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Das Interview ührte Philipp Jungk
Tel 1 der Ree Jura
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ine selbstbewusste junge Frau kommtüber den Ehrenho geschlendert.Schon bei den ersten Sätzen ällt au,dass sie viel und gerne lacht. Und als Beate
(Name geändert)
dann in der Sonne au einer Bank sitzt, ällt es ihr leicht, über ihr Jurastudium zu plaudern. Selbst bei der Aus-sage, dass ihr Studium sie psychisch belastethat, lacht Beate noch. Die Tabletten, die siemonatelang am Stück nehmen musste, weildas Studium ihr den Schla geraubt hat, wir-ken wie eine witzige Anekdote. „Die Bergewurden größer, die Zeit wurde kürzer - egal,was ich nachts gedacht habe, irgendwannsind die Gedanken wieder ums Examengekreist und ich war wach.“Ein Einzelall ist Beate nicht. Sie kennt auchandere, denen es ähnlich ging. Und nichtnur vergleichsweise harmlose Schlatablet-ten scheinen verbreitet zu sein, auch vonRitalin-Dealern an der Jura-Fakultät wirdgemunkelt; selbst Gerüchte über Koks gehenum.Kein Gerücht, sondern Fakt ist, was in derHasso-Plattner-Bibliothek geschieht: Au rätselhate Weise verschwinden dort Bücher.Viele Jura-Studenten berichten, dass ihreKommilitonen die Bücher in der Bibliothekumstellen, sodass sie nicht mehr aufndbarsind. Auch, dass Seiten aus Büchern gerissenoder wichtige Stellen geschwärzt werden,ist schon vorgekommen. Da die Leitung derUniversitätsbibliothek sich dieses Problemsdurchaus bewusst ist, hat sie 2007 in Zusam-menarbeit mit den Fachschaten die Aktion„Fairness geht vor“ ins Leben geruen. ImZuge derselben wurden etwa Flyer ausge-legt, die an die Fairness aller Bibliotheksbe-nutzer appellieren sollten. Die Aktion wurdeim Jahr 2008 wiederholt. Dass die Fachschatsich genötigt sah, ihre Kommilitonen zurFairness auzuruen, spricht ür sich. Letzt-lich möchten die Täter verhindern, dass ihreKommilitonen an dieselben Inormationenkommen wie sie selbst. Sie möchten einenSchritt weiter sein als all die anderen. Auchdas wäre weniger problematisch, würde esnicht ot nur als Symptom interpretiert: Diedahinter stehende Krankheit heißt Konkur-renzdruck.Schon lange wird das ür Juristen obligato-rische Staatsexamen bemängelt, da es Leis-tungs- und Konkurrenzdruck in extrememMaße ördere. Die Zensuren während desStudiums ießen weder in die Endnote mitein, noch geben sie einenHinweis darau, wie manbeim Examen bewertetwird.Katharina, die mit ihrenblonden Haaren und demhübschen Gesicht alle Bli-cke im EO au sich zieht,schlürt nachdenklichan ihrem Latte Macch-iato. Auch sie kritisiertdie Notenvergabe: „Duweißt einach nicht,wo du stehst“. Sie habeimmer nur den Vergleichmit anderen als Richt-wert gehabt. Und dieNoten hat sie trotz desenormen Lernauwandsals „echt rustrierend“empunden. Für die zweiWochen Examen, au die es ankommt, mussalles parat sein – der komplette Sto dervergangenen vier oder ün Jahre. Wieder-holt werden kann das Examen nur einmal;wer den zweiten Versuch nicht besteht, hatkeinerlei Abschluss. Wer durch das Staatsex-amen alle, habe Jahrelang umsonst studiertund stehe, so Katharina, vor einem „Trüm-merhauen“.
