• Embed Doc
  • Readcast
  • Collections
  • 4
    CommentGo Back
Download
 
Das absolute Gehör: Ein Fluch oder Segen?
Ein kurzer Beitrag zur allgemeinen Diskussion von Kay Tokner - TEIL 2Sehr geehrte Leserinnen und Leser,nachdem ich im ersten Teil eine kurze Definition zum Thema „absolutes Gehör“ gegeben habe undim Anschluss einen Teil meiner persönlichen Entwicklung mit „dieser Fähigkeit“ skizziert habe,geht es in diesen Teil nun etwas mehr ins „Eingemachte“.Oftmals werde ich von „Nichtabsoluthörern“ gefragt, ob es denn für mich ein Vorteil oder Nachteilsei, diese „Gabe“ zu besitzen. In einigen Internet-Foren kristallisiert sich diese Frage rund umdieses Thema, für viele Interessierte als Kernpunkt heraus, ob das absolute Gehör nun ein Fluchoder Segen sei. Da es in den unterschiedlichen Musik-Foren auch Menschen mit der Fähigkeit desAbsoluthörens gibt, liest man unterschiedliche Aussagen und kommt zu unterschiedlichenErgebnissen. Ich persönlich, schließe ich mich den Aussagen einiger meiner Kollegen, die ein mehr oder weniger gut geschultes, absolutes Gehör haben nur in wenigen Punkten an. Warum ?
„Was zählt, sind die Dinge hinter den Dingen“.
Die wesentliche Frage die sich stellt ist:Was kann ich mit einem absolutem Gehör alles zu meinem wichtigsten Vorteilen nutzen, was ein„Relativhörer“ nicht kann?Danach schließt sich die Frage an:Wo liegen für mich die wesentlichen Nachteile die diese Fähigkeit mit sich bringt oder bringenkann?Da ich mich grundsätzlich persönlich nur mit Dingen auseinandersetze, die mir und meinenMitmenschen positiven Nutzen bringen, erwähne ich nur ganz kurz, dass es tatsächlich ein Nachteilfür mich ist z.B. bei einem Live Konzert ein absolutes Gehör zu besitzen. Ich höre sehr schnell, dassTöne nicht sauber getroffen werden, obwohl sie nur minimal abweichen und für „andere Zuhörer“nicht als schlecht intoniert hörbar sind. Da kann theoretisch so mancher Konzertbesuch zur Qualwerden. Allerdings kann ich die Intonationsschwierigkeiten der Sänger/Instrumentalisten gutausblenden und die Konzertbesuche genießen. Der Vorteil wiederum ist, ich höre umgekehrt heraus,wer in der Aufführung sehr genau singt oder musiziert und kann darüber in dem anschießendemSmallTalk fachsimpeln. Eindeutig klar ist, dass das absolute Gehör für mich viel mehr Vorteile als Nachteile mitbringt, da ich es auf die unterschiedlichste Weise einzusetzen verstehe.Es geht hier nicht darum irgendwelche Kunststücke vorzuführen, oder eben mal schnell eine Gitarresauber zu stimmen. Nein, es hilft ungemein und zwar in Bereichen wo man es nicht unbedingtvermutet.Da ich im grundlegenden ersten Teil angekündigt habe, mich in diesem Teil mit Komposition zu beschäftigen werde ich dies auch tun, aber die wahre Kraft dieser Fähigkeit für mich liegt inanderen Bereichen, aber dazu kommen wir noch, im spannenden Teil 3.
 
