2. Deutschland im Wandel
Ziele des Multikulturalismus
Die kulturelle, ethnische oder nationale Identitätvon Zuwanderern wurde als bewahrenswert,nahezu als sakrosankt angesehen. Dies stand imGegensatz zu der Haltung, die man der eigenenKultur und dem eigenen Volk gegenüber einnahm. Hier wären derartige Forderungenmindestens als rechtsradikal bezeichnet worden.Frank-Olaf Radtke notierte 1990 zu Recht:
„Es ist ein merkwürdig verschobener Diskurs, wennauch „Modernisierer“ den Fremden zuschreiben,was sie für das eigene „Volk“ (bislang) nicht gefordert hätten: ethnische Identität, das hießefür die Ansässigen das Recht auf unangefochtenes Deutschtum.“
Bild 3: Schulklasse in Dortmund
Die Kultur in Deutschland gilt Protagonisten des Multikulturalismus entsprechend als eine zu
überwindenden Fehlentwicklung
„Eine „Kulturarbeit in der Einwanderungsgesellschaft“ gehtnicht vom provinziellen „Deutschen“ aus und auch nicht von irgendwelchen darunter oder daneben liegenden, ebenso provinziellen Wurzeln in der Heimat.“
Multikulturalisierung der deutschen Staatsbürgernation
“ werden großeHoffnungen gesetzt, ebenso auf die Stärkung bürgerschaftlichen Engagements inDeutschland.
Dieter Oberndörfer geht es um die „
Überwindung des völkischen National-staates
durch den Aufbau einer multiethnischen Einwanderungsgesellschaft“
, die Heilung der deutschen Krankheit durch Zuwanderer. Die verstockte deutsche Mehrheitsbevölkerung wirdder „migrationspolitischen Fachöffentlichkeit“ zur Projektionsfläche aller nur denkbarennegativen Eigenschaften: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, borniertes Kleinbürgertum – dieDiskreditierung des „kleinen Mannes“ und die Verachtung für seine Sorgen (und gelegentlichauch Existenznöte) ziehen sich wie ein roter Faden durch deren Argumentation. „Grundlagender Abwehrhaltung bilden Konkurrenzen und neofeudal-fremdenfeindliche Empfindlichkeiten der Einheimischen“, heißt es im „Handbuch der kommunalen Sozialpolitik“.
Die Bevölkerungmüsse entsprechend volkspädagogisch bearbeitet werden
.Durch den konzentrierten Einsatz von Pädagogen und Sozialwissenschaftlern mit der richtigenGesinnung bestehe eine Chance, diese irrationale Abwehrhaltung und die „bornierte Sicht der Einheimischen“
(Ebd., Seite 475)
zu überwinden. Solche Vorstellungen wurden durch Visioneneiner
„modernen Vielvölkerrepublik“
bestärkt. Zielvorstellung ist dabei eine „Gesellschaft ohnekulturelles Zentrum und ohne hegemoniale Mehrheit. Dieser Aggregatzustand tritt ein, wenn dashistorische Gerüst des europäischen Universalismus, der Nationalstaat als Denk- und Handlungseinheit, nachgibt und transnationale Mobilität (Migration) in einem Maße stattfindet,daß die Weltgesellschaft von einer Abstraktion zur alltäglich erfahrbaren Realität wird.
“
[12, Seite 389-391] ...Anhänger des Multikulturalismus betonen daher häufig auch dasKonfliktpotential, „daß die multikulturelle Gesellschaft eine
Konfliktgesellschaft
ist und bleibenwird.“ Sie begründen dies mit den Kontakten von „Kulturen, Lebensstilen und Wertsystemen.“Ohne auf die Art der Konflikte einzugehen, wird gleichzeitig die allgemeine These vertreten, daß jemand
„… irrt wer meint, ohne Ausländer ginge es in dieser Gesellschaft friedlicher zu.“
Eine der Konsequenzen für die Einheimischen endet damit, daß „
ein Staat, der den Migrantenein dauerhaft einklagbares Bleiberecht (Bodenrecht) gibt, wird auf (nationale)
Gebietshoheit
und
Souveränität
verzichten müssen.“
[2, Seite 219]
16
Radtke, Frank-Olaf: Multikulturell - Das Gesellschaftsdesign der 90er Jahre, in: Informationsdienst zur Ausländerarbeit, H.4/1990, Seite 32
17
Die Klasse 1e der Albrecht-Brinkmann-Grundschule in Dortmund. 22 ABC-Schützen aus 14 Staaten –aber kein einziges deutsches Kind! Bild, 14.08.2008
18
Terkessidis, Mark: Kulturarbeit in der Einwanderungsgesellschaft, 20. März 2006, Seite 2
19
Schoch, Bruno: Alle Macht geht vom Volke aus. Doch wer ist das Volk? Frankfurt/Main 2000, Seite 48
20
Oberndörfer, Dieter: Politik für eine offene Republik. (Hrsg.): Das Manifest der 60, Seite 147
21
Krummacher, Michael; Waltz, Viktoria: Kommunale Migrations- und Integrationspolitik. In: Bethold Dietz(Hrsg.): Handbuch der kommunalen Sozialpolitik, Opladen 1999, Seite 470
22
Schulte, Axel: Multikulturelle Gesellschaft: Ideologie oder realistische Perspektive? H.4/1990, Seite 25
23
Leggewie, Claus: Multi Kulti. Spielregeln für die Vielvölkerrepublik, Nördlingen 1993, Seite 142
24
Cohn-Bendit/Schmid: Heimat Babylon, Seite 12 und 31
3
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