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Das Belohnungssystem
Wenn der Lernstoff und dieLernsituation mit angenehmenGefühlen verbunden und mög-lichst frei von Stress und Ängs-ten sind, belohnt uns ein uraltesbiologisches System mit lust-vollen Gefühlen. Sein Zentrumliegt in einer Ansammlung vonNervenzellen, dem ventralenTegmentum (1). Die Fortsätzeder Nervenzellen ragen in dasStirnhirn (2) und eine Gruppevon Nervenzellen namens Nuc-leus accumbens (3). Wenn je-mand etwas erfolgreich gelernthat, schüttet der Nucleus einenkörpereigenen Botenstoff, Do-pamin (4), aus. Der bewirkt wie-derum die Ausschüttung vonopiumähnlichen Stoffen im Ge-hirn. Weil das angenehm ist,streben wir immer wieder da-nach und lernen so immer wie-der Neues.
DEUTSCH FÜR DEN BERUF – MATERIALIEN AUS DER PRESSE
17. Jahrgang 2009www.goethe.de/markt
Inhalt 
AUSGABE
44
Fitness fürs Gehirn
 Wer in Beruf und Schule vorn bleiben will, muss sein Wissen täglich erweitern.Neueste Forschungen zeigen, mit welchen Strategien das Lernen leichtfällt – und zudem Spaß macht.
Management
Fitness fürs Gehirn ...................................... 1„Nicht auf Wundermittel warten“ .............
Fiazkris
Das Lexikon der Finanzkrise ...................... 3Rettung in der Not ...................................... 4 Reife Zeit ..................................................... 5 
Rhtrik
Überzeugen mit Emotionen ........................ Knackiger vortragen ....................................
Kmmuikati
Was reden die da bloß? ............................... 8 Immer mit der Ruhe ................................... 8 Nicht der Rede wert .................................... 9 Entschieden auftreten .................................
Vrhadlugstaktik
Ihr Ass im Ärmel ....................................... 10 
Karrir
Einzigartigkeit schlägt Employability ....... 11Die wichtigsten Zukunftskompetenzen .... 11Wunschliste für perfekte Kandidaten ....... 12 Bewerbung leicht gemacht ........................ 13Tipps zur Online-Bewerbung ................... 13Hilfe bei Stellensuche und Bewerbung ..... 13Nachwuchs im Spagat .............................. 14 Burnout: Nichts geht mehr ....................... 15 
Arbitswlt
Ihr Einfluss aufs Stimmungsbarometer .... 16 Alles Lüge .................................................. 18 Pinocchios Effekt ....................................... 18 
Marketing
Gratis ist nicht immer geschenkt .............. 19 
Die letzte Seite
Von Tieren lernen ..................................... 20 Editorial ...................................................... 2 Impressum ................................................ 19 
Im MARKT-LexIKon (Hftmitt):
Absetzung für Abnutzung Altersvorsorge Arbeitsvertrag EBIT Innenfinanzierung MindestlohnTestmarkt 
Jahrzentelang gesichert
Die Speicherplätze – das Gedächtnis – sind über das gesamte Gehirn verteilt.Sekunden nach 48 Stunden im Langzeitgedächtnis
 
Lernstoff
Vokabeln,Rechenregeln,geometrischeFormen.
Kurzzeitgedächtnis
Informationen halten nuretwa zehn Sekunden, sieverschwinden, wenn sienicht mehr gebrauchtwerden.
Einüben
Durch wiederholtesÜben und Verknüpfen(Eselsbrücken) bleibendie Informationenlänger oder dauerhaftim Gedächtnis.
Langzeitgedächtnis
große Kapazität, jahrzehnte-lang speicherbar, unterteilt inepisodisches Gedächtnis (dieerste Freundin), semantischesGedächtnis (Schulwissen undprozedurales Gedächtnis (Golfspielen).
Wie und wo das Gehirn Informationen speichert
Pillen
Das Medikament Ritalin (5)greift in des Dopamin-Systemdes Gehirns ein und sorgt da-für, dass der Botenstoff längerwirkt. Der erhöht wiederumdas Konzentrationsvermögen.
