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hema Menshenehe 
D f ü  ohn  h , u kä m p f n
aazin de Bundeszenale ü  poliische Bildun. 29  /  ine 2008
 
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Editorial
Ach ja, die Menschenrechte. War da was? Sie sindgerade hier in Deutschland ür viele eine juristischeAbstraktion geworden. Etwas, was so selbstverständ-lich ist, dass kaum jemand sie genauer kennt. Diemeisten nehmen an, dass sich im Zweiel schon jemandkümmern wird – eine staatliche Stelle, ein Gerichtoder eine Organisation. Menschenrechte aber geltennur so lange und in dem Maße, wie sie als politischeForderung aktiviert werden können und aktiv bleiben.Als Grundrechte haben Menschenrechte eine Allge-meingültigkeit, die sie geährlich und zugleich geähr-deter macht als andere Rechtstitel.Sie sind geährlich, weil sie unmittelbar plausibel sind.Ihre Krat kommt aus einem einachen Gedanken:Will ich so leben, wie es da beschrieben ist? Und dasimmer wiederkehrende, millionenache »Ja, natürlich!«ist es, was diese Grundrechte zu einem Kratquell ürdie alltäglichen Kämpe macht und die Macht dereruntergräbt, die gegen sie verstoßen.Menschenrechte sind aber immer auch prekär. Nichtsist so leicht, wie solche Grundrechte im Allgemeinenanzuerkennen und im Konkreten zu verletzen. UnterVorwänden, die gerade ür die Mächtigen immerwohleil sind. Und vollends wird ihnen die Grundlageentzogen, wenn auch der Westen Menschenrechts-verletzungen im Namen der Menschenrechte begeht.60 Jahre nach der Verabschiedung der allgemeinenErklärung der Menschenrechte ist die Bilanz durch-wachsen. Und die Aussichten au Besserung sind vage,aber es gibt sie. uter hat das zum Anlass genommen,die Artikel der Deklaration von 1948 mit Beiträgenzu ihrer konkreten Wirklichkeit heute zu konrontie-ren. Es ist ein Kaleidoskop der Widersprüche undeine Auorderung, sich nicht au den vermeintlichenAutomatismus des geltenden Rechts zu verlassen.Denn sobald dieses Recht abstrakt bleibt, wird esschon unterlauen.
Thorsten Schilling 
Thema: Menschenrechte — 3
inhalt
Einführung
Bec be ee dme 4
Wie die Deklaration vor 60 Jahren entstand 
»E M  e M – b  r e e« 5
Interview mit dem Juristen und PolitikjournalistenHeribert Prantl 
GegejeeWe7
Wie Austände und Schlachten den Menschenrechtenzum Durchbruch verhalen
VeE8
Diese Menschen haben ür ihre Rechte gekämpt 
30 Menschenrechte
Be, Gecce, Fe
................
10 – 47
30 Artikel zu 30 Menschenrechtsartikeln:Wie sich ein schwuler Jugendlicher in Deutschland ühlt, warum sich eine Frau vor Handystrahlung ürchtet, was ein Mädchen über ihre Geängniszelledenkt und vieles mehr
Ceef
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26
Das Universum der Menschenrechtsorganisationenau einen Blick
Und zum Schluss …
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48Meceece
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49
die es nicht (groß) ins Het geschat haben
ieeb: ddr
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50
Zum Schießen: Ausgerechnet die ehemaligen Grenz-truppen der DDR reden über Menschenrechte
Cover: Das Bild stammt aus einer Reportage des Fotograen Julian Röder(Seite 32) und entstand au dem 4. Weltsozialorum am 21.1.2004 inMumbai, Indien
 
ALS ELEANOR ROOSE-VELT, die Witwe des US-Prä-sidenten Franklin D. Roose-velt an einem Sonntag im Jahre 1947zum Tee lädt, steht ihr nicht der Sinnnach Komplimenten ür ihre Cookies,sondern nach einer Veränderung derWelt: Roosevelt ist Vorsitzende einerUN-Kommission, die an einer Erklä-rung der Menschenrechte arbeitet.Nach den Schrecken des ZweitenWeltkriegs soll es endlich einen Leit-aden geben, der das Handelnder Völker bestimmt.Den ersten Schritt zu einersolchen Erklärung hatten am14. August 1941 die USA undGroßbritannien unternommen,als sie in der sogenannten»Atlantic Charta« beteuerten,sich ür Menschenrechte ein-setzen zu wollen. US-PräsidentRoosevelt nannte als Grund-rechte die Freiheit von Notund Furcht, den Zutritt zumHandel und bessere Arbeits-bedingungen.Nach dem Zweiten Welt-krieg beschließen die noch jun-gen Vereinten Nationen, ihreMenschenrechtskommissionmit der Formulierung einer weltweitgültigen »Bill o Rights« zu beautra-gen. Die Kommission besteht aus 18Mitgliedern, darunter Eleanor Roo-sevelt, der Diplomat und