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Z
um Jahresausklang wurde hierzulandenoch einmal reichlich Verwirrung ge-stiftet. Da ist die große Koalition schon inSachen Gesundheitsreform konfus genug, wird Bundespräsident Köhler in den Me-dien als „Rebell“ gefeiert, und macht ein Wort die Runde, mit dem viele erstmal we-nig anzufangen wußten: „Investivlohn“.Ganz genau so, und nicht etwa „Intensiv-lohn“, wie nicht nur die Tagesschau auf ih-rer Internetseite behauptete.Bei der in Parteien, Gewerkschaftenund in der Presse vorgetragenen Debattegeht es jedoch keineswegs um eine etwai-ge Intensivierung von Gehältern, worun-ter man ja naiv allgemeine Lohnerhöhun-gen verstehen könnte, sondern vielmehrum Modelle, denen zufolge ArbeiterInnendazu genötig werden sollen, einen Teil ih-res Lohnes zu investieren — nämlich indie Firma ihres Arbeitgebers. Sprich, nichtmehr die ganze Summe, sondern nur noch90% oder 85% des Lohnes landen als Aus-zahlung auf dem Girokonto der Beschäf-tigten, der Rest wird in Form von Aktien, Anleihen oder dergleichen „angelegt“ —oder, anderen hübschen Ideen entspre-chend, der womöglich finanzklammenFirma gar als Darlehen zur Verfügunggestellt, mit der Aussicht, Zinsenzu kassieren. Na, immerhin et- was.Bundesrenegat Köhler, derper Interview den Investivlohn insGespräch brachte, sieht darin „mehr Ver-teilungsgerechtigkeit“. Schließlich seiendie Einkünfte aus Kapitalvermögen in denletzten Jahren schneller gewachsen als dieLöhne. Es sei nur recht und billig, die Mit-arbeiterInnen auch am Firmengewinn zubeteiligen. Mittels Investivlöhnen. Am be-sten gleich per Gesetz.Nun sind Investivlöhne nicht dasglei-che wie Gewinnbeteiligungen. Dafür mußdie Firma erst einmal Gewinne erzielen. Ansonsten kann die Geschichte recht un-angenehm werden. Je nach Modell könn-ten solche am Unternehmen beteiligte Be-schäftigte schnell mit leeren Händen da-stehen; Aktien können bekannterweiserasch an Wert verlieren, zumal, wenn siefrei gehandelt werden. Und wie es um An-teile an Firmen bestellt ist, die Bankrottgehen und folglich keinen müden Hellermehr taugen, sollte sich spätestens seitdem großen Firmensterben in der IT-Bran-che Mitte der 1990er Jahre herumgespro-chen haben. Damals war es üblich, Aktienan Angestellte auszugeben. Alle Beteilig-ten glaubten, davon nur profitieren zukönnen. Die Chefs hatten loyale Mitarbei-terInnen, die sich mit ihnen und der Fir-ma verbunden fühlten und einen verhält-nismäßig geringen Grundlohn kosteten.Die Beschäftigten wiederum wähnten sichals Nutznießer aufstrebender, zukunfts-orientierter Jungunternehmenunddank der Aktienanteilequasi schon selbst alsGeschäftsleute. Klar,daß der gewerk-schaftliche Orga-nisierungsgradhier eherschwachausfiel.Groß wardannder Kat-zenjam-mer, als sichdas soperfekt ge-dachte Mo-dell als Pilotspielentpuppte. Froh könnten andererseits jenesein, welche nicht auch noch Pech mit der juristischen Organisationsform „ihrer“ Fir-ma hatten, und dank der Geschäftsantei-le nun auch noch auf einem Berg Schul-den saßen. Auch wenn letzteres so erstmal nochnicht zu befürchten ist, wäre ein Investiv-lohn so oder so mit neuen Risiken ver-bunden, die auf die Beschäftigten abge- wälzt werden. Gerade davon versprechensich Regierung und Kapital motiviertere ArbeiterInnen. Indem ihr Einkommen vomFirmengewinn abhängig gemacht wird,soll sichergestellt werden, daß sie sich wie von selbst in die Arbeit reinknien, weil das ja auch in ihrem eigenen Interesse ist.Selbstredend würde das dann wiederumzu mehr Firmenloyalität führen. Wer be-streikt schon ein Unternehmen, das ihmselbst gehört? Und das nun, so tagträu-men nicht wenige PolitikerInnen, würdeden Standort Deutschland stärken undschließlich gar den Patriotismus fördern.Supi. Was aber hätten Arbeiterinnen und Ar-beiter vom Investivlohn? Außer dem frag- würdigen Nervenkitzel, nie so recht zu wissen, wie hoch der nächste Lohn aus-fällt, nicht unbedingt viel. Die wenigenähnlichen solcher Modelle, die es dafürbisher in Deutschland gibt, täuschenmeist. Bei Siemens, Daimler,BMW oder aber SAP han-delt es sich in der Regelum gesuchte Fachkräf-te, die eine besondersgute Ausgangslage auf dem Arbeitsmarkt haben unddie mittels güstiger Konditio-nen gelockt bzw. gebunden wer-den sollen. Anders sieht es da bei-spielsweise schon beim Versiche-rungsunternehmen Allianz aus, wo fürbestimmte Angestellte das Grundgehaltmassiv gedrückt wurde zugunsten von ho-hen Provisionsanteilen. Und das könnte,so befürchten ExpertInnen, bei einem ge-nerell eingeführten Investivlohn heraus-kommen: Eine besondere Art des Kombi-lohns, bei dem nicht der Staat, sonderndie Beschäftigten ihre eigenen Löhne be-zuschussen. Vor allem aber liefen Investivlöhne auf eine verschärfte Auseinanderdividierungder Arbeiter und Arbeiterinnen hinaus; Or-ganisierung und gewerkschaftliche Kämp-fe würden enorm erschwert. Die Stärke der Arbeiterklasse lag denn auch noch nie inihrer Zerrüttetheit begründet. Genau die-se aber hätte ein wie auch immer geregel-ter Investivlohn zur Folge.Lassen wir uns nicht in die Irre führen.So wenig Rebellen Bundesverdienstkreuze verteilen, ersetzen Investivlöhne die gu-ten, alten Gewerkschaftsdiszplinen wieLohnerhöhung, Arbeitszeitverkürzungund Verbesserung der Arbeitsbedingun-gen. Die Wahrheit liegt eben nicht in derNew Economy und ihrer frisch klingendenBegrifflichkeit, sondern ist ganz „oldschool“. Und das bedeutet Klassenkampf.
