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Niklas Luhmann
Soziale Systeme
Grundriß einer allgemeinen Theorie
suhrkamp taschenbuch
Wissenschaft
 
suhrkamp taschenbuchWissenschaft
66
 
Die Soziologie verharrt zur Zeit vor einer Theorieschwelle. Klassikerwerden mit alexandrinischem Eifer aufgearbeitet, und Theoriebezeichnungen, die sich mit Begriffen wie Handlung, Struktur, System, Interaktion, Evolution verbinden lassen, werden miteinander kombiniert.Fortschritte zeichnen sich jedoch kaum ab, und vor allem fehlt seit demTode von Parsons jeder Anschluß an die sehr rasch fortschreitendeinterdisziplinäre Diskussion. Aus dieser Theoriekrise werden nur sehrviel komplexere Theorieangebote heraushelfen können.Niklas Luhmann versucht, über den bezeichneten Diskussionsstand inder Soziologie hinauszuführen. Er geht davon aus, daß ein Paradigmawechsel in der allgemeinen Systemtheorie auch für die Theorie sozialerSysteme neue Chancen eröffnet und die üblichen Einwände gegen einen»technologischen« Einsatz des Systembegriffs ausräumt. Systeme lassensich in einem sehr radikalen Sinne als selbstreferentielle Systeme begreifen. Von Selbstreferenz ist dabei nicht nur auf der Ebene der Elemente(Autopoiesis) die Rede. Nach dieser Theoriewende kann man sozialeSysteme als solche Systeme begreifen, die alles, was sie als Einheitverwenden - seien es ihre Elemente, ihre Prozesse, ihre Strukturen, ihreTeilsysteme und nicht zuletzt sich selbst -, als Einheit erst konstituieren. Zugleich nimmt die Systemtheorie an, daß dazu eine Reduktionvon Umweltkomplexität erforderlich ist.Das Buch versucht, eine bisher in der Soziologie kaum erreichte begriffliche Komplexität und Interdependenz mit den Mitteln der normalenSprache darzustellen. Die Einheit der Theorie liegt in der Abgestimmt-heit einer großen Zahl von Begriffsentscheidungen, die zum Teil imRückblick auf die soziologische Tradition und zum Teil im Anschluß anVorgaben aus der Kybernetik, der Biologie, der Kommunikationstheorie und der Evolutionstheorie gewonnen sind. Luhmann sieht in diesemKombinationsversuch eine wesentliche Voraussetzung für weitere Arbeiten an einer Theorie der modernen Gesellschaft. Mit einfacherenMitteln dürfte ein zureichendes Verständnis der heutigen Lage desGesellschaftssystems kaum zu gewinnen sein.Niklas Luhmann, geb. 1927, ist seit 1968 Professor für Soziologie an derUniversität Bielefeld.
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