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EU is watching you
Mittwoch, 11. März 2009 mmnews.de
Demnächst wird alles, was sich in der EU bewegt, gespeichert.Der "Digitale-Tsunami" des Individuums hinterlässtunauslöschliche Spuren. Die Digitalisierung des Alltagslebenssorgt zwangsläufig dafür, dass immer besser auswertbar wird,was der einzelne getan hat.
 "Jedes Objekt, das ein Mensch benutzt, jede Transaktion, die er macht und beinahe jeder Geschäftsgang oder jede Reise, die er unternimmt, erzeugt einen detaillierten digitalenDatensatz Dies generiert einen wahren Schatz an Information für öffentlicheSicherheitsorganisationen und eröffnet gigantische Möglichkeiten zur Steigerung der Effektivität und Produktivität der öffentlichen Sicherheit."
Dieser Satz stammt nicht etwa aus einer schlechten Zukunfts-Horrorstory, sondern aus einem Dokument des Rats der EuropäischenUnion.Die EU befindet sich in der Schlussphase der Entwicklung eines neuenFünfjahresplans (2010 bis 2014) für Innere Sicherheit undJustizangelegenheiten. Und der wird nicht etwa offen und transparentberaten und verabschiedet, sondern bleibt Angelegenheit einer kleinenGruppe, der so genannte Zukunftsgruppe - Future Group - die auf Anregung von Bundesinnenminister Schäuble unter der deutschenRatspräsidentschaft ins Leben gerufen wurde (und auf die in einemspäteren Artikel noch gesondert einzugehen ist).Was diese Herren berauscht, ist das Bild von einem
"digitalenTsunami" 
(wenig sensitiv dieser Ausdruck, doch tatsächlichverwendet!). Die Digitalisierung des Alltagslebens sorgt ganzzwangsläufig dafür, dass immer besser auswertbar wird, was dereinzelne getan hat. Voraussetzung ist, dass diese Informationenzusammengeführt und gespeichert werden. Nicht zuletzt erzwingt dieEU selbst, dass eine Fülle von Einzeldaten über die Aktivitäten jedeseinzelnen erhoben und gespeichert werden. Man denke nur anVorratsdatenspeicherung oder die Nutzung der Passagierlisten derFluggesellschaften.
 
Es darf unterstellt werden, dass diese Maßnahmen und zahlreicheweitere, die im Verlauf dieser Serie noch beleuchtet werden,absichtlich und zweckbestimmt eingerichtet werden. Vordergründiggeht es natürlich jeweils um den angegebenen Zweck. Im Hintergrundund ohne dass dafür großartig Aufklärung betrieben würde, verfolgendie einflussreichen Mitglieder der klandestinen Zukunftsgruppe, dieErrichtung einer integrierten Infrastruktur für die umfassendeSpeicherung und Zusammenführung aller Grundinformationen überund Aktivitäten der Bürger im Euroraum.Ein Paradigmenwechsel bei der Sicherheitspolitik war dafürausschlaggebend. Denn spätestens seit den Anschlägen vom 11.September 2001 wurden die bis dahin geltenden Konzepte fürpolizeiliche und nachrichtendienstliche Tätigkeit auf den Kopf gestellt.Galt zuvor noch der klassisch kriminalistische Ansatz, der sich -ausgehend von einem bestimmten Tatgeschehen- auf der Grundlagegesicherter Erkenntnisse und vermutlicher Tatverdächtiger zu einerAufklärung des Falles vorarbeitet, wurde seither der "Risk AssessmentApproach" eingeführt: Es ist die Idee von einer vorbeugendenRisikoidentifizierung, -einschätzung und -bewertung, die inzwischenihren Niederschlag in den deutschen Polizeigesetzen (jedesBundesland hat sein eigenes) und im jüngst novellierten BKA-Gesetzfinden.Aber längst nicht nur dort. Die EU befördert diesen Ansatz großzügig,die Bundesregierung behauptet ebenso treuherzig, wie scheinheilig,hier nur umzusetzen, was die EU vorgibt und verschweigt dabei, dasswesentliche Entwicklungen auf europäischer Ebene aufgrunddeutscher Initiative erst angestoßen wurden. Dies gilt im Besonderenfür die Future Group und ihre Arbeitsergebnisse, die unter derkünftigen schwedischen Ratpräsidentschaft als neuesFünfjahresprogramm für Justiz und Innere Sicherheit zu erwartensind.
Risk Assessment
[1] Risk Assessment zielt darauf ab,
 potenzielle Gefahren zuqualifizieren und zu quantifizieren
.Ein erster Schritt besteht darin,
 potenzielle Gefahrenquellen zuidentifizieren
. Im Risk Assessment der öffentlichen Sicherheit wäredies ein Bereich, wo fundierte polizeiliche bzw. geheimdienstliche
 
Ausbildung eingesetzt werden könnte, in Form von Analytikern, diegelernt haben, wie man qualifizierte Hypothesen bildet und testet.Dieses Teilgebiet der Kriminalistik taucht allerdings in der polizeilichenAus- und Fortbildung seit Jahren nicht mehr als eigenständigesUnterrichtsthema auf.Auch Intelligence - ein in den Vereinigten Staaten wesentlich weiterverbreitetes methodisches Vorgehen, um in Situationen mitungewisser oder unvollständiger Informationslage, wie siecharakteristisch sind im "Kampf" gegen Terror, aber auch beiorganisierter Kriminalität oder Korruption, wäre ein geeignetesWerkzeug, um proaktiv zur Qualifizierung und Bewertung vonRisikofaktoren zu kommen, auf dieser Analyse Entscheidungenaufzubauen und diese umzusetzen.Dass Sicherheitspolitik sowohl auf die konventionell-kriminalistische,wie auch auf die Vorgehensweise per Intelligence als systematischemAnsatz verzichtet, zeigen die Ereignisse um den 11. September 2001,wo man
nachträglich
per Rasterfahndung die Personen zu findensuchte, auf die Merkmale wie "Flugausbildung", "muslimischerHintergrund" und "Männer einer bestimmten Altersklasse" zutrafen.Ähnliches geschieht derzeit wieder mit dem Gesetzesvorhaben"Besuch von Terrorcamps".Nur am Rande sei bemerkt, dass sowohl qualifizierteHypothesenbildung als auch das Werkzeug Intelligence an die Grenzendes für wahrscheinlich zu Erachtenden stoßen kann. Wenn einIntelligence Analyst in den Vereinigten Staaten im Jahr 2000 dieHypothese aufgestellt hätte, dass zeitgleich Flugzeuge in die Towersdes World Trade Centers und ins Pentagon gesteuert werden und einviertes abstürzen wird und aufgrund dieser Analyse entsprechendeAbwehrmaßnahmen gefordert hätte, wäre er belächelt worden undmit seinen Vorschlägen abgeblitzt. Man hätte zuvor noch ganz andereProbleme zu lösen, wäre noch das Verbindlichste gewesen, was manihm direkt ins Gesicht gesagt hätte.[2] Auf die Identifizierung potenzieller Risiken folgt jeweils deren
Einschätzung und Bewertung
. Im Bereich der Sicherheitspolitik wärenFragen zu beantworten zur geschätzten Quantifizierung des möglichenSchadens - Personen-, Sach- und Folgeschäden - und zurWahrscheinlichkeit des Schadeneintritts. Für ein solches Vorgehen inder derzeitigen Sicherheitspolitik der EU und Bundesregierung gibt es
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