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10.000 in Hannover, 10.000 in Göttin-gen, 8.000 in Braunschweig – überall inNiedersachsen sind Schülerinnen undSchüler, Studentinnen und Studentenfür eine bessere Bildung auf die Strassegegangen. Studierende forderten dieAbschaffung von Studiengebühren, denAusbau von Studienplätzen und dieAbschaffung der neuen Bachelor- undMaster-Studiengängen in ihrer jetzigenForm und kritisierte die Verschulung desStudiums. Der Protest der Schüler richte-te sich gegen das gegliederte Schulsy-stem und die Verkürzung der Schulzeitfür das Abitur auf zwölf Jahre. Sie forder-ten zudem mehr Lehrkräfte und kleinereKlassen. Worum es ihnen im Kern geht,formulierten sie in ihrem bundesweitenAufruf: »Selbstbestimmtes Lernen undLeben statt starrem Zeitrahmen, Lei-stungsdruck und Konkurrenzdruck«.Damit richtete sich ihre Protestenicht nur gegen eine Politik, die zu wenigGeld für Schulen und Universitäten aus-gibt. Sie wehrten sich auch gegen denLeitgedanken der Bildungsreform derletzten Jahre: Danach hat sich ganz imGeiste des Lissabon- Wirtschafts- undBeschäftigungsgipfel von 2000 alles derglobalen Wettbewerbsfähigkeit unter-zuordnen. Was zählt ist allein dieBeschäftigungsfähigkeit und Mobilitätals Instrumente zur Stärkung der Stand-ortposition in der mittlerweile globalenKonkurrenzwirtschaft.In dieser Logik hat Ausbildung ein-seitig wirtschaftlichen Zwecken zu die-nen. Zeitökonomie, effiziente Nutzungvon Humankapital, Arbeitsmarktmobili-tät und Beschäftigungsfähigkeit sinddie neuen Leitlinien zur Umgestaltungdes Bildungssystems. Bildungs- undLernzeiten werden zeitlich verdichtet.Die Stärkung der frühkindlichen Bildungdurch frühere Einschulung, Abitur nach12 Schuljahren wie auch kürzere Studien-zeiten durch die Einführung des Bache-lors sind Belege hierfür.Doch damit nicht genug. Es wurdennicht nur die Regelstudienzeiten für die
GUTE GRÜNDEFÜR RABATZ
Selbstbestimmtes Lernen und Leben statt Leistungsdruck undKonkurrenzkampf 
Von Gabriele Andretta
LIEBE GENOSSINNEN,LIEBE GENOSSEN,
die schwere Krise wirkt sich nicht nurauf Arbeitsplätze, Wirtschaft undFinanzen aus. Nein, sie stellt auch unsergesellschaftliches Gefüge auf harteProben. Offenkundig schlagen dieFolgen von Gier, Verantwortungslosig-keit und Spekulantentum weiter Teileder internationalen Finanzwelt schwereWunden in die Volksseele. VielenMenschen geht das Wohlgefühl in derGesellschaft verloren. Wir Sozialdemo-kraten müssen deshalb aufpassen, dassunser Ideal von der solidarischenGesellschaft nicht den Bach herunter-spült. Die wachsende Kluft zwischenArm und Reich, Kinderarmut odergeringe Wahlbeteiligung sindSymptome einer Gesellschaft, die sichentsolidarisiert. Unsere Politik stehtnicht dafür, dass jeder sich selbst derNächste ist. Im Gegenteil – sozialeGerechtigkeit ist für uns mehr als einSchlagwort. Es heißt Kampf umArbeitsplätze, gute Bildung für alle,gute Pflege im Alter, Starke schulternmehr als Schwache, Reiche zahlenmehr Steuern als Normalverdiener.EuerGarrelt DuinLandesvorsitzender
vorwärts
NIEDERSACHSEN
JULI 2009 | WWW.SPD-NIEDERSACHSEN.DE
EDITORIAL
»
Wer Atomkraft-werke längerlaufen lassen will,handelt schlichtverantwortungs-los.
«
Sigmar Gabriel (S. III)
Unsere Kandida-tinnen undKandidaten fürden Bundestag.
 
Folge 1 (S. IV)
»
Altlastensanie-rung nicht auf Kosten der Kom-munen.
«
Axel Priebs (S. VI)
Farbig und phantasievoll gegen das Bildungssystem der Kaiserzeit.