Matthias Seiffert
   D  i  r  e  k  t  e   A  k  t  i  o  n
  ·   K   o   r   n   s   t   r .   2   8  -   3   0  ·   3   0   1   6   7   H   a   n   n   o   v   e   r   D   e   u   t   s   c    h   e   P   o   s   t   A   G  ·   P   V   S   t  ·   »   E   n   t   g   e    l   t    b   e   z   a    h    l   t   «   ·   V   K   Z   H   2   0   3   1   8
Catwal
k
H2031830. JGNR. 179
 Januar/Februar 2007
1,50 EURO
Sag Chef zu Dir
... oder etwa nicht? Vom Rätseln über „Investivlöhne“
Inhalt
Betrieb und Gesellschaft
Strategie der Nische . . . . . . . . . . . . . . .3
Solidarische Ökonomie zwischen Hoffnungund Illusion
Die Ruhe vor dem Sturm? . . . . . . . . . . .4
Die EU-Dienstleistungsrichtlinie vor derUmsetzung
Das Geschäft mit der Krankheit . . . . . . . . . . .4
Zur Arbeitssituation der Pflege in den Amper Kli-niken Dachau
Kein Rausch ohne Kater . . . . . . . . . . . .5
Das Existenzgeld als neoliberale Mogel-packung
Grenzen einreißen, um neue zu errichten . . . .6
Die neue „Bleiberechtsregelung“ derInnenministerkonferenz
Diskussion
Wo die Wege sich kreuzen... . . . . . . . . .7
Eine Erwiderung auf René Talbot
Zeitlupe
Wer ist hier der Boss? . . . . . . . . . . . . . . . . . . .8
Kaum sonst wo auf der Welt sind Konzepteselbstverwalteter Betriebe so weit entwik-kelt wie in San Fransisco — mit unter-schiedlichen Erfahrungen.
Globales
Eine verrückte Idee . . . . . . . . . . . . . . . . .9
Schweden: SAC ruft 2,5 Millionen Arbeiterzum Generalstreik auf 
Spontaner Streik bei Volkswagen .10
Arbeitskämpfe in der Automobilindu-strie
US-Army: Mit Taft-Hartley gegen Arbeiter . . . .10
Alle Räder stehen still, wenn Deinstarker Arm es will 
Alter Wein in neuen Schläuchen . . . .11
Italien hat zwar nunmehr eine neue Re-gierung, doch die Politik des Sozialab-baus bleibt die gleiche
Die Masken sind gefallen . . . . . . . . . . . . . . . .12
Griechenland: Vergewaltigung im Paradies
Hintergrund
MWR: The sexiest rebellion ever . . . . . . . . .12-13
Über die Selbstorganisation eines Hau-fens ungebildeter, fauler, betrunkenerTaugenichtse und die Rolle des Internetsdabei
Kultur
Ein Denkmal für Louis Lingg (2) . . . . . . . . . . .14
„Die Bombe“ — Frank Harris' Klassikerüber die Haymarket-Affäre wiedergele-sen
UPTHEREPUBLIC . . . . . . . . . . . . . . . .15
Literatur und Medien im SpanischenKrieg (1936-1939)
(Dank an Adi F. in Melbourne)
Kauf Dich glücklich
„Klassenkampf im Weltmaßstab:Faustregel gegenStandortkonkurrenz undKlassenspaltung“, so lautet derHauptartikel dieser Broschüre.Er führt die bisherigenUntersuchungen zu„Syndikalismus — Geschichteund Perspektiven“ weiter in dieZukunft einer globalenWeltordnung und der damitnötigen internationalenOrganisierung derArbeiterInnenklasse.Unterfüttert wird dieser Artikel mit historischen Beiträgen zuder FAUD: ihrer Organisation,ihrer Stellung zu Betriebsräten,Kollektivverträgen undStreikkassen und ihrerEinstellung zur Frage derAnwendung revolutionärerGewalt.45 Seiten, DIN A 5, Preis: 2,50Euro, zu bestellen über FAU-MAT:fau-mat@gmx.de
Auf den Geschmack ge-kommen ...
