Management
Editorial
Ausgabe 44
Seite 1
den Geist aufgeben
(ugs.)kaputt gehen
ausflippen
(ugs.)die Kontrolle, Selbstbeherrschung verlieren
kleine graue Zellen
(ugs.)Gehirn
knobeln
rätseln
Grips
(ugs.)Verstand, Gehirn
quasi
sozusagen
packend
spannend Seite 2
wie warme Semmeln
(ugs.) sehr gut, außergewöhnlich gut
Augenwischerei
(Selbst-) Täuschung
ETH
Eidgenössische Technische Hochschule
Handy
Mobiltelefon
pauken
(ugs.)intensiv lernen
purzeln
fallen
eintrichtern
(ugs.; hier:)lernen
verballhornen
verfremden
einbläuen
(ugs.; hier:)einprägen, lernen
büffeln
(ugs.)lernen
Push
Anstoß, Stoß
vollpumpen
vollstopfen
Geheimratsecken
(ugs.)(bei Männern:) Lücken im Haaransatz rechts und links der Stirn
Frau Stern, sogenannte Hirnjog-ging-Programme verkaufen sichderzeit wie warme Semmeln. Istdas Geld gut angelegt?
Das hängt vom Anspruch ab. Umsich geistig in Schwung zu halten,sind die Spiele eine gute Grundlage.Sie können vor Langeweile bewahrenund vermitteln Kompetenzerleben.Noch viel herausfordernder für un-ser Gehirn ist aber, sich in ganz neuekomplexe und interessante Gebieteeinzuarbeiten. Was dem Gehirn da-bei abgefordert wird, können Hirn- jogging-Programme nicht ersetzen.
Was passiert beim Hirnjogging ei-gentlich?
Wer regelmäßig mit den Program-men arbeitet, merkt, dass er täglichschneller und besser wird, denn manübt ja laufend dieselben Sachen.Das verschafft eine Befriedigung,die manchen richtig süchtig werdenlässt. Der gleiche Effekt stellt sich beivielen Computerspielen ein.
Verbessert sich so auch die Gehirn-leistung, wie die Erfinder des Hirn- joggings behaupten?
Nur in Maßen, denn das Gehirnist eben kein Muskel, den man mitAufbautraining generell fit machenkann. Es ist darauf ausgelegt, ganzspezifische Informationen aufzuneh-men und zu verarbeiten: Wenn wirMathematik lernen, lernen wir Ma-thematik und nichts anderes. Undwenn wir Hirnjogging machen, dannwerden wir besser im Gehirnjogging-spielen, nicht mehr und nicht weni-ger. Aus meiner Sicht ist es Augen-wischerei zu glauben, dass man nachein paar Wochen Gripsgymnastik,Vokabeln, Formeln oder neue fach-lich-berufliche Inhalte leichter lerntals zuvor.
Gilt diese Einschätzung auch fürProgramme zum Üben von Eng-lisch oder Mathematik?
Das ist für mich mehr als reines Ge-hirnjogging, denn sie vermitteln sehrspezifisches Wissen. Wenn ich mirdas auf amüsante und unterhaltsameWeise aneignen kann, umso besser.Wer so ein Programm einsetzt, umbeim Warten an der BushaltestelleVokabeln zu lernen, nutzt die Zeitsinnvoll. Wenn Kinder, die sonstschreiend vor Rechenaufgaben da-vonlaufen, Spaß an Zahlenspielenam Computer haben, kann auchdas eine Moglichkeit sein, sie an dieMathematik heranzufüh-ren.
Viele Menschen merkensich heute nicht einmaldie eigene Telefonnum-mer, sie ist ja im Handy oder Computer gespei-chert. Verlieren wir dar-über die Fähigkeit, wich-tige Dinge immer paratzu haben?
Die Gefahr sehe ich nicht.Wir müssen eben selek-tieren, was wir abrufbereithaben wollen. Denn dasAuswendiglernen kostet jaauch Zeit.
Halten Sie es überhauptnoch für zeitgemäß?
