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MATERIALIEN AUS DER PRESSEDEUTSCHFÜR DENBERUF
www.goethe.de/markt
Inhalt 
AUSGABE15. Jahrgang 2007
38
Wirtschaft &Gesellschaft
Weltwirtschaft:
Blick in die Zukunft……………………1
Megatrend Urbanisierung:
Ab in die City!…………………………2 
Megatrend Biotechnik:
Länger leben……………………………
Megatrend Klimawandel:
Heiße Phase…………………………3
Unternehmen + Märkte:
Heiße Technik…………………………4 
Management
Selbstmarketing:
Klappern gehört zum Handwerk………6 
Networking:
Persönliche Kontakte nutzen………Über seine Begeisterung reden…………7 
Jobsuche:
Gekonntes Ego-Marketing……………8 Typische Bewerbungsfehler……………8 
Unterschätzte Fähigkeiten:
Hartnäckigkeit schlägt Talent…………9 Acht vergessene Management-Tugenden……………………………Lernen will gelernt sein………………10 
Schlagfertigkeit
Kecke Konter…………………………11Ich habe einen Fehler gemacht………12 Kultur der zweiten Chance……………12 „Aus dem Schlamassel wieder rauskommen“…………………………13Vom Flop zur Innovation……………13Alles kommt raus……………………14 „Lieber lästern als loben“……………15 
Leistungsabfall:
Der Chefals Motivationskiller………16 Frauen piepsen,Männer nuscheln……18 Botschaften vom anderen Stern………19 
Die letzte Seite:
So werden Sie Top-Manager…………20 Editorial………………………………2 Impressum…………………………18 
Weltwirtschaft
Blick in die Zukunft
Das 21.Jahrhundert wird nicht weniger dramatisch sein als das vergangene.Technische,geopolitische undgesellschaftliche Umbrüche werden unser Leben verändern.Welche Megatrends unsere Zukunft bestimmen.
Bunt undflexibel
anchmal fängt die Zukunftganz harmlos an.Da rauftsich eine Handvoll jungerLeute in Berlin zusammen,gründetein virtuelles Unternehmen undnennt es Zentrale Intelligenz Agen-tur (ZIA).Ihr Anspruch laut Web-site:„neue Formen der Kollaborati-on zu etablieren”.Es gibt kein Fir-mengebäude,niemand ist fest ange-stellt,gearbeitet wird projektweiseund mehr spielerisch als gewinnori-entiert.„Wir hatten das Gefühl,dasses so was geben müsste”,sagt Mit-gründer Holm Friebe.[…]
Tatsächlich befindet sich dieglobale Arbeitswelt derzeit in ei-nem radikalen Umbruch,
der diegelebte Zukunftsvision der BerlinerParadiesvögel gar nicht mehr so ab-seitig erscheinen lässt.Bis zum Endedes vorigen Jahrhunderts bestimm-te noch das Paradigma der taylo-ristischen Massenproduktion dieStruktur der Unternehmen:strengeHierarchien,klar vorgegebene Ar-beitsanweisungen,Polarität von Un-ternehmensleitung und Belegschaft.Das ändert sich nun:Angetrie-ben von Globalisierung,techni-schem Fortschritt und immer indi-viduelleren Kundenwünschen,tre-ten an die Stelle der alten Hierarchi-en flexible Netzwerke und Team-strukturen.Feste Handlungsanwei-sungen werden durch Zielvorgabenersetzt.Gleichzeitig werden Stamm-belegschaften reduziert,der verblei-bende Kern von festen Angestelltenwird nach Bedarfdurch flexible,zeitlich befristete Beschäftigungs-verhältnisse ergänzt.Dieser Prozess,da sind sich dieExperten einig,dürfte die Arbeits-welt in den kommenden Jahrzehn-ten ähnlich stark verändern wie im19.Jahrhundert die industrielle Re-volution.Was heute noch normalist,wird dann zur Ausnahme:Nur30 bis 40 Prozent der Beschäftigten,schätzt Trendforscher MatthiaHorx,dürften in der Mitte des 21.Jahrhunderts noch feste Arbeitsver-träge haben.Befristete Jobs undSelbstständigkeit nehmen dafür zu(siehe Grafik).
