Jahr für Jahr die Zahlen der Gallup-Umfrage belegen. Demnach habenüber 80 Prozent der Deutschen einegeringe oder gar schlechte emoti-onale Bindung zur eigenen Arbeit– und das macht auf Dauer krank.Natürlich kann Arbeit belastendsein, vor allem, wenn wir unter Ter-min- und Zeitdruck stehen, wennwir geringe Wertschätzung erfahrenoder Konflikte austragen müssen.Die Arbeit ist kein Zuckerschlecken,aber dennoch: Wie wir unsere Ar-beit sehen, liegt auch an uns selbst.Sogar unter schwierigen Bedin-gungen lässt sich unsere Arbeit po-sitiv bewerten – z.B. indem wir unsauf den tieferen Sinn unserer Tätig-keit besinnen und uns Ziele setzen.
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Ein Angestellter der Müllabfuhrzum Beispiel hält sich, wie er ineinem Interview berichtete, immerwieder vor Augen:
„Ohne meine täg-liche Arbeit wäre unser Zusammenle-ben unerträglich.“
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Eine Wäscherin, deren Arbeits-platz Temperaturen bis zu 40 Gradaufweist, sagt sich:
„Ich möchte, dass die Menschen, die in meiner Wäsche schlafen, sich dabei richtig wohlfüh-len. Deshalb achte ich darauf dass die Wäsche immer perfekt gerichtet und gelegt ist.“
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Und ein Fensterputzer:
„Ich fan-ge schon frühmorgens um 5.00 Uhr an. Ich genieße es, dass die Stadt nochschläft. Das rhythmische Wischen der Scheiben erlebe ich als Eintauchen ineine Art Trance. Ich versuche, meine Arbeit immer mehr zu perfektionie-ren. Denn Studien haben gezeigt, dass es viele Hunderttausende an Durch-gängen braucht, bis sogar ein relativ einfacher Vorgang wie das Fenster-wischen zu hundert Prozent perfekti-oniert ist.“
Alle drei Personen haben ihrerArbeit eine besondere Bedeutunggegeben – und deshalb verrichten siesie positiv gestimmt und gern. Fallses Ihnen im Augenblick schwer-fallen sollte, Ihrer Arbeit einen be-friedigenden Sinn zu geben, hilftes, sich allgemein auf die Vorteilevon Arbeit zu fokussieren. HaltenSie sich vor Augen: Arbeit bringtStruktur in den Alltag. Arbeitslosewerden oft deshalb depressiv, weilihnen der geregelte Alltag fehlt. Ar-beit vermittelt zudem soziale Kon-takte und gibt finanzielle Sicherheit.Sie stellt Herausforderungen, ohnedie ein Teil unserer Weiterentwick-lung stecken bleibt. Und: Arbeit gibtAnerkennung!
Studien beweisen:Wer positiv ist,hat weniger Stress
Wer seine Arbeit mit positivemGrundgefühl verrichtet, dem fälltseine Tätigkeit leichter. Termin-druck, Schwierigkeiten und Hek-tik können ihm nicht mehr so vielanhaben. Dass positive Emotionenbei der Bewältigung von Stress einezentrale Rolle spielen, hat sich imdeutschen Sprachraum zwar nochnicht herumgesprochen. Anders istdas jedoch international. So meintSusan Folkman, Medizinprofessorinan der University of California/SanFrancisco und weltweit führendeKapazität in der Stressforschung:„Wir müssen unsere bisherigenStress-Theorien revidieren und derBedeutung positiver Gefühle bei derBewältigung von Stress und Über-lastung eine viel größere Rolle bei-messen.“ Denn die Wissenschafts-gemeinde hat nachgewiesen, dasspositive Gefühle die Stressantwortdes Körpers auf belastende Ereig-nisse modifizieren. (…)Insgesamt bedeutet das: Es istoft zielführender, eine positiveGrundhaltung an den Tag zu legen,als Stressfaktoren zu bekämpfen,die sich häufig nun einmal nichtabstellen lassen. Dabei ist die Steu-erung der eigenen Aufmerksamkeiteine der wichtigsten Strategien inder Emotionsregulation. Wir soll-ten also nicht nur Probleme wälzen,deren Hintergründe analysierenund überlegen, wie wir mit den unsstressenden Umständen umgehen –wir sollten vielmehr den Blick auchauf Dinge richten, die gut klappen.
