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Rede im Bundestag
Fraktionsvorsitzende (Kauder)Meine sehr verehrten Damen und Herren,Als Vorsitzende der CDU-Fraktion nehme ich gerne zu dem hier eingebrachtenGesetzesentwurf Stellung. Man sollte meinen, dass die Fraktion der CDU den von der eigenenPartei eingebrachten Entwurf gut findet. Das ist aber nur zum Teil so, nämlich da, wo sichoffensichtlich unsere Partei durchgesetzt hat. Insgesamt gibt es aber doch zu vieleMaßnahmen, die die Handschrift der SPD tragen. Hier wird oft nicht die eigentliche Ursache bekämpf, sondern die Symptome. Mir kommt es bei manchen Punkten so vor, als sei ich indem typischen sozialdemokratischen Kosmetiksalon gelandet, wo man nur ein Pflaster auf dieWunde klebt ohne sich weitere Gedanken zu machen, anstatt einmal zu einem richtigen Arztzu gehen!Aber zunächst einmal zu den guten Vorschlägen:Wir unterstützen ausdrücklich den vom Kollegen Jung gemachten Vorschlag, dieAuslandseinsätze der Bundeswehr auf ein Minimum zu beschränken und eher auf zivilenWiederaufbau zu setzen. Dies hat auch in unserer eigenen Geschichte Erfolg gebracht.Eigentlich wäre es an der Zeit mal darüber nachzudenken, ob jedes EU-Land eine eigeneArmee braucht. Günstiger und im Sinne des zusammenwachsenden Europa wäre sicherlicheine gemeinsame europäische Armee.Auch ist natürlich der Abbau von Bürokratie zu befürworten. Aber wir müssen dabei auch auf die Bürger schauen nicht nur auf die Behörden. Wie vielen Bürgerinnen und Bürger verbringen einen großen Teil ihrer Zeit damit, zu Behörden zu laufen und Formulareauszufüllen.Die Menschen müssen wieder mehr Zeit haben, wichtig Arbeit zu tun oder einfach malauszuruhen. Die Steuererklärung kann man mittlerweile nur noch mit einem Fachmannzusammen machen. Der Berg an Steuergesetzen, Ausnahmeregelungen etc. ist fast so großwie der Schuldenberg. Kein Land der Welt hat eine so komplizierte Steuerregelung.Ärzte verbringen einen Großteil ihres Arbeitslebens damit, irgendwelche Berichte zuschreiben und Formulare für Krankenkassen auszufüllen. Kein Wunder, dass die Kosten imGesundheitssystem explodieren.Schauen wir uns doch einmal die Bildungspolitik an. Jedes Bundesland kocht hier z.B. beizentralen Prüfungen seine eigene Bürokratensuppe. Es ist einfacher für einen Schüler, inChina sein Abitur zu vollenden als in einem anderen Bundesland.Und was das Argument der verlorenen Arbeitsplätze angeht sage ich Ihnen, wir können auchdie Leute dafür bezahlen, dass sie die vorbei fliegenden Vögel am Himmel zählen.Unser Land und unsere Gesellschaft bringt das nicht weiter.Und nun zum Dauerbrenner Alkohol und Tabaksteuer: Natürlich freuen auch wir von der CDU uns über jeden gesunden Bürger, der nicht diesen Lastern verfallen ist. Man sollte auchdie Werbung für solche Dinge verbieten und Jugendliche dürfen keinen Schnaps undZigaretten kaufen können. Aber eigentlich ist die Debatte doch verlogen. Wenn dieBürgerinnen und Bürger süchtiger werden, dann verdient der Staat auch mehr. Sollen wir unsalso über einen höheren Tabakkonsum freuen? Nein, meine Damen und Herren, es mussendlich Schluss sein mit dieser Steuer.Die Bürgerinnen und Bürger wissen selber, was sie tun sollen. Zucker ist auch sehr schädlich.Wollen wir also demnächst auch noch eine Gummibärchensteuer erheben, Frau Schmidt?Meine Damen und Herren, sie sehen, wir basteln hier an Symptomen herum. Die Vorschlägegehen nicht weit genug.
