    n     t    e
www.freiheit.org
Peter Altmiks
Die Wahrheit über Armut in Deutschland
Seit Monaten wird in den Medien über eine steigende Armut in Deutschland diskutiert, vonder bei genauem Hinsehen nicht viel übrig bleibt. So versuchen Wohlahrtsorganisationen,Sozialverbände und Umverteilungslobbyisten mit Hile von diversen Umragen und StudienHandlungsbedar zu suggerieren.
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Die Medien übernehmen diese mehrheitlich ragwürdigenQuellen meistens ungeprüt. Zudem verkauen sich negative Schlagzeilen besser. Und nichtzuletzt haben auch Neidgeühle einen bedeutenden Platz in Deutschland und werden gern be-dient. Ein Beispiel daür ist die kürzlich erschienene Publikation „Die neue Umverteilung – sozi-ale Ungleichheit in Deutschland“.
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Der Autor versucht eine steigende Ungleichheit zu belegen,indem er Zahlen aus unterschiedlichen Quellen zusammenstellt, die aber au sehr verschiedenenGrundlagen basieren. Der Autor unterschlägt leider die sozialstrukturellen Veränderungen, diesich in den letzten Jahrzehnten ereignet haben und das Ergebnis sehr beeinlussen. So sind z.B.die Anzahl der Ein-Personen-Haushalte, der Alleinerziehenden und der Älteren gestiegen. Zu-dem hat auch die Einwanderung einen Eekt au das gemessene Ergebnis.
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Es ist oensichtlich, warum Wohlahrtsorganisationen und Sozialverbände ein so großes In-teresse an einer angeblich steigenden Armut haben: Die größten privaten Einzelarbeitgeber inDeutschland sind nicht große privatwirtschatliche Konzerne. Es sind die beiden kirchlichenWohlahrtsverbände Caritas und Diakonie, die dabei ein marktbeherrschendes Oligopol bilden.Die Caritas hat 559.526 Mitarbeiter, die Diakonie 453.000.
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Die Marktzutrittsbarrieren ür reieAnbieter sind hoch. Z.B. sind im Bereich der Jugendhile ein Drittel der Sitze der kommunalenJugendhileausschüsse von den Wohlahrtsverbänden besetzt. Damit haben die Wohlahrtsver-bände einen direkten Einluss au die Mittelvergabe. Die Entscheidung des jeweiligen Jugend-amtes, welche Anbieter beautragt werden, wird von den Wohlahrtsverbänden über den 78erAusschuss
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beeinlusst. Die Wohlahrtsverbände stimmen ihre Preisvorstellungen vor Verhand-
1 Der Bericht „Positive Trends gestoppt, negative Trends beschleunigt. Bericht zur regionalen Armutsentwicklungin Deutschland 2012“ des Deutschen Paritätischen Wohlahrtsverbandes ist ein besonders unverschämtes Bei-spiel ür einen politisch motivierten Bericht einer Wohlahrtsorganisation zur Armutsentwicklung. Unter völligerMissachtung der positiven Entwicklung der Beschätigung, der verügbaren Einkommen und von Indikatorender absoluten Armut wird ür eine „steigende Armut“ nur die Ungleichheit der Einkommen zugrunde gelegt.Und diese wird noch nicht einmal korrekt gemessen und weicht von den ermittelten Werten des Armuts- undReichtumsberichts der Bundesregierung ab.2
Wehler, Hans-Ulrich
, Die neue Umverteilung – soziale Ungleichheit in Deutschland, München: Beck, 2013.3
Schröder, Klaus 
, Plumpe Wahlkamphile – Hans-Ulrich Wehlers vergeblicher Kamp mit Statistiken, in: FAZ vom11.03.2013.4
Fischer, Konrad 
, Nehmen ist seliger denn Geben, in: Liberal 2/2013, S. 64-69.5 Au der Basis des § 78 des Kinder- und Jugendhilegesetzes bilden die Träger der öentlichen JugendhileArbeitsgemeinschaten, in denen neben ihnen die anerkannten Träger der reien Jugendhile sowie die Trägergeörderter Maßnahmen vertreten sind. In diesen Arbeitsgemeinschaten werden die geplanten Maßnahmenaueinander abgestimmt und gegenseitig ergänzt.
