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Deutsche Bombastus Gesellschaft - Heft 6

Deutsche Bombastus Gesellschaft - Heft 6

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Die Bombastus-Gesellschaft Dresden will Mittler sein zwischen Wissenschaftund Öffentlichkeit, will über Leben, Werk und Bedeutung des Paracelsus informieren. Die Bombastus-Gesellschaft will die Ergebnisse wissenschaftlicher Paracelsus-Forschung so aufbereiten, dass deminteressierten Laien Theophrastus Bombastus von Hohenheim bekannt und vertraut wird wie ein Freund undVorbild in allem Streben und Suchen auf dem Weg durchs Leben und bei der Beantwortung all der dabeiauftretenden Fragen
Die Bombastus-Gesellschaft Dresden will Mittler sein zwischen Wissenschaftund Öffentlichkeit, will über Leben, Werk und Bedeutung des Paracelsus informieren. Die Bombastus-Gesellschaft will die Ergebnisse wissenschaftlicher Paracelsus-Forschung so aufbereiten, dass deminteressierten Laien Theophrastus Bombastus von Hohenheim bekannt und vertraut wird wie ein Freund undVorbild in allem Streben und Suchen auf dem Weg durchs Leben und bei der Beantwortung all der dabeiauftretenden Fragen

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Heft 6
INHALTSVERZEICHNISEDITORIAL …………………………………………………………………………………………………….. 1Günter Ickert »SO SCHREIB ICH VIELEN VIEL ZU SCHWER«Zur Sprache des Theophrastus Bombastus von Hohenheim (1493-1541)genannt Paracelsus ………………………………………………………………….. 3Günter Ickert »ORDNUNG HALTEN NACH WEISHEIT DER NATUR«Paracelsus und die Ehrfurcht vor der Schöpfung …………………………………. 12EMPFEHLUNG DOPSCH, Heinz; KÜNSSBERG, Edgarda; PAHLOW, Mannfried:Die Heilpflanzen des Paracelsus …………………………………………………. 19EDITORIALEs möchte nachhaltig in unserer Erinnerung bleiben, dass der Ende des 17. Jahrhunderts in unseren Wortschatzaufgenommene Begriff »Kultur« von (lat.) cultura = ‘Bebauung, Bestellung, Pflege‘ abstammt. Dieser Begriff wurde bereits vor rund 200 Jahren sowohl im Sinne von ‘landwirtschaftlicher Anbau‘ als auch im Sinne von‘Geisteskultur‘ verwendet. Letzteres bedeutet, ausgehend von Ciceros »cultura animi«, soviel wie die ‘Kultur des Herzens‘, die ‘sittliche Veredelung‘. Kultur als sittliche Veredelung mag angesichts dessen, was gegenwärtigalles als »Kultur« ausgegeben wird, geradezu veraltet erscheinen. Dabei ist es eine historische Erfahrung, dassdie Kultur des Herzens alle andere Kultur bestimmt, dass die sittliche Veredelung menschliche Beziehungen wie persönlichen Lebensstil, Schöpfertum wie Talente und Weltanschauungen beeinflußt. Im neunten seiner Briefe»Über die ästhetische Erziehung des Menschen« faßt Friedrich Schiller nicht nur die historischen Erfahrungenmit der »cultura animi« zusammen, sondern entwirft auch ein Programm für einen kulturvollen Weg desMenschen. Die Probleme auf diesem Weg kannte der Dichter: »Wie verwahrt sich aber der Künstler vor denVerderbnissen seiner Zeit, die ihn von allen Seiten umfangen? Wenn er ihr Urteil verachtet. Er blicke aufwärtsnach seiner Würde und dem Gesetz, nicht niederwärts nach dem Glück und nach dem Bedürfnis.« Das Auf-wärtsblicken ist stets mit Mühe verbunden, ist Schwimmen gegen den Strom, bedeutet nicht Anerkennung bei jedermann, erfordert einen starken Charakter. »Wo der Charakter erschlafft und sich auflöst, da wird dieWissenschaft zu gefallen und die Kunst zu vergnügen streben« (Schiller, 9. Brief).Haben nicht viele Probleme der Gegenwart – und unsere historische Erfahrung bezeugt dies für Jahrhunderte! – ihre Ursache im »erschlafften« Charakter und damit auch in Werken, die mehr um des »Gefallens« als um der Verantwortung betrieben werden? Ist der weitgehende Verlust der Ehrfurcht vor der Schöpfung und damit vor dem Leben nicht Resultat eines »aufgelösten« Charakters? Paracelsus beschrieb fehlenden Charakter in seinem»Liber de felici liberalitate« so: »
Unverstanden, hoffertigen, stolzen menschen, die do vermeinen, es sei kein got, sie seient über himel und erden, und also in solchem verstand werden sie verdambt 
.« Ihre Verdammnis bestehtauch im Verlust von Würde und Gewissen, weil sie nicht mehr »aufwärts« blicken und im alleinigen Strebennach »Glück und nach dem Bedürfnis« den Weg zur Kultur des Herzens verlassen und ihre Motive verderben.Die Existenz des Gewissens macht den Menschen zum Menschen, nicht die Herstellung von Werkzeugen undderen noch so beeindruckende Verwendung im Arbeitsprozess.In einer Predigt vom 4. April 1909, vier Jahre vor seiner Ausreise nach Lambarene, sagte Albert Schweitzer Worte, die die Geistesverwandtschaft dieses Mannes mit dem Hohenheimer ebenso wie mit Schiller andeuten:»So gibt es auch eine Schlafkrankheit der Seele, bei der die Hauptgefahr ist, dass man sie nicht kommen fühlt;darum müsst ihr auf euch achten. Und wenn ihr die geringste Gleichgültigkeit an euch merkt und gewahr werdet,wie ein gewisser Ernst, eine Sehnsucht, eine Begeisterungsfähigkeit in euch abnimmt, dann müsst ihr über euchselbst erschrecken und euch klar werden, dass das davon kommt, dass eure Seele Schaden gelitten hat.« Die er-wähnte Geistesverwandtschaft geht auf die Mahnung Christi an seine Jünger zurück:»Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?«(Matth. 16, 26). »Dringend spricht das Unglück seiner Gattung zu dem fühlenden Menschen, dringender ihreEntwürdigung, der Enthusiasmus entflammt sich, und das glühende Verlangen strebt in kraftvollen Seelen un-geduldig zur Tat« (Schiller, 9. Brief).
 
