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Der Spiegel 13 0804

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Der Spiegel 13 0804
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08/06/2013

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W
enn sie an ihre Zeit in Deutsch-land denken, an den idyllischenChiemsee und an das maleri-sche bayerische Städtchen Bad Aibling,dann geraten Agenten des US-Geheim-dienstes NSA bisweilen ins Schwärmen.Wer einmal „eine Freibier-E-Mail bekom-men hat“ und wisse, „dass Leberkäse we-der aus Leber noch aus Käse gemachtwird“, der könne sich als echter Bayern-Veteran betrachten, heißt es in einer„Kleinen Bad Aibling Nostalgie“ von ehe-maligen NSA-Mitarbeitern.Die Liebeserklärung an die bajuwari-sche Lebensart und an die große Abhör-basis südöstlich von München findet sichin Dokumenten des NSA-WhistleblowersEdward Snowden, die der SPIEGEL ein-sehen konnte. Die Überwachungsanlageist für ihre weißen „Radome“ bekannt,die aussehen wie riesige Golfbälle –undmodernste Abhörtechnik beherbergen.Offiziell wurde sie im September 2004 ge-schlossen.In der Mangfall-Kaserne jedoch, nurein paar hundert Meter von den verlasse-nen NSA-Gebäuden entfernt, zogen un-auffällig die Mitarbeiter der „Fernmelde-weitverkehrsstelle der Bundeswehr“ ein,verlegten Kabel zu den Lauschkugelnund übernahmen heimlich die großange-legte Überwachung der Funk- und Satel-litenkommunikation.Die angebliche militärische Dienststelleist in Wahrheit eine Tarneinrichtung desBundesnachrichtendienstes (BND). AuchNSA-Abhörspezialisten zogen auf das Kasernengelände –in ein binnen wenigerMonate errichtetes fensterloses Gebäude,das wegen seiner Metallverkleidung vonden deutschen BND-Kollegen spöttisch-liebevoll als Blechdose („Tin Can“) be-zeichnet wird.Das Tête-à-Tête der Nachrichtendienstein der Mangfall-Kaserne wurde in den fol-genden Jahren unter wechselnden Code-namen zu einem ihrer umfangreichstenKooperationsprojekte in Deutschland.Hier in Bad Aibling könnte sich dieAntwort auf eine Frage verbergen, diedeutsche Politiker und die deutsche Öf-fentlichkeit seit Wochen umtreibt.In den Snowden-Dokumenten ist dieRede von zwei Datensammelstellen („Si-gads“), über die der umstrittene US-Ge-heimdienst allein im Dezember vergan-genen Jahres unter der Überschrift „Ger-many –Last 30 Days“ rund 500 MillionenMetadaten erfasste (SPIEGEL 31/2013).Genannt werden die Codenamen „US-987LA“ und „US-987LB“. Der BND gehtinzwischen davon aus, dass der erste da-von für Bad Aibling steht.Tag für Tag, Monat für Monat leitetder BND hier massenhaft Verbindungs-daten der von ihm belauschten Kommu-nikation an die NSA weiter. Telefonnum-mern, E-Mail-Adressen, IP-Anschlüsse –sogenannte Metadaten, die dann in diegigantischen Datenbanken der Amerika-ner fließen.Auf Anfrage erklärt der BND: Mangehe davon aus, „dass die Sigad US-987LA und -LB“ den Stellen „Bad Aib-ling und der Fernmeldeaufklärung in Af-ghanistan zuzuordnen sind“.Offiziell wartet die Bundesregierung inder Frage, wo in Deutschland die in denNSA-Unterlagen dokumentierten Meta-daten gewonnen wurden, noch auf eineAntwort aus den USA. Für den BND unddas Kanzleramt, das den Auslandsgeheim-dienst beaufsichtigt, ist die Klärung, wasund wer genau sich hinter den beiden Da-tensammelstellen verbirgt und was genauübermittelt wurde, äußerst heikel.Denn beide Chefs haben sich öffentlicherstaunlich eindeutig festgelegt. BND-Chef Gerhard Schindler sagte, 2012 seiennur in zwei Fällen die Daten deutscherStaatsbürger an die Amerikaner weiter-gereicht worden. Kanzleramtschef Ro-nald Pofalla sprach sogar davon, die deut-schen Dienste hätten den Datenschutz zu100 Prozent eingehalten.Die Opposition wartet nur darauf, die-se Aussagen widerlegen zu können. DieSPD machte die Snowden-Enthüllungenzum Thema im Bundestagswahlkampf:„Privatsphäre“, heißt es auf einem Plakatspöttelnd zu einem Bild der Kanzlerin,„Neuland für Merkel?“Der Umstand, dass massenhaft Meta-daten von deutschem Boden aus in NSA-Datenbanken gelangen, dürfte die Dis-kussion um die Rolle des BND und seineZusammenarbeit mit der NSA erneut verschärfen. Neue Dokumente aus demSnowden-Archiv belegen zudem, dassauch die Zusammenarbeit rund um dasumstrittene Spähprogramm „XKeyscore“,über dessen Lieferung und Einsatz derSPIEGEL vor zwei Wochen berichtete,weitaus enger ist als bislang bekannt.
Noch vor Wochen gab es den Unterla-gen zufolge ein Treffen von NSA-Mitarbei-tern mit Leuten des BND und des Bundes-amts für Verfassungsschutz (BfV), bei demes um die neuesten Anwendungsmöglich-keiten von XKeyscore gehen sollte. Zudemübernahmen nicht nur Deutsche die Späh-programme der Amerikaner –die US-Ge-heimdienstler zeigten den Dokumenten zu-folge ihrerseits Interesse an zwei BND-Pro-grammen. Diese seien nach Einschätzungamerikanischer Experten teilweise sogarleistungsfähiger als die eigenen Lösungen.
Aus Sicht der Bundesregierung gibt eseinen Weg, die Rolle der Datensammel-
D E R
 
