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Wolfgang Cernoch
K
ULTURPHILOSOPHIE UND
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OLITIK
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UR
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ESCHICHTLICHKEIT DER
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EIT UND DER
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ESCHICHTLICHKEIT IN DER
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EITWAHRNEHMUNG
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ON DER TRANSZENDENTALEN
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EITBEDINGUNG ZUM
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EITINHALT IN DER
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ESCHICHTSPHILOSOPHIE
Wien 2006
 
2
Vorbemerkung
In der Einleitung wird die transzendentale Anthropologie zwischen Kultur-und Naturwesen des Menschen systematisch in die Geschichtlichkeit desDaseins (im Sinne Kants schließlich Publizistik) eingespannt, und dergesamte Fragekreis von hier aus aufgespannt. Die bereits im Ursprung desphilosophischen Fragens in der Rückwendung auf den Menschen selbst sichabzeichnenden Schwierigkeiten, wollte man aus dem Unbekannten, das wiruns selbst sind, ein absolutes Fundament destillieren, um unser möglichesGattungswesen vollständig und gewiss zu unserem Besitz zu machen, auf daß wir unsere historische Erfahrung zur Ausgestaltung unseres Daseinsund unserer Gesellschaft gar nicht mehr benötigen, zwingen zurTransformation der metaphysisch indizierten Fragestellung zur Offenheiteiner transzendentalen Fragestellung, die eben beides benötigt: DasAnalytische des Rückganges auf das Unbekannte unseres Ursprungs unddas Synthetische der jeweils in der Gegenwart stattfindenden Progression,die die Unterbestimmtheit der Vergangenheit mit der Unbestimmtheit derZukunft, manchmal blind, manchmal, so scheint es, weiter sehend als wir,inmitten unserer Kontingenz vermengt.Der Titel der ganzen Arbeit ist etwas irreführend: Ich komme erst nach derGrundlegung der Geschichtlichkeit der Zeitwahrnehmung zum Zeitinhalt.Die vorliegende Arbeit hat vielmehr ihren ersten Zweck in der Verbindungder Grundlagenproblematik insbesondere der Geschichtsphilosophie mitden Vorstellungen des Regressus in der Dialektik der reinen Vernunft derKantschen Transzendentalphilosophie, um die Irrtümer Simmels undMannheims bezüglich des transzendentalen Subjektes derGeschichtsphilosophie oder Kultursoziologie hintanhalten zu können. DerIrrtum besteht im Wesentlichen darin, die transzendentale Zeitbedingungder Sinnlichkeit mit den Formen des Regressus des Erfahrungmachens zuverwechseln, weshalb die Anwendung des Kategoriengerüsts aus derAnalytik des Verstandesgebrauches unangebracht ist.Der andere Pol der Untersuchung des Geschichtlichen als Problem derZeitwahrnehmung ist die Kultursoziologie der Frankfurter Schule, dessenHegelianismus insbesondere bei Adorno anhand der Unterschiede derBereiche der Gesellschaft, die bei Adorno, Benjamin und Mannheim als
 
3Ausdrucksebene aufgefasst werden, kritisch durchleuchtet werden soll.Insbesondere bei Adorno wird die Verwischtheit der Grenze zwischeneinem konkreten Kunstobjekt und der geschichtlichen Perspektive in derMethexis einerseits, und den kontingenten Fulgurationen der Methexis, wiesie dem Betrachter nahegebracht wurde und der Spontaneität desBetrachters im Geschmacksurteil andererseits im Zuge der Aufstufung derästhetisch-philosophischen Reflexion sehr schön einsichtig. Aber auch beiBenjamin und Mannheim gibt es diese aufstufende Denkbewegung imVersuch, den Sinn von Geschichte auszulegen und vor allem zu zeigen dieAbsicht haben, wie die Rede vom Sinn der Geschichte überhaupt möglichwird. Die Frage nach dem Zeitinhalt der Geschichte ist aber damit beantwortet, daß eben Artefakt, Kulturausdruck und Sinnhorizont derGeschichte gemeinsam den Zeitinhalt darstellen, aber jeweils für sich alsDarstellungsebene auftreten.Als Verbindungsstück soll die Überlegung im Anschluß an dietranszendentale Grundlegung des historischen Zeitbegriffes im Regressusund Progressus des Erfahrungmachens Kantens dienen: Da wird RobertZimmermann zur Darstellung der nämlichen Beziehung des Betrachterszum Kunstwerk herangezogen wie von Adorno abgehandelt. Allerdings bleibt Zimmermann, unter dem Einfluß Herbarts stehend, formalästhetisch,doch erlaubt Zimmermanns Ansatz so auch, deutlicher als es auch beiAdorno möglich wäre, die Ursache, die im Künstler gegenüber dem Artefaktzu sehen ist, die Ursache, die im Artefakt gegenüber dem Betrachter tätig zusein scheint, und die Ursache, die im interpretierenden Betrachter tätig ist,im Sinne des Spiels von Rückblick und Vorblick, wie von Kant imZusammenspannen von Regressus und Progressus vermutlich nachthomistischen Vorbild vorgesehen worden ist, unterzubringen. Dabei hatsich gezeigt, daß sich die angerissenen Vorstellungen von Ursächlichkeitsich gemäß der reinen Verstandesbegriffe der dynamischen Kategoriengruppieren lassen, aber als transzendentale Zeitbedingung aufgefaßt derKausalitätskategorie am überzeugensten eine Verbindung zumtranszendentalen Subjekt Kantens herzustellen erlauben. Kierkegaard behandelt mit der Frage nach dem Verhältnis der Jünger zu Jesus imVergleich zum Verhältnis des später Christus Nachfolgendem zu Jesusebenfalls eine insofern verwandte Frage, die sich zuspitzt zur Frage nach
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