Entwicklung der Synapsen
Bei Säuglingen bilden die Ner-venzellen ein gleichmäßigesdichtes Netz, des Reize in al-le Richtungen weiterleitet. Biszum zweiten Lebensjahr nimmtdie ZahI dieser Verknüpfungen(Synapsen) zu. Wenn das Klein-kind Iernt, Reize auf bestimm-te Bahnen zu lenken, verstär-ken sich diese Synapsen. Dieweniger genutzten verküm-mern. Je vielfältiger die An-regungen, desto vernetztereStrukturen bilden sich. Mit derPubertät ist dieser Prozess ab-geschlossen, dem Erwachsenensteht das gebildete Netz zurVerfügung.
Großhirn(Gedächtnis)Dopamin wirdausgeschüttetMedikamente wie Ritalin greifenin das Dopaminsystem einStirnhirn(Präfrontalcortex)NucleusaccumbensHirnstammventrales TegmentumKleinhirn
null bis zwei Jahrezwei Jahre bis PubertätErwachsener
Synapsenelektrische ImpulseNervenzellen
or wenigen Wochen gabmein Telefon im Büro denGeist auf. Das Ersatzmodellwar so modern, dass sich die ge-speicherten Nummern und Adres-sen nicht ins neue Gerät übertragenließen. Fast ware ich deshalb ausge-flippt, dann erkannte ich das Ärger-nis als Chance: Statt alle Nummernneu einzutippen, würden meinekleinen grauen Zellen jetzt wiederselbst arbeiten und zumindest eini-ge der Nummern auswendig lernen– Hirnjogging pur!Das ist ganz im Sinne des japa-nischen Hirnforschers Ryuta Ka-washima. „Wir überlassen demComputer immer mehr Arbeitund vernachlässigen damit unse-re Denkfunktionen“, warnt er vorgeistiger Trägheit. Seine Schlussfol-gerung: „Das Gehirn muss genausotrainiert werden wie Muskein undAusdauer.“An der Tohoku-Universität hat Ka-washima Rechenaufgaben, Wort-spiele, Sudokus und Konzentra-tionsübungen entwickelt, die denDenkapparat in Schwung bringen.So entstand 2005 das Spiel ,,Dr.Kawashimas Gehirnjogging“ fürden japanischen Spielekonsolen-Hersteller Nintendo. Es hat sichmitsamt der zweiten Version welt-weit bereits über 24 Millionen Malverkauft. Seit wenigen Tagen bietetNamco Bandai Games diesen Kno-beltrainer auch als Download-Ver-sion für Mobiltelefone an.
Ein Weg zum Erfolg,
so propa-gieren es nicht nur Nintendo undKawashima, ist das sogenannteGehirnjogging, das systematischeTraining des Denkapparats. Derheute an der UniversitätsklinikErlangen forschende PsychologeSiegfried Lehrl behauptet das schonseit 26 Jahren. Er hat die Grips-gymnastik quasi erfunden und, umihre Verbreitung zu fördern, 1989die Gesellschaft für Gehirntraininggegründet. Mit speziellen Messver-fahren stellte Lehrl im Labor fest,dass der Intelligenzquotient desMenschen ohne ständiges Gehirn-training merklich sinkt.Die aktuellen Erkenntnisse derHirnforscher, Kognitionswissen-schaftler und Didakten lassen sichzu acht Ratschlägen zusammenfas-sen:
n
Genau überlegen, was man wirk-lich lernen will, und eine passendeLernstrategie dazu entwickeln.
n
Den Lernstoff in beherrschbarePortionen aufteilen.
n
Realistische Teilziele setzen undsich für deren Einhaltung beloh-nen.
n
Regelmäßiges Lernen bringtmehr als eine Megasitzung proWoche.
n
Erwachsene lernen zwar lang-samer als Kinder, dafür können sieleichter an Bekanntem anknüpfen.Deshalb: Gezielt Brücken vom al-ten zum neuen Wissen bauen!
n
Den Stoff auf verschiedene Wei-se wiederholen. Eine gute Übungzum Behalten ist es, das Gelernteanderen zu erklären.
n
Sich eine angenehme Lernumge-bung schaffen.
n
Neues bleibt besser haften, wennes mit Gefühlen verbunden ist.So erlernt sich die Fremdspracheleichter mit packender Lektüre, ei-ner Brieffreundschaft oder einemUrlaub in dem betreffenden Land.