Es gehört auf jeden Fall zum Lernendazu. So sollten Kinder das Einmal-eins auswendig lernen, um eine Vor-stellung vom Aufbau des Zahlen-raums entwickeln zu können. Undwer eine Sprache beherrschen will,muss Vokabeln pauken. Je sicherersie sitzen, umso einfacher der Abruf.Das kann jeder an sich selbst beob-achten, wenn er sich in einer Fremd-sprache unterhält. Muss ich ständignachsuchen, dann unterlaufen mirgarantiert mehr Grammatikfehler,als wenn mir die Wörter nur so auf die Zunge purzeln. Das Gehirn istdann zu sehr abgelenkt.
Verbessert also stures Pauken dieHirnleistung?
Das auf keinen Fall. Das Perioden-system der chemischen Elementeauswendig zu lernen ist genausounsinnig, wie wenn ich mir zehnchinesische Vokabeln aus der Sani-tär- und Heizungstechnik merke.Ohne Anknüpfungspunkt zu einemkonkreten Sachverhalt vergesse ichden mühsam eingetrichterten Stoff ganz schnell wieder. Entscheidendist die richtige Mischung aus Aus-wendiglernen und Verstehen. WennKinder sich Gedichte oder Liedermerken, lernen sie dabei neue Re-dewendungen und erwerben sosprachliche Kompetenz. Weil sie zu-dem Liedtexte gerne verballhornen,gewinnen sie zusätzlich sprachlicheFlexibilität. Und sie lernen Lernstra-tegien kennen: So stellen sie fest, dasses nichts bringt, sich alle Zeilen auf einmal einbläuen zu wollen. Vielschneller geht es Zeile für Zeile, Stro-phe für Strophe. Sie lernen so, denLernstoff richtig zu portionieren.
Ist dies das Geheimnis erfolg-reichen Lernens?
Das Aufteilen des Lernstoffes in be-herrschbare Portionen ist elementar.Erwachsene neigen dazu, sich vielzu viel zuzumuten. Das produziertFrust. Sie müssen lernen, sich selbstzu belohnen und so die Motivationhoch zu halten. Das bedeutet, denStoff in kleine Häppchen aufzuteilenund sich mit den erreichten Zwi-schenzielen Kompetenzerlebnisse zuverschaffen.
Welche Tipps können Sie noch ge-ben?
Zu Beginn ist es wichtig, sich überdas Lernziel klar zu werden. Will ichnur etwas auswendig lernen, oderwill ich etwas verstehen? Will ich ei-ne Sprache richtig gut können, odergenügt es mir, im Urlaub Essen undTrinken bestellen zu können? Dashat ganz unterschiedliche Lernstrate-gien zur Folge. Im letzten Fall brau-che ich weder allzu viele Vokabelnzu büffeln noch die Feinheiten derGrammatik einzuüben. Möchte ichmich hingegen an beruflichen undgesellschaltlichen Diskussionen be-teiligen können, muss ich in der La-ge sein, mich differenziert auszudrü-cken. (…)
Vielleicht entdeckt die Pharma-industrie aber einen Stoff, der dasLernen leichter macht.
Ich bin mir sicher, dass es solcheLernpillen nie geben wird. Werglaubt, wir könnten eines Tages imSchlaf lernen, der träumt. (…)
Viele Studenten scheinen jedochan die Macht der Chemie zu glau-ben und schlucken vor PrüfungenMedikamente wie Ritalin, das ei-gentlich für Kinder mit Aufmerksamkeitsstö-rungen gedacht ist. Kannder Glaube Berge verset-zen?
Das wäre wohl die nahelie-gendste Erklärung. Dennes ist wissenschaftlichnicht erwiesen, dass einMedikament wie RitalinGesunden das Lernen er-leichtert. Es hilft Kindern,deren Gehirn eine gewisseAnomalie aufweist. DenAufmerksamkeits-Pushbeim Lernen oder bei derPrüfung kann ich mir ver-mutlich genau so gut miteiner Tasse Kaffee oderTee verschaffen. Und am bestennoch mit einem Schokoriegel oben-drauf.
Der Nobelpreistrager Eric Kandelentwickelt in seinem UnternehmenMemory Pharmaceuticals Lernpil-len für gesunde Menschen. Ist derMann ein Scharlatan?
