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Spiegel: Der fleißige Partner

Spiegel: Der fleißige Partner

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Die NSA-Affäre rückt an die Kanzlerin heran. Angela Merkel will erst aus der Presse
von der Abhörmanie der US-Regierung erfahren haben – dabei nutzen deutsche Geheimdienste eines der ergiebigsten NSA-Schnüffelwerkzeuge selbst.
Die NSA-Affäre rückt an die Kanzlerin heran. Angela Merkel will erst aus der Presse
von der Abhörmanie der US-Regierung erfahren haben – dabei nutzen deutsche Geheimdienste eines der ergiebigsten NSA-Schnüffelwerkzeuge selbst.

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08/28/2013

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   A   D   A   M    B   E   R   R   Y   /   G   E   T   T   Y   I   M   A   G   E   S
Kanzlerin Merkel vor der Bundespressekonferenz am vergangenen Freitag
Der fleißige Partner
Die NSA-Affäre rückt an die Kanzlerin heran. Angela Merkel will erst aus der Pressevon der Abhörmanie der US-Regierung erfahren haben –dabei nutzendeutsche Geheimdienste eines der ergiebigsten NSA-Schnüffelwerkzeuge selbst.
Auszug aus dem Snowden-Archiv: Deutsche Datenschutzgesetze aufgeweicht
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s waren zwei geschäftige Tage fürdie Abhörspezialisten des Bundes-nachrichtendienstes.
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nde Aprilflog eine zwölfköpfige, hochrangig be-setzte Reisegruppe des BND in die USA,sie besuchte das Herz des globalen ame-rikanischen Abhörimperiums: die Natio-nal Security Agency (NSA). Was die De-legation dort wollte, steht in einem als„top secret“ klassifizierten NSA-Papier:BND-Chef Gerhard Schindler, heißt esdarin, habe wiederholt seinen „dringen-den Wunsch“ geäußert, enger mit derNSA ins Geschäft zu kommen. Die Deut-schen suchten „Führung und Rat“.Der Wunsch wurde offenbar erfüllt.Spitzenkräfte aus dem Foreign Affairs Directorate der NSA umsorgten die deut-sche Delegation. Die Amerikaner organi-sierten eine „Strategische Planungskon-ferenz“, um die Partner aus Deutschlandauf den letzten Stand zu bringen.
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iner der Höhepunkte war für denNachmittag vorgesehen: Nach mehrerenVorträgen zu aktuellen Methoden der„Datenbeschaffung“ („Data Acquisition“)referierten Führungskräfte der
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inheit„spezielle Quellen“, intern „SSO“ ge-nannt. Sie gehört zum Geheimsten derGeheimen, es ist die Abteilung, die zumDatenabschöpfen unter anderem mit
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T-Unternehmen paktiert. Der Whistleblower
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dward Snowden bezeichnet diese
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lite-einheit als „Kronjuwelen“ der NSA.
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s war nicht die erste Fortbildungsreisedeutscher Geheimdienstler über den At-lantik in diesem Frühling 2013 –und auchnicht die letzte. Tatsächlich belegen Do-kumente, die der SP
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einsehen konn-te, dass in der Regierungszeit von Kanzle-rin Angela Merkel (CDU) die Zusammen-arbeit zwischen Berlin und Washingtonauf dem Gebiet der digitalen Aufklärungund Abwehr erheblich intensiviert wurde.Die Deutschen, so heißt es in einem Do-kument, seien entschlossen, die Koopera-tion „zu festigen und auszubauen“.Das sind heikle Nachrichten für AngelaMerkel. Bisher plätscherte der Wahl-kampf in Deutschland träge vor sich hin, jetzt scheint er ein Thema gefunden zuhaben: die Gier der Amerikaner nach Da-ten.
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n den vergangenen Tagen wurdendie Angriffe der Opposition heftiger. Zu-erst warf Kanzlerkandidat Peer Stein-brück (SPD) der Kanzlerin vor, ihrenAmtseid gebrochen zu haben, weil sie dieGrundrechte der Deutschen nicht zuschützen wisse. Jetzt sagt SPD-ParteichefSigmar Gabriel: „Merkel ist eine Schön-rednerin, die die Bevölkerung einlullt.“Mittlerweile sei erwiesen, so Gabriel, dassdie Bundesregierung von den Machen-schaften der NSA gewusst habe.Aber es sind nicht so sehr die Attackender SPD, die der Kanzlerin Sorgen berei-ten. Die eigentliche Gefahr droht für sievon innen. Merkel hat sich sehr früh dar-auf festgelegt, dass die Regierung nichtsvom dem Treiben der NSA wusste. Bevorsie sich vorigen Freitag in den Urlaub ver-abschiedete, beteuerte sie das erneut.Daran wird sie nun gemessen.
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nternargumentieren Merkels
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eute, ihr sei jagar nichts anderes übrig geblieben, alssich so klar festzulegen. Schließlich hätten sowohl der Chef des Bundesnachrichten-dienstes (BND) als auch der Präsident desVerfassungsschutzes versichert, dass siekeine genaueren Kenntnisse von demSpähprogramm „Prism“ und der Daten-sammelwut der Amerikaner hätten. Mitwelcher Begründung solle die Kanzlerindieser