Keine Zeit au Partys zu gehen
Deshalb scheint vielen als Schritt in dierichtige Richtung, dass die Uni Mannheimzum HWS 2008 den „Bachelor Unterneh-mensjurist“ eingeührt hat. Doch seitdemhat sich die Situation nicht verbessert, eherdas Gegenteil ist der Fall. Valentin, eines der„Versuchskaninchen“ im zweiten Semes-ter, empndet seine Arbeitsbelastung alshoch. Denn zu 30 Semesterwochenstundenkomme noch die Vor- und Nachbereitungderselben. Die Zeit, au Partys zu gehen oder„rumzugammeln“ habe Valentin nicht.Zudem hat sich der Konkurrenzkamp ehernoch verstärkt. Seine Kommilitonin Annikastudiert au Staatsexamen. Was das Verhal-ten ihres Jahrgangs betrit, spricht sie voneinem „Kindergarten“ und davon, dass dieSituation „komisch“ sei, da eine enorme Ri-valität zwischen Bachelor-und Staatsexamensstu-denten bestehe. Inwieernder Bachelor also einelangristige Verbesserungdarstellt, ist jetzt nochnicht abzusehen. Allein gelassen ühlensich die Studenten nicht,denn sie werden gutbetreut, egal, welchen Abschluss sie machen.So spricht Katharinavon einer „ganz kleinenFamilie“, da hier die Pro-essoren ihre Studentennoch persönlich kennen.Ihr und ihren Kommilito-nen erscheint sowohl derenorme Leistungsdruckals auch das ständi-ge Vergleichen mit anderen vollkommennormal, schließlich scheint es jedem so zugehen. Auch Valentin ndet es „ganz prak-tisch“, durch die große Belastung au die Arbeitswelt vorbereitet zu sein, da es in derWirtschat wohl ähnlich läut. Also alles kein Problem? Es stellt sich dieFrage, ob ein Zwanzigjähriger wirklich rohdarüber sein sollte, dass man ihm in seinemStudium neben dem Sto auch Konkurrenz-verhalten und ein Leben ohne Freizeit bei-bringt. Doch selbst, wenn dies von Valentingewollt ist, so haben und hatten viele seinerKommilitonen doch große Angst: zum einenvor einer Arbeitswelt, in der immer mehrau den Lebenslau geschaut wird und zumanderen vor einem Studium, dessen hohen Anorderungen sie nicht gewachsen sind.Beate aber hat es schließlich geschat –trotz Prüungsangst und durchwachterNächte. Davon ist Annika noch weit ent-ernt. Sie überlegt sich gerade, ihr Studiumabzubrechen. Denn zu wenig einschätzbarist das Staatsexamen, und zu hoch das Risi-ko, in ihm zu versagen.
Nase vll vm Stress
Wo andere Studiengänge mit einer schritlichen Arbeit abschließen, müssen die Juristen in den Prüungen desStaatsexamen das Wissen aus gut ün Jahren Studium parat haben. An der Uni Mannheim wird der Druck durchUnairness der Studenten gar noch vergrößert. Zudem machen Gerüchte über Drogenmissbrauch die Runde.
Jana Anzlinger
Lestungsdru wrd u Ledensdru
Ein Gespräch über die psychische Belastung der Studenten mit der stellvertretenden Leiterin der Psychologi-schen Beratungsstelle (PBS) des Studentwerks Mannheim, Frau Dr. Gabriele Bensberg.
U
niMAgazin: Guten Tag Fr. Dr.Bensberg, wobei können Sie bezie-hungsweise die PBS den Studentenhelen?Bensberg:
Die Augabe der PBS ist es in ers-ter Linie, Studierenden mit studienbezoge-nen Problemen zu helen. Dazu gehört zumBeispiel, die Studierenden bei Leistungsstö-rungen, Prüungsängsten, Existenzängstenund au das Studium oder den küntigenBeru bezogenen Entscheidungsproblemenzu beraten. Falls jedoch krankheitswertigeStörungen, wie etwa eine Essstörung, einePsychose oder auch eine Suchtproblematik,vorliegen, vermitteln wir an niedergelasseneKollegen/innen beziehungsweise Klinikenweiter.
UniMAgazin: Wann sollte ein Student dieseHile in Anspruch nehmen?Bensberg:
In der Psychologie spricht man ja gerne vom „individuellen Leidensdruck“.Wenn dieser dann so zunimmt, dass eseinem, au deutsch gesagt, „dreckig“ geht,wird es Zeit sich achmännisch Hile zu su-chen. Anzeichen daür wären unter anderemniedergedrückte Stimmung, sozialer Rück-zug, Absinken der Leistungsähigkeit, Ängstebis hin zu Panikattacken und psychosomati-sche Beschwerden wie Magenprobleme oderSchlastörungen.
UniMAgazin: Womit können Sie einembetroenen Studenten helen?Bensberg:
Die PBS hat ein sehr umang-reiches Angebot. Doch bevor dieses vomStudenten wahrgenommen werden kann,wird erst einmal in einem Erstgespräch dieProblematik besprochen. Danach beginnteine diagnostische Phase, bei der mit Fra-gebögen zuerst estgestellt werden muss,worum es eigentlich geht. Erst danach bera-ten und beschließen wir mit dem Studentenzusammen, welches Angebot angemessenund notwendig ist. Dabei könnte es sichzum Beispiel um ein Schreib- oder Prü-ungscoaching handeln oder Kurse wie zumBeispiel das Autogene Training. Natürlichbieten wir aber auch Kurzzeittherapien an.Dies wäre zum Beispiel der Fall, wenn unsein Betroener mit einer depressiven Ver-stimmung besucht, der sich als „Versager“ühlt, weil seine Noten nicht mehr so gutwie während der Schulzeit sind.
