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THE SOCIAL WEB:DISKUSSION EINES BEGRIFFS ZUR BESCHREIBUNGDER AKTUELLEN ENTWICKLUNG DES INTERNET 
Bengt FeilOle Keding
 In den letzten Jahren lassen sich, bei einer rein empirischen Betrachtung, massiveVeränderung des Internet feststellen. Diese Veränderungen vollziehen sich in allen Dimensionen des Netzes: der Technischen, der Wirtschaftlichen, der Soziologischen und auchder Politischen. Symptomatisch für diese Veränderung kann die Aussage von JasonCalacanis, dem Gründer von Weblogs Inc. und Mahalo, sowie Vordenker des Social Webs,sein: „The Internet is no tech thing anymore!“ (Im Rahmen des TWIT Podcasts von Leo Laporte).Unter Berücksichtigung dieser massiven Veränderungen ist es für eine wissenschaftliche Bearbeitung von Internet-bezogenen Themen notwendig, ein Verständnis dafür zubekommen, welche zentralen Trends vorherrschen und einen Begriffsrahmen zu erstellen,der diese Veränderungen auch in ihrer Prozesshaftigkeit beschreibt. Arbeiten, die sich mit dem sich verändernden Netz auseinandersetzen, werden in unterschiedlichsten Diziplinen,von den Wirtschaftswissenschaften, über die Sozial- und Kommunikationswissenschaften, bishin zur Informatik, verfasst. Allerdings betrachten diese Arbeiten in die allermeisten Fällennur einen geringen Teilbereich der Veränderungen oder handeln diese sehr verkürzt ab. Füreine fundierte Bearbeitung der Probleme und Fragestellungen in diesem Bereich ist es jedochnotwendig auf ein gemeinsames Verständnis der Veränderungen und der Entwicklungen im Internet hinzuarbeiten. Nur so kann eine Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Arbeitengeschaffen werden. Die üblichen Begrifflichkeiten, die verwendet werden, um diese Entwicklungen zu beschreiben (allen voran der Begriff "Web 2.0"), erfüllen dieseVoraussetzungen nicht. Dieser Aufsatz hat zum Ziel den Begriff "Social Web" anzubieten, der aus Sicht der Sozialwissenschaften, aber auch anderer Diziplinen, den oben genannten Ansprüchengenügen kann. Hierzu sollen die treibenden Trends der Entwicklungen kurz dargestellt (1),sowie eine Abgrenzung des Begriffes zu anderen, wie zum Beispiel "Web 2.0" oder "Live-Web", vorgenommen werden (2). Darüber hinaus soll der entwickelte Begriff noch in einen politiktheoretischen Kontext betrachtet werden. Hierzu bietet sich ein Blick auf die schonnicht mehr ganz frische, in diesem Kontext aber wieder aktuelle Theorie zur Netzwerkgesellschaft von Manuell Castells und der damit verknüpfte Diskurs an (3). Der hier vorgestellte Arbeitsbegriff des "Social Web" wird in den Promotionsprojekten der Autoren, die sich mit verschiedenen Fragen der politischen Kommunikation im Internet beschäftigen, Verwendung finden. Im Falle von Bengt Feil handelt sich um das Projekt "Vom Medium zum Thema: Aufkommen und Relevanz von auf das Internet bezogenen Themen imOnlinewahlkampf am Beispiel des US-Präsidentschaftswahlkampfes 2008". Ole Kedingbearbeitet das Projekt "Online Social Networks in der Politik - Poltische Kommunikation und  Internet im Wahlkampf ".
 
1 - Merkmale des Social Web
Im folgenden Kapitel sollen die zentralen Merkmale und Trends des "Social Web" dargestellt werden. Zu diesem Zweck werden Beispiele und Entwicklungen aus den Dimensionen Technik, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik angerissen. Dies soll und kann, auf Grund der Vielzahl undKomplexität der Veränderung, nur in verkürzter, examplarischer Form geschehen, um einenEindruck zu vermitteln. Im Anschluss (1.5) sollen eine Reihe von übergeordneten Trendsidentifiziert werden, deren Gesamtheit das "Social Web" ausmachen.