 
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Die Wahrheit über Armut in Deutschland
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lungsbeginn ab, die Jugendämter olgen in der Mehrzahl der Fälle diesen Vorstellungen. „Es istzu vermuten, dass die Ergebnisse eher im Sinne der Wohlahrt als des Steuerzahlers ausallen.“
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  Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass die Wohlahrtsverbände ein großes Interesseam Nachweis sozialer Ungleichheit und von sozialen Problemen allgemein haben. Anschließendbieten die Wohlahrtsorganisationen dann „maßgeschneiderte“ Dienstleistungen zur Lösungdieser Probleme an.
1. Armutsindikatoren für Deutschland
Die verlässlichste Datengrundlage, die dazu auch noch im Längsschnitt zur Verügung steht, istder Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Im März 2013 ist der vierte Berichterschienen und setzt die 2001 begonnene Datenerhebung ort. Der aktuelle Bericht umasstdie Berichtsjahre 2007 bis 2011, wobei im Einzelall auch Daten aus 2012 ausgewertet wur-den. Erstmalig orientiert sich der Bericht an den Lebensphasen, um die soziale Mobilität imLebensverlau zu analysieren. Diese Neuerung bedeutet, dass erstmalig subjektive Sichtweisender Bevölkerung sowie einzelner Personengruppen Eingang in den Bericht inden und nicht nurobjektive Beunde. Um den Bericht auch weiterhin aussagekrätig zu nutzen, empiehlt sicheine Konzentration au die objektiven Beunde.Die im Zusammenhang mit der Veröentlichung von einigen Medien inszenierte Debatte übereine vermeintliche Zensur erwies sich als haltlos: Alle schon im September enthaltenen em-pirischen Daten des Entwurs inden sich auch in der Endversion. Lediglich die persönlichenAnsichten der Bundesarbeits- und Sozialministerin, die sowohl bei der Bundesregierung alsauch bei der Union und den Liberalen unisono abgelehnt wurden, wurden wieder gestrichen.Aus der Entwursassung hätte man den Wunsch nach einer Vermögenssteuer, einer stärkerenBesteuerung hoher Einkommen und die Forderung nach einem allgemeinen gesetzlichen Min-destlohn herauslesen können. Die nun olgende Darstellung der wesentlichen Ergebnisse zeigt,dass die in der Entwursassung enthaltenen Wertungen nicht mit der empirischen Realitätübereinstimmen.So haben sich die Arbeitsmarktindikatoren positiv entwickelt. Die Arbeitslosenquote sank seit2005 von einem zweistelligen Wert au nunmehr 6,8 Prozent (2012). Vor allem hat sich die Zahlder Langzeitarbeitslosen von 1,73 (2007) au 1,03 (2012) Mio. Personen gesenkt.
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Deutschlandweist in der Europäischen Union mit 5,4 Prozent (Dezember 2012) die niedrigste Jugendar-beitslosenquote au. Von allen Altersgruppen ist die Arbeitslosigkeit von Personen zwischen 15und maximal 24 Jahren relativ am stärksten gesunken.
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Auch die korrespondierende Unterbe-schätigung, die auch nicht als arbeitslos zählende Menschen berücksichtigt, die sich z.B. inMaßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik beinden, hat abgenommen. Waren 2008 noch4,8 Mio. Menschen unterbeschätigt, so waren es 2012 nur noch 3,9 Mio.
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Man hat also nichtdie Arbeitslosenzahlen mit Maßnahmen der Arbeitsörderung verbessert. Auch der Anteil dererwerbsähigen Personen, die die Grundsicherung ür Arbeitssuchende (Arbeitslosengeld II) er-halten, an der Bevölkerung hat sich von 9,7 (2007) au 8,2 Prozent (2012) reduziert.
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6 Zitat von Daniel Zimmer, dem Vorsitzenden der Monopolkommission, in:
Fischer, Konrad 
, Das Kartell der Gut-menschen, in: Handelsblatt vom 01.12.2012.7
Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) 
, Lebenslagen in Deutschland – vierter Armuts- und Reich-tumsbericht der Bundesregierung, Berlin: 2013, S. 480.8
BMAS 
, a. a. O., 2013, S. V.9
BMAS 
, a. a. O., 2013, S. VI.10
BMAS 
, a. a. O., 2013, S. VII.