Die Erwerbsbiografien,
dieschon heute immer seltener sostromlinienförmig und beamtenar-tig verlaufen wie die unserer Eltern,werden in so einer Welt noch unste-ter und bunter.Jobwechsel undUmzüge werden zunehmen,dazwi-schen ist man vielleicht mal eineZeitlang arbeitslos oder befristet an-gestellt.„Die Erwerbsarbeit”,so derBerliner Sozialhistoriker JürgenKocka,„wird elastischer,poröser,fluider.”
Das Gleiche gilt für die Büros.
Im flexiblen,projektgesteuertenNetzwerk-Unternehmen von mor-gen wechseln auch die Arbeitsum-gebungen häufiger,Arbeitsplätzeverschwinden ins digitale Parallel-universum – und finden sich in derrealen Welt einfach da wieder,woman das Notebook einstöpselt.Gleichzeitig verschwimmen auchdie Grenzen zwischen Arbeit undFreizeit.Abends setzt man sich nochmal zu Hause an den Computer,um die E-Mails zu checken oderetwas fertigzustellen.Das Handy bleibt am Wochenende an,im Ur-laub wird täglich die Mailbox ab-gehört.Der traditionelle Neun-bis-fünf-Uhr-Job stirbt aus,die Ar-beitszeiten werden länger und vorallem flexibler.[…]
Für die Beschäftigten
bedeutet dasalles:Sie werden künftig immermehr Verantwortung tragen – inden Unternehmen und auch fürsich selbst.Wer in der fluidenArbeitswelt von morgen obenschwimmen will,der muss gut ver-netzt und bereit sein,immer dazu-zulernen und sich weiter zu qualifi-zieren.Das Schöne daran:Auch derleidige alte Konflikt zwischen Arbeitund Kapital könnte dann endlichobsolet werden.„Irgendwann istnicht mehr klar,wer Arbeiter istund wer Unternehmer”,sagt Hil-mar Schneider vom Forschungsin-stitut zur Zukunft der Arbeit (IZA)in Bonn.Mit weitreichenden Fol-gen für die Interessenvertreter:„Gewerkschaften und Arbeitgeber-verbände müssen sich an die Ver-änderungen anpassen”,so Schnei-der,„sonst drohen sie in Bedeu-tungslosigkeit zu versinken.”
 Auch das Bildungssystem
wird nicht einfach so bleiben kön-nen,wie es ist.„Es gibt keine zu-kunftssicheren Berufe mehr”,sagtTrendforscher Horx.Entsprechendwerden Schulen und Universitätenimmer stärker daraufachten müs-sen,„weiche”Fähigkeiten zu vermit-teln,die zu Teamarbeit,Kommuni-kation und Selbstlernen befähigen.Studienzeiten müssen kürzer wer-den,um Platz zu schaffen für Wei-terbildungsphasen während des Be-rufslebens.Bisher erzeugen diese Verände-rungen in den Industrieländern vorallem eines:Angst vor sozialem Ab-stieg.In Deutschland kam bei einerUmfrage der Friedrich-Ebert-Stif-tung heraus,dass die Hälfte der Be-fragten fürchtet,ihren Lebensstan-dard nicht halten zu können.Der wachsenden Verunsiche-rung stehen aber auch gewaltigeChancen gegenüber.Je flexibler dieArbeitswelt wird,umso einfacherwird es,Berufund Privates mitein-ander zu vereinbaren – Familie,Hobbys,ehrenamtliche Tätigkeiten.Die Revolution der Arbeitsweltbringt nicht nur Zumutungen mitsich,sondern auch die Befreiungaus dem Korsett des tayloristischenArbeitsregimes,in dem der Rhyth-mus der Maschinen dem Menschenaufgezwungen wurde.Jetzt kommt es daraufan,dasswir den Wandel gestalten.Histori-ker Kocka:„Viel hängt davon ab,was wir tun.”
Noch Fragen?
rolf.ackermann@wiwo.de
WirtschaftsWoche 12.2.2007
* Anteil an allen Erwerbstätigen in Prozent;Quelle:Zukunftsinstitut,IAB
Weniger feste Jobs
So wird sich die Beschäftigungs-struktur verändern*
Unbefristetfest angestellt
7730bis4012401120bis25
BefristetangestelltSelbstständigDeutschlandheuteDurchschnitt der IndustrieländerMitte des 21. Jahrhunderts
M
Megatrend Arbeitswelt.
