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Hirnfoschung SciFi

Hirnfoschung SciFi

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KULTUR
1
Das letzte Rätsel
VON
Ulrich Schnabel
|
13. Dezember 1996 - 13:00 Uhr
Wer die Wissenschaft bis zum Äußersten treibt, muß darauf gefaßt sein, daß er mit sichselber und seiner eigenen "monströsen Häßlichkeit" konfrontiert wird. Diese Lehreaus Lems Roman "Solaris" erscheint heute aktueller denn je - allerdings nicht, wennman "Solaris" als Science-fiction liest, sondern im Lichte der modernen Hirnforschungbetrachtet. Denn was entdecken die Astronauten Kelvin, Snaut und Sartorius am Endeihrer Expedition? Ihre eigenen Gedanken, den verdrängten Gehalt ihrer Gehirne, den derintelligente Planet zum Leben erweckt. Eine geniale Vision.Schließlich ist das Phänomen des Bewußtseins heute das letzte große Rätsel derWissenschaft. Nachdem die Atome gespalten und die Bausteine des Erbgutes entdecktsind, wurden inzwischen die neunziger Jahre zur "Dekade der Hirnforschung" ausgerufen.In ihrem Bemühen, das Funktionieren des Geistes selbst zu erklären, rühren dieBewußtseinsforscher zwangsläufig auch an die verborgensten Geheimnisse unserer Psyche.Das erinnert fatal an Lems "Solaristen", die um jeden Preis Kontakt mit demseltsamen, um zwei Sonnen kreisenden Planeten aufnehmen wollen. Wie in der realenBewußtseinsforschung füllen sich auch in "Solaris" ganze Bibliotheken mit Befunden undTheorien, ohne daß die Wissenschaftler ihrem eigentlichen Ziel, der Kontaktaufnahmenäher kommen. Im Roman gelingt jedoch, anders als in der Wirklichkeit, der Durchbruch.Als die Solaris-Forscher den Ozean mit harter Röntgenstrahlung beschießen, "antwortet"dieser, indem er nun seinerseits die Wissenschaftlerhirne erforscht und verdrängte,abgekapselte Strukturen materialisiert. Das Ergebnis ist wenig erhebend: "Wir haben ihn,diesen Kontakt", entsetzt sich der Astronaut Snaut und sieht doch nur: "Unsere eigene,monströse Häßlichkeit, ins Riesenhafte vergrößert wie unter einem Mikroskop."Science-fiction? Der kanadische Neurophysiologe Michael Persinger etwa setzt heuteschon die Gehirne seiner Versuchspersonen Magnetfeldern aus und kann dadurch"religiöse" (mitunter auch "höllische") Erlebnisse hervorrufen (ZEIT Nr. 45/1996).Da erscheinen die Halluzinationen, von denen Lems Romanhelden geplagt werden, nichtmehr so weit hergeholt. Oder nehmen wir die ethischen Dilemmata, in die uns die moderneMedizin treibt - vergrößern sie nicht "wie unter demMikroskop" die verdrängten Aspekteunserer Psyche, etwa die Frage nach dem Hirntod und unserem Umgang mit dem Sterben?Auch das astronomische Ambiente von Lems Geschichte ist verblüffend aktuell.Schließlich wurden 1996 erstmals Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt -vor wenigen Wochen gar einer, der allem Anschein nach um zwei Sterne kreist. Promptrichteten die Vertreter des Projektes "Seti" (Suche nach extraterrestrischer Intelligenz) ihreRadarschüsseln auf die neuentdeckten Planeten. Dr. Sartorius läßt grüßen.
COPYRIGHT:
DIE ZEIT, 51/1996

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