1.1 - Technik 
Die fortschreitende technische Entwicklung im Hard- und Softwarebereich, sowie bei derkabelgebundenen und kabellosen Datenübertragung ermöglichen heute enormanspruchsvollere und vor allem datenintensive Applikationen im Internet. So hat sich inDeutschland die kabelgebundene Hochgeschwindigkeits-Datenübertragung mit Hilfe von DSLzum Standard, auch im privaten Bereich, entwickelt. Heute ist es zum Beispiel möglich Video-und Audiostreaming in angemessener Qualität durchzuführen.Das Angebot von kabellosen Internetzugängen (WLan und UMTS) hat sich vervielfacht. Geradedie zunehmende mobile Nutzung des Internet über das Mobiltelefon ermöglicht vollkommenneue Möglichkeiten und verändert die Nutzung grundlegend. Konstante Kommunikation undErreichbarkeit werden so möglich. Auch Technologien, wie Voice-Over-IP oder Audio/Video-Live-Streaming, erlauben es Nutzern "Instant Communcation" zu betreiben.Im Softwarebereich ist es vor allem die Entkopplung von Inhalt und Form, welche völlig neue Arten und Darstellungen von Inhalten ermöglicht. So erlaubt zum Beispiel RSS (Real-Simple-Syndication) Text, Bild und Ton maschinenlesbar aufzubereiten und somit inunterschiedlichsten Umgebungen, von der normalen Webseite bis hin zu einem Mobiltelefon,darzustellen. Auch die Open-Source-Bewegung hat einen wichtigen Anteil an den massiven Entwicklungendes Internets als Ganzes. Open-Source-Software kommt immer mehr im privaten,geschäftlichen und öffentlichen Bereich zur Anwendung. So ist die Verwaltung der StadtMünchen bereits komplett auf das Betriebssystem Linux umgestiegen und über ein Drittel allerdeutschen Onliner nutzen den Open-Source-Browser Firefox (Wikipedia.org: Firefox).Onlineservices haben sich im Laufe der letzten Jahre im Hinblick auf ihre Funktionen undNutzbarkeit massiv weiterentwickelt. Die ursprünglich statischen Webseiten haben sich zuOnline-Applikationen weiterentwickelt, die in vielen Fällen die Aufgaben von komplexenDesktopanwendungen übernehmen können. Ein Beispiel für einen nahezu vollwertigen Ersatzeiner Desktopanwendung ist die "Google Docs Suite", die als Ersatz für "Microsoft Office" undähnliche Programme konzipiert wurdet.Im Zuge dieser Entwicklung hat sich die Kompatibilität von Netzanwendungen untereinanderdurchgesetzt. So bieten Services wie "Twitter" sogenannte "Applications ProgrammingInterfaces" (API) an, mit deren Hilfe andere Online- und Offline-Anwendungen bestimmteTeile der Inhalte der erstgenannten Plattform für sich nutzen können. Ein API beschreibt dieSchnittstellen einer Anwendung für andere Anwendungen. Ursprünglich stammt das Konzeptaus dem Bereich der Betriebssystem- und Offline-Anwendungsprogrammierung (vgl. Laplante,Seite 20-21). Mit dem Wandel von Webseiten zu Onlineapplikationen wurde dieses Prinzipübernommen.