Die Arbeitnehmer werden Unternehmer in eigener Sache –die Unsicherheit wächst, aber auch die Freiheit.
„Irgendwann ist nicht mehr klar, wer Arbeiterist und wer Unternehmer”
Hilmar Schneider, Arbeitsmarktforscher
 
Wirtschaft &Gesellschaft
Editorial 
Liebe Leserinnen und Leser,nach einem
„Blick in die Zukunft“
sindin
MARKT 38
Artikel zusammengestellt,die zeigen, wie man sich in einer sichverändernden (Berufs-)Welt zurechtfindet:Hinweise zu Selbstmarketing und Net-working (S. 6), typischen Bewerberfeh-lern (S. 8), Schlagfertigkeit (S. 11),aber auch eine kleine Übersetzungshilfe(„Was Bewerber verstehen, wenn Perso-naler sprechen“, S. 19) gehören in dieseAuswahl. Folgerichtig verrät – wie immerein wenig augenzwinkernd – die letzteSeite: „So werden Sie Top-Manager“…Auch
MARKT
rüstet sich für die Zukunftund stellt sich neu auf: nach 15 Jahrenund 38 gedruckten Ausgaben findenSie künftig
MARKT
komplett als PDF imInternet (www.goethe.de/markt), wiebisher ergänzt mit Unterrichtsvorschlä-gen für Lehrende und interaktivenÜbungssequenzen für Lernende.Wenn Sie weiterhin die gedruckte Aus-gabe bevorzugen, schreiben Sie an dieBuchhandlung Pieper (Bestelladresse imImpressum S. 18); Abonnenten erhaltenwie gewohnt drei Ausgaben pro Jahr.Mit den besten GrüßenDr. Werner Schmitz
2
Ausgabe 38
Seite 1
Paradiesvogel 
(hier fig.)exzentrischer Mensch, auffallendePersönlichkeit 
tayloristisch
Betriebsführung nach dem US- Amerikaner Frederick W. Taylor (1856-1915)
checken
(ugs.)kontrollieren, überprüfen
obsolet 
ungebräuchlich, unüblich, veraltet 
Friedrich-Ebert-Stiftung
 gemeinnützige private Institution, denIdeen und Grundwerten der sozialenDemokratie verpflichtet (SPD-nahe)Seite 2
Spinner 
(ugs.)Verrückter, Träumer, nicht ernst zunehmender Mensch
Ab indie City!
as Jahr 2007 markiert einenWendepunkt in der Ge-schichte der Menschheit.Erstmals,seitdem es Städte gibt – al-so seit rund zehntausend Jahren –,werden in diesem Jahr genauso vieleMenschen in urbanen Gebilden le-ben wie aufdem Land.
Immer schneller ziehen dieMenschen in die Stadt
:Noch vor200 Jahren lebten sie vorrangig vonAckerbau und Viehzucht – diemenschliche Existenz war überwie-gend bäuerlich.Weniger als dreiProzent der Bevölkerung warenStädter.Doch mit der Industrialisie-rung auch in Entwicklungs- undSchwellenländern änderte sich diesgründlich.Vor 30 Jahren wohntebereits ein Drittel der Menschheit inStädten,bis 2050 werden es nachAngaben der UN-Organisation Ha-bitat rund sechs Milliarden Men-schen,zwei Drittel der Weltbevölke-rung,sein.„Die Menschheit steht am Be-ginn eines neuen urbanen Millenni-ums”,sagt Anna Tibaijuka,Ge-schäftsführende Direktorin von Ha-bitat.Grund:Die Wertschöpfung,die materielle Grundlage dermenschlichen Existenz,konzentriertsich weltweit in urbanen Struktu-ren.Unter welchen Bedingungen dieMenschen leben,lernen und arbei-ten,hängt damit vor allem davonab,welche Chancen und Möglich-keiten ihnen die Städte bieten.DieVerantwortlichen in den Städtenstehen deshalb vor der enormenAufgabe,mit den Folgen des stür-mischen urbanen Wachstums fertigzu werden.
