48Mario Rosendahl: Wie komme ich in Radiound Fernsehen?
Mario Rosendahl ist Dozent für Journalismus und Public Relations an der FTVA mit 17 Jahren aktiver Rundfunkerfahrung im öffent-lich-rechtlichen und privaten Sektor. Der frühere Programmdirektor berät heute Unternehmen zu den Themen Medienzugang undMedienverknüpfung. Wir stellten ihm die Frage, wie junge Unternehmen sich trotz geringen Budgets in den Medien präsentierenkönnen.
Herr Rosendahl, wie komme ich ins Radio?
Indem Sie sich in den Redakteur hineinverset-zen – und der versetzt sich in seine Zielgruppe,wenn er sein Geschäft versteht. Beim Rund-funk muss man besonders darauf achten, dassmeine Zielgruppe übereinstimmt mit der desRadiosenders. Anderenfalls ist das, was ich zuvermelden habe, für den Redakteur völlig un-interessant.
Wie erfahre ich etwas über Zielgruppen von Ra-diosendern?
Im Internet, besonders über die ag.ma – Ar-beitsgemeinschaft Mediaanalyse (www.agma-mmc.de). Dort finden Sie höchst auflösendeAnalysen zu den Zielgruppen praktisch allerRadiosender: Alter, Käuferschicht, Kaufverhal-ten, Hörverhalten.Oft reicht es jedoch aus, den lokalen Markt zuerkunden. Man muss einen Sender nur 15 Mi-nuten hören, um sein Profil zu kennen. Indieser Zeit hört man alle Komponenten: Mu-sik, Nachrichten, Werbung. Dann beginnt dieSchleife wieder von vorn, nur modifiziert. Mannotiert sich, welche Ansprache der Moderatorhat – siezt oder duzt er die Hörer – welcheMusik gespielt wird – passt sie eher zu älterenHörern oder zu Jugendlichen – und zu wel-chen Themen Informationen kommen.Zur Kontaktaufnahme empfehle ich einen Blick in die »Gelben Seiten«: Ganz vorn finden Sieeine Auflistung aller Radio- und Fernsehsendermit allen Kontaktdaten.
Wie wecke ich das Interesse eines Radio- oderFernsehredakteurs?
Ein Redakteur bekommt pro Tag ungefähr200 Pressemeldungen – 90 Prozent davonwandern ungelesen in den Müll. Papier ak-quiriert nicht! Es geht nur über den direktenKontakt. Sie müssen mit dem Redakteur insGespräch kommen und nach und nach Ver-trauen aufbauen. Man muss sich immer über-legen: Was braucht eigentlich mein Gegen-über? Kann ich ihm ein Bild oder eine Storyvermitteln?
Welche Tipps haben Sie für die Gesprächsfüh-rung?
Schon nach den ersten Sätzen muss deutlichsein: Ich rufe nicht an als Bittsteller, ich rufean als Anbieter. Lokalradios brauchen lokaleThemen, und ich bin als Existenzgründer einThemenanbieter.Stellen Sie z. B. zur Gesprächseröffnung immereine Frage, die mit „Ja“ beantwortet werdenmuss. Den ABC-Sender fragen Sie also: „IhreHörer interessieren sich doch sicher für ABC?!“Mit dem „Ja“ des Redakteurs haben Sie danneine offene Tür, um Ihr Anliegen mit ABC zuverbinden.Aber vor allem: Nur nicht penetrieren! Erzäh-len Sie ihre Sache, wie Sie sie jemandem in derKneipe erzählen, verschicken Sie das Material,und dann heißt es beten und warten. Wennder Redakteur es nicht sendet, haben Sie we-nigstens den Kontakt gepflegt. Aber fordernSie ihn später nie auf, sich wegen des Nicht-sendens zu rechtfertigen.Eine Absage ist nicht tragisch. Sie können allesrichtig gemacht haben, und es klappt wegenirgendwelcher Dinge dann doch nicht. Es istauch immer etwas Glück und Zufall dabei. Ir-gendwann wird es passen.
Das klingt etwas nach Kismet...
Ganz und gar nicht. Gute Ideen können denErfolg erheblich beeinflussen. Denn die bloßeTatsache, dass jemand ein neues Unternehmengegründet hat, ist meist für sich gesehen nichtso spannend. Sie brauchen eine Story.Ein Beispiel: Ein Existenzgründer wollte Teeüber das Internet verkaufen. Das allein ist fürkeinen Sender von Interesse. Wir kamen dannauf die Idee, den größten Teebeutel der Weltherzustellen. Den braucht natürlich niemand,aber durch den Rekord und die öffentlichePräsentation in einem Einkaufzentrum wurdeein sendefähiges Thema kreiert. Bei der Pres-sekonferenz drängelten sich über 20 Medien-vertreter, neben Printmedien auch Radio- undFernesehteams. Und natürlich gab es auch
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