Im Dezember 2006 ist das Buch„Sechs Monate Streik bei GateGourmet“ von den Flying Pickets(Hrsg.) erschienen. Es fasst dieErfahrungen der Streiks bei GateGourmet in London-Heathrowund Düsseldorf zusammen.ISBN 3-935936-54-0, 264 S., für12,00 Euro zu bestellen beiSyndikat-A
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ie Entwicklung zur Gleichberechti-gung von Frau und Mann stockt. Im-mer noch ist die Diskriminierung nachdem biologischen Geschlecht auf dem Ar-beitsmarkt üblich. Rund 23% wenigerBruttolohn erhalten Frauen im Vergleichzu Männern. Das geht aus dem ersten vonder Bundesregierung in Auftrag gegebe-nen Datenreport zur Gleichstellung vonMännern und Frauen hervor. Verglichen wurden die Gehälter bei angenommenergleicher Arbeitszeit.Damit bildet Deutschland in einemRanking mit anderen europäischen Län-dern im Bezug auf Lohndiskriminierungdas traurige Schlusslicht (vgl. Grafik auf Seite 4). Nachdem in den letzten 50 Jah-ren die Lohnkluft langsam abnahm, istdieser Prozess nun zum Stillstand ge-kommen. In Ostdeutschland hat sogareine gegenläufige Entwicklung begon-nen, die ein erneutes Auseinandersche-ren der Einkommen von Frau und Mannzur Folge hat.Immerhin ergab sich im Bezug auf das Bildungsniveau inzwischen eine er-freuliche Wende. 40,6% der Frauen bis 30Jahre hatten im Jahr 2004 Abitur, bei denMännern waren es lediglich 37,8%. Auchunter den Hochschulabsolventen und-absolventinnen herrscht inzwischen ge-schlechtliche Parität. Oberflächlich be-trachtet ließe sich aus dieser Entwick-lung die Hoffnung nähren, Gleichberech-tigung am Arbeitsmarkt ergäbe sich spä-testens mit dem vollständigen Eintrittdieser Generation ins Erwerbsleben. Da-gegen sprechen allerdings zu viele Fakto-ren:Die Ausbildungswahl fällt nach wie vor stark geschlechtsspezifisch aus. Sohat sich an der Wertschätzung im ökono-mischen Sinne für klassische „Frauenar-beit“ (z.B. Kranken- oder Altenpflege) bisheute nichts geändert; sie wird ver-gleichsweise schlecht bezahlt, beruf-licher Aufstieg und damit steigende Ver-dienstmöglichkeiten sind nicht vorgese-hen.Frauen gelten als weniger produktiv,denn sie unterbrechen ihre Erwerbstätig-keit häufig für Jahre, meist zu Gunstender Erziehung ihrer Kinder. In der Folge wird ihnen auf Grund mangelnder beruf-licher Erfahrung weniger Leistungsver-mögen unterstellt. Berufserfahrung inForm kontinuierlicher Vollerwerbstätig-keit hingegen wird belohnt – ein Vorteilfür die Gehaltsschecks der Männer.Es sind mehrheitlich Männer, die überdie berufliche Karriere von Frauen ent-scheiden. Für sie sind Frauen jedoch häu-fig ein unternehmerisches Risiko, dennin einem Alter, in dem Karriere z.B. durch Weiterqualifikation in den Unternehmengefördert wird, kann man sich bei Fraunie sicher sein, ob sie sich am Ende nichtdoch für Kind und Kegel entscheidet, ihreFlexibilität einbüßt und sich beruflicheQualifikationsmaßnahmen in den Augender Entscheider als Fehlinvestitionen er- weisen. Hinzu kommen uralte Vorurteileund Rollenmuster, die dazu führen, dassFrauen in vielen Berufen weniger Lei-stung und Belastbarkeit zugetraut wird.Gesellschaftlich tief (abgrundtief!) verwurzelte Rollenmuster und eine tra-dierte Sicht auf die Familie sind letzt-endlich verantwortlich dafür, dass inDeutschland immer noch das klassischeErnährermodell dominiert. Sie erklärenauch, warum sog. Frauenberufe schlechtentlohnt werden. So waren z.B. sozialeBerufe, als sie zu Beginn des 20. Jahr-hunderts professionalisiert wurden undsich damit weg vom Ehrenamt entwickel-ten, nie als Ernährerberufe konzipiert. Es waren Berufe für Frauen, bis sie durchHeirat dem Ruf nach Heim und Herd folg-ten.
Lohnarbeit als Stippvisite
Fehlanzeige bei der Gleichberechtigung von Mann und Frau
30 Jahre FAU!
Im Februar 2007 wird die FAU 30Jahre alt und ist damit dieälteste libertäre Organisation inder BRD. Am 12./13.2.1977kamen Delegierte von achtanarcho-syndikalistischenGruppen mit insgesamt ca. 40Mitgliedern zu einem erstenbundesweiten Treffen in Kölnzusammen und gründeten die„Initiative für den Wiederaufbauder FAU(D)“. Auf dem zweitenNationaltreffen in Köln am8./9.10.1977 wurde „InitiativeFreie Arbeiter Union“ (I-FAU) alsvorläufiger Name derOrganisation beschlossen undeine Gründungserklärungverabschiedet.
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2
Nr. 179Januar/Februar 2007
Intro
FAU-Ticker 
 
Region NordBremen . . . . .FAU-IAA Lokalföderation Bremen
, Postfach 10 56 74,28056 Bremen, fauhb@fau.org, www.fau-bremen.tk,www.bremer-aktion.tk, Tel. (0162) 38 29 46 7
Syndikat der Lohnabhängigen und Erwerbslosen (SLE-FAU)
, sle-hb@fau.org, c/o FAU BremenBielefeld . . . .c/o „Umweltzentrum“,August-Bebel-Str. 16,33602Bielefeld, Treffen jeden 2. und 4. Di. im Monat, 19.30Uhr, faubi@fau.org, www.fau-bielefeld.de.vuFlensburg . . . .c/o Infocafé, Hafermarkt 6, 24943 FlensburgHamburg . . . .
FAU-IAA Hamburg
, Fettstraße 23, 20357 Hamburg.Offenes Treffen jeden Fr., 19.00 Uhr, fauhh@fau.org, Tel.(040) 43 22 124Hannover . . . .UJZ Korn, Kornstraße 28-30, 30167 Hannover. Treffen jeden Di. 21.00 Uhr, letzten Di. im Monat offener Abendab 20.00 Uhr, fauh@fau.org, Tiermedizinisches Syndikat,tiermedizin@fau.orgKiel . . . . . . . .
K
ontakt über OGHamburgLübeck . . . . . .Kontakt über OGHamburgOsnabrück . . .FAU-IAA
Osnabrück
, Postfach 1925, 49009 Osnabrück,Treffen:jeden Mo. 20:00 Uhr im Café „Mano Negra“, AlteMünze 12, fauos@fau.org
Region West
Bochum . . . . .Kontakt über
FAU Dortmund
, faudo@fau.org, öffentlichesTreffen: Jeden dritten Do. im Monat ab 19.00 UhrThekenabend im Sozialen Zentrum Bochum, Rottstr. 31Bonn . . . . . . .
