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Entstehung einer Manga-Story 
Ein VersuchBruno Cotting
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Jedes Mal hoffte ich, etwas über den kreativen Prozess zu erfahren, der zu ihrengrossartigen Werken geführt hat. Nach einem Bach-Werk hast du das Gefühl, dasUniversum begriffen zu haben. Mozart montiert dir ein paar Flügel an die Seeleund schickt dich als Sommervogel durch die Luft. Beethoven fesselt dich mitseiner Ehrlichkeit an ein Brett und verfrachtet dich auf den Rücken einerTsunami. Sokrates ist ein Fitnessprogramm für geistige Beweglichkeit, weil er jede fixe Idee solange zerfrägt, bis sie nur noch Staub ist. Kafka packt deine Albträume im Genick und spiesst sie übersichtlich auf eine Tafel wie Insekten.Samuel Beckett führt dich dort hin, wo die Welt der Sprache unter deinen Füssenzerbröckelt, bis du gelernt hast, im Nichts zu stehen.Und jedes Mal war ich enttäuscht, denn die Bücher und Filme gaben keine Antwort auf meine Frage, wie denn solches zustande kommt. Also liess ichmeinem Gehirn ein paar Füsse wachsen, zog ihnen Socken an und machte michauf dieselben, um es selber rauszufinden. Von Bach habe ich wohl am meisten gelernt. Er half mir, die festgefügtenSprachgewohnheiten, Floskeln, Klischees aufzubrechen. Eine Form des von ihmangewandten Kontrapunktes ist das nebeneinander Führen verschiedenergleichwertiger Stimmen. Obwohl jede Stimme eigenständig vor sich hin dudelt, verzwirbeln sie sich wie ein Seil und enden im Ohr als Klangstrang. Bach
 
 versuchte sich mal mit einem Stück, welches 16 solcher Stimmen enthielt. Dashabe ich leider noch nie gehört, aber ich denke, irgend wann fängt das Chaos an.Jedenfalls leuchtet es ein, dass das Kombinieren vonMelodien eine gewaltige Vielfalt eröffnet. Verglichen mit bloss einer Stimme.Nehmen wir also an, die übliche Sprache sei diese eine Stimme und versuchen wir nun, sie mit drastischen Mitteln aufzubrechen, um an die Rohdiamantenneuer 'Klangstränge' zu gelangen.Dazu 'komponieren' wir einen einfachen Kontrapunkt aus drei Stimmen.Nehmen wir dazu ein herziges Klischeebild als Ausgangsmaterial:Klischee: Der junge Mann hilft der alten Frau über die Strasse. Was für ein netter Kerl, Dummerweise hat er eben einenkleinen Laden überfallen und demLadenbesitzer den Schädel eingeschlagen. Die Polizei rennt schon rum und derMann benutzt die alte Frau zur Tarnung. Was für ein fieser Hund. Versuchen wir jetzt, in den Klischeesatz mehr 'Wahrheit' reinzubringen. Dabeischreiben wir auf, was in diesem Moment alles 'wahr' und wichtig ist.1. Stimme: Der junge Mann hilft der alten Frau über die Strasse.2. Stimme: Das Blut des aufgeplatzten Schädels bedeckt den Boden.
 
3. Stimme: In der Kasse war kaum Geld, verdammt!Nun versuchen wir, daraus wieder einen 'Klangstrang' zusammen zu dröseln:
 Neusatz:Der blutige Mann hilft der verdammten Frau über dieaufgeplatzten Schädel der Strasse.
Keine Angst, wir machen keine esoterische Gespensterdichtung. Dies ist nur eineÜbung zum Aufbrechen von Sprachzwängen. Also weiter:
 Neusatz:Die alte Frau geht mit dem aufgeplatzten Schädel desVerdammten über die Strasse.
Oder:
 Neusatz:Ohne Geld gleitet das ungleiche Pärchen über das Blut der  Strasse.
 Ändern wir die Spielregeln und machen wir einen Kontrapunkt aus zweiStimmen. Die erste Stimme beschreibt jeweils, was geschieht. Die zweite Stimmeerzählt, was die Person denkt oder fühlt.1. Stimme:Der Mann sieht den Polizeiwagen vorfahren.2. Stimme:Wenn ich losrenne, bin ich geliefert.
 Neusatz:Der Mann will nicht in den Lieferwagen der Polizei.
1. Stimme:Der Mann sieht, wie die alte Frau sich nicht über die verkehrsreiche Strasse traut.2. Stimme:Sie wird mich besctzen... Mutter.
 Neusatz:Der warme Arm der alten Frau wird ihn über die Strassetragen.
1. Stimme:Der junge, gut aussehende Mann ergreift den Arm der altenFrau mit den Worten 'Kann ich helfen?'.2. Stimme:Oh... Das Herz der alten Frau schlägt höher.
 Neusatz:Das 'Kann ich helfen?' des jungen Mannes ergreift das Herz der alten Frau.
1. Stimme:chelnd drückt sie seinen Arm und wagt den ersten Schritt.2. Stimme:Jetzt kann mir nichts passieren... Ihr wird so warm.
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