Das absolute Gehör beim Komponieren
An alle Klavierspieler:Wissen Sie, wie ein A-Dur Akkord in Ihrem Geiste klingt? Schließen Sie bitte die Augen undsetzten sich in Gedanken an ein Piano! Legen Sie Kraft Ihrer Vorstellungsgabe Ihren Daumen auf den Kammerton A, den Mittelfinger auf das nächste Cis und den kleinen Finger auf das E.Gratulation, dass ist ein visualisierter A-Dur Dreiklang. Ich weiß, dass keiner unter den„Nichtabsoluthörern“ nun den Klang bei gleichzeitigem Anschlagen der drei Finger exakt in seinemInneren hören kann. Nun schließen Sie bitte erneut die Augen und stellen Sie sich einen sehr sehr großen Elefanten vor.Wie er da steht, mit seinen riesigen Ohren in seinem gesamten, imposanten Erscheinungsbild.Die Farbe des großen Elefanten ist rosa. Stellen Sie sich den rosa Elefanten vor, wie er mit seinemlangen Rüssel anfängt in Benjamin-Blümchen-Manier zu musizieren. Den gleichen A Dur-Dreiklang. Zuerst den Ton A dann Cis, dann E. Was haben Sie nun in Ihrem Innerenwahrgenommen? Den Elefanten haben Sie normalerweise denke ich zu 100% gesehen, bzw.visualisieren können, die virtuellen Töne sich vielleicht vorstellen können, irgendwelche Töne, aber mit Sicherheit nicht zu 100% die von mir drei Vorgegebenen unseres Dreiklangs. Normalerweise sollten bei dem virtuellen Erklingen der Töne Ihre Gedanken vom eigentlichen Bilddes Elefanten abschweifen, da diese kleine Aufgabe für Sie als „Normalhörer“ unlösbar ist. Selbstfür mich ist diese Vorstellung nicht einfach, denn ein Elefant produziert den „typischenRüsselklang“, den kann ich mir als Elefantendreiklang wunderbar vorstellen, aber der Sound klingtdefinitiv anders als der eines Pianos. Wie alle Menschen in der Welt hat jeder unter Ihnen unzähligeBilder in seinen Inneren abgespeichert. Denken Sie an Rot, an eine Katze an einen riesigen Bergund an Liebe. Welches Bild fällt Ihnen am schwersten? Jeder Mensch sieht ein anderes Rot vor seinem geistigen Auge, beim Rest verhält es sich ebenso. Bei mir ist das natürlich nicht anders.Stellen Sie sich nun die Zahl 3 als Ziffer vor. Hier werden sich die Vorstellungen der Menschenschon mehr ähneln. Und jetzt hören Sie bitte in Ihrem innersten den Anfang Ihres absolutenLieblingssongs. Und nun bitte wieder den Kammerton A im Geiste erklingen lassen. Ich weißnatürlich, dass Sie die letzte Aufgabe wieder nicht meistern können.Worin liegt nun aber der Unterschied in den kleinen Aufgaben? Mit der Ausnahme der Benennungdes Kammertons A auf dem Piano sind alle anderen gedanklichen Vorstellungen auch nur relativer  Natur. Es gibt nicht das Rot, nicht den Elefanten und auch nicht die Katze, aber es gibt den Ton Aauf dem Piano, der von Absoluthörern im Inneren auch als solcher wahrgenommen bzw. imInnersten (virtuell) erklingt. Um jetzt nicht zu sehr ins Detail zu gehen, ist es natürlich richtig, dasses auch hier minimale Schwankungen gibt, denn stelle ich mir den Pianoklang des Tons A vonmeinem Digitalpiano vor klingt der Ton etwas anders als auf dem Steinway Flügel, da natürlich der Gesamteindruck, die Umgebung (Raumhall etc.) auch mit im Gedächtnis abgespeichert wird undsomit eine gewisse Rolle spielt.Vereinfacht gesagt, ist der (Kammer)-Ton A auf dem Piano bei mir in Gedanken immer exakt der gleiche, wobei ich bei einer Katze mir heute „unseren kleinen Kater“ vorstellen kann, oder nacheinem Gang ins Tierheim eine völlig andere Katze in meine Gedanken ziehen und visualisierenkann. Ein A auf dem Klavier ist für mich immer ein A (mit minimalsten Abweichungen vielleichtvon max. 1-2 Hz), aber eine Katze ist nicht immer die selbe Katze. Legen Sie mir eine Partitur vor die Augen, dann weiß ich, wie das Musikstück klingt ohne es spielen oder singen zu müssen.Bitte verwechseln Sie das nicht mit (relativem) Partiturspielen.
of 00

Leave a Comment

You must be to leave a comment.
Submit
Characters: ...

uploaded a new revision for this document (#5)

11 / 11 / 2009

uploaded a new revision for this document (#4)

11 / 11 / 2009

Liebe Leserinnen und Leser, ich habe eine leicht modifizierte Version des Dokuments hochgeladen. Viel Spass beim Lesen. Herzliche Grüße Kay Tokner

Hier nun der von vielen lang ersehnte zweiteTeil zum Thema absolutes Gehör. Der dritte Teil wird es defintiv in sich haben und wird in etwa 4-6 Wochen erscheinen. Sollten Sie Fragen haben, können Sie mich gerne kontaktieren. Bitte beachten Sie, dass ich nicht immer sofort antworten kann, da ich sehr beschäftigt bin. Ich freue mich auf Ihre Anfragen. Herzliche Grüße Kay Tokner

You must be to leave a comment.
Submit
Characters: ...