und beurteilt werden. Es herrscht somit der
Ver-dacht
; die Tugend aber, sobald sie verdåchtig wird,ist schon verurteilt.ª
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Hegel meinte gerade nichtden auf bestimmte Tatsachen gestçtzten
Tat
ver-dacht im Sinne der Strafprozessordnung, sondernden bloûen
Gesinnungs
verdacht, welcher dem jakobinischen Tugendterror als Anknçpfunggençgte, um die (proklamierte) Herrschaft derGesetze durch die (praktizierte) Herrschaft derGuillotine zu ersetzen. Man darf an diesen Erfah-rungshintergrund ebenso erinnern wie an seine spe-zifisch deutsche Reprise im nationalsozialistischenTugendterror der ¹Geheimen Staatspolizeiª(Gestapo), wenn man sich heute die rechtsstaatli-che Funktion einer funktionalen und organisatori-schen Trennung von Verfassungsschutz und Polizeiklar vor Augen fçhren will. In Victor KlemperersTagebçchern 1933±1945
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kann man nachlesen,welch lebensrettende ¹Rechts-Wohltatª es fçr denBetroffenen bedeutet, durch ein (vielleicht hartes,aber immerhin) Urteil der ordentlichen Justiz zueiner ¹gewæhnlichenª Gefångnisstrafe verurteilt zuwerden, anstatt ohne jegliches Verfahren (dennFolter-Verhære sind keine ¹Verfahrenª in diesemSinne) sogleich der Gestapo-Einweisung in ein¹Schutzhaftlagerª, d.h. KZ, oder dem Abtransportinein Vernichtungslageranheimzufallen.Hier ist mæglicherweise absichtsvollen Missver-ståndnissen vorzubeugen: Die historische Erinne-rung impliziert
nicht
die Behauptung, mit demTerrorismusbekåmpfungsgesetz befånden wir unsbereits wieder auf dem Weg zu einem mit dem NS-System vergleichbaren Sicherheits-Verbund. Einesolche Behauptung wåre aus mehreren Grçndenfalsch. Zum einen bleiben wesentliche Grundlagendes bisherigen Verfassungsschutzrechts unangetas-tet: das Gesetzmåûigkeitsprinzip, das Gebot derorganisatorischen Trennung von Polizei und Nach-richtendienst sowie der Ausschluss polizeilicherZwangsbefugnisse.
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Bei Auskunftsersuchen desVerfassungsschutzamtes darf dieses selbst nur diefçr die Ermæglichung der Auskunft unerlåsslichenpersonenbezogenen Daten an die ersuchte Stelleçbermitteln, eine Konsequenz des selbstverstånd-lich zu beachtenden Ûbermaûverbots (§ 8 Abs. 1[neu] BVerfSchG). Zum anderen wirkt diefæderale Struktur des Aufbaus der Sicherheitsbe-hærden trotz des informationellen ¹Zusammen-wachsensª immer noch gewaltenteilend und-begrenzend.Um den Unterschied zwischen dem damaligen ein-heitlichen und zentralisierten NS-Sicherheitsrechtund dem heutigen gegliederten Polizei- und Ver-fassungsschutzrecht klar zu erfassen, lese man ein-mal das Regelwerk der 22 Artikel des Terroris-musbekåmpfungsgesetzes, und dann ziehe manden Vergleich zu der bekannten Definition desnationalsozialistischen Polizeirechts. Nach dieser¹hat die Polizei als ,Hçterin der Gemeinschaft` . . .çberall dort einzuschreiten, wo deren Belange eserfordern. Weder ist dafçr ein gesetzlicher Auftragnotwendig, noch gibt es eine sie hindernde gesetz-liche Schranke; ihr Ziel ist die innere Sicherheitder deutschen Volksordnung gegen jede Stærungund Zerstærung. Ihre Tåtigkeit darf durch Normenweder gebunden noch beschrånkt werden, dasnationalsozialistische Polizeirecht muss vielmehrmit den bisherigen Spezial- und Generallegitima-tionen brechenª
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.Die historische Erinnerung ist dennoch nçtzlich, jaunerlåsslich; sie hilft, die feine, beinahe unsicht-bare Grenze zu erkennen, an welcher der
Rechts- staat
in den
Pråventionsstaat
çbergeht. Beidegehorchen den Regeln jeweils spezifischer Funk-tionslogiken, jener denen der Freiheit und derAutonomie, dieser denen der Sicherheitsmaximie-rung und der instrumentellen Effizienz. Es gehtallerdings nicht um ein schroffes Entweder-oder,sondern angesichts der terroristischen Bedrohungbesteht die Aufgabe darin, die ideale Kombinationder beiden Zielsetzungen in der Weise zu finden,dass das maximale Maû an Freiheit durch eineoptimale Gewåhrleistung von Sicherheit erhaltenwird. Dass hier die Balance nicht einfach zu findenund zu halten ist, zeigt sich in den gegensåtzlichenEinschåtzungen desselben Gesetzestextes durchdie maûgeblichen Politiker: Wåhrend die rot-grçne Koalition ihren Entwurf in der aus der inter-nen Kritik und der æffentlichen Anhærung (am30. November 2001) hervorgegangenen ¹gerei-nigtenª Fassung als die gelungene Verbindung der¹strenge(n) Beachtung rechtsstaatlicher Prinzipienmit der notwendigen Effektivitåt bei der Krimina-litåtsbekåmpfung und Terrorpråventionª lobt,
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sehen die Oppositionsparteien teils die Rechts-staatlichkeit gefåhrdet (FDP und PDS), teils im
4 Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Vorlesungen çber diePhilosophie der Geschichte, Theorie Werkausgabe, Band 12,Frankfurt/M. 1970, S. 532.5 Victor Klemperer, Ich will Zeugnis ablegen bis zum letz-ten, 2 Bånde, Berlin 1996
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.6 Die Begrçndung des Fraktionsentwurfs, Drs. 14/7386,S. 93, betont dies ausdrçcklich.7 Werner Best, in: Zeitschrift der Akademie fçr DeutschesRecht, (1937), S. 132, zit. in: Rudolf Kluge/Heinrich Krçger,Verfassung und Verwaltung im Groûdeutschen Reich, Berlin1941
3
, S. 368.8 Volker Beck, Bçndnis 90/Die Grçnen, in: BlickpunktBundestag, 11/2001, S. 15; åhnlich Dieter Wiefelspçtz, SPD,ebd., S. 14.
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Aus Politik und Zeitgeschichte B 10±11/2002
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