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04/16/2014

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p.m.Bolo'bolo
endgültige Ausgabeverlag pranoia city 1990„bolo'bolo von p.m. Ist in folgenden Sprachen erschienen: Englisch, Französisch,Italienisch, Portugiesisch, Russisch“Paranoia city verlaganwandstrasse 288004 zürichISBN 3-907522-01-X
Sechs Jahre bolo'bolo
Vorwort zur 5.AuflagePeinlich, aber wahr: gemäss bolo-Fahrplan von 1983 müssten wir schon längst alle in bolosleben. 40-Stundenwoche, Staatsgrenzen, Luftverschmutzung und AKWs sollten nur nochunangenehme Erinnerungen sein. Ich habe meine Wette gegen den Lauf der Dinge verlorenund als Prophet jämmerlich versagt.Die Idee bolo'bolo hat sich nicht nur als unwirksam erwiesen, es ist alles noch schlimmer gekommen. Die Planetare Arbeitsmaschine hat sich in den letzten fünf Jahrenweiterentwickelt. Sie läuft auf Hochtouren und ihre Bestandteile - wir selbst - spielen nochreibungsloser zusammen. Die Autoimporte haben einen Höchststand erreicht. Wir habengelernt, mit den Katastrophen, Unfällen und Ereignissen der Maschine zu leben. Waldsterben,
 
Tschernobyl und Ozonkrisen kommen und gehen. Wir haben Katalysatoren eingebaut, essenkeine Pilze mehr und behalten unsere Kinder an Sommernachmittagen in der Wohnung. DasLeben ist komplizierter geworden, aber im grossen und ganzen geht es weiter wie bisher.Auch die 90er Jahre werden nur kleine Umstellungen bringen und bis zu unserer Pensionierung zwischen 2010 und 2020 sind keine grösseren Veränderungen abzusehen. Mit jedem Franken, den wir für AHV und Pensionskasse bezahlen, bestätigen wir diesePerspektive. Die Zukunft hat uns fest im Griff.Ernüchtert müssen wir uns fragen: sind die Verhältnisse gegen grundsätzliche Veränderungenimmun geworden? Haben Utopien ihre praktische Wirkung endgültig verloren? Sind wir selbst so reduziert, glücklich und apathisch, dass wir eine andere Lebensweisen nicht mehr anstreben können? Sind also Utopien lediglich Lebenslügen? Sind sie bloss der eine Pol imSpektrum der zynischen Vernunft, die uns sagt, dass wir Utopien nötig haben, um den Alltag besser ertragen zu können? Der Mensch lebt ja nicht vom Brot allein. Gewisse Ideale undVisionen sind daher durchaus überlebenswichtig. Der "Sinn" ist längst zum Komplizen desSystems geworden.Über Utopien nur schon vernünftig zu reden, scheint ungeheuer schwierig zu sein. Vielleichtliegt es am Wort "Utopie", das auf den Hund gekommen ist: "Meine Utopie ist ein heissesBad und ein gutes Buch." Zudem wird bei Utopien die Vorstellung eines phantastischenSchlaraffenlandes überstrapaziert. So steht einer kaum korrigierbaren Realität eine utopischeTraum- und Märchenwelt gegenüber, wo die Vernunft nichts mehr zu suchen hat. Kopf undBauch, Verstand und Gefühl werden in verschiedene Welten verbannt. Solche Utopien sindnatürlich harmlos, blosse Fluchtwelten, Trostphantasien. bolo'bolo wollte etwas anderes sein:ein Inventar realer technischer, biologischer und sozialer Möglichkeiten. Phantasie und solideDokumentation, Erfindungslust und praktischer Verstand sollten zusammenkommen und sichvermengen. Dieser Anspruch ist unbequem, denn es tut weh zu sehen, dass viele unserer Träume eigentlich möglich sind. Viel lieber würden wir sie "rein" behalten und als Utopieneben verdrängen. Für viele war bolo'bolo eine herbe Enttäuschung: was als sektiererischesBrevier mit Geheimsprache und scheinbar geschlossenem "System" daherkommt, isteigentlich nur eine lockere Liste möglicher Vorschläge zur Lebensverbesserung. Vieles fehlt,manches ist unvollständig und ungesichert, je nach erhältlichen Daten, dem Stand der Forschung und der Erfahrungen. Ja, gerade die wesentlichsten Fragen sind ausgeklammert,weil sie eben nur durch die Praxis beantwortet werden können und verschiedene Lösungenzulassen: das Verhältnis zwischen Mann und Frau, die Kindererziehung, die internenEntscheidungsstrukturen, das Verhältnis von Arbeit zu Freizeit usw. bolo'bolo liefert weder eine Philosophie, noch eine Lebenshaltung. Auch als universaler Ratgeber ist es nicht zugebrauchen. Es sieht nur so aus.Viele stört an bolo'bolo sein "dogmatischer" Charakter, der Mangel an Offenheit: kein Wegführt am bolo vorbei. bolo or bust. Nun ist Offenheit im privaten Leben eine höchst nützlicheHaltung. Ohne Offenheit verkümmern wir gefühlsmässig und erstarren geistig. Als politischeForderung kann Offenheit aber ganz gut mit Ratlosigkeit, Pragmatismus oder mitOpportunismus gleichgesetzt werden. Man kann auch ganz leicht für jede neue Scheisse und jede Neueinstellung der Maschine "offen" sein wie etwa die Sozialdemokraten, die dieseHaltung oft betonen. Das Schwein zeigt sich "offen" angesichts seiner Verwurstung . Es blicktden neuen Ideen der Fleischindustrie beweglich, liberal und unorthodox entgegen. Altenideologischen Ballast wirft es leicht über Bord. Wir lieben das Schwein, es ist unssympathisch. Das sture Wildschwein hingegen hat eine notorisch schlechte Presse. Seine
 