 Die »kraftvolle Seele« Paracelsus formulierte in den Eingangsworten zum »Labyrinthus Medicorum Errantium«von 1538:»
Und damit solches wohl von euch verstanden werde, habe ich mir vorgenommen zu setzen die Hauptbücher desnatürlichen Lichtes, auf dass ihr sehet, wo die Schule der Philosophie liege und wie die rechten Bücher gesucht  sollen werden.«
Es ist eine Binsenweisheit, dass Motive die Taten bestimmen. Unsere Erfahrungen haben uns gelehrt, dass einMensch nur dann zu wahrhaftigem Glück in Harmonie und Ordnung gelangt, wenn er, »lehrend«, seine»Gedanken zum Notwendigen und Ewigen« erhebt, wenn er, »handelnd oder bildend, das Notwendige undEwige in einen Gegenstand« seiner »Triebe« verwandelt (Schiller, 9. Brief). Die Kultur desHerzens bestimmt alle andere Kultur, weist den Weg zu menschlicher Würde und Größe in Dienst und Liebe.Dieser Dienst war zu Christi Zeiten so notwendig wie in der Zeit des Paracelsus, zur Zeit der Klassik wie in der Gegenwart: »Lebe mit deinem Jahrhundert, aber sei nicht sein Geschöpf; leiste deinen Zeitgenossen aber, wassie bedürfen, nicht, was sie loben« (Schiller, 9. Brief). Unsere Zeitgenossen bedürfen der Taten aus reinenHerzen, aus durch Liebe veredelten Herzen, denn »
was die Zunge redet«, soll aus »dem Herzen gehen, denn inihm liegt die Wahrheit, die Treue und die Liebe«
(Paracelsus).Vorstand und Verwaltungsratder BOMBASTUS-GESELLSCHAFT e.V. Dresden
 