 Foto: lopo
Fortsetzung auf Seite 2
Jetzt wieder imNiedersachsen-vorwärts:»TiL – Themen im Landtag«(Mittelteil Seiten 1–4)
 
IINIEDERSACHSEN
07/2009
vorwärts
es nicht halbherziger Reparaturmaßnah-men sondern grundlegender Reformen.CDU und FDP fürchten diese wie derTeufel das Weihwasser, das zeigen diepolitischen Reaktionen auf den Bil-dungsstreik. Während Gewerkschaften,SPD, Schulen und Hochschulpräsiden-ten Forderungen der Streikenden unter-stützen, forderte die niedersächsischeJunge Union hartes Durchgreifen derPolizei gegen die Demonstranten unddie Bundesbildungsministerin Schavanmaßregelte die Proteste der Schüler undStudenten als »gestrig«. Gestrig ist abereine Bildungspolitik, die durch sozialeAusgrenzung versucht Privilegien deroberen Klassen zu schützen. Genau dar-um geht es aber denjenigen, die dasgegliederte Schulsystem der Kaiserzeitverteidigen.
in der Tagespflege, die bundeseinheitlichgeregelt werden muss. Außerdem mussdie frühkindliche Bildung in Zukunft völ-lig gebührenfrei sein. Auch daran wirdsich der Bund beteiligen.Die Voraussetzungen für eine ange-messene Kinderbetreuung sind auf Sei-ten des Bundes gegeben. Jetzt ist HerrWulff in der Verantwortung. Er muss beider frühkindlichen Betreuung endlichaus dem Knick kommen. Das Land Nie-dersachsen darf die Kommunen bei derKinderbetreuung nicht länger im Regenstehen lassen.
duzieren zu viele Verlierer, vor allem beiMigranten, Behinderten und sozialBenachteiligten. Jeder fünfte jungeMensch geht von der Schule ohne richtiglesen und rechnen zu können. In keinemanderen Land werden die Bildungs- undLebenschancen eines Menschen so sehrvon seiner sozialen Herkunft bestimmt.Um diese Probleme anzugehen, bedarf von Bundesmitteln bedeutet dies: Weni-ger Plätze für unter Dreijährige in Nie-dersachsen.Gute Bildung für alle beginnt im Kita-Alter. Deshalb hat die SPD-Bundestags-fraktion dafür gesorgt, dass es ab 2013einen Rechtsanspruch für jedes Kind auf Bildung und Betreuung vom erstenGeburtstag an gibt. Ziel ist das Recht auf Ganztagsbetreuung. Als nächste wirdsich die SPD um die Verbesserung derQualität in der frühkindlichen Bildungkümmern. Dazu gehört eine bessere Per-sonalausstattung in Krippen, Kitas und
Impressum
Herausgeber:
SPD Niedersachsen
Verantwortlich:
Michael Rüter
Redaktion:
Lothar Pollähne,Katrin Reich, Sebastian Schumacher
Anschrift:
Odeonstraße 15/1630159 Hannover
E-Mail:
lopo.vorwaerts@gmx.de
Layout & Satz:
Anette Gilkemail@AnetteGilke.de
Mehrzahl der Studierenden verkürzt,zukünftig sollen nur noch eine Minder-heit begabter Studierender einen zwei-ten Studienzyklus besuchen. Der Zugangzum Masterstudium wurde streng regle-mentiert. Zudem sollten die Studiengän-ge näher an die Arbeitsmärkte herange-führt und die Zahl der Studienabbrecherreduziert werden. Es kam aber anders,das verschulte Studium produzierte nochmehr Studienabbrecher als das alteSystem und die Mobilität der Studieren-den nahm nicht zu, sondern ab. EineReform der Reform ist also dringendgeboten. Dabei geht es nicht darum, dieneue Studienstruktur wieder abzuschaf-fen, sondern die Verschulung durch län-gere Studienzeiten und flexiblere Studi-enordnungen zurückzunehmen. Für ver-tiefte Auseinandersetzung mit Studien-inhalten muss mehr Zeit zur Verfügungstehen. So war es auf einigen Transpa-renten auch richtig zu lesen »Die Dialek-tik von Adorno verträgt keine Hektik.«Die neuen Studienstrukturen sind jedoch nur ein Problem. Der eigentlicheSystemfehler unserer Bildungseinrich-tungen liegt tiefer: Unsere Schulen pro-Niedersachsen wird auch in Zukunftbundesweit die rote Laterne beim Kita-Angebot halten. Nachdem die Landesre-gierung lange Zeit versucht hat, die Ver-antwortung für den Ausbau der Kinder-betreuung auf die Kommunen und denBund abzudrücken, schludert sie nun beider Inanspruchnahme der Finanzmitteldes Bundes.Bislang beteiligt sich das Land nurmit einem symbolischen Anteil von fünf Prozent an den anfallenden Investitions-kosten. In Kombination mit schlampigerVerwaltungsarbeit bei der Weitergabe
ROTE LATERNE BEIMKITA-ANGEBOT
Landesregierung muss bei frühkindlicher Bildung endlich aus dem Knick kommen.
