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Ditfurth Der Geist Fiel Nicht Vom Himmel

Ditfurth Der Geist Fiel Nicht Vom Himmel

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Hoimar von Ditfurth
Der Geist fiel nicht vom Himmel
- Die Evolution unseres Bewusstseins - 
Das grün-rote Ornament auf dem vorderen und hinteren Inneneinband(s. Abbildung 17)dient nicht etwadekorativen Zwecken. Es gibt vielmehr Gelegenheit, sich eine der zentralen Informationen dieses Buchs vor Augen zu führen: Die Tatsache, dass unser Gehirn die Welt nicht etwa so abbildet, »wie sie ist«, sondern alsdas Ergebnis eines komplizierten Verarbeitungsprozesses. Man betrachte den farbigen Teil des Musters beiheller Beleuchtung mindestens 3 Minuten lang aus etwa 60 cm Entfernung. Während dieser Zeit müssen dieAugen ständig wandern und etwa gleich lange auf den roten bzw. den grünen Flächen ruhen.Wenn man anschließend die ungefärbten Teile des Musters betrachtet, sieht man (ganz schwache) Farben,die von der Orientierung der schrägen Linien abhängen: wo diese sich nach rechts neigen, sieht man einfahles Rot, und wo sie nach links geneigt sind, ein blasses Grün. Man braucht das Muster nur um 90° zudrehen (oder den Kopf um den gleichen Betrag seitlich zu neigen), dann sind die vorher grün erscheinendenGebiete plötzlich rot und umgekehrt.Dieser Wechsel zeigt, dass es sich nicht um ein gewöhnliches »Nachbild« handelt, sondern um eine imGehirn erfolgte Assoziation zwischen Schraffurverlauf und Färbung. Der (unbedenkliche) Effekt kannwochenlang anhalten, wenn man das farbige Muster länger - etwa 6 bis 8 Minuten - betrachtet.Die Bedeutung dieses erst vor wenigen Jahren entdeckten Effekts ergibt sich aus der Einsicht, dass dasAbbild der Welt, das unser Gehirn liefert, ganz sicher durch eine Fülle ähnlicher - von uns zum größten Teilnoch gar nicht durchschautet - Phänomene geprägt ist.
Meinem Freund Gottlieb v. Conta
1. bis 100. Tausend 1976© Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1976Abbildungen: E. Poell und Jörg Kühn, HeidelbergISBN 3-455-08967-4
1
 
Einleitung 
Der Geist fiel nicht vom Himmel 
Eine der zentralen Entdeckungen der modernen Wissenschaft ist die Einsicht, dass dieBeständigkeit, in der sich die Welt unserem Erleben präsentiert, nur scheinbar ist. Sie ist nichts alseine optische Täuschung, hervorgerufen durch die relativ zu kurze Lebensdauer des menschlichenBeobachters. Alles, was im Universum existiert, ist das vorläufige Ergebnis einer seit unvorstellbar langer Zeit ablaufenden Entwicklung, die wir neuerdings bis zu jenem fernen Punktzurückzuverfolgen gelernt haben, der als der Anfang der Welt anzusehen ist.Was vor diesem Punkt war, bleibt uns verschlossen. Warum es einen Anfang gab, ist eineunbeantwortbare Frage. Auch der Ursprung der Struktur der Urmaterie, der Bau desWasserstoffatoms, ist für uns in dem Geheimnis dieses Anfangs und seiner Ursache verborgen.Alles das aber, was sich aus diesem Anfang ergeben hat, ist ein legitimer und grundsätzlichzugänglicher Gegenstand naturwissenschaftlicher Untersuchung.Der nächste Schritt der Erkenntnis bestand in der Entdeckung, dass die Entwicklung kontinuierlichist, in sich geschlossen. Es gibt nicht, wie wir zuerst glaubten, eine kosmische Entwicklung der toten Dinge, der Gase, Sonnensysteme und Spiralnebel, und daneben eine unabhängig vomkosmischen Geschehen auf der Oberfläche unseres - und anderer Planeten sich vollziehende biologische Evolution. Aus der rasch anwachsenden Fülle fast unübersehbar vieler Einzelbefundeaus den verschiedensten naturwissenschaftlichen Disziplinen ergab sich in den letzten Jahren einganz anderes Bild.Wir beginnen heute zu begreifen, dass die Aufeinanderfolge ganzer Fixsterngenerationen dieUrsache gebildet hat für die sich im Ablauf von Jahrmilliarden abspielende Erzeugung der 92Elemente, aus denen alles besteht, was uns umgibt. Die Astrophysiker und Chemiker habenherausgefunden, dass die Eigenschaften der durch diesen kosmischen Prozess aus dem Wasserstoff des Anfangs hervorgegangenen Elemente ihren Zusammenschluss zu Molelen immekomplizierterer Struktur unausweichlich zur Folge haben mussten. Das geschieht, wie moderneradioastronomische Beobachtungen beweisen, sogar heute noch im freien Weltraum. Um so rascher vollzog sich der Prozess auf der Oberfläche von Planeten, deren Gravitation die Moleküle auf engstem Raum konzentrierte.Biochemiker und Entwicklungsforscher haben in den vergangenen Jahren auf vielfältige Weise dieEinwände widerlegt, die jahrzehntelang gegen die Wahrscheinlichkeit ins Feld geführt worden sind,dass der Zusammenschluss der Molele aus der gleichen, inneren Gesetzlichkeit weiter fortschreiten musste bis zu einem Niveau der Kompliziertheit, das den Beginn der biologischenPhase der Entwicklung einleitete. Zwar kolportieren mangelhaft oder einseitig Gebildete statistische2
 
