Fremdsprache
Deutsch
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Aufgabe des Lehrenden ist es nun,vom Sprachstand der Gruppe undeinem entsprechenden Text ausge-hend, die geeigneten sprachlichen Mit-tel für Aufforderungen auszuwählenund zu üben. Im weiteren Fortgang desKurses sollten sie ergänzt und variiertwerden. Auf diese Weise ließe sichZusammengehöriges in einer sinnvol-len Progression verbinden.Doch sogleich stellen sich zahlrei-che Fragen:Welche Grammatik? WelcheTerminologie? Wieviel Gramma-tik? Grammatische Regeln oderkommunikativer Fremdspra-chenunterricht? usw.Um bei der letzten Frage zubeginnen, so zeigt sich beimnäheren Hinsehen schnell, daß dieAlternative scheinbar, genauer: falschist, gibt es doch grundsätzlich zweier-lei Arten grammatischer Regeln: sol-che des
Sprachsystems
und jene des
Sprachgebrauchs.
Regeln des Sprachsy-stems sind ohne unser Dazutun in jeder Sprache vorhanden, vor jederKommunikation bereits vorgegebenund damit Voraussetzung für derenGelingen: sie müssen daher von Gram-matikern genau beschrieben und vonSprachteilnehmer/inne/n so vollstän-dig wie möglich beherrscht und so kor-rekt wie möglich angewendet werden.Dies sind beispielsweise Regeln der
Präpositionen
(*Sie ist mit ihn gegan-gen), der
Verbvalenz
(*Er half die Mut-ter) oder der
semantischen Unverträg-lichkeit
(*Er stirbt manchmal).Regeln des Sprachgebrauchs sinddagegen durch den Kontext, dieSprechsituation oder die Textsortebestimmt und damit veränderbar. Sowird im Deutschen das Präteritumgebraucht, wenn etwas Vergangenes inTexten der geschriebenen Spracheberichtet wird, dagegen das Perfekt inTexten der gesprochenen Sprache.Oder: in der mündlichen Kommunikati-on werden häufig Sätze abgebrochenoder durch Mimik und Gestik erläutert,während in der geschriebenen Spracheder voll ausgeformte Satz dominiert.
Wieviel Grammatikbraucht der Lernende?
Auf die Frage:
Wieviel Grammatik
hat jüngst Gerhard Helbig geantwortet
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. Erreduziert sie auf die Frage: „WievielGrammatik braucht der Lehrer?“ undantwortet: „Er braucht viel mehr Gram-matik als der Lerner, braucht ein Regel-wissen über die Grammatik, das sovollständig, so genau und so explizitwie möglich ist. … Aber es genügtnicht, wenn der Lehrer die fremdeSprache nur spricht (was zwar eineVoraussetzung ist) unddem Lerner nur sagenkann, waser im konkre-ten Kontext oder in derkonkreten Situation äu-ßern soll. Er muß ihmvielmehr ... auch erklärenkönnen, wie und war-um (und d. h. auch, nach welchergrammatischen Regel) er es so sagenmuß.“
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Der Lehrende sollte dabei stets dieFunktion grammatischer Formen imAuge haben: wozu dienen sprachlicheMittel? Rein formale Erklärungenbehindern eher den Lernprozeß. Des-halb sollte der Lehrer sprachliche Mit-tel im Textzusammenhang und nichtisoliert behandeln. Eine Grammatik,die diese Funktionen im Text erklärt,ist deshalb für den Unterricht stetsvorteilhaft. In den Beiträgen vonSudrow und Esa/Graffmann in diesemHeft wird beispielhaft gezeigt, wieGrammatikarbeit an und mit Textenaussehen kann.Der Lernende sollte ein umfangrei-cheres
Regelwissen
für das rezeptiveVerstehen als für den aktiven Ge-brauch der Fremdsprache erwerben:für die Produktion von Sätzen (Spre-chen, Schreiben) genügt im Regelfalleine geringere Zahl an Regeln, die aber jederzeit abrufbar sein müssen.
Welche Terminologie?
Es bleibt die Frage nach der Terminolo-gie. Grammatische Termini (Fachbe-zeichnungen) sollten im Unterricht nurdort benutzt werden, wo sie wirklichder Erklärung von Sachverhalten die-nen; zuviel an Terminologie schadetnur. Dies gilt ebensofür einige Wortungetü-me der Valenzgramma-tik (Subsumptivergän-zung usw.), durch wel-che freilich derdidaktische Wert die-ser Grammatik (z. B.die klare Gliederungder Ergänzungsklassenbeim Verb) keineswegs beeinträchtigtwird. Dabei sollten die Lehrenden anden Schülern bekannten Terminianknüpfen und behutsam zu lateini-schen Benennungen (Akkusativ, Pas-siv, Futur usw.) hinführen: diese Termi-nologie hat sich im Fach ‘Deutsch alsFremdsprache’ über Jahre hinweg alsdie am ehesten geeignete herausge-stellt. Die deutschsprachigen Terminisind häufig irreführend („Begleiter“,„Leideform“, „Mittelwort der Gegen-wart“).
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IntentionTextsorte
AufforderungWahlaufruf,Befehl Hausordnung,EmpfehlungKochrezept,Bitte, AppellgesprocheneSprache(Appell etc.)
Sprachliche Mittel
Imperativ:
Komm jetzt! Fahrt nicht so schnell!
Aussagesatz im Präsensbzw. Futur:
Du kommst sofort zurück, Hans! Das werden Sie bis morgen erledigen!
Frageform :(2. Person Singular/Plural):
Willst du nicht noch ein Stück Kuchen? Kommt ihr morgen nach?
Infinitiv:
Aufpassen! Nicht rauchen!
Partizip II:
Hergehört! Stillgestanden!
Passiv:
Jetzt wird gearbeitet! Morgen wird abgereist! Das Haus wird sauber gemacht!
Nebensätze mit
daß: Daß du mir ja nichts davon erzählst!
Implizite Aufforderung:
Es zieht!
(Machen Sie die Tür zu!)
Die Pflanze ist vertrocknet!
(Gieß sie bitte!)
Ich habe Hunger!
(Mach mir etwas zu essen!)
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