Russischsprachige Zeitungen ohne politisches Profil
Mit dem Aufkommen der kommerziellen russischsprachigen Zeitungen im Jahre 2001wurde die Isolation und Sprachlosigkeit vieler Migranten aufgebrochen, in der sie sichnach der Auswanderung wiederfanden. Die Zeitung hat sie an die Hand genommen unddurch das bürokratische Dickicht geführt, sie hat sie über Anzeige- und Interessenseitenmit den anderen Sprachgenossen zusammengebracht und ihnen kleine Jobs vermittelt.Dabei haben die meisten russischsprachigen Blätter kein politisches Profil und informierenoft nur aus zweiter Hand und eher zurückhaltend in der Kommentierung, besonders über die Ereignisse in Russland. Die deutsche respektive österreichische oder schweizerischeInnenpolitik interessiert sie nur in dem Masse, wie sie die Existenzgrundlagen der Einwanderer betrifft: soziale Sicherheit steht dabei im Vordergrund.Umgekehrt sind sie ausgewogen, vertreten auch nicht die Sonderinteressen ihrer Herkunftsländer. Die russischsprachigen Printmedien sind an der erfolgreichen Integrationder Landsleute interessiert und erfüllen damit eine wichtige Brückenfunktion.So kommt es, dass die spezifische Infrastruktur der Russischsprachigen - ihre Geschäfte,Restaurants, Bücherläden, Arztpraxen, Reparaturwerkstätten - vor allem in den Anzeigentransparent wird. Dort bieten auch Reisebüros Flüge in alle Ecken der ehemaligen Heimatan: von Minsk bis Bischkek, von Nowosibirsk bis Simferopol. Die Werbung wird zumGradmesser der Interessen, Sehnsüchte und Bedürfnisse der Russischsprachigen inDeutschland, Österreich und der Schweiz.
Über die Autorin:Sonja Margolina
(1951 in Moskau) ist eine russisch-jüdische Autorin. Nach ihremStudienabschluss in Biologie und Ökologie an der Moskauer Lomonossow-Universität zogMargolina nach Berlin, wo sie seit 1986 als freie Publizistin lebt.Bekannt wurde Margolina mit ihrem Buch "Das Ende der Lügen" zur Verstrickungrussischer Juden in den Roten Terror nach der Oktoberrevolution 1917. Sie erhielt 1991 inKlagenfurt den Preis des Landes Kärnten für internationale Publizistik.Margolina schreibt sozio-politische Artikel für die Zeitschrift
Internationale Politik
der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik DGAP, für die
Neue Zürcher Zeitung NZZ
und für
maiak – The Newsroom of Eastern Europe
.Aktuelles Buch:"Wodka: Trinken und Macht in Russland"Sonja MargolinaVerlag WjsISBN 978-3-93-798903-7
Add a Comment