Von Caren Marks
Solidarische Mittagspause: Die SPD-Landtagsabgeoirdneten Frauke Heiligenstadt, DörtheWeddige-Degenhard und Claus Peter Poppe (v.r.)
 Foto: lopo
Fortsetzung von Seite 1Caren Marks ist familienpoli-tische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion.
 
NIEDERSACHSENIII
07/2009
vorwärts
Atomare Versuchsendlagerung im suppenden Salz
 Foto: BfS
Salzbergwerk Asse: Einfahrt in‘s strahlende Chaos
 Foto: BfS
Fast täglich müssen wir in den Zeitun-gen neue Meldungen über Versäum-nisse derjenigen lesen, die früher fürdas Atommülllager Asse II bei Wolfen-büttel verantwortlich waren: Nicht nur,dass das Bergwerk einsturzgefährdetist und täglich 12.000 Liter Wasser ein-dringen – offenbar wurden dort nebenschwach und mittelradioaktiven Atom-müll auch Rückstände aus Pflanzen-schutzmitteln und Tierkadaver einge-lagert.Es ist allerhöchste Zeit, dass die Vor-gänge um die Asse endlich aufgeklärtwerden. Und deshalb begrüße ich es,dass der niedersächsische Landtagdazu einen Untersuchungsausschusseingesetzt hat. In den nächsten Wochenund Monaten werden die Hintergrün-de des wohl größten Umweltskandalsder Bundesrepublik so gut es geht auf-geklärt werden.Zugleich müssen wir aber auchnach vorne schauen. Denn die Asse isteben nicht – wie CDU und FDP glaubenmachen wollen – ein bedauerlicher»Betriebsunfall«. Die Asse zeigt waspassieren kann, wenn die Politik sichwillfährig den Interessen der Atomlob-by unterwirft. Und sie macht deutlich,dass man bei der Endlagerung vonAtommüll so sorgfältig wie irgendmöglich vorgehen muss.suchen. So etwas nennt man imgewöhnlichen Leben Feigheit.Nach der Bundestagswahl wird esfür die SPD darum gehen, ein offenesVerfahren zur Endlagersuche zu star-ten. Länder wie die Schweiz machenuns vor, wie das geht. Außerdem wirddie SPD durchsetzen, dass die Atom-konzerne an den Milliardenkosten fürdie Sanierung der Asse und des altenDDR-Endlagers Morsleben beteiligtwerden. Denn in Morsleben ist mehrMüll aus west- denn als aus ostdeut-schen AKWs eingelagert worden. Wäh-rend Union und FDP wollen, dass dieSteuerzahler für die Sanierung auf-kommen, wollen wir einen Teil dergigantischen Gewinne der Energiever-sorger abschöpfen – so steht’s auch imRegierungsprogramm.Wir müssen aus dem Asse-Debakellernen: Wer jetzt immer noch Atom-kraft als »Bioenergie« verniedlicht unddie alten Atomkraftwerke länger lau-fen lassen will, handelt schlicht verant-wortungslos.
Schon im September 2006 hat das Bun-desumweltministerium ein Konzeptfür eine transparente, ergebnisoffeneSuche nach einem Endlager für hochra-dioaktiven Atommüll vorgelegt. Denneins ist klar: Wir brauchen ein solchesEndlager. Es wäre unverantwortlich,die Hinterlassenschaften der Atomin-dustrie einfach nach Sibirien zu karren.Wir brauchen ein Endlager, das nichtauf politischen Vorgaben fußt, sonderndas nach wissenschaftlichen Kriterienals der am Besten geeignete Standortausgewählt wurde. Leider haben sichUnion und FDP verweigert. Sie wollensich auf Gorleben festlegen, ohne Alter-nativen auch nur geprüft zu haben. Amlautesten nach der Verlängerung derAKW-Laufzeiten schreien die Minister-präsidenten aus Bayern und Baden-Württemberg – sie wollen, dass inDeutschland noch mehr Atommüllproduzieren wird. Aber gerade diehaben »njet« gesagt, als es darum ging,auch bei ihnen nach einem Standort zu
LETZTE MELDUNG
»Die Behauptung, die Asse sei ein reinesForschungsbergwerk gewesen, ist erstun-ken und erlogen. Jahrelang ist dort illegaleingelagert worden. Da hat eine dreisteBande agiert.«
Sigmar Gabriel 
LEHREN AUS DEMASSE-ATOM-DEBAKEL
Wer Atomkraftwerke länger laufen lassen will, handelt einfach verantwortungslos
 für kommende Generationen.
Von Sigmar Gabriel
»
Die Asse istkein bedauerlicherBetriebsunfall.
«
Sigmar Gabriel
Sigmar Gabriel,Bundesminister für Umwelt,Naturschutz und Reaktor-sicherheit
of 00

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