Günter Ickert»SO SCHREIB ICH VIELEN VIEL ZU SCHWER«Zur Sprache des Theophrastus Bombastus von Hohenheim (1493-1541)genannt ParacelsusIm Jahre 1731 erschien eine »Historie der Medizinischen Gelahrtheit.« Ihr Autor, Gottlieb Stolle, schrieb darin:»Hätte er (Paracelsus) sauber latein geschrieben und geredet, seine Dinge deutlich vorzustellen gewusst, würdeer noch mehr Eingang gefunden haben«
1
. In der Tat erschien bereits den Zeitgenossen des Paracelsus seineSprache so schwierig, dass in zwei Wörterbüchern paracelsische Ausdrücke erläutert wurden: 1575 erschien beiPeter Perna in Basel das »Onomasticum« des Adam von Bodenstein, 1584 in Frankfurt/Main das »DictionariumTheophrasti Paracelsi« von Gerhard Dorn, einem Verleger paracelsischer Schriften.Dem Hohenheimer war freilich bewusst, dass er mit seiner Sprache nicht nur seinen Zeitgenossen Probleme bereiten würde. »So schreib ich hierin vielen viel zu schwer, vielen viel Ungefälliges. So aber dem, der anklopft,stets solches gegeben wird, was soll dann der dazu tun, der allein von den Brosamen seines Herrn ißt und auchselbst kein Brot bäckt? Drum muss er dieses Herrn Brot verkünden, wie er es ihm zu essen gibt«.
2
Paracelsus hatdas Ungewöhnliche, vom Herkömmlichen Abweichende seiner Sprache verteidigt und begründet. Von anderenAutoren distanzierte er sich mit der Bemerkung: »Jene Scribenten wollten alle Dinge beschreiben und habendoch von keinem etwas verstanden; sie haben zwar etwas gemacht und geschrieben, nichts aber von Grund oder aus der rechten Art und Eigenschaft, wie das Schreiben und Describieren gehen soll«
3
. Den »Grund« oder die»rechte Art« sah der Hohenheimer nicht in einer gewollten Originalität, sondern in seinem Verständnis von der Bedeutung des Wortes. Worte waren für ihn nicht Buchstabenfolgen, sondern verstofflichte Kraft: »Vermag einKraut ein Kraft, und das Kraut ist sichtbar und ist greiflich und ist natürlich, so vermags auch das Wort, wiewohles unsichtbar ist und nit greiflich, aber natürlich«
4
. Ein gutes Wort betrachtete Paracelsus als ein Heilmittel, alsomit einer heilenden, harmonisierenden Kraft versehen. Da Harmonie und Heil himmlische Kräfte sind, waren für den Hohenheimer solche Kräfte auch an Worte gebunden: »Drum sehen wir die Wahrheit der himmlischenKräfte in gewissen Namen, Wörtern etc., denn da ist nichts Abgöttisches«
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. In den Wörtern, die für ihn eine»unsichtbare«, aber »natürliche« Kraft darstellen, sah er die liebevolle Unterstützung menschlichen Wirkensdurch göttliches Walten: »Die Geister und himmlischen Kräfte können uns nicht anders helfen als durch die Namen und Wörter. Wenn wir die haben, so haben wir den Garten ihrer Arznei. Nun wisset also, dass der Namewie das Kraut, das Kraut wie der Name natürliche Arznei ist. Sie unterscheiden sich allein durch ihre sichtbareund unsichtbare Natur, sind aber beide im natürlichen Lichte«
6
. In seinen Schriften ging es Paracelsus offenbar nicht nur um die Darstellung von Sachverhalten und um Informationen, sondern durch sie auch um ein inneresGestalten (in-formare, latein.!) seiner Leser mit der Kraft des Wortes. Dass wir ihm das nicht schlechthinunterstellen, sondern dass der Hohenheimer über diese Wirkung der Worte nachdachte, zeigt auch folgendeÄußerung:»Ihr sollet zuerst wissen, dass die Kunst der Bezeichnung allen Dingen richtige Namen geben lehrt. Sie hatAdam, unser erster Vater, vollkommen gewusst und gekannt. Denn gleich nach der Schöpfung hat er allenDingen, jedwedem seinen besonderen Namen gegeben, jedem Tier einen besonderen Namen, den Bäumen jedemeinen

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