Die Entwicklung städtischer Verkehrsinfrastruktur,
das Auf-rechterhalten von Recht und Ord-nung,die Versorgung der Einwoh-ner mit Gesundheitssystemen,Energie,Wasser und Lebensmitteln,das Entsorgen des Zivilisationsmüllsund die Reinhaltung der Luft,allediese Aufgaben sind umso schwieri-ger zu bewältigen,je größer dieStädte werden.Und je größer sie werden,destomehr wächst auch ihre ökonomi-sche Bedeutung „Das städtischePhänomen dieses Jahrhundertswerden die Megacitys sein,hochver-dichtete Metropolen mit mehr alszehn Millionen Einwohnern”,heißtes in einer UN-Studie.In den ent-wickelten Ländern werden schon jetzt rund 80 Prozent des Bruttoin-landsprodukts in Städten und Bal-lungsräumen erwirtschaftet.Der japanische Management-Guru Kenichi Ohmae sieht in denschnell wachsenden Megacitys dieneuen Kraftzentren einer globali-sierten Wirtschaft,deren politischeBedeutung künftig „die der Natio-nalstaaten weit in den Schatten stel-len”werde.Regionalökonomen wieRichard Florida von der George-Mason-Universität in Virginia,USA,sagen,die Entscheidung,in welcherStadt man lebt,sei „die wichtigsteEntscheidung des Lebens”.
Ballungsräume,
sogenannteMegalopolen,dominieren schonheute die globale Wirtschaft.DerGroßraum zwischen Washington,New York und Boston etwa erwirt-schaftet ein Bruttoinlandsproduktvon 2,3 Billionen Dollar.Für sichgenommen,ist diese Megalopolis,von den Amerikanern „Boswash”genannt,die weltweit viertgrößteWirtschaftsmacht,Kristallisations-punkt für kreative Wissenschaftlerund Künstler aus der ganzen Welt.Im Großraum Tokio mit insge-samt 35 Millionen Einwohnern ent-stehen rund 80 Prozent der japani-schen Wertschöpfung.Auch SaoPaulo,die Industriemetropole Bra-siliens,und Thailands Wirtschafts-zentrum Bangkok zählen jeweilsnur zehn Prozent der Gesamtbevöl-kerung ihrer Länder – steuern abermehr als 40 Prozent zum jeweiligenBruttoinlandsprodukt bei.Gemein-sam dominieren die rund 20 größ-ten Megalopolen die globale Welt-wirtschaft.
Doch das Wachstum der Mega-citys hat auch Grenzen.
Megalopo-len wie der Ballungsraum an derNordostküste der USA,Tokio,aberauch Paris und London werden denHabitat-Prognosen zufolge dem-nächst aufhören zu wachsen.In la-teinamerikanischen Metropolen wieMexiko-Stadt,São Paulo und Rio deJaneiro wird sich das Wachstum derBevölkerung aufrund ein Prozent jährlich reduzieren.Dagegen wirdsich die städtische Bevölkerung inden Entwicklungsländern,allenvoran in Asien und Afrika,in dennächsten 30 Jahren verdoppeln.
Noch Fragen?
konrad.handschuch@wiwo.de
D
Megatrend Urbanisierung.
Das Jahr 2007 markiert den Beginn des urbanenMillenniums. Rund 20 Megacitys dominieren die Weltwirtschaft.
„Für welche Stadt man sich entscheidet, umdort zu leben, ist die wichtigste Entscheidungim Leben überhaupt"
Richard Fiorida, Reglonaiforscher
Längerleben
ie Unsterblichkeit des Men-schen rückt näher.„In etwa50 Jahren,glaubt FrancisCollins,„werden wir uns nicht mehrfragen,wie alt wir werden können,sondern nur noch:Wie alt wollenwir werden?”Collins ist kein Spin-ner,er ist der Direktor des ameri-kanischen nationalen Genomfor-schungszentrums in Bethesda,Maryland,und damit einer derweltweit angesehensten Erbgutfor-scher.Sein Institut hat maßgeblichdazu beigetragen,das menschlicheGenom zu entschlüsseln.
Die Erkenntnisse über den Zu-sammenhang 
zwischen genetischerSteuerung des Organismus undKrankheit,Alter,Leben und Toderöffnen uns die Chance aufeinlanges,vielleicht sogar ewiges Le-ben.Keine andere Disziplin wirddas menschliche Leben so grundle-gend verändern wie dieBiotechnik.Kaum eineForschungsrichtungentwickelt sich so explo-siv.Je größer der Wis-sensschatz wird,umsomehr Anwendungenentstehen – in Formvon Therapien undMedikamenten gegenKrebs,Herz-Kreislauf-Leiden oder Aids.DiePalette reicht von derEntschlüsselung und
D
Megatrend Biotechnik.
