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Editorial
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Der Terroranschlag von Madridim Mårz dieses Jahres hat die Dis-kussion çber Konsequenzen ausder verånderten Sicherheitslageverschårft. Benætigt Deutschlandeine neue ¹Sicherheitsarchitek-turª? Bislang konkurrieren diefæderal organisierten Verfassungs-schutz- und Kriminalåmter mitein-ander und blockieren sich nicht sel-ten gegenseitig. Die Innenministervon Bund und Låndern haben des-halb im Juli 2004 beschlossen, einegemeinsame Antiterrordatei desBundesnachrichtendienstes, derVerfassungsschutzbehærden undder Polizei einzurichten.
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Die Grenzen zwischen Polizei-und Geheimdienstarbeit sindbereits als Folge der Anschlågevom 11. September 2001 in denUSA durchlåssiger geworden. ZweiAntiterrorpakete wurden verab-schiedet, mit denen die Vorfeldbe-fugnisse der Behærden erheblichausgeweitet wurden. Die Geheim-dienste dçrfen bei Anbietern vonTelekommunikationsleistungen, beiFluggesellschaften und Kreditinsti-tuten personenbezogene Datenabfragen. Mit Inkrafttreten desZuwanderungsgesetzes im Januarnåchsten Jahres werden Abschie-bungen Verdåchtiger erleichtert.Bis Ende 2005 wollen die EU-Innenminister neue, biometrischdurch Fingerbilder, Netzhautscanoder Gesichtserfassung abgesi-cherte Ausweispapiere einfçhren.In den USA wird bereits jetzt vonEinreisenden die Hinterlegung bio-metrischer Kennzeichen verlangt;Fingerabdrçcke und Digitalfotoswerden mit Daten mutmaûlicherTerroristen abgeglichen.
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Datenschçtzer warnen indes vordem ¹glåsernen Bçrgerª. Der Ziel-konflikt zwischen Freiheit und Inne-rer Sicherheit ist nicht neu. Bereitsin der ¹bleiernen Zeitª der altenBundesrepublik in den siebzigerJahren kam es angesichts des RAF-Terrors zu Rasterfahndungen, unddas Delikt ¹Bildung einer terroristi-schen Vereinigungª wurde insStrafgesetzbuch eingefçgt. Heuteverleihen Globalisierung und Digi-talisierung der Debatte eine neueQualitåt. Die sich rasch entwi-ckelnde RFID-Technologie (RadioFrequency Identification) etwaeræffnet neue Mæglichkeiten zurIdentifizierung und Kontrolle vonVerdåchtigen. Die automatisierteErfassung von Kærpermerkmalenund ihre digitale Verarbeitungerlauben den raschen Zugriff aufeine Fçlle von Informationen.
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Viele Bçrgerinnen und Bçrgerscheinen in Zeiten terroristischerBedrohungsångste Einschrånkun-gen der bçrgerlichen Freiheitenbereitwillig in Kauf zu nehmen. Inbritischen Stådten hat sich dieAnzahl der Videoçberwachungska-meras vervierfacht; nach einer EU-Studie befçrworten 90 Prozent derBriten solche Kameras an æffentli-chen Plåtzen. Nach einer Allens-bach-Erhebung vom April 2004meinen 44 Prozent der Deutschen,dass die Sicherheitsvorkehrungengegen Terroranschlåge nicht ausrei-chen, und çber 60 Prozent wçn-schen, dass die Bundeswehr imInnern Polizei- und Grenzschutz-aufgaben çbernimmt.
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Absolute Sicherheit kann es inhoch entwickelten Gemeinwesennicht geben. Die komplexe Ver-kehrs- und Kommunikationsinfra-struktur bietet Terroristen eine Fçllevon ¹weichen Zielenª. Mæglicher-weise hilft gegen die terroristischeBedrohung ± und gegen die ver-breiteten Ohnmachtsgefçhle ± nuraktiver Bçrgersinn: wachsameGelassenheit, sowie das Vorlebender Werte und die WahrnehmungderGrundrechte,gegendieislamis-tischeundandereTerroristenzuFelde ziehen und die in einem¹Gottesstaatª niemals gewåhrtwerden wçrden. Dazu gehært dasSelbstbewusstsein, auch Veråch-tern der Freiheit die Mæglichkeitennicht zu versagen, die der Rechts-staat bietet. Denn Freiheitsbe-schrånkungen ohne Humanitåtund Legalitåt, die pauschale Ver-dåchtigung von Minderheiten oderMaûnahmen innerer Militarisierungsind geeignet, die rechtsstaatlicheDemokratie zu schwåchen.
Hans-Georg Golz
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