PhilosophPeng-chun Chang und der libanesi-sche UN-Mitarbeiter Charles Malik.Weil es aber bei der Formulierung derCharta Dierenzen zwischen Malikund Chang gibt, beschließen sie beimTeetrinken in Roosevelts New YorkerApartment am Washington Square,einen gewissen John P. Humphreymit einem ersten Entwur zu beau-tragen. Der kanadische Jurist Hum-phrey ist von 1946 bis 1966 Direktorder UN-Menschenrechtsabteilung.Nachdem er den Autrag erhaltenhat, macht er sich soort an die Ar-beit und zieht sich ür eine Woche inein Hotel zurück, um zu schreiben.Er orientiert sich an rüheren Ent-würen, vor allem an dem des Ameri-can Law Institutes. Doch er hat auchandere Inspirationsquellen: Juristenund Geistliche haben sich schon vorihm an der Formulierung der Men-schenrechte versucht. Sogar derSchritsteller und Pionier der Science-Fiction-Literatur H. G. Wells schriebseine Ideen dazu au. Es ist ein Sto,der die Welt bewegt.Humphrey sind vor allem sozialeund wirtschatliche Rechte wichtig.In einer Rede bezeichnet er das Pro-jekt als »revolutionär«, was ihm dieKritik von konservativer Seite ein-bringt – das UN-Menschenrechtspro-gramm wolle Sozialismus oder garKommunismus etablieren, heißt es.Humphrey selbst sagt später in einemInterview: »1948 wurden wirtschat-liche und soziale Rechte als purer So-zialismus angesehen.« Am 15. März1947 hat er seine Arbeit endlich voll-endet. In insgesamt 48 Artikeln fndensich die wichtigsten Menschenrechte.Doch auch bei einer Menschrechtsde-klaration kann Unrecht geschehen: John P. Humphrey soll später nichtdie ihm zustehende Anerkennung ürseine Arbeit bekommen, seine Leistungwird verschwiegen.Dem Kommitee erscheint Hum-pheys Wur zu unlogisch strukturiert.Als man sich im Juni 1947 zum ers-ten Mal ofziell trit, bittetman den ranzösischen Juris-ten und Diplomaten René Cas-sin, um eine Überarbeitung.Als Cassin drei Tage später sei-ne Arbeit vorlegt, besteht erdarau, Urheber des ersten Ent-wures einer Menschenrechts-erklärung zu sein, obwohl dreiViertel seines Textes dem vonHumphrey gleichen. Derschweigt – ür die Sache.Als Cassin aber 1968 denFriedensnobelpreis bekommt,vor allem ür seine Leistung alsVerasser der Menschenrechts-erklärung, meldet sich Hum-phrey zu Wort und löst damitdiplomatische Verwicklungenzwischen Frankreich und Kanadaaus. Humphrey erhält sogarDrohanrue.Nach insgesamt eineinhalb JahrenArbeit an der Erklärung wird endlicham 10. Dezember 1948 in Paris die30 Artikel umassende »UniversalDeclaration o Human Rights« von48 Staaten verabschiedet. Acht Nati-onen enthalten sich, es gibt keineGegenstimme.In Eleanor Roosevelts Memoirenvon 1959 wird Humphrey als Autordes ersten Entwures der Menschen-rechtserklärung erwähnt, ofziellbleibt Cassin der Verasser.
Herr Prantl, müssen Sie als Jurist und früherer Staats-anwalt nicht Mitleid mit den Institutionen haben, die fürdie Einhaltung der Menschenrechtsdeklaration kämp-fen? Schließlich gibt es kaum rechtliche Verbindlich-keiten und Sanktionen für die Nichtbeachtung.
Mitleid? Eigentlich möchte man ja verzweieln. Esgibt keine Exekutive, die Menschenrechte so schützt,wie sie geschützt gehörten; es gibt keine staatlicheoder überstaatliche Gewalt, die sie konsequent vertei-digt. Aber andererseits stellt man est, dass sie trotz-dem Autorität haben, dass eine Akzeptanz ür dieMenschenrechte gewachsen ist, die man sich so vor60 Jahren nicht hätte vorstellen können. Die Papier-orm der Menschenrechte ist vorzüglich. Und eineZeit lang, zwischen dem Ende des Kalten Krieges unddem Anschlag au die Twin Towers im Jahr 2001,wuchs sogar ein Pänzchen der Honung aus den Jahresberichten von amnesty international. Das istvorbei: Der amnesty-Jahresbericht von 2008 liest sichwie eine Ode der Resignation. Im »Kamp gegen denTerror« leiden die Menschenrechte ganz urchtbar.Aber es gibt auch Honung: Vielleicht kann man esja schon als Erolg werten, dass China im Voreld derOlympischen Spiele nicht gesagt hat: »die Menschen-rechte akzeptieren wir nicht.« China hat ja eher umVerständnis geworben, dass das Land noch nicht »soweit« ist. Das weckt die kleine Honung, dass sichdie Menschenrechte nicht einach in der Unverbind-lichkeit auösen, sondern dass sie eine innere Krathaben. Eine innere Krat, die so groß ist, auch Länderzu ergreien, die lange abseitsstanden.