Gendiagnostik, Stammzelltherapie und Retortenorganewerden uns in Zukunft fit und gesund halten.
*Bevölkerungsprognosefür 2015;Quelle:UnitedNations/Habitat
Los Angeles14,1Mexiko-Stadt19,217,4New York11,9Rio de Janeiro20,4São Paulo14,1Buenos Aires23,2LagosKairo19,223,2IstanbulKarachi19,221,1Dhaka10,1Bangkok11,0Osaka26,4Tokio14,8Manila17,3JakartaDelhi16,8Mumbai26,1Hyderabad10,517,3KalkuttaPeking12,3Shanghai14,6Tianjin10,7
1975
Aufstieg derMetropolen
Städte mit mehr alszehn Millionen Einwohnern*
20002015
Quelle:EllenHeber-Katz,Wistar Institute,Philadelphia,USA
Organe aus der Retorte
Wann konkrete Ergebnisse in derRegenarationsbiologie zu erwarten sind
Infarktgeschädigte Herzen undverletzte Nerven, zuerst Netzhautund Sehnen; später das Rückenmark51151050 20 Finger undZehenkompletteGliedmaßen jedesKörperteilkannersetztwerden
1975 gab es erst fünfStädte mit mehr als zehnMillionen Einwohnern,2000 waren es schon 19.Bis 2015 kommen vierweitere hinzu. Nachder UN-Prognose bleibtTokio mit 26,4 MillionenEinwohnern in 2015größte Stadt der Welt,gefolgt von Mumbai(26,1 Millionen)undLagos (23,2 Millionen).
 
Ausgabe 38
3
Wirtschaft &Gesellschaft
 sich mausern
(ugs.) sich entwickeln
 schmuddelig
(ugs., abwertend) schmutzig, unsauber 
RWE 
Energie-Konzern: Rheinisch-WestfälischesElektrizitätswerk AG
Vattenfall 
Energie-Konzern
   W   i  r   t  s  c   h  a   f   t  s   W  o  c   h  e   1   2 .   2 .   2   0   0   7
Diagnose von Krankheiten bis zurgezielten Veränderung der Erbanla-gen unserer Nachkommen.
Gendiagnostik,Stammzellthe-rapien und regenerative Techni-ken
werden uns bis ins hohe Altergesund und geistig fit halten.Col-lins:„Die Genomforschung ist derSchlüssel zur Reprogrammierungvon Prozessen,die sowohl das Zell-wachstum steuern,das zu Krebsführt,als auch den Zelltod,der Alte-rung bedeutet.Alternsforscher Ste-ven Austad von der Universität Te-xas schätzt:„Von denjenigen,die imJahr 2000 zur Welt gekommen sind,werden einige bei klarem Verstanddas Jahr 2150 erleben.”Die Entwicklungsbiologin EllenHeber Katz vom Wistar Institute inPhiladelphia ist sich zudem sicher,dass die Reparatur und Regenerati-on von organischen Verschleißteilenschon bald möglich sein wird.DieForscherin,die an nachwachsendenNerven und Herzen forscht,pro-phezeit:„Innerhalb der nächsten 50Jahre wird sich jedes Körperteil er-setzen lassen.So werden verletzteNerven und infarktgeschädigte Her-zen schon bald mithilfe von Medi-kamenten regeneriert.Mit nach-wachsenden Fingern und Zehenkönnten die Bioforscher in fünfbiszehn Jahren aufwarten,kompletteGliedmaßen werde es einige Jahrespäter geben.Die Biologin Katzglaubt,dass Menschen gegen Endedes Jahrhunderts „den Ersatz vonerkrankten oder verletzten Organenso selbstverständlich erwarten wer-den wie die Reparatur ihres Autos”.
Die medizinische Revolution
hat schon begonnen.Tatsächlichhaben die Forschungen von Bio-und Gentechnikern schon zu zahl-reichen Medikamenten geführt,dieUnternehmen wie Amgen,Biogen-Idec,der Roche-Tochter Genentech,Johnson & Johnson,Merck Seronound anderen Milliardenumsätze be-scheren.In den USA versiebenfach-te sich der Umsatz mit biotechni-schen Produkten seit 1992 auf56Milliarden Dollar im Jahr 2005.Neue Produkte treiben die Wachs-tumskurve weiter nach oben:Der-zeit sind über 300 Biotech-Medika-mente und Impfstoffe gegen mehrals 200 Krankheiten in der Erpro-bung.