susa.kuttr@wiw.d;Wirtschaftswch, 29.9.2008
V
 
Management
Editorial 
Ausgabe 44
Seite 1
den Geist aufgeben
(ugs.)kaputt gehen 
ausflippen
(ugs.)die Kontrolle, Selbstbeherrschung verlieren
kleine graue Zellen
(ugs.)Gehirn
knobeln
rätseln
Grips
(ugs.)Verstand, Gehirn
quasi 
 sozusagen
 packend 
 spannend Seite 2
wie warme Semmeln
(ugs.) sehr gut, außergewöhnlich gut 
 Augenwischerei 
(Selbst-) Täuschung
ETH
Eidgenössische Technische Hochschule
Handy 
Mobiltelefon
 pauken
(ugs.)intensiv lernen
 purzeln
fallen
eintrichtern
(ugs.; hier:)lernen
verballhornen
verfremden
einbläuen
(ugs.; hier:)einprägen, lernen
büffeln
(ugs.)lernen
Push
 Anstoß, Stoß
vollpumpen
vollstopfen
Geheimratsecken
(ugs.)(bei Männern:) Lücken im Haaransatz rechts und links der Stirn
Frau Stern, sogenannte Hirnjog-ging-Programme verkaufen sichderzeit wie warme Semmeln. Istdas Geld gut angelegt?
Das hängt vom Anspruch ab. Umsich geistig in Schwung zu halten,sind die Spiele eine gute Grundlage.Sie können vor Langeweile bewahrenund vermitteln Kompetenzerleben.Noch viel herausfordernder für un-ser Gehirn ist aber, sich in ganz neuekomplexe und interessante Gebieteeinzuarbeiten. Was dem Gehirn da-bei abgefordert wird, können Hirn- jogging-Programme nicht ersetzen.
 Was passiert beim Hirnjogging ei-gentlich?
Wer regelmäßig mit den Program-men arbeitet, merkt, dass er täglichschneller und besser wird, denn manübt ja laufend dieselben Sachen.Das verschafft eine Befriedigung,die manchen richtig süchtig werdenlässt. Der gleiche Effekt stellt sich beivielen Computerspielen ein.
 Verbessert sich so auch die Gehirn-leistung, wie die Erfinder des Hirn- joggings behaupten?
Nur in Maßen, denn das Gehirnist eben kein Muskel, den man mitAufbautraining generell fit machenkann. Es ist darauf ausgelegt, ganzspezifische Informationen aufzuneh-men und zu verarbeiten: Wenn wirMathematik lernen, lernen wir Ma-thematik und nichts anderes. Undwenn wir Hirnjogging machen, dannwerden wir besser im Gehirnjogging-spielen, nicht mehr und nicht weni-ger. Aus meiner Sicht ist es Augen-wischerei zu glauben, dass man nachein paar Wochen Gripsgymnastik,Vokabeln, Formeln oder neue fach-lich-berufliche Inhalte leichter lerntals zuvor.
Gilt diese Einschätzung auch fürProgramme zum Üben von Eng-lisch oder Mathematik?
Das ist für mich mehr als reines Ge-hirnjogging, denn sie vermitteln sehrspezifisches Wissen. Wenn ich mirdas auf amüsante und unterhaltsameWeise aneignen kann, umso besser.Wer so ein Programm einsetzt, umbeim Warten an der BushaltestelleVokabeln zu lernen, nutzt die Zeitsinnvoll. Wenn Kinder, die sonstschreiend vor Rechenaufgaben da-vonlaufen, Spaß an Zahlenspielenam Computer haben, kann auchdas eine Moglichkeit sein, sie an dieMathematik heranzufüh-ren.
 Viele Menschen merkensich heute nicht einmaldie eigene Telefonnum-mer, sie ist ja im Handy oder Computer gespei-chert. Verlieren wir dar-über die Fähigkeit, wich-tige Dinge immer paratzu haben?
Die Gefahr sehe ich nicht.Wir müssen eben selek-tieren, was wir abrufbereithaben wollen. Denn dasAuswendiglernen kostet jaauch Zeit.
Halten Sie es überhauptnoch für zeitgemäß?
Es gehört auf jeden Fall zum Lernendazu. So sollten Kinder das Einmal-eins auswendig lernen, um eine Vor-stellung vom Aufbau des Zahlen-raums entwickeln zu können. Undwer eine Sprache beherrschen will,muss Vokabeln pauken. Je sicherersie sitzen, umso einfacher der Abruf.Das kann jeder an sich selbst beob-achten, wenn er sich in einer Fremd-sprache unterhält. Muss ich ständignachsuchen, dann unterlaufen mirgarantiert mehr Grammatikfehler,als wenn mir die Wörter nur so auf die Zunge purzeln. Das Gehirn istdann zu sehr abgelenkt.