Christph EichhrmaagerSemiare, Jui 2008
Management
Editorial
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Ausgabe 43
Fortsetzung von Seite 1 „Erfolgreich durch positive Emotionen”
W i r t s c h a f t s W o c h e , 2 7 . 8 . 2 0 0 7
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Vermeiden Sie Bequemlichkeit
Passiv zu sein und z.B. vor dem Fernseher „abzuhängen“ hat, je nachTyp, seine Berechtigung. Auf Dauer führt es jedoch nicht zu positivenEmotionen. Es mag zwar im ersten Moment bequemer sein, sich hängenzu lassen, meist müssen wir aber erst unsere Bequemlichkeitszone verlas-sen, bevor wir mit guten Gefühlen belohnt werden.
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Orientieren Sie sich nicht an Äußerlichkeiten
Wer Geld, Ruhm, Erfolg und gutes Aussehen über alles andere stellt, isttrotz seiner Mühen mit seinem Leben nicht zufrieden, fühlt sich schnellerüberlastet, leidet häufiger unter körperlichen Symptomen und ist sogaranfälliger für Drogen und Alkohol als derjenige, der soziale Kontaktepflegt, seinen Leidenschaften nachgeht, sein Leben an inneren Wertenausrichtet oder sich für andere einsetzt.
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Stellen Sie keine Vergleiche an
Besonders ungünstig ist der Schritt in die Vergleichsfalle. Drei Gefahrenlauern: Man vergleichta) die aktuelle Situation mit der Vergangenheit, als alles viel besser war,b) sich mit denen, die anscheinend alles weit besser können als manselbst,c) seine aktuelle Situation mit einer fiktiven Idealsituation, die fantastischwäre, aber unrealistisch ist. Diese Vergleicherei ist der direkte Weg in dieUnzufriedenheit. Aber nicht einmal die Großan waren gegen den Ver-gleichsvirus gefeit, so der Philoseph Bertrand Russell:
„Napoleon beneide-te Cäsar, Cäsar Alexander den Großen, und Alexander vermutlieh Herkules,den es nie gegeben hat.“
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Zeigen Sie Dankbarkeit
Der Philosoph Epiktet rät.
„Derjenige ist weise, der sich nicht um das sorgt,was er nicht hat – sondem sich über das freut, was er hat.“
Das nämlichmacht zufrieden und ausgeglichen. Hilfreich ist ein Dankbarkeitstage-buch: Notieren Sie ein bis zwei Mal pro Woche, für welche Dinge Siedankbar sein dürfen. Vermerken Sie auch scheinbare Kleinigkeiten wiegutes Wetter, einen freundlichen Kunden, die Blumen im Garten usw.Gemäß einer nigerianischen: Weisheit:
„Sei dankhar für wenig, und Duwirst vieles finden.“
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Finden Sie heraus: Was macht Sie glücklich?
Singen im Chor, Gärtnern, mit dem Hund rausgehen, Sport treiben,Kochen … – was positive Gefühle auslöst, ist von Mensch zu Menschverschieden. Sogar Aktivitäten, die bei vielen Grauen auslösen, führenbei anderen zu positiven Gefühlen, z.B. Fensterputzen – weil sie sich hin-terher freuen, dass nun alles blitzt und blinkt. Finden Sie heraus, welcheAktivitäten Sie glücklich machen. Sie werden sehen: Es gibt viel mehr, alsSie auf den ersten Blick meinen. Schreiben Sie Ihre „Glücklichmacher“auf eine Liste, die Sie aufhängen – dann können Sie bei Bedarf hierauf zurückgreifen.