Ziel der Forscher
ist es auch,Menschen erst gar nicht krank wer-den zu lassen.Dazu haben sie Gen-chips entwickelt – die ersten sindbereits aufdem Markt.Diese kön-nen die Ursachen von Krankheitenschon lange vor ihremAusbruch erkennen.Sol-che Genchips werden inwenigen Jahren zur Stan-dardausrüstung derHausärzte gehören.Diekönnen dann Medika-mente gegen eine Krank-heit einsetzen,lange be-vor sie zum Ausbruchkommt.Noch einfacher wärees,schon bei der Zeugungeines Kindes daraufzuachten,dass es genetischperfekt designt ist.„Wirhaben die Macht erlangt,das Schicksal unserer Artselbst in die Hand zu nehmen”,sagtLee Silver,Molekularbiologe vonder Princeton-Universität in NewJersey.Eltern,so Silvers Vision,wer-den in Zukunft nicht nur das Ge-schlecht ihres Kinder mithilfe einesvorgeburtlichen Genchecks bestim-men,sondern aus einem Poolkünstlich gezeugter Embryonen ge-zielt jene aussuchen,die gesund,langlebig und fit erscheinen.Bis zurAuswahl der Erbanlagen für Cha-rakter,Intelligenz oder Haarfarbe istes nur noch ein winziger Schritt,fürchten Kritiker.Für die schon heute lebenden,unperfekten Menschen werdenGen- und Gesundheitstests baldzum Alltag gehören,ist Peer Schatz,der Chefdes größten deutschenBiotechnik-Unternehmens Qiagenin Hilden bei Düsseldorf,überzeugt:„Sobald Sie im Badezimmer dasLicht anknipsen,prüft ein Test,obSie Grippeviren oder andere Krank-heitserreger in sich tragen.”
Noch Fragen?
susanne.kutter@wiwo.de
„Innerhalb der nächsten 50 Jahre wird sich jedesKörperteil ersetzen lassen"
Ellen Heber-Katz, Entwicklungsbiologin am Wistar Institute in Philadelphia
Megatrend Klimawandel.
Die Erde erwärmt sich, der Meeresspiegel steigt.Neue Technologien können den Treibhauseffekt begrenzen.
HeißePhase
rönland eisfrei.Küstenstäd-te wie Hamburg,Londonund Sydney unter Wasser.InDublin Dürre,Berlin versinkt imSand:Der Klimabericht der Verein-ten Nationen schockte die Welt mitdüsteren Zukunftsszenarien.Hitze-wellen am Mittelmeer und tropi-sche Stürme über dem Atlantik sol-len sich laut Studie häufen,derMeeresspiegel langfristig um bis zusieben Meter steigen.
Die Wissenschaft ist sich einig:
Der Klimawandel geht in die heißePhase.Die Prognosen über den Tem-peraturanstieg in diesem Jahrhun-dert reichen von 1,8 bis 4,0 – im Ex-tremfall gar bis 6,4 – Grad Celsius.Welche Auswirkungen das imEinzelnen hat,können die Forschernur erahnen.Unstrittig ist aber,dassvor allem die Nutzung fossilerBrennstoffe zum Treibhauseffektführt und die Politik reagierenmuss.Die EU-Kommission plantbis 2020 eine Reduktion der Treib-hausgase um 20 Prozent,in Nairobiberaten Vertreter aus rund 100 Län-dern darüber,wie sich Wirtschafts-wachstum und Klimaschutz in Ein-klang bringen lassen.Die UN willeine neue Umweltorganisationgründen.