 
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Die Wahrheit über Armut in Deutschland
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Eine positive Entwicklung zeigt sich auch bei den real zur Verügung stehenden Einkommen.Gemäß den Erhebungen des DIW sind die inlationsbereinigten verügbaren Jahreseinkommenzwischen 2005 und 2010 um vier Prozent angewachsen. Besonders die unteren 40 Prozent dernach dem Einkommen geschichteten Bevölkerung haben von der Entwicklung proitiert.
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Auchdie Ungleichheit der Einkommensverteilung zeigt eine leichte Abnahme an, die Konzentrationder Einkommensverteilung ist gesunken. Betrug der Gini-Koeizient 2005 noch 0,29, so lag er2010 bei 0,28. Zwischen 2000 und 2005 war der Gini-Koeizient von 0,26 au 0,29 angestie-gen.
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2. Die Messung der Einkommensungleichheit, fälschlicherweise„Armutsrisikoquote“ genannt
Die sogenannte Armutsrisikoquote misst einen speziellen Aspekt der Einkommensverteilungund gibt keine Auskunt über den Grad der individuellen Bedürtigkeit. Die Armutsrisikoquoteist in Deutschland von 10,4 (1998)au 14,9 Prozent (2009) gestiegen. 2010 sank sie au 13,9Prozent.
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Vom Risiko der Einkommensarmut wären demnach in Deutschland über 11 Millio-nen Menschen betroen. Gemessen wird der Anteil der Personen, die über ein geringeres Ein-kommen verügen als 60 Prozent des mittleren Nettoäquivalenzeinkommens. Dieses Verah-ren operationalisiert ür den Einkommensbereich die sogenannte relative Armutsdeinition desRates der EU aus dem Jahre 1974, wonach Personen, Familien und Gruppen als arm gelten, „dieüber so geringe (materielle, kulturelle und soziale) Mittel verügen, dass sie von der Lebenswei-se ausgeschlossen sind, die in dem Mitgliedstaat, in dem sie leben, als Minimum annehmbarist.“ Wenn Einkommensungleichheit damit auch der empirischen Messung zugänglich wird, dar daraus jedoch nicht zwangsläuig au Eindeutigkeit oder gar objektive Herleitung geschlossenwerden.Woher kommt eigentlich die 60-Prozent-Schwelle? Dem EU-Konsens zur Armutsmes-sung olgend wurde in der Vergangenheit die Armutsschwelle zumeist bei 50 Prozent desDurchschnittseinkommens angesetzt. Wer darunter lag, wurde als arm gezählt. Eine 60-Pro-zent-Schwelle sollte dagegen einen armutsnahen Bereich markieren und eine 40-Prozent-Schwelle wiederum eine sogenannte „strenge Armut“ bezeichnen.
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So rechnete auch noch dererste Armutsbericht der Bundesregierung mit der 50- und 60-Prozentschwelle als Schwellen„relativer Einkommensarmut“.
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Das Konzept relativer Einkommensarmut verrät leider nicht, was Armut ist und wie viele Armees denn nun in Deutschland gibt. Was gemessen wird, ist nun einmal „lediglich“ das Maß vonEinkommensungleichheit. Ganz abgesehen davon, dass die Lebenslage eines Menschen nichtallein durch das Einkommen determiniert wird und sich somit Armut deinitorisch nicht au dasmomentane Einkommen reduzieren lässt. Zudem muss nur die Anzahl der Bezieher mittlererund höherer Einkommen steigen, das Durchschnittseinkommen steigt und es werden auto-matisch mehr Menschen „relativ“ einkommensarm – unabhängig davon, dass sie das gleicheEinkommen wie vorher bei womöglich konstanten Lebenshaltungskosten haben. Hinzu kommt,
11
BMAS 
, a. a. O., 2013, S. VIII.12
BMAS 
, a. a. O., 2013, S. 325.13
BMAS 
, a. a. O., 2013, S. 462.14 Vgl.
Hanesch, Walter et. al.,
Armut und Ungleichheit in Deutschland. Der neue Armutsbericht der Hans-Böckler-Stitung, des DGB und des Paritätischen Wohlahrtsverbands, Reinbek bei Hamburg: 2000, S. 50 .15
BMAS 
, Lebenslagen in Deutschland –erster Armuts- u. Reichtumsbericht der Bundesregierung, Berlin: 2001,S. 38 .

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