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artechock Film 2009
Harlan - Im Schatten von Jud Süß
*Deutschland 2008, 99 Minuten* · FSK: ab 12Regie: Felix Moeller <http://german.imdb.com/Find?Felix+Moeller>Drehbuch: Felix Moeller <http://german.imdb.com/Find?Felix+Moeller>Kamera: Ludolph Weyer <http://german.imdb.com/Find?Ludolph+Weyer>Schnitt: Anette Fleming <http://german.imdb.com/Find?Anette+Fleming>»Der beste Wetzer des Messers…«Faschistische Ästhetik – da denkt man an den Olympiafilm von LeniRiefenstahl, an ihre Bilder der von Albert Speer choreographiertenReichsparteitage. Man denkt an Lichtdome und Wochenschauen, vielleichtdenkt man auch an eher plumpe Propagandafilme wie DER EWIGE JUDE, oderHITLERJUNGE QUEX, die ihre Botschaft so deutlich verbreiten, dass sieselbst Überzeugte langweilen. Man denkt wohl auch an die Ufa-Stars derNS-Zeit, an Zahra Leander und Marika Rökk, an Gustav Gründgens, HeinzRühmann und Hans Albers. Auch, aber viel zu wenig denkt man an Veit Harlan.Wieviel Riefenstahl in unserer populären Kultur herumspuke, von derWerbung über Spielfilme und Musikclips (nicht nur von »Rammstein«) bishin zu den Inszenierungen der Sport-Stadien hat vor Jahren einmal derFilmkritiker Georg Seeßlen gefragt. Vielleicht muss man einmal fragen,wieviel Harlan in ihr vertreten ist, in den Daily-Soaps und Schmonzettenüber Adel, Förster und Landärzte, in den Fantasy-BlockbusternHollywoods, in den, sich harmlos auf Fassbinder und Douglas Sirkbeziehenden Autorenfilmen europäischer, sich als links verstehenderRegisseure, überhaupt in der Renaissance des Melodramatischen im Kino.Harlan wirkt im Vergleich zu Riefenstahl harmlos. Aber sieht man dieFilme genau an, ist jeder von ihnen schauriger, als alles vonRiefenstahl zusammen.*Schwerblütig, verführerisch, betäubend, verklärend*»Ich habe soviel Liebe zu einem Künstler noch nie gesehen, wie die zumeinem Vater nach dem Krieg. Das kann man sich überhaupt nichtvorstellen. Das war eine Seelenwelt in der sie sich trafen. Das isteinmalig, dass einer den Publikumsnerv so perfekt trifft.«Thomas Harlan, der inzwischen 80-jährige Sohn von Veit Harlan, und2
 
selbst Filmemacher und Schriftsteller, bringt in Felix Moellers FilmHARLAN – IM SCHATTEN VON JUD SÜß auf den Punkt, was Harlans Werk bisheute faszinierend macht, und gerade darum auch abstoßend, was dieAuseinandersetzung mit Harlans Schaffen erzwingt: Veit Harlan, geboren1899, war nicht nur der künstlerisch Verantwortliche für zwei derübelsten Propagandafilme der Nazi-Zeit, für den antisemitischen JUD SÜß(1939) und für das von Durchhaltemoral und Volkssturm-Ästhetikgetränkte, sich offen aufs US-Vorbild VOM WINDE VERWEHT beziehendeKriegsdrama KOLBERG (1945). Er war auch der Regisseur von Melodramen wieDIE GOLDENE STADT (1942), IMMENSEE (1943) oder OPFERGANG (1944) die soschwerblütig wie verführerisch, so betäubend wie verklärend wirkten, undnoch in den späten 70er Jahren des Faschismus unverdächtige deutscheAutorenfilmer wie Rainer Werner Fassbinder faszinierten. Gerade dieseVerbindung von Propaganda und Eskapismus, von unbestreitbarer Filmkunstund platter Amoral machte Harlan, mehr als die ungleich primitivere LeniRiefenstahl zu »Des Teufels Regisseur«.*»Denn wer zum Führer geboren ist, braucht keinen Lehrer als seineigenes Genie.«*Was bei der Betrachtung von Harlans Werk oft übersehen wird: DerRegisseur Veit Harlan war überhaupt erst ein Geschöpf des DrittenReichs. Zuvor war der 1899 geborene Harlan Schauspieler, er hatte keineneinzigen Film gedreht. Gleich nach der Machtübernahme der derNationalsozialisten 1933 bekannte sich Harlan in einem Interview mit demVölkischen Beobachter zu deren Politik. Er biederte sich den Machthabernan, und legte so den Grundstein zu seiner Karriere als Regisseur. In den13 Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft drehte er 20Spielfilme, also nahezu zwei pro Jahr. Zu fast allen von ihnen schrieber auch das Drehbuch, war also einer der ersten deutschen Autorenfilmer.Seit DIE GOLDENE STADT war er auch der Produzent seiner Filme. »DieseFilme sind sehr hermetisch, und spiegeln von Anfang bis Ende in seinemFilmschaffen ein ganz bestimmtes Weltbild. In einer Konsequenz wie mandass bei einigen großen Autoren hat: ein Entwurf der Welt, den sie allenihren Filmen aufdrücken. Das kann man über Harlan mit Sicherheit sagen.«(Stefan Drössler, Filmwissenschaftler)Die wichtigsten Filme Harlans entstanden in den knapp sechs Jahren desZweiten Weltkriegs. Ausnahme: Der Film DER HERRSCHER von 1937, ein imStil subtiles, aber ideologisch plumpes Propagandawerk, das vage aufnach Gerhard Hauptmanns »Vor Sonnenuntergang« basiert, und derNS-Führerideologie huldigt: »Denn wer zum Führer geboren ist, brauchtkeinen Lehrer als sein eigenes Genie« heißt ein entscheidenderDialogsatz. Der Freibrief zur Willkürherrschaft. Dieser Film wurde zuHarlans Ticket an die Spitze des NS-Films.*Zutiefst reaktionäre Schicksalsgläubigkeit*3
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