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inschätzung widersprechen?Aber mit jedem Tag wächst in der Re-gierungszentrale die Furcht, dass am
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nde doch ein Papier auftauchen könnte,das die Mitwisserschaft der Regierung be-legt.Aber kommt es darauf überhaupt nochan? Was wäre schlimmer? Von einem Ka-binett regiert zu werden, das den Bürgernseine Mitwisserschaft verschweigt? Odereine Kanzlerin und Minister zu haben,deren Geheimdienste ein
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igenleben füh-ren, außerhalb der Kontrolle von Regie-rung und Parlament? Denn interne Do-kumente der NSA belegen, dass die Ame-rikaner und die deutschen Dienste engerzusammenarbeiten als bisher bekannt.Die seit Wochen mantrahaft vorgetrageneBeteuerung von Regierung und Geheim-diensten, man wisse gar nicht genau, wasdie Abhörspezialisten aus den USA trie-ben, lässt sich angesichts der nun erstmalsvom SP
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ausgewerteten Dokumen-te aus dem Archiv des amerikanischenWhistleblowers Snowden kaum aufrecht-erhalten.Demnach spielen neben dem BNDnämlich das Bundesamt für Verfassungs-schutz (BfV) und das in Bonn ansässigeBundesamt für Sicherheit in der
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nforma-tionstechnik (BS
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) eine zentrale Rolle imAustausch der Dienste, die NSA sprichtvon ihnen gar als „Schlüsselpartnern“.Dem
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nlandsgeheimdienst BfV stelltendie Amerikaner eines ihrer ergiebigstenSchnüffelwerkzeuge zur Verfügung: einSystem namens „XKeyscore“.
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s ist jenesSpionageprogramm, mit dem die NSAselbst einen Großteil der monatlich biszu 500 Millionen Datensätze aus Deutsch-land erfasst, auf die sie internen Doku-menten zufolge Zugriff hat (SP
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27/2013).Darüber hinaus zeigen die Unterlagen,welche Anstrengungen die deutschenDienste und die Politik unternahmen, umnoch enger als bisher mit den Amerika-nern ins Geschäft zu kommen. Das giltvor allem für den Umgang mit dem G-10-Gesetz, das festlegt, unter welchen Be-dingungen deutsche Bürger abgehört wer-den dürfen. So heißt es in einem alsstreng geheim deklarierten Papier derAgency von diesem Januar unter der Ru-brik „Success stories“ („
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rfolgsgeschich-ten“): „Die deutsche Regierung hat ihreAuslegung des G-10-Gesetzes geändert,um dem BND mehr Flexibilität bei derWeitergabe geschützter Daten an auslän-dische Partner zu ermöglichen.“Die Behauptung von der Unwissenheitder deutschen Dienste ist schon deshalbwenig glaubwürdig, weil diese seit Jahr-zehnten mit den Amerikanern zusam-menarbeiten. Bereits im Jahr 1962 habedie Kooperation der offensiven Abteilun-gen der NSA und der „Technischen Auf-klärung“ des BND begonnen, so heißt esin einem NSA-Papier aus dem Januar.Die Amerikaner sind überwiegend zu-frieden mit den Deutschen. Über Jahr-zehnte hatte man sich in Washington überdie braven deutschen Spione lustig ge-macht, die immer eine Rechtsverordnungzur Hand hatten, mit der sie begründenkonnten, warum sie bei einer heiklenOperation leider nicht mitmachen durf-ten. Die Amerikaner nervte das zwar,aber am
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nde blieb ihnen nichts, als eszu akzeptieren.Doch in jüngster Zeit hat sich etwasverändert, das zeigen die Snowden-Do-kumente. Aus den deutschen Bürokratenwurden echte Schlapphüte.Vor allem im
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aufe des Jahres 2012habe der Partner großen „
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ifer“ an denTag gelegt, seine Überwachungskapazi-täten zu verbessern, und sogar „Risikenin Kauf genommen, um US-
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nforma-tionsbedürfnisse zu befriedigen“, heißtes in den NSA-Papieren, die der SP
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einsehen konnte.Der Schwenk hin zu einer offensiverendeutschen Sicherheitspolitik begann be-reits 2007. Damals regierte in Berlin dieGroße Koalition. Den deutschen Behör-den gingen – aufgrund eines Hinweisesder NSA an den Verfassungsschutz –
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s-lamisten der sogenannten Sauerland- Zelle um den Konvertiten Fritz Gelowiczins Netz. Dieser hatte mit Freunden inDeutschland Bomben zünden wollen. Fürden Hinweis ist die Bundesregierung denAmerikanern bis heute dankbar.Der Fahndungserfolg habe „ein hohesMaß an Vertrauen“ zwischen NSA undVerfassungsschutz gebildet, heißt es indem NSA-Dokument. Seitdem gebe es„einen regelmäßigen amerikanisch-deut-schen Analyse-Austausch und eine enge-
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DerdeutschePartnerhabegroßenEiferandenTaggelegt,lobtdieNSA.
 