Sigmund Freud hat sich mit Kokainvollgepumpt in der Hoffnung, da-mit seine Hirnleistung steigern zukönnen. Ich würde nicht auf solcheWundermittel warten, sondern ak-zeptieren, dass das Lernen eine an-spruchsvolle und mühsame Ange-legenheit ist und bleiben wird. Wirkönnen es geschickter anstellen alsbisher, aber wir werden uns auchweiterhin eine Menge Zeit dafürnehmen müssen.
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Hirnforschung
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Worterklärungen
zu fast all Artikl,sib Fachbgriff wi „Arbitsvrtrag“,„eBIT“, „Midstlh“ im MARKTLexIKon (Hftmitt) swi Übugud Didaktisirug i MARKT onLIne(www.gth.d/markt). Mit d bst GrüßDr. Wrr Schmitz
„Nicht aufWundermittel warten“
Schnell gemerkt
Fünf Tipps der Jugend-Gedächtnis-Weltmeisterin Christiane Stenger
1.Visualisierung
spielt in unseremDenken und bei unserem Erinnerneine große Rolle: Bilder bleiben bes-ser haften als abstrakte Daten undFakten. Versuchen Sie, sich Informa-tionen, die Sie sich einprägen möch-ten, bildlich vorzustellen.
2.
Wir erinnern uns leichter an In-formationen, wenn wir sie in einenbekannten
Kontext
stellen. OrdnenSie neue Informationen bereits vor-handenem Wissen zu. Stellen Sie Zu-sammenhänge her, die das Abrufender Erinnerung erleichtern.
3.
Noch besser erinnern wir uns anausgefallene, lustige oder emotions-behaftete Vorfälle. Denken Sie sich
eine kleine Geschichte
aus, in deralle Informationen vorkommen, dieSie behalten möchten. Je verrück-ter die Geschichte ist, desto leichterprägt sie sich ein. Zugleich schulenSie auf diese Weise Ihre Kreativitätund Fantasie. Hier ein Beispiel für ei-ne Geschichte, mit der sich eine Ein-kaufsliste merken lässt: Zwei Wasser-flaschen werfen mit Tomaten nacheiner Küchenrolle, die sich schnellhinter einer Tüte Mehl versteckt.Diese kippt durch den Aufprall umund fällt in die Kartoffeln, die nunaussehen, als hätte es geschneit.
4.
Auch Zahlen behält unser Gehirnbesser, wenn ihnen
Bilder
zugeord-net werden. Die Null könnte ein Eisein, die Eins eine Kerze, die Zwei einFahrrad, die Fünf eine Hand, die Sie-ben die sieben Zwerge und so weiter.Wollten Sie sich also zum Beispielden PIN-Code 7201 merken wol-len, stellen Sie sich die sieben Zwergevor, die auf einem Fahrrad fahrenund dabei ein Ei auf einer Kerze ba-lancieren.
5.
Das Merken von
Namen und Ge-sichtern
setzt höchste Aufmerksam-keit im Moment des Kennenlernensvoraus. Assoziieren Sie Bilder mitdem Namen – etwa Franz Eckert.Franz klingt ähnlich wie fransig. Undbei Eckert könnte Ihnen die Ecke inden Sinn kommen. Dann suchen Sienach einem markanten Merkmal imGesicht des Gegenübers. Vielleichthat Herr Eckert Geheimratsecken.Nun verknüpfen Sie alle Erinnerungs-stützen zu einem Bild: Stellen Sie sichvor, dass Herrn Eckerts Haare fransigin seine Geheimratsecken fallen. Umspäter die Namen auf Visitenkartenmit einem Gesicht in Verbindungzu bringen, hilft es, direkt nach demKennenlernen Stichpunkte zum Aus-sehen auf der Karte zu notieren.
W i r t s c h a f t s w o c h , 2 9 . 9 . 2 0 0 8
Elsbeth Stern
, 50, leitetefast zehn Jahre eine Gruppeam renommierten BerlinerMax-Planck-Institut für Bil-dungsforschung. Seit Ende2006 lehrt die Professorinfür Kognitionsforschung amInstitut für Verhaltenswissen-schaften der ETH Zurich.
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