 Verbessert also stures Pauken dieHirnleistung?
Das auf keinen Fall. Das Perioden-system der chemischen Elementeauswendig zu lernen ist genausounsinnig, wie wenn ich mir zehnchinesische Vokabeln aus der Sani-tär- und Heizungstechnik merke.Ohne Anknüpfungspunkt zu einemkonkreten Sachverhalt vergesse ichden mühsam eingetrichterten Stoff ganz schnell wieder. Entscheidendist die richtige Mischung aus Aus-wendiglernen und Verstehen. WennKinder sich Gedichte oder Liedermerken, lernen sie dabei neue Re-dewendungen und erwerben sosprachliche Kompetenz. Weil sie zu-dem Liedtexte gerne verballhornen,gewinnen sie zusätzlich sprachlicheFlexibilität. Und sie lernen Lernstra-tegien kennen: So stellen sie fest, dasses nichts bringt, sich alle Zeilen auf einmal einbläuen zu wollen. Vielschneller geht es Zeile für Zeile, Stro-phe für Strophe. Sie lernen so, denLernstoff richtig zu portionieren.
Ist dies das Geheimnis erfolg-reichen Lernens?
Das Aufteilen des Lernstoffes in be-herrschbare Portionen ist elementar.Erwachsene neigen dazu, sich vielzu viel zuzumuten. Das produziertFrust. Sie müssen lernen, sich selbstzu belohnen und so die Motivationhoch zu halten. Das bedeutet, denStoff in kleine Häppchen aufzuteilenund sich mit den erreichten Zwi-schenzielen Kompetenzerlebnisse zuverschaffen.
 Welche Tipps können Sie noch ge-ben? 
Zu Beginn ist es wichtig, sich überdas Lernziel klar zu werden. Will ichnur etwas auswendig lernen, oderwill ich etwas verstehen? Will ich ei-ne Sprache richtig gut können, odergenügt es mir, im Urlaub Essen undTrinken bestellen zu können? Dashat ganz unterschiedliche Lernstrate-gien zur Folge. Im letzten Fall brau-che ich weder allzu viele Vokabelnzu büffeln noch die Feinheiten derGrammatik einzuüben. Möchte ichmich hingegen an beruflichen undgesellschaltlichen Diskussionen be-teiligen können, muss ich in der La-ge sein, mich differenziert auszudrü-cken. (…)
 Vielleicht entdeckt die Pharma-industrie aber einen Stoff, der dasLernen leichter macht.
Ich bin mir sicher, dass es solcheLernpillen nie geben wird. Werglaubt, wir könnten eines Tages imSchlaf lernen, der träumt. (…)
 Viele Studenten scheinen jedochan die Macht der Chemie zu glau-ben und schlucken vor PrüfungenMedikamente wie Ritalin, das ei-gentlich für Kinder mit Aufmerksamkeitsstö-rungen gedacht ist. Kannder Glaube Berge verset-zen?
Das wäre wohl die nahelie-gendste Erklärung. Dennes ist wissenschaftlichnicht erwiesen, dass einMedikament wie RitalinGesunden das Lernen er-leichtert. Es hilft Kindern,deren Gehirn eine gewisseAnomalie aufweist. DenAufmerksamkeits-Pushbeim Lernen oder bei derPrüfung kann ich mir ver-mutlich genau so gut miteiner Tasse Kaffee oderTee verschaffen. Und am bestennoch mit einem Schokoriegel oben-drauf.
Der Nobelpreistrager Eric Kandelentwickelt in seinem UnternehmenMemory Pharmaceuticals Lernpil-len für gesunde Menschen. Ist derMann ein Scharlatan?
