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Peter Engel
NGO`s und die Ernährungswirtschaft –Kampagnen statt Aufklärung?
Das Agribusiness als Spielball von Medien undNichtregierungsorganisationen
Nichtregierungsorganisationen (Non-Governmental Organizations,NGO’s) werden immer mächtiger. Die Kampagnen folgen in immerkürzeren Abständen, sie werden zunehmend „lauter“ und „schriller“. DerWettbewerb der NGO’s untereinander um einen im Großen und Ganzengleichbleibenden „Spendenkuchen“ und um Mitglieder wird härter – jedeOrganisation will „das Sommerthema“ und höchstmögliche Publizität undAufmerksamkeit. Die Medien übernehmen teilweise unkritisch – inausgedünnten Redaktionen fällt die jahrzehntelang praktizierte journa-listische „Gatekeeper“-Funktion weg. Zugespitzte Fragestellungenerfolgen nicht: Wer „besitzt“ eigentlich die Moral? Wer legt dieWertmaßstäbe fest für „gut“ und „böse“? Wenn sich NGO’s undUnternehmen gegenüber stehen – wer ist David, wer Goliath? Und: Werkontrolliert eigentlich die Kontrolleure?
Neue Rahmenbedingungen: Individualisierung und Hysterie
Seit ungefähr einem Jahrzehnt ist eine ungehemmte Individualisierungder Kommunikation festzustellen. Die Macht der neuen Meinungsmachersprengt die Grenzen der angestammten Medien. Jeder kann heute allesüber jeden im Internet verbreiten – das „Nadelöhr“ Presse verliert an Wert.Themen, die journalistisch abgelehnt werden – so vor kurzem ein von„Vier Pfoten“ initiiertes Tierschutz-Thema in Stern TV– werden von denThemensetzern in einem eigenen Blog aufbereitet, der dann als ersteMeldung in der Google-Suchmaschine erscheint. Derzeit gibt es weltweit
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E&Z Position ●
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mehr als 200 Mio. Blogs, 1,4 Mio. Blogger in Deutschland, rund 1.000neue Blogs entstehen jeden Tag. Ein Beispiel: Eine Million kaufen den„Spiegel“, 90 Mio. Mal wird wöchentlich „Spiegel Online“ angeklickt.Das Internet ist die Klowand des 21. Jahrhunderts. Kampagnen könnenschnell und breit wie noch nie ein Millionenpublikum erreichen – einfachper Knopfdruck. Gleichzeitig greift eine immer noch weiter ansteigendeHysterisierung der Gesellschaft um sich. Der mit dem Vogelgrippe-Virusinfizierte Papagei aus Papua-Neuguinea steht auf der Titelseite selbst derseriösesten Tageszeitungen, ein Vogelgrippe-Fall auf der Insel Rügenführt zur Schlagzeile „Todesinsel Rügen“. Ist der erste Kater infiziert,steigert sich das in „Apokalypse auf Rügen“. „Sommerthemen“ werden imWettbewerb der NGO’s gesetzt: Findet Greenpeace die Pestizide in Obstund Gemüse (und stellt den „Giftpass“ an Handelsunternehmen aus)antwortet Food Watch mit „Uran im Trinkwasser“. Heizstrahler werden zu„Killerpilzen“, Manager per se gierige Abzocker oder korrupte Profiteure.
Die Strafanzeige als PR-Instrument
Die kritische Öffentlichkeit in einer neuen Dimension mit einer noch nie dagewesenen Kampagnenfähigkeit ist weitgehend ohne Kontrolle. NGO’ssind hochprofessionelle Marketing-Organisationen und zünden „MindBombs“ im Tagestakt. „Deutscher Meister“ im Versenden vonPressemitteilungen ist heute Greenpeace – weit vor den Industrie-Giganten. Täglich eine Meldung ist der durchschnittliche Maßstab. Neuentdecken Organisationen die Strafanzeige als PR-Instrument:Greenpeace erstattet Strafanzeige gegen Handelsunternehmen (Pestizidein Obst und Gemüse), Food Watch gegen einen Hersteller vonTiernahrung (angeblich illegale Exporte), Ver.di nimmt sich KiK Textilienvor (Lohndumping), die Gewerkschaft NGG unterstützt Strafanzeigengegen einen Geflügelerzeuger (wegen angeblichem Gammelfleisch).Eines haben alle diese Strafanzeigen gemeinsam – sie werden nach
 
 
E&Z Position ●
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wenigen Wochen eingestellt. Das Ziel ist aber erreicht: Die Schlagzeile„NGO erstattet Strafanzeige gegen …“ zündet. „Allmachtsfantasien“führen zu Handlungen, die jedem normalen Bürger eine strafrechtlicheVerfolgung einbringen würde. Von den eigenmächtig aufgestellten„Tempo 100“-Schildern auf der Autobahn über die eigenmächtigeVerknappung des Sylter Riff bis zur Dekoration von Automobilen als„Klimaschweine“.
Die Macht der NGO’s
Es gibt weltweit rund 20.000 NGO’s. 500 davon in Deutschland. Siewerden teilweise von Regierungen ausgehalten und aus Steuermittelnfinanziert oder unterstützt. Alleine Greenpeace hat 2,7 Mio. Fördererweltweit mit 174 Mio. Euro Erlösen. Circa 40. Mio. Euro fließen in diedeutschen Greenpeace-Kassen. Davon werden 35 Mio. Euro, also 86Prozent für Marketing/Kampagnen ausgegeben. Die „Kontrolle“ erfolgtdurch insgesamt 34 stimmberechtigte Mitglieder, davon 3 bis 7Aufsichtsräte, die den Vorstand wählen.Dies alles wäre nicht beklagenswert, wenn die Welt nicht so extrem in„gut“ und „böse“ eingeteilt würde. Die Werte und Ziele der meisten NGO’swerden von einer breiten Mehrheit in der Bevölkerung (und auch derWirtschaft) getragen. Kaum jemand ist für Umweltverschmutzung, gegenTierschutz, gegen gesunde und möglichst schadstofffreie Lebensmittel.Jeder möchte eine möglichst „heile Welt“. Und es gibt wahrlich etwasSchlimmeres, als dass sich gerade junge Menschen für Werte undethische Ziele einsetzen. Was stört ist die häufig genau vollzogeneEinteilung der Welt in Schwarz und Weiß – die „Gutmenschen“, die sich inNGO’s organisieren und die „Mächtigen“, insbesondere in den Chef-etagen, denen Grenzen gesetzt werden müssen. Und: NGO’s meinen inden meisten Fällen die Politik, aber schlagen die Unternehmen. Wennbeispielsweise Höchstgrenzen für Schadstoffe nicht als ausreichend

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