FAU-OG Bonn
, Wolfstraße 10 (Hinterhaus), 53111 Bonn-Altstadt, Tel.: (0228) 90 93 171, E-Mail: faubn@fau.org,www.fau-bonn.de, OG-Treffen jeden Mi. 20.30 UhrDortmund . . . .c/o „Langer August“, Braunschweiger Str.22, 44145Dortmund, Tel. : (0231) 86 30 105 (Anrufbeantworter),Fax: (0231) 86 30 101, faudo@fau.orgDuisburg . . . .
FAU Duisburg Lokalföderation
, Querstr.38, 47178Duisburg, Schwarz-Roter Stammtisch: Jeden ersten Sa. imMonat um 20.00 Uhr im „Bürgerhof“, Sternbuschweg 97,47057 Duisburg, Info-Telefon und SMS: (0179) 325 86 48,faudu@fau.org, www.fau-duisburg.tkDüsseldorf . . .
FAUDüsseldorf, Allgemeines Syndikat
, Postfach 10 2404, 40015 Düsseldorf, faud@fau.org, Fax:(01212) 5 11029 174, Fon/SMS: (0179) 32 586 48,www.fau.org/ortsgruppen/duesseldorf oderwww.free.de/astiKrefeld . . . . .(02151) 39 42 70Moers . . . . . .c/o „Barrikade“, Bismarckstr. 41a, 47443 Moers,faumo@fau.orgMünster
. . . . .FAU Münster
, c/o Emma-Goldman-Zentrum, Dahlweg 64,48153 Münster, faums@fau.org,www.fau.org/ortsgruppen/muenster, offenes Treffen: jeden 1. und 3. Mi. im Monat 20.00 Uhr im Dahlweg 64,Café Libertaire, mit Vortrag, Film etc.: jeden 2. und 4. Mi.im Monat 20.00 Uhr im Don Quijote, Scharnhorststr. 57
Region Ost
Altenburg . . . .fauabg@fau.orgBerlin . . . . . .Straßburger Str. 38, 10405 Berlin, faub@fau.org,Tel.:(030) 287 008 04, www.fau.org/ortsgruppen/berlin,offenes Büro dienstags 16.00 - 20.00 Uhr (ab Februar:freitags)
Allgemeines Syndikat
, 2. und 4. Mi. im Monat 19.00 Uhr,
Bildungssyndikat
, 1. und 3. Mi. im Monat 20.00 Uhr,bsy-b@fau.org
Kultursyndikat
, 1. und 3. Do. im Monat 20.00 Uhr,ksy-b@fau.org
GNLL Berlin-Brandenburg
, Treffen jeden letzten Do. imMonat 20.00 Uhr, faugrs@fau.orgFAU-Tresen jeden 1. und 3. Do. ab 21.00 Uhr im Subversiv,Brunnenstr.7 /2.HH, Berlin-Mitte, U8 Rosenthaler PlatzDresden . . . . .
FAU Dresden
, c/o Stadtteilladen, Rudolfstr. 7, 01097Dresden, offen: freitags 16.00 - 20.00 Uhr,fau-dd@gnuviech.infoFrankfurt/O. .
FAU-IAA
, c/o Backdoor, Rosa-Luxemburg-Str. 24, 15230Frankfurt/Oder, fauff@fau.org, www.fau-ffo.de.vuGöttingen . . .
FAU-IAA Göttingen
, c/o Buchladen „Rote Straße“,Nikolaikirchhof 7, 37073 GöttingenGransee . . . . .
FAU-IAAOrtsgruppe und GNLL/FAU Landwirtschaft Berlin-Brandenburg
, faugrs@fau.org, c/o Th. Beckmann,Dorfstr. 13, 16775 WolfsruhHalle/Saale . . .c/o Infoladen Glimpflich, Ludwigstr. 37, 06110Halle/Saale, ebenfalls
GNLL-KONTAKT
Leipzig . . . . . .c/o „Libelle“, Kolonnadenstr. 19, 04109 Leipzig.Präsenzzeit: mittwochs 17.00 - 18.00 Uhr,leipzig@fau.orgMagdeburg . . .
FAU Magdeburg
, faumd@fau.org, c/o „Blaue WeltArchiv“, Thiemstrasse 13, 39104 MagdeburgPotsdam . . . .FAU
Potsdam
, Hermann-Elflein-Straße 32, 14467 Potsdam,Tel.: (0176) 29 55 01 00, faupdm@fau.org,www.fau.org/ortsgruppen/potsdam, Treffen des ASy jeden 2. und 4. Mi. 18.00 Uhr, Präsenszeiten jedenDonnerstag 16-19 Uhr, FAU-Tresen jeden 2. und 4. Do. ab19.00 Uhr in der OLGA, Charlottenstraße 28 in Potsdam
Region Süd
AschaffenburgKontakt über Frankfurt/M.Dachau . . . . .Kontakt über MünchenDreieich . . . . .Kontakt über Frankfurt/M.Frankfurt/M. .c/o DFG/VK, Mühlgasse 13, 60486 Frankfurt/Main,sonntags 19.00 Uhr, fauffm@fau.orgFreiburg . . . . .
FAU-Ortsgruppe
, c/o Infoladen Freiburg KTS, Baslerstr.103, 79100 Freiburg, faufr@fau.org, Treffen jeden Mi.gegen 20.00 Uhr im autonomen Zentrum KTSGießen/Wetzlar
FAU-Ortsgruppe und Bildungssyndikat
, c/o „InfoladenGießen“, Alter Wetzlarer Weg 44, 35392 Gießen,faugi@arcor.de, faugi@fau.org, www.ak44de.vu, jedenMo. 19.00 Uhr Treffen des Allgemeinen Syndikats und desBildungssyndikats, jeden 2. Mi. ab 21.00 UhrKneipenabend / Cafè Sabotage — offener Abend für alleInteressierten bei Musik und Bier im „Infoladen Gießen“Lich . . . . . . . .