Sigmund Freud hat sich mit Kokainvollgepumpt in der Hoffnung, da-mit seine Hirnleistung steigern zukönnen. Ich würde nicht auf solcheWundermittel warten, sondern ak-zeptieren, dass das Lernen eine an-spruchsvolle und mühsame Ange-legenheit ist und bleiben wird. Wirkönnen es geschickter anstellen alsbisher, aber wir werden uns auchweiterhin eine Menge Zeit dafürnehmen müssen.
susa.kuttr©wiw d
Lib Lsri ud Lsr,di Möglichkit dr
Hirnforschung
 sid i drzit vil diskutirts Thma– s auch i dr u MARKT-Ausgab,w Si i d ausgwählt Artikl u.a.Tipps zu Ghir- bzw. Gdächtistraiigfid.Witr Hauptthm sid i Frtstzugv MARKT 43 di• Fiazkris (S. 3-5)swi• Rhtrik ud Kmmuikati (S. 6-10)• Karrir (S. 11-15)• Arbitswlt (S. 16-18)Ud wi immr fid Si:
Worterklärungen
zu fast all Artikl,sib Fachbgriff wi „Arbitsvrtrag“,„eBIT“, „Midstlh“ im MARKTLexIKon (Hftmitt) swi Übugud Didaktisirug i MARKT onLIne(www.gth.d/markt). Mit d bst GrüßDr. Wrr Schmitz
„Nicht aufWundermittel warten“
Schnell gemerkt
Fünf Tipps der Jugend-Gedächtnis-Weltmeisterin Christiane Stenger
1.Visualisierung 
spielt in unseremDenken und bei unserem Erinnerneine große Rolle: Bilder bleiben bes-ser haften als abstrakte Daten undFakten. Versuchen Sie, sich Informa-tionen, die Sie sich einprägen möch-ten, bildlich vorzustellen.
2.
Wir erinnern uns leichter an In-formationen, wenn wir sie in einenbekannten
Kontext
stellen. OrdnenSie neue Informationen bereits vor-handenem Wissen zu. Stellen Sie Zu-sammenhänge her, die das Abrufender Erinnerung erleichtern.
3.
Noch besser erinnern wir uns anausgefallene, lustige oder emotions-behaftete Vorfälle. Denken Sie sich
eine kleine Geschichte
aus, in deralle Informationen vorkommen, dieSie behalten möchten. Je verrück-ter die Geschichte ist, desto leichterprägt sie sich ein. Zugleich schulenSie auf diese Weise Ihre Kreativitätund Fantasie. Hier ein Beispiel für ei-ne Geschichte, mit der sich eine Ein-kaufsliste merken lässt: Zwei Wasser-flaschen werfen mit Tomaten nacheiner Küchenrolle, die sich schnellhinter einer Tüte Mehl versteckt.Diese kippt durch den Aufprall umund fällt in die Kartoffeln, die nunaussehen, als hätte es geschneit.
4.
Auch Zahlen behält unser Gehirnbesser, wenn ihnen
Bilder
zugeord-net werden. Die Null könnte ein Eisein, die Eins eine Kerze, die Zwei einFahrrad, die Fünf eine Hand, die Sie-ben die sieben Zwerge und so weiter.Wollten Sie sich also zum Beispielden PIN-Code 7201 merken wol-len, stellen Sie sich die sieben Zwergevor, die auf einem Fahrrad fahrenund dabei ein Ei auf einer Kerze ba-lancieren.
5.
Das Merken von
Namen und Ge-sichtern
setzt höchste Aufmerksam-keit im Moment des Kennenlernensvoraus. Assoziieren Sie Bilder mitdem Namen – etwa Franz Eckert.Franz klingt ähnlich wie fransig. Undbei Eckert könnte Ihnen die Ecke inden Sinn kommen. Dann suchen Sienach einem markanten Merkmal imGesicht des Gegenübers. Vielleichthat Herr Eckert Geheimratsecken.Nun verknüpfen Sie alle Erinnerungs-stützen zu einem Bild: Stellen Sie sichvor, dass Herrn Eckerts Haare fransigin seine Geheimratsecken fallen. Umspäter die Namen auf Visitenkartenmit einem Gesicht in Verbindungzu bringen, hilft es, direkt nach demKennenlernen Stichpunkte zum Aus-sehen auf der Karte zu notieren.
   W   i  r   t  s  c   h  a   f   t  s  w  o  c   h   ,   2   9 .   9 .   2   0   0   8
Elsbeth Stern
, 50, leitetefast zehn Jahre eine Gruppeam renommierten BerlinerMax-Planck-Institut für Bil-dungsforschung. Seit Ende2006 lehrt die Professorinfür Kognitionsforschung amInstitut für Verhaltenswissen-schaften der ETH Zurich.