re Kooperation bei der Verfolgung vondeutschen wie nichtdeutschen
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xtremis-ten“. Die NSA habe mehrere Schulungenfür Beamte des Verfassungsschutzes ab-gehalten, um die Fähigkeiten der Deut-schen auszubauen, „heimische Daten zugewinnen, zu filtern und weiterzuverar-beiten“. Am besten sollten Schnittstellengeschaffen werden, um den Datenaus-tausch in größerem Umfang zu ermögli-chen. Von dieser engen Form der Zusam-menarbeit könnten „sowohl Deutschlandals auch die USA profitieren“.Der Pakt vertieft sich auch auf deut-schem Boden:
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in NSA-Analyst, der alsDiplomat an der amerikanischen Bot-schaft am Brandenburger Tor akkreditiertist, bezieht einmal pro Woche im BfV einBüro. Aufgabe des NSA-Mannes ist demPapier zufolge, die gedeihliche Beziehungzum deutschen Verfassungsschutz zu„nähren“ und natürlich „amerikanischeWünsche einzubringen“. Zudem richte-ten die Deutschen einen „Communica-tions link“ zur NSA ein, um die Verbin-dung der Dienste zu verbessern.Auch der persönliche Austausch ist in-tensiv. Allein im vergangenen Mai, nurwenige Wochen bevor die
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nthüllungenvon
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dward Snowden begannen, besuch-ten Verfassungsschutzchef Hans-GeorgMaaßen,
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nnenminister Hans-Peter Fried-rich und die zwölfköpfige Delegation desBND die NSA-Zentrale. Umgekehrt reis-te im selben Monat NSA-Chef Keith Alex-ander nach Berlin und machte auch einenZwischenstopp im Kanzleramt, das dieAufsicht über den BND führt.Und es blieb nicht nur bei regem Rei-severkehr. Aus den Snowden-Akten gehthervor, dass die NSA das Bundesamt fürVerfassungsschutz mit XKeyscore ausge-stattet hat –und dass auch der BND dasWerkzeug bestens kennt, schließlich soller die Kollegen vom deutschen
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nlands-geheimdienst im Umgang mit dem Spio-nageprogramm unterweisen. Das BfV solle vor allem deshalb mit XKeyscoreausgerüstet werden, um dessen „Fähig-keit auszubauen, die NSA bei der gemein-samen Terrorbekämpfung zu unter-stützen“.Was XKeyscore schon vor fünf Jahrenalles konnte, erschließt sich aus einer „topsecret“ eingestuften Präsentation vom25. Februar 2008, die fast schon die Formeiner Werbebroschüre hat offenbar sinddie amerikanischen Spione sehr stolz aufdas System.
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s sei „einfach zu bedienen“ und er-mögliche Ausspähungen von rohem Da-tenverkehr „wie kein anderes System“,heißt es dort.
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n einer der NSA-Folienmit dem Titel „Was ist XKeyscore?“ istzu erfahren, das Programm verfüge übereinen Zwischenspeicher, der für mehrereTage einen „full take“ aller ungefiltertenDaten aufnehmen könne.
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m Klartext:XKeyscore registriert nicht nur Verbin-dungsdaten; es kann wohl zumindest teil-weise Kommunikationsinhalte erfassen.Zudem lässt sich mit dem System rück-wirkend sichtbar machen, welche Stich-wörter Zielpersonen in
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nternetsuchma-schinen eingaben und welche Orte sieüber Google Maps suchten.Das Programm, für das es verschiedene
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rweiterungen (Plug-ins) gibt, kann of-fenbar noch mehr. So lassen sich „Nut-zeraktivitäten“ nahezu in
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chtzeit verfol-gen und „Anomalien“ im
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nternetverkehraufspüren. Wenn das stimmt, bedeutetdas: XKeyscore ermöglicht annähernd diedigitale Totalüberwachung.Aus hiesiger Sicht ist das besonders brisant. Denn von den rund 500 MillionenDatensätzen aus Deutschland, auf die dieNSA monatlich Zugriff hat, wurden bei-spielsweise im Dezember 2012 rund 180Millionen von XKeyscore erfasst.Das wirft Fragen auf: Hat die NSA da-mit nicht nur Zugriff auf Hunderte Mil-lionen Datensätze aus Deutschland, son-dern –zumindest tageweise –auch aufeinen „full take“, also auch deutscheKommunikationsinhalte? Können BNDund Verfassungsschutz über ihre XKey-score-Ausführungen auf die NSA-Daten-banken zugreifen und damit auf die dortgespeicherten Daten deutscher Bürger?Wäre das der Fall, dann könnte die Re-gierung kaum behaupten, sie wisse nichtsvom Sammeleifer der Amerikaner.Der SP
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hat beide Dienste unddas Bundeskanzleramt dazu befragt. Antworten zum
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insatz des Systemsgab es nicht.
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n einer Reaktion desBND heißt es lapidar, zu
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inzelheitender nachrichtendienstlichen Tätigkeit
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   H   C   P   L   A   M   B   E   C   K
Verfassungsschutzchef Maaßen, Innenminister Friedrich:
Verlässlicher Partner 
Titel

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