FAU-Ortsgruppe
, Postfach 1215, 35420 Lich,fauli@fau.orgMainz . . . . . . .Kontakt über Frankfurt/M.München . . . .Schwanthaler Str. 139 (Rg), 80339 München, (0173) 40 48195, faum@fau.org, www.faum.de
Allgemeines Münchner Syndikat Erwerbsloser undLohnabhängiger (A.M.S.E.L)
, jeden Do. ab 19.31 Uhr in derSchwanthalerstraße 139 (Rg), www.fau-amsel.info.ms,kontakt@fau-amsel.tk, (0179) 72 06 614Neustadt/W. . .
FAU-Ortsgruppe
, Postfach 2066, 76829 Landau,faunw@fau.orgNürnberg. . . . .fnbg@gmx.deTübingen . . . .c/o Infoladen „Grenzenlos“, Schellingstr. 6, 72072TübingenWiesbaden . . .
GNLL-KONTAKT
, über Frankfurt/Main
Schweiz
FAU-CH . . . . . .Postfach 580, CH-8037 ZürichBern . . . . . . .
FAU Bern
, Quartiergasse 17, CH-3013 Bern,bern@fauch.ch
Bundesweite Branchen-KoordinationenBildungssyndikate
:bsy-public-info@list.fau.org, www.bildungssyndikat.de
GNLL/FAU Landwirtschaft
:Berlin-Brandenburg, über Gransee, gnll@fau.org
GNLL/FAU Naturkostindustrie
: über Hamburg
RegionalkoordinationenNord: Hamburg | West: Düsseldorf (
reko-west@fau.org
) | Ost: Magdeburg |Süd: Frankfurt/M.Geschäftskommission der FAU-IAA
Freie ArbeiterInnen Union/IAA, Postfach 2043, 30020 Hannover, Germany,geko@fau.org
Internationales Sekretariat der FAU-IAA
Freie ArbeiterInnen Union/IAA, Postfach 2043, 30020 Hannover, Germany,is@fau.org
Internationale Arbeiter/Innen-Assoziation (IAA)
IAA/IWA/AIT-Sekretariat, Box 1977, Vika 0121, N - Oslo (Norge),secretariado@iwa-ait.org, www.iwa-ait.org
Syndikate, Ortsgruppen und Kontakte der freien arbeiter/innen-Union (FAU-IAA)
+++ die FAU Bremen sammelt weiterhinInteressierte für eine FAU-Initiative inOldenburg und beteiligt sich außerdem amlokalen Chef-Duzen-Stammtisch. BeiInteresse: fauhb@fau.org +++ die BremerOG hat auch eine neue Broschüreherausgegeben:
Anarcho-Syndikalismus inOstpreußen
, zu beziehen über FAU-MAT oder herunterzuladen unter www.fau-bremen.tk +++ der Termin des offenenTreffens bzw. des Café Libertaire der OGMünster ändert sich abJanuar +++ vom 26.-28. Januar 2007 findet das nächste Treffendes Ya-Basta-Netz in Tübingen statt, zu demalle Interessierten herzlich eingeladen sind.Anmeldung unter yabasta-tuebingen@no-log.org, Infos unter http://www.ya-basta-netz.de.vu +++ aufgrund Zeit- und akutenMitgliedermangels löste sich die FAUKonstanz am 11.12.06 auf +++ die OGMarburg in Gründung traf sich erstmals am9.12.06. Die Schwerpunkte der Arbeit desgeplanten Allgemeinen Syndikats liegen zurZeit im Bildungs- und Erwerbslosenbereich.Das nächstes Treffen findet am 6.1.07gegen 13 Uhr im
Cafe am Grün“ statt, dazusind alle Interessierten herzlich eingeladen+++ die Regionalkoordination West liegt jetzt in den Händen der FAU Düsseldorf. Dasnächste Regionaltreffen wird am 14.4.07 inDortmund stattfinden +++ Die OGDüsseldorf ist online wieder unter www.fau-duesseldorf.org zu erreichen +++
ahreswechsel sind ja immer ein beliebter Anlass, Bilanz zu ziehen. Was also hat uns das letze Jahr gebracht, was ist im neu-en zu erwarten?Eines der bedeutendsten Ereignisse 2006 war sicherlich die Fußball-Weltmeisterschaft, die wieder einmal in Deutschland ausge-richtet wurde. (War Deutschland eigentlich schon wieder an der Reihe, oder haben „wir“ uns vorgedrängelt?) Auf jeden Fall muss mananerkennen, dass die deutsche Nation die Gelegenheit für eine perfekte Inszenierung ihrer selbst genutzt hat. Vor allem die Massens-zenen waren wirklich gelungen. Das Volk volkte brav der Regie von Politik und Medien und spielte begeistert mit. Und so wurde aller-hand erreicht: Die Nationalflagge ist endlich wieder zum ganz alltäglichen Anblick geworden. Und man darf sich wieder trauen zu sa-gen: „Ich bin stolz auf mein Land.“ Das war ja anscheinend vielen schon immer ein dringendes Bedürfnis. Und während das Volk, be-dröhnt von der gesamtnationalen Freude, einmal alle Bedrängnisse des Alltags vergaß, war die Politik nicht untätig und nutzte diegünstige Gelegenheit.So ist zum Beispiel das Ladenschlussgesetz auf einmal vom Tisch. Bald zwei Jahrzehnte nach der Einführung des „langen Don-nerstag“ und viele dünn geschnittene Salamischeiben später war es doch überraschend, wie schnell und unproblematisch das über dieBühne ging. Und so wurde uns als Konsumenten die Freiheit geschenkt, einkaufen zu gehen, wann immer wir wollen. Wer jetzt aberglaubt, der Politik gehe es darum, der Einwohnerschaft ihres Landes das Leben so bequem wie möglich zu gestalten, irrt sich gewal-tig: Selbst die alleinerziehende Mutter kann jetzt auch nach der Spätschicht noch schnell einkaufen und hat somit keinen Grund mehr,sich über schlechte Arbeitszeiten zu beklagen. Und überhaupt: Was man von den Beschäftigten