UniMAgazin: Wie häug ist Konkurrenz-beziehungsweise Leistungsdruck der Grundür ein Beratungsgespräch bei der PBS?Bensberg:
Laut der Statistik aus dem letztenBerichtsjahr 2008, nahmen 78,2 % der Stu-dierenden wegen Lern- und Leistungsdruckdie Hile der PBS wahr. 65,7 % nanntenPrüungsprobleme und 75,4 % Versagens-bzw. Zukuntsängste als Grund ür ihrHilegesuch. Da diese Statistiken bundes-weit von allen PBS augestellt werden, kannman einen recht guten Rückschluss au dieHauptproblematik deutscher Studierenderziehen. Aus weiteren, allgemeinen Beragun-gen großer Teile der deutschen Studenten-schat geht zudem hervor, dass ein Füntelaller Studenten psychisch belastet ist. Davonnimmt aber nur die Hälte der Betroenenachmännische Hile in Anspruch.
„Ein Füntel aller Studenten hat psy-chische Probleme“
UniMAgazin: Warum lassen sich so vieleStudenten nicht helen?Bensberg:
Viele der Betroenen denkensich, dass mit Ihnen ja irgendetwas nichtstimmen kann. Sie haben Angst, dass her-auskommt, dass sie psychologische Hile in Anspruch nehmen – dass sie „krank“ sind.Viele geben aber auch an, dass sie nichtwüssten, an wen sie sich zu wenden hättenund wieder andere sagen sich immer wieder,dass sie ihre Situation schon irgendwie ganzalleine in den Gri bekommen können.
UniMAgazin: Haben Sie seit der Umstellungau den Studienabschluss Bachelor eineZunahme von Hilsgesuchen wahrgenom-men?Bensberg:
Ja, au jeden Fall! Seit 2007konnten wir eine Steigerung von circa 15 %eststellen. Seit dem Beginn des Jahres 2009nahm die Anzahl der Hilsgesuche noch stär-ker zu, aber genaue Zahlen können wir erst Anang 2010 veröentlichen. Der Anstieg derverzweielten Studenten ist allerdings einebundesweite Erahrung und steht im direk-ten Verhältnis zur Einührung des Bachelors.
UniMAgazin: Halten Sie also die Einührungdes Bachelor-Master-Systems ür einenFehlentscheidung der Politik?Bensberg:
Nein, das tue ich keineswegs. Esdient dem Zusammenschluss Europas undbietet eine recht strukturierte Form desStudierens. Ich sehe jedoch auch beträcht-liche Nachteile, die aus dieser Form desStudiums erwachsen. Zum einen ist hier der„Overload“ an Lerneinheiten und Scheinenzu nennen, zum anderen ist die Verrech-nung nahezu aller Prüungen ab dem erstenSemester in die Endnote kritisch zu bewer-ten. Dies baut gerade unter Erstsemesterneinen immensen Druck au, die eigentlicherst einmal Zeit benötigen würden, sich inihrer neuen Lebenssituation zu akklimatisie-ren. Zudem lässt ein so stringent durchge-plantes Studium wenig Freiraum ür kreativeGeister. Aber genau die brauchen wir meinerMeinung nach, um neue Lösungsansätze ürdie Probleme der heutigen Zeit zu nden.Der Bachelor in Deutschland müsste alsodeutlich entzerrt werden.
UniMAgazin: Was würden Sie unseren Le-sern gerne vermitteln? Haben Sie noch einepersönliche Anmerkung zu machen?
Bensberg:
Wenn es irgendwelche Problemegibt, sollte sich niemand scheuen, die Hileder PBS in Anspruch zu nehmen! Wir sindkeine Stelle ür „Schwergestörte“, sonderneine Einrichtung, die gegründet wurde, umStudierenden mit studienbezogenen, aberauch privaten Problemen zu helen. Jede/rStudent/in kann einmal in eine schwierigeSituation kommen und es ist das Beste,diese Probleme einach anzusprechen. Trauteuch, kommt her und zusammen nden wireine Lösung. (lacht) Um das mal wie von derUni Mannheim gewohnt leistungsorientiertauszusprechen; wir haben je nach Maßnah-me eine Erolgsquote von 85-95 Prozent.Und wie so ot, sprechen auch hier dieZahlen ür sich.
Resignation, Photo: Robert Maier
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