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PuZ
Aus Politik und Zeitgeschichte
12/2007 ´ 19. Mårz 2007
Innere Sicherheit im Wandel
Bernhard Frevel 
Sicherheit gewåhren ± Freiheit sichern
Henning van den Brink ´ Andr Kaiser 
Kommunale Sicherheitspolitik
Lars Normann
Sicherheitspolitische Reformergebnisse zur Terrorpråvention
Peter Stegmaier ´ Thomas Feltes
Vernetzung als neuer Effektivitåtsmythos fçr innere Sicherheit
 Jo Reichertz
Die Medien als selbståndige Akteure
Herbert Schubert ´ Holger Spieckermann ´ Katja Veil 
Sicherheit durch pråventive Stadtgestaltung
Beilage zur Wochenzeitung
Das
Parlament
 
Editorial
Das Politikfeld ¹innere Sicherheitª unterliegt seit dem Zerfalldes kommunistischen Herrschaftssystems in Mittel- und Osteu-ropa einem deutlichen Wandel. Mit dem Wegfall der alten Feind-bilder entfielen zwar bisherige Bedrohungen, aber die Globa-lisierung brachte neue Gefahren, auf die es sich einzustellen gilt:die Internationalisierung des Verbrechens und den weltweit agie-renden Terrorismus. Die Terroranschlåge vom 11. September2001 in New York und Washington haben in starkem Maûezur Verånderung der staatlichen Sicherheitspolitik beigetragen.Damit wurden und werden weit reichende Verånderungen nichtnur der internationalen, sondern auch der nationalen, regionalenund kommunalen Sicherheitspolitik legitimiert. Die Berichter-stattung der Medien trågt dazu bei, dass weite Teile der Bevælke-rung dem stårker werdenden staatlichen Zugriff wenig entgegen-setzen.Kritische Beobachterinnen und Beobachter warnen vor einerEntwicklung des deutschen Rechtsstaates zum Pråventionsstaatmit der Folge einer Aushæhlung der Bçrgerrechte. Mit der Zu-nahme staatlicher Kompetenzen und Ansprçche gehe eine spçr-bare Einschrånkung der Freiheitsrechte der Bçrgerinnen undBçrger einher. Datenschçtzer sehen das Gleichgewicht zwischenFreiheit und Sicherheit gefåhrdet.Wie viel Sicherheit vertrågt die Freiheit und wie viel Freiheitdie Sicherheit? Diese Frage stellt sich immer wieder neu. DerDiskurs muss ± gerade unter verånderten åuûeren Rahmenbe-dingungen ± verantwortungsvoll gefçhrt werden. Sonst ist dieGefahr groû, dass Sicherheitsmaûnahmen die Freiheit, die siedoch schçtzen sollen, letztendlich gefåhrden oder gar beseitigen.
 Katharina Belwe
 
Bernhard Frevel 
Sicherheitgewåhren ±Freiheit sichern
Essay
D
as hært sich doch aus dem Mund desBundesinnenministers ganz gut an,wenn er bei der Pråsentation des ZweitenPeriodischen Sicherheitsberichts der Bundes-regierung im November 2006 feststellt, ¹dassdie BundesrepublikDeutschland ± insbe-sondere im europå-ischen Vergleich ± zuden sichersten Lån-dern gehærtª. Damitschlieût er an das an,was er schon bei derVorstellung der ¹Poli-zeilichen Kriminal-statistik 2005ª im Mai desselben Jahres for-muliert hatte: ¹Wir kænnen fçr das Jahr 2005einen deutlichen Rçckgang der polizeilich re-gistrierten Kriminalitåt verzeichnen. Gleich-zeitig ist die Aufklårungsquote noch einmalleicht angestiegen. Dies zeigt: Deutschland istper se und im internationalen Vergleich einesder sichersten Lånder der Welt.ªGlaubt ihm das Volk, wenn er die Erfolgeder Sicherheitspolitik und der Polizei so lobt?Augenscheinlich wohl, denn die Kriminali-tåtssorgen der Bçrgerinnen und Bçrger gehenzurçck, das Sicherheitsempfinden verbessertsich. Sowohl bei expliziten Kriminalitåts-furchtstudien als auch bei den Untersuchun-gen zu den ¹Øngsten der Deutschenª werdenseit 1993 stetige Verbesserungen des Sicher-heitsempfindens gemessen. Da lieû sich dasVolk auch durch den Terror 9/11 in NewYork nicht groû bange machen.Aber wo kåmen wir denn hin, wenn sichdas Volk zu sicher fçhlte, seiner Polizei ingroûem Vertrauen Beifall klatschte und sichbeim Nachdenken çber den Zusammenhangvon Freiheit und Sicherheit wieder stårkerder Gestaltung der Freiheitsrechte zuwendenwçrde? Es muss wohl nicht so weit gehen,das ¹Angst essen Seele aufª-Prinzip zu fær-dern, aber ein bisschen Furcht und Sorge darf schon sein, damit sich die Bçrgerinnen undBçrger an den Schutz versprechenden Staatanlehnen. Die Sicherheitspolitiker werdennicht mçde zu betonen, die Bedrohungenseien vielfåltiger, unberechenbarer geworden.Und der Bundesinnenminister formuliertneue Sachzwånge: ¹Aus ermittlungstakti-schen Grçnden ist es unerlåsslich, dass dieStrafverfolgungsbehærden die Mæglichkeithaben, eine Online-Durchsuchung nach ent-sprechender richterlicher Anordnung ver-deckt durchfçhren kænnen.ª Das hohe Ge-fåhrdungs- und Anschlagspotenzial stellt andie Sicherheitsbehærden neue und komplexeAnforderungen.Das hært sich nun etwas schizophrener an,als es tatsåchlich ist. Denn sicherlich habensich Qualitåt und Quantitåt von Kriminalitåtund Terror gewandelt, werden neue Anforde-rungen deutlich, sind die rechtlichen Kom-petenzen der Strafverfolger und Gefahren-abwehrer den technischen Fåhigkeiten derTåter irgendwie anzupassen. Aber die Artund Weise des staatlich gefçhrten Diskurseslåsst gleichwohl stutzen.Polizei und Sicherheitspolitik versuchendem Volk mit der Beschreibung der mal nur¹latentenª und dann wieder ¹konkretenª Ge-fahr und mit einem lauten Bedauern der in derStrafprozessordnung aufgestellten Begren-zungen der polizeilichen Befugnisse zu sugge-rieren, dass zwar die Sicherheit insgesamt ge-wåhrleistet sei, aber das Damoklesschwert derGefahr an doch schon arg gespanntem Ross-haar çber den Kæpfen hånge. ¹Gebt uns mehrBefugnisse, da wir sonst nicht mehr fçr eureSicherheit garantieren kænnen!ª lautet derstaatliche Ruf ± hoffend, dass die verschreck-ten Bçrgerinnen und Bçrger der Lebenslçgedes Obrigkeitsstaates auf den Leim gehen:Wer sich nichts zuschulden kommen låsst,braucht doch auch keine Angst vor der Ver-wanzung der Wohnung, vor der Videoçber-wachung auf dem Rathausplatz, dem Trojanerim PC, vor der Speicherung seiner DNA undder verdachtsunabhångigen Personenkontrol-le amBahnhof zu haben.
Bernhard Frevel
Dr. rer. soc., geb. 1959; Dozentfür Sozialwissenschaften an derFachhochschule für öffentlicheVerwaltung NRW,Abt. Münster, Nevinghoff 8±10,48147 Münster.bernhard.frevel@fhoev.nrw.de
3APuZ 12/2007
of 00

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