 
Ausgabe 44
Management
Groschen
10-Pfennig-Münze
das Pfeifen im Walde
(= Redewendung:) sich Mut machendurch laute Melodien 
Chartanalyse
Technik zur Vorhersage zukünftiger Börsenkurse anhand historischer Kursent-wicklungen (z. B. Trends)
Dow Jones
Index zur Messung des US-amerikanischen Aktienmarktes
Dax 
Deutscher Aktienindex (Durchschnittskursvon 30 wichtigen deutschen Aktien)
Euro Stoxx 
 Aktienindex, der die 50 größten euro- päischen Unternehmen der Eurozonebeinhaltet 
 säumig
(zu) spät, verspätet 
 Was ist eigentlich passiert?
Der Ursprung der Finanzkrise liegtgut acht Jahre zurück. Sie beginntmit den US-Immobilien. Seit demJahrtausendwechsel kauften vieleAmerikaner Häuser, die sie sichnicht leisten konnten. Sie bezahlensie mit Krediten, die niedrige Zin-sen haben – aber nicht fix sind. DieKäufer ignorieren, dass sie keinenersparten Groschen miteinbringen.Denn sie hoffen, dass der Wert ih-rer Immobilie steigt und sie spätermit einem Schlag den Kredit zurück-zahlen können, wenn sie das Hausverkaufen.Und erst geht alles gut. Über-all wird gekauft, die Preise steigen,der Wert der Häuser auch. Weil dasHaus immer wertvoller wird, leihtsich mancher mit dieser Sicherheitnoch zusätzlich Geld für Auto, Fern-seher, zweites Auto und dritten Fern-seher.Solange der Wert der Immobili-en steigt und die Zinsen stabil blei-ben, entwickelt sich dieser Kreislauf ungehindert weiter. Das ist der so-genannte Subprime-Markt. Früherwar das nur ein kleiner Bereich derImmobilienfinanzierung, dann ver-vielfachte er sein Volumen binnenweniger Jahre.
Die Weltbank rechnet mit einem Verlust von etwa einer Billion Dol-lar durch die Finanzkrise, alleindie Banken haben bisher 344 Mil-liarden Dollar Verluste zugegeben. Wo ist das Geld geblieben?
Teilweise in den Taschen der Hand-werker, die die Häuser bauten, teil-weise in denen der Banker, die mitProvisionen und Weiterverkaufenvon Krediten Geld verdienten. Zumguten Teil ist es aber einfach weg.Deutsche Normalbürger merken daszum Beispiel, wenn ihre Lebensversi-cherung ihnen schreibt, dass sie sichzum Ablauf der Police doch nichtüber so viel Geld freuen dürfen, wienoch vor Jahren vorhergesagt.
Ist die Finanzkrise nun überstan-den?
Ist man Pessimist, dann hört manauf Worte wie die des Chefs Kredit-analyse von Uni-Credit, Jochen Fel-senheimer. Er geht davon aus, dasses einen weiteren Schlag geben wird,der die Banken in aller Welt belastet.Hält man es eher mit den Op-timisten, dann orientiert man sicham Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, der glaubt, dass derMarkt zwar labil, aber das Schlimms-te überstanden sei.Ob Sie das für Pfeifen im Waldehalten oder nicht, hängt auch ganzvon Ihnen persönlich ab. Expertenin aller Welt schmücken ihre Aussa-gen gerne mit vielen Konjunktivenund sichern ihre Vorhersagen so gutab, wie Banken vorher ihre Risikenhätten absichern sollen. Selbst wenndie Krise für die Banken schon na-hezu Geschichte ist, bekommen vieleMenschen die Folgen noch zu spü-ren. Nur am Benzinpreis – an demist die Finanzkrise ausnahmsweisenicht schuld.
Gewarnt wurde vor der Immobili-enblase seit Jahren. Warum hörtekeiner auf die Signale?
Richtig ist, dass die Immobilienblasevorhergesagt wurde. Noch richtigerist, dass viele Investoren Warnungenin den Wind schlagen, wenn es dar-um geht, noch schnell mit auf einenscheinbar noch fahrenden Zug auf-zuspringen – auch wenn der ins Ab-stellgleis rast. Und für viele Beteiligtegab es auch lange nach den erstenWarnungen noch viel zu verdienen.Wieder andere hatten einfach keineAhnung, dass sie auch mit KreditenGeld verdienen wollten, die sie beigenauerer Prüfung nie gekauft hät-ten. (…)
 Warum konnten die Chartanalys-ten das nicht vorhersehen?
