Absicht dieses Buches ist es, zwei verschiedene Theoriebereiche zu verknüpfen, und entsprechend kann man es von zwei verschiedenen Ausgangspunkten her lesen. Einmal handelt es sich um einen Beitrag zurGesellschaftstheorie. Die Gesellschaft modernen Zuschnitts wird alsfunktional differenziertes Sozialsystem aufgefaßt und Wissenschaft folglich als eines der Teilsysteme dieses umfassenden Sozialsystems. MitHilfe des Konzepts der Systemdifferenzierung kann man etwas über dieGesellschaft lernen, die solche Differenzierung aushält, ja fördert undsich seit langem auf eine Autonomie ihrer Funktionssysteme eingestellthat. Im gleichen Zuge erfährt man aber auch etwas über die Funktionssysteme, hier die Wissenschaft, die zu Selbstorganisation, ja zur eigenenProduktion ihrer eigenen Elemente freigestellt sind.Der andere Ausgangspunkt liegt in Diskussionen, die seit der Mitte desvorigen Jahrhunderts unter Bezeichnungen wie Erkenntnistheorie oderEpistemologie geführt werden. Hier zeichnen sich heute Trends zu»konstruktivistischen« Konzepten ab, die auf idealistische oder transzendentale (und in diesem Sinne subjektive) Begründung verzichtenund statt dessen durchaus reale Systeme voraussetzen, die eigene Beobachtungen an eigenen Konstruktionen orientieren und orientieren müssen, weil sie keinen eigenen Zugang zur Umwelt haben.
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