im Einzelhandel verlangen kann, kön-nen auch die anderen nicht mehr verweigern.Dass uns allen zwei Jahre Rentenbezug geklaut werden, ist anscheinend auch schon beschlossene Sache. An sich war es ja schoneine Frechheit, die Renten zu besteuern, aber man kann ja immer noch einen draufsetzen. Und nach der Erhöhung der Umsatzsteuerhaben nicht nur die Rentner nichts mehr zu lachen.Dass der Druck auf die Arbeitslosen weiter erhöht wurde und weiterhin wird, ist schon selbstverständlich geworden. Das gleichegilt für den Abbau der klassischen Bürgerrechte auf dem Weg zum perfekten Überwachungsstaat. In technischer Hinsicht haben wirGeorge Orwells „1984“ ja schon weit zurückgelassen. Der „internationale Terrorismus“ tut als Vorwand beste Dienste. Und auch das hatdas letzte Jahr gebracht: Wir haben alle schon angefangen, uns an den Gedanken zu gewöhnen, potentielle Opfer von Anschlägen zusein. Und dass wir für die Ordnungspolitik dieser bedeutenden Nation, die „ihre Verantwortung nicht ignorieren kann“ (man könnteauch sagen: die ihre Möglichkeiten nicht ungenutzt lassen will), von deren Opfernhaftbar gemacht werden, spricht natürlich nicht gegen die Nation oder die Politi-tik, die sie betreibt ...Kurz gesagt: Alles bleibt besser!Holger (Layout)
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GenossInnen der USIund der FAU im Gespräch auf dem IAA-Kongress (siehe Seite 9)
 
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Nr. 179 Januar/Februar 2007
Betrieb und Gesellschaft
 Als Erwerbslose hab ich ja bislang noch keine Vision gehabt. Ich krepelte so vor mich hin. Biszu meinem Versuch, mit Einstiegsgeld des Job-centers zur Unternehmerin zu werden (um zu-mindest für einige Zeit diese braunen Briefe vom JC nicht mehr zu bekommen). Die Sach-bearbeiterin fragte: Was ist Ihre Vision? Ich wusste nicht recht. Ich entschied mich für denHüpfburgen-Verleih. Etwas anderes läuft janicht.Nun hatte ich diese Sache etwas ratlos angefangen, aber mit der Zeit vollzog sich eine selt-same Wandlung (es war zur Vollmond-Zeit). Ich mutierte geistig zur Unternehmerin. Ichbegann, „die Vision“ zu verstehen, die Vision als solche. Ich erkannte, dass sie eine geni-ale Lösung für die Tücken der sozialen Wirklichkeit darstellte. Erziehung, Transport, Kran-kenpflege, verarbeitendes Gewerbe und die ArbeiterInnen als solche – über all dem lagplötzlich so ein Grauschleier. Du willst einen gesicherten Arbeitsplatz bei mir, Weih-nachtsgeld? Du Erdenwurm – Dir fehlt der Sinn für Höheres. Du willst keine unbezahlteMehrarbeit leisten und zeigst auf mein Chefgehalt? Kannst Du eigentlich nur an Geld den-ken? Und was ist mit der Vision?Ich erkannte, dass es ganz wichtig für die Beschäftigten wäre, an meine Vision zu glau-ben – das würde ihnen bei der Mühsal ihres Daseins Erquickung verschaffen. Und ehrlich:Haben wir nicht alle heutzutage wieder ganz stark das Bedürfnis, an etwas zu glauben?Ich verdeutlichte den Leuten also meine Vision und verwendete hierfür unter anderem fol-gende Worte: „Große Zukunft … Standort … Wachstum … Sozialvertrag … humanistischeMoral der Unternehmensspitze.“ Ganz klar: Man entdeckte bei mir wieder die Vorzüge desJenseits. Nach der schmählichen Schwächung der katholischen Religion hierzulande istder Glaube wiedererstanden, halleluja! Ich übernahm somit eine wahrhaft geistliche Ver-antwortung und gründete für meine Beschäftigten den Benediktinerorden Zur GoldenenGeißel.Denn die Vision zeichnet sich dadurch aus, dass sie der gegenwärtigen Wirklichkeit derBeschäftigten gänzlich widerspricht – dabei wird Mystik erzeugt. Sieh nicht auf Deine Mit-beschäftigten, sieh nach oben, nach oben! Du siehst nichts? Wunderbar, das ist der Be- weis für die geistige Reinheit der Vision! Übe Dich in Geduld, und die Vision wird es Dirspäter lohnen. Ich räum’ jetzt schon mal kräftig ab.Mein Unternehmen „Jump Inn – Globaler Hüpfburgenverleih“ lief eigentlich recht gut; nuretliche renitente Leute in der Belegschaft machten mir zu schaffen. Außerdem fanden mei-ne Hüpfburgen-Pächter in Ghana wenig Kundschaft, und die Dinger standen etwas tristauf dem karstigen Boden herum. Diesen Anblick fand ich selbst so unsinnig, dass ich zuden renitenten ArbeiterInnen meines Unternehmens überlief, in den Klassenkampf mit-einstieg und die Chefetage in meiner Person hinauswarf. Nach gelungener Revolte haben wir das Unternehmen ins Kollektiv verwandelt und sind dabei, die Ideen und Strukturender Produktion gründlich zu überarbeiten.Das Klima im Betrieb hat sich geändert. Beten für Solidarität, Tischerücken für ein Chef-gespräch – das ist doch ein Leben wie in der Gruft. Lasst frische Luft rein, GenossInnen.