»Gegenargumente« gegen diesen Schritt bis auf den heutigen Tag. Wer jedoch bereit ist, dievorliegenden experimentellen Ergebnisse und Beobachtungsdaten zur Kenntnis zu nehmen, kannsich leicht davon überzeugen, dass die Materie unter dem Einfluss der Naturgesetze nicht nur Sonnen- und Milchstraßensysteme, sondern auch lebende Strukturen hervorbringen musste. So, wiedie Naturgesetze sind, und so, wie die Materie beschaffen ist, war die Entstehung von Leben -genügend große Zeiträume vorausgesetzt - nicht nur wahrscheinlich, sie war unausbleiblich.In diesem Buch wird die Ansicht vertreten, dass das auch für unseren Geist gilt. Ich bin überzeugt,dass das heute vorliegende wissenschaftliche Material bei aller Lückenhaftigkeit unseres Wissensausreicht, um nachzuweisen, dass die Materie im Verlaufe des gleichen Entwicklungs-Prozessesauch psychische Phänomene - Empfindungen und Gefühle, Wahrnehmungsvornge undschließlich ein Bewusstsein - mit Notwendigkeit hervorbringen musste.Wenn man die Tatsache der chemischen und einer sich an diese Phase anschließenden biologischenEvolution anerkennt und voraussetzt, ebenso die Tatsache des Fortschreitens dieser Evolution zuimmer komplizierteren Strukturen und Leistungen, dann erweist sich auch das Auftreten psychischer Phänomene im Verlaufe der biologischen Weiterentwicklung als unausbleiblichesEreignis.Mir ist klar, dass eine solche These zunächst mehr Vorurteile und Missverständnisse wecken kann,als sich in einer kurzen Einleitung ausräumen lassen. Nur auf zwei werde ich kurz eingehen. Daserste betrifft den Vorwurf des »Materialismus«. Wer ihn gegen den hier vertretenen Aspekt - dieEinbeziehung der psychischen Dimension in den naturgeschichtlichen Evolutionsprozess - erhebt,zielt auf jene Ideologie, die Ernst Bloch als »Klotzmaterialismus« verspottete. Nun lässt sich nicht leugnen, dass diese primitive Variante im naturwissenschaftlichen Denkenvorübergehend eine gewisse Rolle gespielt hat. Das gilt allerdings für eine Epoche, die inzwischenseit drei Generationen überwunden ist. Man sollte der Naturwissenschaft diese Jugendsünde der ohnehin auch in der schlimmsten Zeit nur ein Teil ihrer Vertreter verfallen war heute daher nichtlänger vorhalten. Vor allem aber: diese Primitivideologie ist hier nicht gemeint. Nicht ohne Grund habe ich eben die Anerkennung der Tatsache einer chemischen und biologischenEvolution als Voraussetzung der Möglichkeit genannt, den hier gemeinten Aspekt verstehen zunnen. Denn wir rfen nicht vergessen, dass wir - aus geistesgeschichtlich leichtrekonstruierbaren Gründen - die Materie jahrhundertelang in groteskem Maß unterschätzt haben.Dieser Umstand hat die Einsicht in die Natur dieser Welt unnötig lange aufgehalten.Wer sich darauf versteift, die Materie materialistisch misszuverstehen, wer diesen Begriff nur vonideologischen Assoziationen belastet denken kann, der allerdings muss bei der Betrachtungmoderner naturwissenschaftlicher Befunde schon sehr früh in Schwierigkeiten kommen, spätestens beim Übergang von der chemischen zur biologischen Evolution. Wer die Entwicklung in Gedankenaber bis an den Anfang zurückverfolgt, dem geht auf, in welchem Maße wir der Materie unrecht3

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