Konnten sie. Haben sie. Aber auchnicht früher als Analysten, die mitanderen Methoden die Signale ei-ner Katastrophe sahen. Und danachhandeln muss man schon nochselbst – als Bankmanager wie alsPrivatanleger. Der S&P Home-buil-ders-Index, der die US-Hausfinan-zierer, Hausbauer und deren Umfeldwiedergibt, zeigte aus der Sicht derklassischen Chartanalyse schon imFrühjahr 2006 eindeutige Signale:Es gibt Ärger. Im Juni 2007 wurdendie Signale stärker. Die pessimisti-sche Aussage zackiger Kurvendeu-ter: Das wird auch langfristig nichtsmehr. Erst Anfang 2008 trottete derallgemeine Markt (etwa Dow Jones,Dax oder Euro Stoxx) hinterher. Dawar es nur für viele Anleger schonzu spät.
 Was macht jemand wie der US-Milliardär Warren Buffett in die-ser Situation?
Das Gleiche wie vorher: Anteile vonUnternehmen kaufen, von denen erversteht, was die tun. (…)
 Woran erkenne ich die nächsteBlase?
Lesen Sie genau (auch in der Wirt-schafts-Woche). Bei den fantas-tischen Geschichten ums Geldver-dienen, die sich etwa um Rohstoffe,Gold oder Asien-Aktien drehen, sindeinige Fragen unbeantwortet. Vor-sicht ist also immer geboten, wennSie irgendwo hören, das sei geradedas total heiße Investment. Swing-sänger Roger Cicero bringt es auf den Punkt: „Gute Freunde gebenTipps / Noch bessere Freunde sagennix.“ (…)
 Wie erkenne ich, dass mein Hy-pothekenkredit von meiner Bank  verkauft wurde?
Es gehört zum Alltag einer Bank,dass sie ihre Kreditforderungen, diesie an einen Schuldner hat, an eineandere Bank verkauft – soll die dochsehen, wie sie das Geld zurückbe-kommt. Verkauft werden zunächsteinmal die Kredite von säumigenZahlern. Laut der Arbeitsgemein-schaft Bau- und Immobilienrechtim Deutschen Anwaltsverein müs-sen sich aber immer haufiger auchordentliche Zahler damit abfinden,dass sie an jemand anderes die Ratenzurückzahlen als der Bank, mit dersie den Vertrag abgeschlossen haben.Der neue Gläubiger kann auch imAusland sitzen. Wer nicht bei Unter-zeichnung seines Kreditvertrages soeine Abtretung ausgeschlossen hat,kann das nicht verhindern. Das Bun-desministerium der Justiz plant eineRegelung, die zur Folge hätte, dassKunden vor Abschluss ausdrücklichdarauf hingewiesen werden müssen.Für alle, die schon einen Kreditver-trag haben, kommt das zu spät. ObIhr Vertrag verkauft werden kann,steht drin – oder Sie rufen an undlassen es sich schriftlich geben.
Die Notenbanken haben die Ban-ken mit mehreren Milliarden Dol-lar unterstützt. Wie holen die sichihr Geld zurück?
Auch wenn es oft so klingt, als seiendas Barspenden: Gemeint ist, dassdie Notenbanken den Privatbankenunverschämt günstige Kredite ge-währt haben, damit diese ihr Ge-schäft weiterlaufen lassen können.Die Bank verschenkt also kein Geld– sie verleiht nur günstig. Dadurchgeht ihr Gewinn verloren, der verlo-rene Gewinn geht dem Staat verlo-ren. Der kann weniger mit den ge-ringeren Gewinnen anstellen; auchdiese Rechnung landet beim Steuer-zahler.
Fiazkris
Das Lexikon der Finanzkrise
Wo ist das Geld geblieben? Warum hat niemand die warnenden Signale gehört?Und wieso heißen faule Kredite Subprime?
Einfache Fragen und ihre Antworten.
Das Glossar der Finanzkrise
Die wichtigsten Begriffe, die Sie kennen sollten.
 AAA/Aaa 
 Die höchste Adelung unter den(–>) Ratings, die Ratingagenturenwie Standard & Poor’s, Fitch undMoody’s für die Kreditwürdigkeitvon Unternehmen vergeben können,aber auch für Kreditpakete. Der Ruf dieser privat geführten Agenturen ist jedoch spätestens seit der Skandal-pleite des US-Energieriesen EnronEnde 2001 angeknackst – kurz zuvorbescheinigte Standard & Poor’s nochdie beste Zahlungsfähigkeit.