1.2 - Wirtschaft
Die Veränderungen in der wirtschaftlichen Dimension lassen sich in zwei Komponentenaufteilen:
 
Zum einen spielt das Internet als Wirtschaftsraum für klassische und reineInternetunternehmen eine immer wichtigere Rolle. Unternehmen wie "Google", "Skype" oder"Yahoo" stehen Großkonzernen in klassischen Sektoren weder in Größe noch im Einfluss nach.Ein Beispiel für die Summen, die im Internet umgesetzt werden, kann die Übernahme des Videoportals "Youtube" durch "Google" im Wert von 1.65 Milliarden Dollar sein (Zeit.de: Googlekauft Youtube).Neben diesem immensen Anwachsen der Wirtschaftsvolumens im Internet ist es vor allem das Verhältnis zwischen Privatpersonen und Unternehmen, dass sich in vielfacher Hinsicht verändert hat. Ein Unternehmen kann heutzutage kaum noch ohne Kommunikation über dasInternet bestehen. Beispielweise ist es für Unternehmen deutlich schwieriger geworden, Verfehlungen oder Produktmängel unter Verschluss zu halten.Eine weitere wichtige Veränderung ist die Tatsache, dass viele Geschäftsmodelle vonUnternehmen heute nicht mehr auf zahlenden Kunden beruhen, sondern ihre Dienstleistungenkostenfrei anbieten. Diese Dienstleistungen liegen meist nicht mehr in der Erzeugung vonInhalten sondern in der Bereitstellung des Rahmens in dem sich Privatpersonen selbsteinbringen können, wie zum Beispiel bei den Sozialen Netzwerk "Facebook" oder dem Videoportal "Youtube". In diesem Zusammenhang kommt auch das Konzept der Aufmerksamkeitsökonomie, also der Notwendigkeit für Unternehmen und Services dieendliche Aufmerksamkeit von Nutzern einzufangen, zum tragen (vgl. Davenport/Beck 2002,Seite 17ff).
1.3 - Gesellschaft
Interaktion und kollektive Leistungen entwickeln sich zu einem der wichtigsten Bestandteiledes Netzes. So genannte Soziale Netzwerke, wie "Myspace", "Facebook" oder "StudiVZ" bietenextensive Möglichkeiten der sozialen Interaktion. Diese Netzwerke werden nur durch das aktiveEngagement von Privatpersonen mit Leben gefüllt. Auch das "Wikipedia"-Projekt ist diegemeinsame Leistung einer Gruppe von Privatpersonen. Die durch das Internet zur Verfügungstehende Masse an Information zu jedem erdenklichen Themenbereich - nicht nur auf "Wikipedia", sondern auch in zahllosen Foren, auf privaten Seiten oder in journalistischenOnline-Medien - verändert den Stellenwert von (Fach-)Wissen.Ein weiteres Beispiel für diese Veränderung der sozialen Dimension des Internet sind neue Artund Weisen mit dem immensen Datenaufkommen und der damit verbundenenÜberinformation in Web umzugehen. So ermöglicht so genanntes "Social Bookmarking" diekollektive Selektion von Inhalten und entlastet somit das Individuum.Die Veränderung des individuellen Nutzungsverhaltens führt zu einer vermehrten Ausbildung von Onlinepersönlichkeiten. Nutzer unterhalten oftmals verschiedene Zugänge (professionell,privat etc.). Hierbei sind zwei Phänomene bemerkswert:1.) Es findet ein bewusstes Management der eigenen Onlineindentität statt (Self-Branding)2.) Die klare Trennung der einzelnen Identitäten lässt durch den hohen Grad der Vernetzungim Internet häufig nicht aufrechterhalten, so dass "Spill-Over"-Effekte eintretenDie technischen Möglichkeiten der unmittelbaren Kommunikation haben dazu geführt, dass viele Internetmedien ihre Produktionen für ein Live-Publikum geöffnet haben. So ist es in vielen Fällen möglich, direkt bei der Aufnahme von Podcasts und anderen Sendungen (z. B.CNETs "Buzz out Loud") über einen "Chatroom" mit den Machern der Sendung zukommunizieren und ihnen Feedback zu geben.Zuletzt sei noch die Reichweite der dem "Social Web" zuzuordnenden Webseiten und
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