Der Kampfgegen den Klima- wandel
kann nur mit technologi-schen Innovationen gewonnen wer-den:Solarzellen,Biogas-,Wind-und Wasserkraftanlagen,Wasser-stofftechnik,hocheffiziente Kohle-kraftwerke – Umwelttechnik mau-sert sich zu einer Wachstumsin-dustrie des 21.Jahrhunderts.InDeutschland könnte die Ökobran-che in 15 Jahren nach einer Studiedes Deutschen Instituts für Wirt-schaftsforschung die Automobil-wirtschaft als Leitindustrie ablösen.Dank Erneuerbarer Energien wer-den weltweit bereits sieben Milliar-den Tonnen Kohlendioxid einge-spart.Ohne die Nutzung von Son-ne,Biomasse,Wind und Wasser lä-gen die CO
2
-Emissionen fast einViertel höher.Schätzungensehen im Jahr 2020 einMarktpotenzial zwischen115 und 250 Milliarden Eu-ro.Vielversprechend vor al-lem:eine neue Generationvon Solarzellen,die ohneteures Silizium auskommenund den Strom billiger lie-fern.
Bei der Stromversorgung 
könnte ausgerechnet derKlimakiller Kohle vom„SchmuddelkindzumHoffnungsträger werden,schätzt Energieexperte Josef Auer von Deutsche BankResearch.Die Zauberformel:saubere Kraftwerke,die ent-stehendes Kohlendioxid ab-trennen und lagern,damites nicht in die Atmosphäreentweicht.In Deutschlandwill RWE bis 2014 das erstegroßtechnische CO
2
-freieKohlekraftwerk errichten,Vattenfall Europe baut inBrandenburg eine Pilotan-lage mit einer thermischenLeistung von 30 Megawatt.Der Klimawandel dürfteauch der Kernenergie eineRenaissance bescheren.Finnland errichtet derzeitden größten Reaktor derWelt.Kritiker könnten sichkünftig auch von einer inDeutschland entwickeltenTechnik überzeugen lassen,soge-nannten Kugelhaufenreaktoren.DerReaktor soll sich bei einem Störfallselbstständig abschalten.Auch diekomplizierte Kernfusion rückt wie-der in den Blickpunkt.Expertenschätzen,dass bis 2030 ein Reaktor-Prototyp in Betrieb genommenwerden kann.Weiter ist die Forschung bei an-deren Energieträgern.Shell baut zu-sammen mit Choren an der Ostseeeine Anlage zur Herstellung vonsynthetischem Diesel aus Biomasse.An zwei deutschen Tankstellen gibtes ein noch ungewöhnlicheres An-triebsmittel:Wasserstoff.Was der-zeit nur für Pilotfahrzeuge funktio-niert,könnte langfristig ein Schritthin zum emissionsfreien Autofah-ren sein.Bei der Verbrennung vonWasserstoffentsteht kein CO
2
sondern Wasser.Was die Forschernoch schaffen müssen,ist eine wirt-schaftliche Herstellung des Wasser-stoffs und eine Lösung des Lage-rungsproblems:Der Wasserstoff wird heute entweder gasförmig un-ter hohem Druck gelagert oder beiTemperaturen von minus 250 GradCelsius flüssig gemacht.Der andere Weg zum emissions-freien Individualverkehr führt überden Hybridantrieb – die Kombina-tion von Elektro- und Verbren-nungsmotor – zum Auto mit einerBrennstoffzelle unter der Motor-haube.In der Brennstoffzelle wer-den Wasserstoffund Luftsauerstoff zusammengeführt,wobei Wasserund elektrische Energie freigesetztwerden.Voraussichtlich 2015 wer-den solche Elektroautos in größererStückzahl aufdie Straßen kommen.Die Motoren werden bei diesen Au-tos in den Radnaben stecken.„Diesist das schlüssigste Konzept von al-len.So wird das Auto der Zukunftaussehen”,sagt Tom Groth,Trend-forscher bei Sun Microsystems.Klar ist:Beim Klimaschutz mussEuropa Vorreiter sein.JoachimSchellnhuber,Chefdes PotsdamerInstituts für Klimafolgenforschung:„China und Indien werden nichtaufeine kohlenstoffarme Wirtschaftumsteigen,wenn die EU nicht vor-her zeigt,dass diese Betriebsweisemöglich ist.”
Noch Fragen?
steffi.augter@wiwo.de
G
Quelle: IPPC
Große Spanne
Temperaturanstieg (in Grad Celsius)
6,05,04,03,02,01,00200020202040206020802100Szenario 1
Annahme: Starkes Wachstum bei weiterhinintensivem Gebrauch fossiler Brennstoffe
Szenario 2
Annahme: Saubere und sparsame Technologiensetzen sich durch, weltweite politische Anstren-gungen für nachhaltige Entwicklung greifen
of 00

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