S P I E G E L
32/2013
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ÜBERWACHUNG
Daten aus der Blechdose
Der Bundesnachrichtendienst leitet massenhaft Metadaten an denUS-Partnerdienst NSA weiter. Auch die technischeKooperation zwischen den Abhörspezialisten ist enger als bisher bekannt.
Deutschland
 
stellen –sollten sich die BND-Informa-tionen als richtig erweisen –womöglicheinigermaßen gesichtswahrend darzustel-len. Denn die in Bad Aibling gewonnenenDaten betreffen offenbar legale Ziele derAuslandsüberwachung des BND –ausge-späht würden vorwiegend Datenströmein Afghanistan und im Nahen Osten.Der BND räumte auf Anfrage ein, Ver-bindungsdaten an die NSA zu übermit-teln, und erklärte dazu: „Vor der Weiter-leitung von auslandsbezogenen Metada-ten werden diese in einem mehrstufigenVerfahren um eventuell darin enthaltenepersonenbezogene Daten Deutscher be-reinigt.“ Deutscher Telekommunikations-verkehr und deutsche Staatsangehörigeseien von diesen Erfassungen nicht be-troffen. Zudem habe man bislang keineAnhaltspunkte, dass die „NSA personen-bezogene Daten deutscher Staatsangehö-riger in Deutschland erfasst“.Damit würden die in Bad Aibling abge-zweigten und an die NSA weitergeleitetenDaten zwar technisch in Deutschland er-hoben –sie beträfen aber in der Regel nichtdeutsche Staatsbürger, deren Kommunika-tion nach dem G-10-Gesetz, das die Befug-nisse der Nachrichtendienste regelt, weit-gehend vor dem BND geschützt ist.Der massenhafte Datentransfer nachÜbersee wirft allerdings neue, grundsätz-liche Fragen nach der Rechtmäßigkeit derGeheimdienstzusammenarbeit auf. Aufwelcher rechtlichen Grundlage kooperiertder BND in diesem ungeheuren Ausmaßmit der NSA? Wie ist die Weitergabe dieser Metadaten überhaupt einzuord-nen, zumal dank Unterlagen aus demSnowden-Archiv nun bekanntgewordenist, welche weitreichenden Analysemög-lichkeiten diese bieten? Und wie will derBND bei den in Rede stehenden Mengenausschließen, dass sich nicht doch Meta-daten von Grundrechtsträgern darunterbefinden, also von Deutschen, die nichtausgespäht werden dürfen?Auch die NSA darf US-Bürger in derRegel nicht abhören, kann aber eigenenUnterlagen zufolge nicht sicherstellen,dass ihr das nicht doch unterläuft. Darumgibt es dort spezielle Verfahren, wie mitderlei Schnüffelpannen umzugehen ist.Existieren die beim BND auch? Undwas ist angesichts der gewaltigen Daten-transfers von der Aussage des Kanzler-amtsministers zu halten, die deutschenDienste hätten sich genau an den Daten-schutz gehalten?Der BND erklärt dazu: „Alle Aktivitä-ten im Rahmen von Kooperationen mitanderen Nachrichtendiensten laufen unterEinhaltung der Gesetze, insbesondere desBND-Gesetzes und des G-10-Gesetzes.“Die Fragen zum Datenaustausch stellensich umso drängender, als Bad Aibling aus-weislich der Unterlagen aus dem Snowden-Archiv zumindest zeitweise nicht der ein-zige BND-Horchposten auf deutschem Bo-den war, von dem aus in großem UmfangDaten an die NSA geliefert wurden –unddas nach NSA-Angaben sogar „täglich“.In einem Reisebericht aus dem Jahr2006 schwärmen Mitglieder einer NSA-Delegation von ihrem ersten Besuch der
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ULLSTEIN BILD
Lauschposten in Bad AiblingAusriss aus einem NSA-Dokument vom 8. April

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