 
Zum Beispiel die Forderung, die Diäten nicht mehr zu erhöhen. Wen hier im Bundestag regtdas den wirklich auf. Nein, wir sollten die Diäten an die Neuverschuldung koppeln. Solltewieder einmal die Neuverschuldung um 4% steigen, so sollte dies uns Abgeordneten von denDiäten abziehen. So etwas nennt man leistungsorientierte Bezahlung. Sie lachen meineDamen und Herren. Ich werde ab sofort mit gutem Beispiel vorangehen. Sollte ich jemalswieder einem Haushalt zustimmen, der eine Neuverschuldung vorsieht, so werde ich denentsprechenden Teil von meinen Diäten an eine wohltätige Organisation spenden.Aber die ganzen Punkte, die ich bisher besprochen habe sind unwichtig im Gegensatz zu demwas ich jetzt sagen werde: Die Neuverschuldung bereits im nächsten Haushalt also jetzt undsofort auf Null gebracht werden.Der Beschluss, erst ab 2015 die Neuverschuldung auf Null zu fahren ist so, als würde mansich ein Zettel an den Spiegel hängen: „Ab morgen wird gespart“ und sich jeden morgen beimZähneputzen darüber freuen, dass man erst ab dem nächsten Tag sparen muss.Meine Damen und Herren, seien wir doch ehrlich, mit diesem Beschluss ab 2015 haben wir alle hier kein Problem mehr, weil wir längst in Ruhestand sind. Wir sollen also heute beschließen, dass die schlechte Suppe, die wir bis jetzt und in den nächsten Jahren kochen,von anderen wieder ausgelöffelt werden müssen, nämlich der jungen Generation. Das istfeige. Jeder, der ein bisschen Gerechtigkeitssinn besitzt, sollte sich darüber im Klaren sein,dass es unfair ist, eine Schuldenfete auf Kosten der nachfolgenden Generation zu feiern.Meine Damen und Herren, schuldentechnisch fahren wir auf eine Wand zu, von der wir nichtgenau wissen, wo sie steht. Je länger wir auf sie zufahren, desto wahrscheinlicher ist, dass wir an ihr kaputt gehen. Wenn wir verantwortungsbewusst handeln wollen, so ist es jetzt an der Zeit, die Schulden sofort zu bremsen. Natürlich höre ich schon die selbsternannten Wirtschaftsexperten der Opposition sagen, dasswir in der jetzigen Jahrhundertkrise neue Schulden zum Anfeuern der Konjunktur aufnehmenmüssen. Hier sei einmal eine einfache Frage gestellt. Die Krise ist, wie wir alle wissen, durcheine exzessive Verschuldung entstanden. Die amerikanischen Immobilienbesitzer haben zuhohe Schulden. Die Firmen haben zu hohe Schulden. Die Banken haben zu hohe Schulden.Die Staaten haben zu hohe Schulden. Glauben Sie wirklich, dass unser Staat noch durchKonjunkturpakete, Bankenrettung und so weiter, also durch weitere Erhöhung der Schuldendie Krise bekämpfen kann?. Das wäre doch so, als würde man Brandbeschleuniger nutzen,um einen Flächenbrand zu löschen.Schauen Sie sich doch mal hier in Bonn zum Beispiel um. Welche Firma steht seitJahrzehnten glanzvoll da? Nein, es ist nicht die Telekom mit ihrem Schuldenberg, es ist dieFirma Haribo, die nach Auskunft des Besitzers keine Schulden hat und Zukäufe direkt aus der Firmenkasse zahlt. An einem solchen Handeln müssen wir uns auch auf Ebene des Bundes,der Länder und der Kommunen orientieren.Auch Steuererhöhungen sind keine Lösung. Wie neue Untersuchungen zeigen, istDeutschland hinter Belgien das Land mit den höchsten Abgaben. Vor allem die kleinerenLeute werden sehr stark belastet. Ist das noch gerecht?Die Frau Bundeskanzlerin hat zu Recht unsere Demokratie gelobt. Sie hat auf die Erfolge inden 60 Jahren hingewiesen. Die Demokratie ist aber, wie die PräsidentschaftskandidatinSchwan betont durch soziale Unruhen bedroht, wenn wir das Schuldenproblem nicht in denGriff kriegen.Frau Merkel, Sie sagten eben: „Zaudern und Zögern ist hier fehl am Platze“. Recht haben Sie.Lassen Sie uns sofort anfangen mit unseren Steuereinnahmen auszukommen. Nicht 2015 oder 2014. Heute und sofort. Lassen Sie uns direkt zur Tat schreiten und nicht mitsozialdemokratischer Kosmetik, sondern mit christdemokratischer Gründlichkeit.Lasst uns direkt handeln, lasst unsere Enkel einmal sagen: an diesem 60sten Jahrestag der Republik wurde damals die entscheidende Wende vollzogen nach Jahrzehnten fehlgeleiteter Schuldenpolitik, die das Land fast zu Grunde gerichtet hätte.
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