Vorurteile gegen Gehege, seine dogmatischen Ernährungsgewohnheiten und seine starrenFeindbilder, was die Jäger betrifft, machen es unsympathisch. Es hat auch keine Zukunft.Warum bolos und nichts anderes? Auf diesem Planeten sind nur zwei grundsätzlichverschiedene Lebensweisen möglich: eine expansive, externe, politische Art zu leben und einesubsistenzorientierte, haushälterische, lebensimmanente. Es gibt den Haushalt und dieWirtschaft, den Bereich der Frauen und den der Männer, die Dritte Welt und die Erste, dasLeben und das Erwerbsleben. Das Idealbild des Haushaltes - der sich selbst versorgendeBauernhof - braucht kein Geld, keine Politik, keinen Staat. Arbeit und Freizeit gehenineinander über. Ausführung und Entscheidung sind nicht getrennt. Der Kontakt zur Natur istunmittelbar und das Interesse an ihrer Erhaltung unvermittelt. Ein Gleichgewicht herrscht undalles kann unbeschränkt weitergehen. Die Wirtsehaft hingegen kann nur leben, wenn sieexpandiert, wenn immer mehr Energien, Rohstoffe, Menschen mobilisiert werden. Die Natur ist ihr blosses Material zur Verwertung, Menschen sind anonyme Zahnrädchen. BeideLebensweisen haben ihre Vorteile. Aber die wirtschaftliche ist heute ganz eindeutigvorherrschend. Durch ihre Einseitigkeit zerstört sie Natur und Menschen. Sie ist derartkomplex geworden, dass ihre Aufrechterhaltung mehr Aufwand erfordert als ihr Out-put. ImPrinzip der Industrie steckte irgendwo die Idee eines gesteigerten Lebensgenusses. Dochheute zerstört es die wichtigsten Güter wie Musse, Natur, Gesellschaftlichkeit.Das Verhältnis zwischen Haushalt und Wirtschaft ist heute aus dem Gleichgewicht geraten.Der Haushalt ist zum ohnmächtigen Anhängsel der Erwerbstätigkeit geschrumpft. bolo'bologeht davon aus, dass das richtige Mass irgendwo in der Mitte liegt. Die Haushalte müssenwieder mächtiger werden. Sie müssen zu bolos werden, zu recht selbständigen, aber nichtautarken Land/Stadtgemeinschaften mittlerer Grösse, d.h. 500 Personen, nicht 2,6 wie heute.Als bolo kann der Haushalt oder die vom griechischen oikos=Haus hergeleitete Ökologie dieWirtschaft kontrollieren und deren Vorteile in Einklang mit den Erfordernissen der Gesellschaft und der Natur bringen.Dem Misserfolg unserer utopischen Bemühungen auf der Spur kommen wir zum nächstenThemenkreis: es geht uns zu gut, der "Leidensdruck" ist nicht stark genug, wir sind weltweitgesehen immer noch die Privilegierten. Warum sollten wir da etwas ändern wollen? Das sindalles Lügen. Nicht der Leidensdruck fehlt, sondern unsere Sensibilität. Sie wird uns täglichabtrainiert. Wir spüren gar nicht mehr, wie schlecht es uns geht - deshalb scheint es uns gut zugehen. Ausgedient haben nur die alten Muster des Elends. Die Armen alter Schule sind eineMinderheit geworden. Heute verdienen 50% der Erwerbstätigen mehr als 35'000.- Frankenund ein normales Haushaltseinkommen erreicht schon gute 50'000.Franken. DieWohnungsnot belastet wenige, denn 95% wohnen auf mehr Quadratmetern pro Person denn je. Das Haushaltbudget der statistischen Schweizerfamilie sieht geradezu abenteuerlich aus:der grösste Brocken sind die Versicherungen mit 15,38%, dann folgen die Verkehrsausgaben(Auto!) mit 13,15% und die Miete mit 12,51%. Erst an vierter Stelle sind die Auslagen für  Nahrungsmittel mit 12,16% zu finden (Stat.Jahrbuch der Schweiz 1989, S. 143). Sicher sehendiese Zahlen bei verschiedenen Minderheiten anders aus: 30% bis 50% für die Miete, 20«ofür Nahrungsmittel usw. Doch angesichts dieser Zahlen brauchen wir uns nicht zu wundern,dass die ~exotischen Experimente" von Randkulturen a la Zaffaraya das "Herz desschweizerischen Staates" höchstens symbolisch zu rühren vermögen. Dabei spricht dieStatistik eine klare Sprache: es gibt eine Sehnsucht nach Überwindung der Isolation, die imZwang zur Versicherung, einer pervertierte Form der Solidarität, zum Ausdruck kommt, esexistiert überdies eine Sehnsucht nach Ausbruch (Verkehr) und Raum (Miete). DieseHauptposten drücken Werte aus, die sich mit dem Wort "bolo" zusammenfassen lassen.

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