Russischsprachige Medien in Deutschland, Österreich und der SchweizÜber 50 russischsprachige Zeitungen und Zeitschriften erscheinen heute inDeutschland, Österreich und der Schweiz, von der kleinen aber feinen “RusskajaSchwejzarija” bis zum europaweit gelesenen “Evropa-Ekspress”. Dabei gab es noch1993 keine einzige russischsprachige Publikation. Eine spannende Geschichte der russischsprachigen Medien in der Diaspora.
Von Sonja Margolina
“Evropazentr” öffnete den russischsprachigen Medienmarkt
Im Mai 1993 gründete der Moskauer Journalist
Jurij Sarubin
die erste russischsprachigeZeitung in Deutschland,
Европацентр
*
Evropazentr
. Um genau zu sein, gründete
Sarubin
sechs Jahrzehnte nach der Blütezeit der russischsprachigen Presse in Berlin ineinem völlig leeren Markt eine Wochenzeitung, die schon bald von russischenMuttersprachlern in ganz Deutschland gelesen wurde.
Sarubin
verstand
“Evropazentr”
als ein Medium zur Integration aller russischsprachigenEinwanderer, ungeachtet ihrer Nationalität. Die Wochenzeitung sollte politische Prozessein Russland und Europa beobachten und die Neuankömmlinge mit dem Leben inDeutschland vertraut machen. Sein Anliegen war es, den durchschnittlichen Russenanzusprechen, sich seiner Bedürfnisse anzunehmen, ihm die Situation auf demArbeitsmarkt und seine Rechte auf soziale Absicherung zu erklären.
“Evropazentr”
bot 1993 aber auch anspruchsvolle Kulturreportagen und war später dieeinzige russischsprachige Zeitung, die sich für innerdeutsche Debatten interessierte unddiese einzuordnen vermochte. Schwarzweiss, streng thematisch gegliedert und engbedruckt, vermittelte das Blatt einen sachlichen Eindruck.
Nicolas Werner startet mit dem “Evropa-Ekspress” durch
2001 waren über Deutschland verteilt schon zwölf russischsprachige Zeitungen zu finden,meist öffentlich finanzierte Informationsblätter für so genannteSpätaussiedler und jüdischeKontingentflüchtlinge. Einen kommerziellen Konkurrenzkampf lieferten sich aber nur die in Berlin erscheindene Zeitschrift
“Evropazentr“
und die später dazu gekommene
“Russkij Berlin”
RusskajaGermanija
).Hinter
“Evropazentr“
stand der 41jährige
Nicolas Werner
, eine schillernde Figur mitUniversitätsabschlüssen in Jura, Medizin und Wirtschaft, dessen Familie 1988 aus der Moldauischen Sowjetrepublikin die USA ausgewandert war. Nach dem Zusammenbruchder Sowjetunion kehrte
Werner
1992 nach Moldawien zurück und gründete dort einMedien- und Bau-Imperium mit rund 6′500 Mitarbeitern.
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