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Sorgen Sie für Abwechslung
Variatio delectat, z.B. der Kurzurlaub am Wochenende. Allein der Um-gebungswechsel lässt viele die Welt in rosaroten Farben sehen. WechselnSie Ihre Aktivitäten, probieren Sie Neues aus. Ein Besuch in der Oper z.B.kann für Nicht-Opern-Fans eine interessante Erfahrung sein. Statt immerdieselbe Runde zu joggen, legen Sie sich mehrere Strecken zu oder gehenmal schwimmen. Positive Emotionen leben vom Kontrast.
Das weckt positive GefühleLeserbefragung:Erfolgsfaktor positive Gefühle?
Vorteile positiver Gefühle im Job
Positive Gefühle steigern die Leistungsfähigkeit 86%Sie helfen bei der Bewältigung von Stress und Überbelastung 76%Sie stärken Kreativität und Flexibilität 69%Sie ermöglichen und fördern das Lernen 62%
Feinde positiver Gefühle im Job
Geringe Anerkennung und Wertschätzung 86%Ein schlechtes Betriebsklima 72%Unterforderung 59%Überforderung 59%Geringer Entscheidungsspielraum 55%Konflikte 55%
Ergebisse der maagerSemiare-Leserbefragug aus Heft 120. Agegebe ist die przetuale Azahl jeer Leser,die die Frage zustimmed beatwrtet habe. Mehrfacheuge ware möglich.
In der Öffentlichkeit besteht eine Reihe falscher Ansichten, was positiveGefühle anbelangt. Das erschwert es, in vollem Umfang von ihnen zuprofitieren. Die häufigsten Fehleinschätzungen:
1.
Positive Gefühle sind allein für besonders positive Situationen reser-viert – und in belastenden Situationen nicht möglich.
2.
Positive und negative Gefühle existieren zeitlich getrennt voneinander,konnen also nicht koexistieren.
3.
Positive Emotionen entstehen schicksalhaft wie aus heiterem Himmelund können nicht durch eigenes Engagement hervorgerufen werden.
Falsche Thesen
Seite 1
gut drauf sein
(ugs.) gut gelaunt sein, gute Stimmung haben
Elan
Schwung
Sponti
in den 1970er-Jahren eine Gruppe(linker) politischer Aktivisten(„Spontaneität der Massen“)
Schlaraffenland
fiktives Land aus dem deutschenMärchen (sluraff = Faulenzer)
fad
langweilig
relaxen
sich erholen, ausruhenSeite 2
Gallup
US-amerikanisches Meinungs-forschungsinstitut
Zuckerschlecken
(ugs.)(hier:) Vergnügen
Variatio delectat
(lat.) „Abwechslung erfreut“ (Cicero)
Liebe Leserie ud Leser,
„Wie die Börse wirklich tickt“
fragtsich sicher macher v Ihe i dieseZeite v Fiaz- ud Geldmarktkrise.Mit zeh Atwrte ist MARKT „…aufder Spur des grße Geldes“ (S. 18-19.).Vielleicht helfe auch hier – wie imArbeitslebe – „zeh Wege, wie Sie mitFrust ud Wut psitiv umgehe“ (S.3).Ei grßes Thema, das wir i mehrereArtikel (S. 6-9) aufgreife, ist die
Ar-beitswelt von morgen:
das Bür derZukuft – eie „schöe eue Welt“?Ud die
Arbeitswelt von heute
?Hier sid Zeitmaagemet (S.10),„Perfrmace bei … öffetliche Auf-tritte“ (S. 12-13) ud die Fähigkeit,die „Widrigkeite des Berufsalltags“ zumeister (S.14-15), gefragt. – Weitere
Karriere-Tipps
bietet MARKT 43 mitde Hiweise zum Vrstellugsge-spräch (S. 16) ud zu Eigugstests(S.17).Ud wie immer fide Sie:
Worterklärungen
zu fast alleArtikel, siebe eue
Fachbegriffe
wie „Bakekrise“, „Diversifikati“,„Immbiliewirtschaft“, „Limited“ imMARKT LExIKon swie Übuge udDidaktisieruge i MARKT onLInE(www.gethe.de/markt).Mit de beste Grüße,Dr. Werer Schmitz
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