Sie sehen die Entwicklung der Menschenrechte alsodurchaus als Erfolgsgeschichte.
Sie werden in Serie verletzt. Aber: Sie sind der Maß-stab, an dem Regierungen gemessen werden, ob sienun die Menschenrechte im Munde ühren oder nicht.Und diesen Maßstab haben nicht nur NGOs wieamnesty in der Hand, dieser Maßstab liegt mittler-weile auch au dem Tisch von Richtern, die dasVerhalten von Regierungsches, von Ministern undMilitärs daran messen – reilich immer nur dann,wenn deren Regime zusammengebrochen ist. DenkenSie an die Gründung des Weltstragerichtshos in DenHaag, denken Sie an die internationalen Tribunale,welche die Verbrechen des Jugoslawienkriegs und denVölkermord in Ruanda untersuchen und bestraen.Sicher: Strae kommt immer zu spät. Aber solche Stra-en können vielleicht abschreckend wirken und alsovorbeugende Krat haben. Bisher war es so: Wenneiner einen Menschen ermordet hat, kam er ins Ge-ängnis. Wenn einer Tausende von Menschen ermor-dete, wurden ihm die Türen zu den internationalenKonerenzsälen geönet. Einen solchen verrücktenAutomatismus gibt es jetzt nicht mehr.
Obwohl selbst die Staaten, die das Vertragswerk desGerichtshofes unterschrieben haben, schon Urteileignoriert haben.
Auch Staaten sind Pharisäer: Sie sehen den Balkennur im Auge der anderen. Das werden die sich lang-ristig aber nicht leisten können. Es geht nicht, dassdas Gericht nur den Halbmächtigen und den Exmäch-tigen au die Finger schaut, das wird sich sicherlichentwickeln. So wie sich aus dem Nürnberger Kriegs-verbrechertribunal nun allmählich das Weltgerichtentwickelt.
Ist dieses Tribunal ein Vorbild für ein Weltgericht?
 Ja. Das Nürnberger Gericht wurde von den Siegerndes zweiten Weltkriegs eingesetzt. Darum wurde otder Vorwur erhoben, hier agiere eine Siegerjustiz,hier bestrae man Dinge, ür die die Rechtsregeln erstnachträglich geschaen wurden. Dieser Vorwur galtschon damals nicht, und heute gilt er erst recht nichtmehr. Es ist ja nicht so, dass die Menschenrechte vor60 Jahren au einmal vom Himmel geallen sind.Menschenrechte waren schon vor der AllgemeinenErklärung der Menschenrechte da. Lesen wir nach beiFriedrich Schiller, hören wir den FreiheitsheldenWilhelm Tell: »Es gibt die ewigen Rechte, die hängenirgendwo da oben. Und wenn ich nirgendwo andersRecht fnde, dann fnde ich die bei den ewigen unver-äußerlichen Rechten …«
Das klingt sehr optimistisch. Gelten diese ewigenRechte nicht nur bis zum nächsten Notfall?
Die ewigen Rechte Schillers – die haben sich materia-lisiert in diesen allgemeinen Menschenrechten des Jahres 1948. Es gibt so was wie die normative Kratdes Normativen. Da sind Regeln, die erst Mal daste-hen, aber im Laue der Zeit prägen sie das Bewusst-sein, weil über sie immer und immer wieder geredetund debattiert wird.
so d o 60 J di Mdkio
text: sUsanne KlInGner
BESUCH BEI EINER DAME
Ein großer Schritt für die Menschheit:Eleanor Roosevelt, die Witwe des US-PräsidentenFranklin D. Roosevelt, mit der Deklaration
»Ein Mord ist ein Mord – ob in Ruandaoder hier«
Der Rechtsexperte und Journalist HeribertPrantl über die juristische Durchsetzbar-keit der Menschenrechte, deren Relativierungin Deutschland und die Möglichkeiten ür jeden Einzelnen, sie zu stärken.
4 luterThema: Menschenrechte 5
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