Birgit
Kolumne Durruti
BERLIN
(Wenn nicht anders angegeben:FAU-Lokal, Straßburger Str. 38)Fr. 12. Jan, 20.00 Uhr
 Vortrag: Betriebe inArbeiterhand
Welche Perspektiven bieten sichder Selbstverwaltung imKapitalismus?Fr. 26. Jan., 20.00 Uhr
Lesung: Kolumne Durruti
Markus Liske, Spider u.a. lesenaus den gesammelten Beiträgender DA-RubrikFr. 9. Feb., 20.00 Uhr
Kulturabend: Alias Traven
Filme, Texte und Musik von undüber den Schriftsteller undAnarchisten B. TravenDo. 18 Jan., 25. Jan. und 1.Feb., immer 20.00 UhrOffene Uni Berlins, Haus 20,HU-Campus Nord, Philippstr. 13
Pauken auf den Barrikaden
Veranstaltungsreihe desBildungssyndikats Berlin zuGeschichte, Theorie und Praxisstudentischer Proteste
BIELEFELD
Mo. 29. Jan., 20.00 UhrCafé Parlando, Bremer Str. 59
Autonomie oder Barbarei
Die politische Philosophie vonCornelius Castoriadis.Veranstaltung mit Harald Wolf 
MAGDEBURG
(BUND, Olvenstedter Str. 10,Magdeburg-Stadtfeld)Fr. 12. Jan., 19.00 Uhr
Heute bleibt die Kantine kalt!
Der Flüchtlingswiderstand imAbschiebelager Blankenburg.Vortrag und Diskussion mit derAntirassismusinitiativeOldenburgFr. 19. Jan., 19.00 Uhr
Gate Gourmet: Auf denGeschmack gekommen
Buchvorstellung zu demlängsten Arbeitskampf der jüngeren dt. GeschichteFr. 9. Feb., 19.00 Uhr
Agit 883
— Bewegung, Revolte,Underground in Westberlin1969-72. Buchvorstellung mitMarkus Mohr und HartmutRübner
MÜNCHEN
Sa. 13. Jan., 20.00 UhrKafe Marat, Thalkirchner Str. 104FAU-Solikonzert mit den RAWDEAL und MISSBRAUCH (Punk)sowie einer Reggaeband
MÜNSTER
(Interkulturelles Zentrum „DonQuijote“, Scharnhorststr. 57)Mi 10. Jan., 20.00 Uhr
Film: Durruti in der spanischen Revolution
Dokumentarilm von Paco Riosund Abel PazMi. 24. Jan., 20.00 Uhr
Café Libertaire: Eine kleineStreikgeschichte
Streik als strukturelleArbeiterInnenmacht. Info undDiskussionMi. 28. Feb., 20.00 Uhr
Café Libertaire: Widerstandweltweit
Eine kleine virtuelle Weltreise
E
s scheint der Impuls nicht auszusterben,dass sich Menschen auf die Suche nacheiner Welt jenseits des Kapitalismus ma-chen. Dass der Weg dabei oftmals im Kreis verläuft, muss wohl in Kauf genommen wer-den. Das legt zumindest der Eindruck nahe,den der neuerliche Aufbruch im Zu-sammenhang mit dem Thema SolidarischeÖkonomie erweckt.In diesem Zusammenhang fand am letz-ten November-Wochenende in Berlin derKongress zu „Solidarischer Ökonomie imglobalisierten Kapitalismus“ statt. Mit sei-nen 1.400 Teilnehmern offenbarte der Kon-gress ein überraschend hohes Interesse anden Fragen alternativen Wirtschaftens. Ge-tragen und unterstützt wurde er von einembreiten Spektrum: von Attac zum Weltladen, von der Café-Libertad-Kooperative bis zur AG Bäuerliche Landwirtschaft; sogar derDGB Berlin-Brandenburg war mit von derPartie. Auf über 100 Veran-staltungen, zu denen Ver-treterInnen von Projektenaus der ganzen Welt geladen waren, wurden die unter-schiedlichsten Fragen erör-tert. Neben Berichten vonselbstverwalteten Betriebenin Südamerika wurde eben-so über rechtliche Probleme von Genossenschaften inDeutschland aufgeklärt. Auf den ersten Blicküberraschen der breiteUnterstützerkreis und diehohe Beteiligung umsomehr, als dass wohl nur we-nige ein klares Konzept mit „SolidarischerÖkonomie“ verbinden – geschweige eineeinheitliche Vorstellung davon haben. Auf den zweiten Blick allerdings scheint geradein dieser Unklarheit das aufblühende Inter-esse am Thema begründet zu sein. Denn inmancher Hinsicht handelt es sich um auf-gewärmten Kaffee, teilweise recht wider-sprüchlicher Art, der da in den funkelndenKelch der Solidarischen Ökonomie einge-schüttet wurde und nun vielen wie ein Hoff-nungsschimmer erscheint.