 Abschreibung 
Wenn keiner mehr in der Bankglaubt, je sein Geld wiederzusehen,dann machen die Buchhalter einenHaken hinter Summe X in der Bi-lanz und sagen: abgeschrieben. WennSie sich privat damit abgefundenhaben, für lhren Gebrauchten statt15 000 Euro nur noch 10 000 Eurobekommen zu haben, dann schrei-ben Sie 5000 Euro ab. Wenn Sie diefür den Neuwagen verplant hatten,dann fällt der nun eine Nummerkleiner aus. Eine Nummer größerfallen die Abschreibungen der Ban-ken aus: Allein die Citigroup schriebmindestens 40 Milliarden Dollar ab.Etwas anderes ist die Wertberichti-gung.
 Asset Backed Securities (ABS)
Was macht eine Bank, wenn sie nichtauf Risiken aus Krediten sitzen blei-ben will? Sie verkauft die Kredite,also die Schulden, die Menschen beiihr haben. Sie bündelt sie in Wert-papieren, genannt Securities. Abge-sichert, sprich ,,backed“, sind diesedurch die Forderungen, die „As-sets“, also die Rückzahlungen derKreditnehmer. Gebündelt werdenkönnen zum Beispiel ganz norma-le Verbraucherkredite. Sind es Kre-dite für Häuser, heißen die BündelMortgage Backed Securities (MBS).Zahlen alle Schuldner ihre Schuldenzurück, läuft alles rund, genau dasaber konnten viele Hausbesitzer inden USA nicht mehr. Einmal ver-kauft, verschwinden diese gesammel-ten Kredite aus der Bilanz, und allesscheint wieder gut – für die Bank, dieden Schrott los ist. Zugegriffen haben(–>) Hedgefonds, Finanzinvestorenoder andere Banken, die dachten, siehätten ein gutes Geschäft gemacht.(…)
Geldmarkt
Geld kaufen, wie auf einem Markt,klingt zunächst paradox. Der Geld-markt ist auch eher ein Basar, auf dem sich Banken gegenseitig Geldleihen. Weil sich wegen der faulenHäuserkredite die Banken gegensei-tig misstrauten, konnten einige ihrenVerpflichtungen nicht mehr nach-kommen. Mit billigen Krediten inHöhe von mehreren Hundert Mil-liarden Euro halfen die staatlich fi-nanzierten Notenbanken aus, denenmit diesen Billigkrediten Gewinneentgehen. Den Staat wiederum fi-nanzieren Sie als Steuerzahler. Siezahlen also für den Schaden.
Hedgefonds
Sie sammeln das Geld privater In-vestoren ein und leihen sich zusätz-lich welches bei Banken, um ihrenGeschäften nachzugehen. ,,Hedgen“bedeutet eigentlich absichern. Zielwar es ursprünglich, Risiken abzu-sichern. Die rund 9000 Hedgefondsweltweit kaufen jedoch vor allemWertpapiere, Aktien, und auchCDOs. Sie können aber auch mitRindfleisch oder Devisen aus touris-tisch unerschlossenen Ländern spe-kulieren. Internationale Hedgefondsunterliegen keinen Richtlinien. Inder Tat handeln sie hochriskant (we-gen der vielleicht hübschen Rendite),in Deutschland waren sie bis Anfang2004 verboten, heute ziert die Pro-spekte von Dach-Hedgefonds derHinweis: „Der Bundesminister derFinanzen warnt: Bei diesen Invest-mentfonds müssen Anleger bereitund in der Lage sein, Verluste deseingesetzten Kapitals bis hin zumTotalverlust hinzunehmen.“
Rating 
Agenturen wie Standard & Poor’s,Fitch und Moody’s bewerten miteinem Rating die Bonität von Un-ternehmen und die Qualität ihrerSchuldpapiere. Die Arbeit von Ra-tingagenturen bewertet niemand.(…)
   t   h  o  r  s   t    n .   f   i  r   l  u  s   @  w   i  w  o .   d   ,   W   i  r   t  s  c   h  a   f   t  w  o  c   h   ,   2   6 .   5 .   2   0   0   8

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