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Deutsches Institutfür WirtschaftsforschungWirtschaft Politik Wissenschaftwww.diw.de
Wochenbericht
Nr. 25/200976. Jahrgang17. Juni 2009
Prognosen aus dem Internet:Weitere Erholung am Arbeitsmarkt erwartet 
Nach dem dramatischen Einbruch der Wirtschaft sank im Mai völlig überraschenddie Arbeitslosigkeit. Alle bisherigen Prognose-Modelle versagten. Aber bei Googleliegen ungenutzte Datenschätze, die nur gehoben werden müssen. Auf Basis einerAnalyse der Suchanfragen zu den Themen Arbeitsagentur, Jobsuche und Kurzarbeitgelingt eine brauchbare Vorhersage der Arbeitslosigkeit für einen Monat voraus.
 Von Nikos Askitas und Klaus F. Zimmermann
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402
„Bei Google liegen Datenschätze –auch für die Wissenschaft“
Acht Fragen an Klaus F. Zimmermann
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403Vollzeitbeschäftigte wollen kürzere,Teilzeitbeschäftigte längere Arbeitszeiten
Der deutliche Anstieg der Erwerbstätigkeit in den letzten Jahren war getragen vonder zunehmenden Erwerbstätigkeit der Frauen. Allerdings sank ihre durchschnitt-
liche Wochenarbeitszeit, weil sie häug in Teilzeit beschäftigt werden. Vor allem
in Ostdeutschland wollen Frauen länger arbeiten. Erwerbstätige, die mehr als 40Stunden pro Woche arbeiten, würden dagegen gern weniger arbeiten.
 Von Elke Holst 
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409DIW-Konjunkturbarometer Juni 2009
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419In Wachstum investieren –unabhängig von der Staatsquote
Kommentar von Tilman Brück 
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420
 
Wochenbericht des
DIW
Berlin Nr. 25/2009
402
 Prognosen aus dem Internet: WeitereErholung am Arbeitsmarkt erwartet
Überraschend ist im Mai die Arbeitslosigkeit ge-fallen. Diese positive Entwicklung wird sich im Juni zunächst fortsetzen. Diese Einschätzungbasiert auf einem neuen methodischen Konzept,das Google-Aktivitätsdaten für die kurzfristigePrognose der Arbeitslosigkeit einsetzt. Geradein wirtschaftlichen Krisenzeiten sind frühzeitigePrognosen gefragt: Traditionelle Verfahren gebendies mangels rechtzeitig verfügbarer Primärdatenund angesichts rascher struktureller Veränderun- gen allerdings nicht her. Kurzfristige Politikmaß-nahmen verändern darüber hinaus die Daten- grundlage. „Weiche“ Daten, wie sie das Internet liefert, können in dieser Situation einen Auswegbieten. Die Erfahrungen im bisherigen Verlauf der Wirtschaftskrise belegen – angesichts schwieriger Rahmenbedingungen – eine insgesamt gute Per-formance des vorgeschlagenen Konzepts.
In der gegenwärtigen Wirtschaftskrise haben sich
Prognosen als besonders schwierig erwiesen.
1
 
Dies ist ein weltweites Phänomen. In immer kür-
zerer Folge kam es zu Prognoserevisionen, die
letztlich in einem Herdenverhalten der Prognosti-ker endete – ein typisches Zeichen für mangelnde
Informationen im Markt. Dies hatte zunächst
mit der Geschwindigkeit zu tun, mit der sich in
der globalisierten Welt die negativen Impulse,
die aus einem Zusammenspiel einer zyklischen
Abschwächung der Weltkonjunktur und dramati-
scher Krisensignale aus den Finanzmärkten ent-
standen, über die ganze Welt verbreiteten undinsbesondere das Investitionsklima eintrübten.
Mit dieser Geschwindigkeit war die traditionelle
Konjunkturforschung und die amtliche Statis-
tik überfordert, da sich die Anpassungsprozessein Tagen oder Wochen vollzogen, und nicht wiesonst üblich in Monaten oder Quartalen.
Deshalb wurde noch mehr als sonst auf „weiche“Indikatorsysteme wie Stimmungsumfragen und
Handelsindizes zurückgegriffen. Auch wenn sie
wenig über die weitere Zukunft sagen können, so
geben sie doch in normalen Zeiten ein robustesBild über die Lage, in der sich die Wirtschaft be-
findet.
2
Aber auch weiche Indikatoren lagen in derjetzigen Krise nicht immer rechtzeitig vor. Fernerbilden die vorhandenen Analysesysteme die real-
wirtschaftlichen Einfallstore der Finanzmärkte
nur unzureichend ab. Schließlich ist es die Wirt-
schaftspolitik selbst, die über Maßnahmenpakete
1
Schon zu normalen Zeiten sind Prognosen für das Folgejahr wenigtreffsicher, wenn sie früh im Jahr gemacht werden, vgl. Kholodilin, K. A.,Siliverstovs, B.: Geben Konjunkturprognosen eine gute Orientierung?Wochenbericht des DIW Berlin Nr. 13/2009. Außerdem gibt es in dergegenwärtigen Wirtschaftskrise besondere Prognoseprobleme. Auch
können Stimmungen die Realität beeinussen und Prognosen deshalb
Krisen verstärken. Vgl. Zimmermann, K. F.: Schadensbegrenzung oderKapriolen wie im Finanzsektor? Wirtschaftsdienst 12, 2008, 18–20;Zimmermann, K. F.: Prognosekrise: Warum weniger manchmal mehr ist.Wirtschaftsdienst 2, 2009, 86–90.
2
Brenke, K., Dreger, C., Kooths, S., Kuzin, V., Weber, S., Zinsmeister, F.:Grundlinien der Wirtschaftsentwicklung 2009/2010. Wochenberichtdes DIW Berlin Nr. 1-2/2009.
Nikos Askitas
askitas@iza.org
Klaus F. Zimmermann
 president@diw.de
 