Neue Soziale Marktwirtschaft –mal anders
 Wenn von „Solidarischer Ökonomie“ dieRede ist, wird damit i.d.R. vage ein Spek-trum alternativen Wirtschaftens umschrie-ben, in dem es nicht zu unrecht gewisseinterne Abgrenzungsstreitigkeiten gibt. Ge-meinwesen- und Genossenschaftsökonomiefinden sich in der Auflistung ebenso wiedie lokale Ökonomie oder gar die EconomieSociale (hierzulandeeher und irrtümlichals „Solidarwirt-schaft“ bekannt). Ge-rade am Einbezug derletzteren Gattung wirddeutlich, weshalb dieKongressveranstalte-rInnen von einem gro-ßen Wirtschaftsektor„auch in Deutschland“zu sprechen wagen.Im Zusammenhangdes Kongresses wardeshalb auch vonselbstverwalteten Be-trieben, Tauschrin-gen, fairem Handel, Wohnprojekten genau-so die Rede wie von „alten und neuen“ Ge-nossenschaften, sozialen Unternehmungenund dergleichen. Gerade aber letztere Ty-pen, welche die mit Abstand größte Gruppein diesem Spektrum bilden, werfen ein selt-sames Licht auf die Angelegenheit.Denn Genossenschaften, Gesellschaftenauf Gegenseitigkeit sowie Vereine und Stif-tungen haben, wie Geschichte und Gegen- wart zeigen, oftmals ein ver-schrobenes Verständnis vonSolidarität – nicht selten ste-hen sie für das Gegenteil. Viele davon sind meist selbstnichts anderes als manage-riell geführte Unternehmen.Selbst in der EU haben einigeRegierungen an ihnen einenNarren gefressen. Als Econo-mie Sociale, die weitestge-hend deckungsgleich mitdem Konzept vom Dritten Sektor ist, werdenderen marktgängige Potentiale zunehmendfür einen europäischen „Markt ohne Gren-zen“ nutzbar zu machen versucht. Vor allemim Zuge der weiteren Ökonomisierung derSozialpolitik sind in diesem Bereich dieÜbergänge zum Markt oftmals fließend.Eben diesen Bereich scheinen nun die„Solidarökonomen“ entdeckt zu haben.Zwar stehen diese einer Ökonomisierungdieses Bereichs unter neoliberalen Vorzei-chen ablehnend gegenüber, doch auch siesehen hier einen Hoffnungsträger für Ar-beitsplätze und soziale Sicherung, wo derKapitalismus immer mehr Lücken klaffenlässt. Tatsächlich förderte der Kongressauch haufenweise Appelle an die Regierun-gen zu Tage, doch bitte die Rahmenbedin-gungen zuschaffen, diefür eine Föde-rung dieses Wirtschaftsbe-reiches nötigseien.Und soscheint der Ein-druck dannauch nicht ab- wegig, dasshier eigentlich– wenn auch in modifizierter Form – ledig-lich etwas aufgekocht wird, was sich vonseiner Wesensart her Soziale Marktwirt-schaft nennt.
Insel oder Alternative oder ...
Diese Tendenz scheint andererseits mit ei-nem Anspruch zu kollidieren, der von nicht wenigen Beiteiligten des Kongresses mitge-tragen wurde, nämlich jenseits kapitalisti-scher Verhältnisse „offensiv eine andereÖkonomie auszubauen“. Für diesen Teil desSpektrums steht weniger die Funktion alskapitalistischer Lückenbüßer im Vorder-grund als Konzepte der ökonomischen Be-freiung. Von revolutionär mag man zwarnicht sprechen, so doch aber vom emanzi-pativen oder transformatorischen Potential.Und wenn von Arbeiterselbstverwaltung,Dezentralität, Basisdemokratie, Solidaritätund Gleichberechtigung die Rede ist, dannfallen damit Schlagwörter, die dem Vokabu-lar des Syndikalismus nicht unbedingtfremd sind. Ohne Frage, was dabei im Gro-ben angestrebt wird, ist eine Ökonomie jen-seits der privatkapitalistischen wie auchstaatskommunisti-schen Ordnung. Esdrängt sich der Ver-dacht auf, dass mansich auch hier auf die Suche nach demberüchtigten „Drit-ten Weg“ gemachthat.Und hierin be-steht sowohl das Er-freuliche als auchdas Tragische zugleich. Denn wie richtigund wichtig auch diese Suche ist, es ist derewige Versuch, das Rad neu zu erfinden. ImGlauben, etwas „Neues“ zu wagen, steht dieDiskussion um Strategien zur Überwindungdes Kapitalismus wieder bei Null. Die vor-herrschenden Vorstellungen diesbezüglicherinnern zumindest gewaltig an die ge-scheiterten Ideen der alternativökonomi-schen Bewegung.Denn sicherlich ist es notwendig, dieStrategien der jeweiligen Zeit anzupassen.Und ebenso ist es gewiss, dass der Aufbau von selbstverwalteten Strukturen jederzeitgefördert werden muss. Solche Strukturenspielen eine wichtige emanzipatorische Rol-le, insofern als dass sie persönlichkeitsent-faltend und als illustrative Beispiele dienenkönnen. Nur darf man sich ebennicht der Illusion hingeben, dasssich mit ihnen als Mittel der Kapi-talismus „ablösen“ oder gar inner-lich zersetzen ließe. Dafür verträgtdieser nicht nur zuviele Nischen,oftmals weiß er sich dieser dannauch zu bemächtigen, wenn siesich zu „lohnenden Marktsegmen-ten“ ausgewachsen haben. Zer-setzt wird in der Nische oftmalsman selbst, sei es, weil man sichseine eigene Prekarität schafft, seies, weil man inmitten der umgebendenMauern selbst zum Pseudo-Unternehmendegeneriert.Zu guter Letzt wird uns nur ein Kampf,der sich an der Realität der Masse der Lohn-abhängigen ausrichtet, die gewünschten Er-folge bringen – denn mal ehrlich, wer be-findet sich in der luxuriösen Lage (bzw. indem Umfeld), seine Zeit und Habe in den Aufbau eigener Betriebe investieren zu kön-nen?
Holger Marcks
Strategie der Nische
Solidarische Ökonomie zwischen Hoffnung und Illusion
 „Der Kapitalismus verträgt nicht nur  zuviele Nischen,oftmals weiß er sichdieser dann auch zubemächtigen.“  „Die Diskussion umStrategien zur Überwindung des Kapitalismus steht  wieder bei Null.“  „Hier wird eigentlich etwasaufgekocht, was sich von seiner Wesensart her Soziale Marktwirtschaft nennt.“ 
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