Wochenbericht des
DIW
Berlin Nr. 25/2009
403
Das Gespräch führteErich Wittenberg.
Das vollständige Inter-view zum Anhören
nden Sie auf 
 
www.diw.de
Herr Professor Zimmermann, Sie haben die Arbeitsmarktlage mit Hilfe des Internets unter- sucht. Wie kann man sich das vorstellen? 
Menschen nutzen das Internet, wenn sie Jobssuchen oder etwas zur Arbeitsmarktsituationwissen wollen. Diese Aktivität wird von Googlegemessen. Die Daten können in bestimmterForm aufbereitet und für wissenschaftlicheZwecke zugänglich gemacht werden.
Welcher Art sind denn die Internet-Abfragen? 
Wir wollen wissen, inwieweit die Arbeitslosig-keit mit Abfragen von Informationen bei derAgentur für Arbeit oder bei Internet-Job-Börsen
zusammenhängt. Das lässt sich häug nicht mit
einem Begriff alleine erfassen, dazu brauchtman eine Gruppe von Begriffen. So erfährt man,wie intensiv der Verkehr in diesen Bereichenist.
Wie zuverlässig sind die Datenaus dem Internet? 
Die Zuverlässigkeit haben wirgeprüft. In unserem Zusam-menhang war die Frage, obdiese Abfragen in irgendeinerWeise mit der Arbeitslosigkeitkorrelieren. Zu unserer Über-raschung haben wir festgestellt, dass man mitwenigen Variablen-Gruppen die Entwicklungder Arbeitslosigkeit mit hoher Präzision erfas-sen kann.
Wie ist es denn um die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt bestellt? 
Bis zum Ende letzten Jahres ging die Arbeitslo-sigkeit noch regelmäßig zurück. Im Dezemberkam es wieder zu einem Anstieg der Arbeitslo-sigkeit, der aber insbesondere im Februar durchKurzarbeit der Unternehmen gestört wurde. Zualler Überraschung ist die Arbeitslosigkeit imMai zurückgegangen. All diese Faktoren habensich in unserer Untersuchung wiedergefundenund wir sind in der Lage, diese Entwicklung zuprognostizieren. Letztlich geht es darum, einenMonat früher zu sagen, wohin die Entwicklunggeht. Wenn also der Chef der Bundesagentur fürArbeit, Frank-Jürgen Weise, jetzt verkündet, wiein diesem Monat die Arbeitslosigkeit gewesenist, dann könnenwir schon sagen,was er vier Wochen später sagen wird. Wir ha-ben gerade von ihm gehört, dass im Mai die Ent-wicklung überraschend positiv war. Wir wissen jetzt schon, dass sich auch im Juni die Erholungam Arbeitsmarkt fortsetzen wird, auch wennHerr Weise es noch nicht gesagt hat.
Handelt es sich dabei um eine dauerhafte Er-holung des Arbeitsmarktes? 
Was wir jetzt gesehen haben, ist nur eine Früh- jahrserholung, die sich etwas verspätet abzeich-net, weil der Winter etwas härter war. Das kannim Juli schon wieder vorbei sein.
Könnten die traditionellen Verfahren in Zu-kunft durch neue internetbasierte Methodenersetzt werden? 
Das kann ich mir durchaus vor-stellen. Sicherlich wird es wei-ter den Bedarf geben, auch Um-fragen zu machen. Im Internetweiß man bisher noch nicht, wodie Abfragen herkommen. Aberauch das ließe sich auf Dauerändern, wenn Google uns einenetwas differenzierteren Einblickin seine Datenschätze liefern würde.
Wo hat die Internetmethode Vorteile und wodie traditionellen Verfahren
Die Internetmethode hat da Vorteile, wo mankurzfristig wissen will, was los ist. Wenn manaber wissen will, warum etwas passiert, undwenn man es langfristiger voraussagen will,dann braucht man Verhaltensmodelle. Bishersind wir noch nicht soweit, das auch mit Google-Daten durchführen zu können.
Wird sich die Arbeit des DIW durch diese Me-thode in Zukunft verändern
Wir sind neugierig und offen, was neue Ver-fahren betrifft. Wir haben ja schon in der Ver-gangenheit die Probleme mit Prognosen the-matisiert und gesagt, dass wir auch unsereMethoden anpassen müssen. So sehen wir dasals eine Option an, mittelfristig das Instrumen-tarium zu erweitern.
Acht Fragen an Klaus F. Zimmermann
„Bei Google liegen Datenschätze –auch für die Wissenschaft“
»
InternetbasiertePrognosen habenVorteile, wennman kurzfristigwissen will, waslos ist.
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Prof. Dr.Klaus F. Zimmermann,
Präsident des DIW Berlin
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