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M.T.Vasudevan NairSehekraft
(Kaazhcha) (Aus:
 Ente priyappetta kathakal 
(Meine Lieblingsgeschichten)
Seiten 151 – 164)
Übersetzt aus dem Malayalam von Dr. Annie Kurian Devasia
 
Veröffentlicht in: Mathew John Kokkatt und Bernd Pflug (Hrsg) Welche Farbe hat dieLiebe? DC Books, Kottayam 2006Ich dachte, hier würde es niemand wissen. Aber es war falsch so zu denken. Ab undzu mal kam ich auch alleine ins Dorf. So überraschte es niemandem. Ich nahm ein Badund trank eine Tasse Kaffee. Dann sass ich im Flur auf dem Boden, da kam Mutter undfragt ohne Einführung:“Stimmt das, was man hier so hört, Sudhakutty?”“Was hast du denn so gehört?”Sie starrte ernst und überlegte, wie sie mit Wörtern eine Mauer bauen könnte.Mit geschlossenen Augen sagte die Mutter leise:“Ihr habt euch jetzt getrennt, du und Prabhakaran…”Mutter machte immer ihre Augen zu, wenn sie unangenehme Sachen erzählte.Es wäre besser sie anzugreifen, anstatt eine direkte Antwort zu geben, dachte ich.“Wer erzählt euch solcer Unsinn?”Mutter setzte sich mit ausgebreiteten Beinen auf die Treppensteine.“Sreedaevi war hier mit Narayanankutty, vorgestern. Devus Mann ist ja auch in Madras”Die Schwiegermutter meiner jüngeren Schwester ist ja gut, Nachrichten zu verbreiten.“Gestern habe ich von Visalam einen Brief bekommen. Auch sie sagt es .”Meine jüngere Schwester Chandri würde es auch der Mutter schreiben.Sie trat in den Hof. Es war gerade kurz nach zehn Uhr. Es war schon sehr heiss. Ich lief langsam durch den Schatten der Mauer. Als die Schritte sich schneller wurden, nahmder Larm auch zu.Ich kam immer nach diesem alten Haus, wo die Mutter alleine wohnte, weil ichirgendwie Trost brauchte. Kein Telefon. Brauchte auch nicht immer für die unendlichenFeste sich recht zu machen. Das Lachen der Gastgeberin, bis die Gäste sichverabschiedeten. Brauchte auch nicht die künstlichen Beamtenwitze zu dulden. Aber nur selten hatte ich die Erlaubnis bekommen, zu kommen. Auch das war nur für ein paar Tage.“Wann muss du zurück?” war immer die erste Frage der Mutter. Aber diesmal fragte sieauch das nicht. Wenn sie sich die Flur annäherte, fragte die Mutter: “ Die Leute erzählenso einiges. Was ist eigentlich passiert?”Sie antwortete nicht.“Wie ich so gehört hatte….”Mutter hörte auf.
 
“Es stimmt Mutti, es ist besser so für beide.”Mit gesenktem Kopf schaute sie auf die Steine.Als das Dienstmädchen irgendetwas von der Mutter wissen wollte, stand sie auf undging.Sie kam, nachdem sie für zwei Wochen Urlaub beantragt hatte. Manche Leute ahntenetwas. Nur der Kassiererin Nirmala Sreenivasan habe ich die Sache genau erklärt. Es war  Nirmala, die mir das Zimmer in Y.W.C.A. vermittelt hatte.Ich habe das Gefuhl, dass Mutter alleine leben wollte. Sie legte auch keinen Wert auf Verwandte und sonstigen Besucher. Sie sagt nichts, wenn ihre Kinder sie auch nicht besuchten.Einmal im Monat schreibt sie auf einem Briefbogen an ihre drei Kinder, auchwenn sie darauf keine Antwort bekam. Immer bekommt sie Hilfe von irgendeinemMädchen aus der Nachbarschaft. Als sie das letzte mal kam, sagte sie, dass das Mädchenihr bis dahin half, bald heiratet. Mutter schenkte ihr eine goldene Kette.“Alle drei müssen helfen. Die Postanweisung könnt ihr auf Kuttiramans Namenschicken. Das könnt ihr auch auf meinen Namen schicken.”Visalam und Chandri schicken jeweils 300 Rupien. Sudha schickt 400 Rupien. Weil beide berufstätig sind und keine Kinder haben. So erhöht die Mutter ihren Anteil.Wenn sie wegging, kam ihre jüngere Schwester zur Hife.Visalam macht sich Sorgen, dass Mutter alleine lebt. Das Haus in Thiruvanandapuram istgroß. Gibts auch Dienstpersonal. Alle trafen sich zusammen.“Wenn sie krank würde, gibt es noch nicht mal einen Arzt in der Nähe”, sagte Visalam.“Ich werde nicht krank “ war die Antwort von der Mutter.Von der Bananenstrudel kamen eine schwarze Henne und ihre Kücken unsicher durchdie Ritze einer kaputten Mauer. Sie pickten Futter auf dem Hof und liefen herum.“Es sind wilde Hennen. Sie kommen jeden Tag um dieser Zeit. Weiß auch nicht , woher sie kommen.”.Hörte Mutter sagen.Sie schaute mit Interesse. Die Henne sah ängstlich aus und schien das Gefühl zu haben,dass sie auf einem Privatgründstück sich befindet.Durch den Schatten ging ich noch näher, um einen besseren Blick zu bekommen. DieMutter Henne gab Signal durch ein schwaches Mürren und ging schnell zurück in denGarten. Die Kücken folgten.Als wir am Tisch sassen sagte Mutter nichts.Am Abend kam Sreedharan. Der ältere Bruder von dem Mann meiner jüngerenSchwester. Er ist Leiter einer höheren Schule und eine wichtige Person in der Ortschaft.Ich habe ja was gehört, würde er mir sagen, dachte ich. Ich war innerlich bereit, michdagegen zu wehren. Ich stand da, als ob nichts passiert wäre. Erkündigte nach seiner Frauund seinen Kindern.“Wie lange kannst du bleiben, Sudhakutty?”“Hm. Eine Woche.”Mutter kam dazwischen. “Keine Milch, um dir Tee zu geben.”.“Ich brauche keinen .”Sie kam in Verlegenheit, als sich die normale Höflichkeitsfloskeln/Gepflogenheitswörter erschöpften. Dann fing Sreedharan an: Über die Hitze inMadras,über die Reichtümer von Jayalalithaa, über die Regierung von Karunanidhi
 
versuchte er zu erzählen. Sudha hörte zu. Konnte nichts dazusagen. Als die einzelnenUnterhaltungsstücke wie unanzündbare Palmenblätterbündel dahinfielen, stand er auf.Als Überlegungen über ihre Heirat angestellt wurden, war sein Horoskop auch darunter.Am Abend flogen die Fliegen herum. Als Kind hörte ich, dass es regnen würde, wenn dieFliegen nahe der Erde flögen. Wenn es regnen würde, hoffte ich.Weil es noch unentschieden war, wer die Ausgaben im inneren des Hauses übernehmensollte, gaben noch keine Ventilatoren im Haus.“Du kannst im Zimmer im Süden schlafen. Da gibt es etwas frische Luft,” sagte dieMutter, als sie das Abendessen servierte.“Ist egal, wo ich schlafe.”Im Zimmer von der Mutter stand ein Tischventilator, das unser Vater früher mal gekaufthatte. Nahm nichts zum Lesen mit. Kaufte unterwegs auch nichts. Auf dem runden Tisch lagenBücher, genauso wie zu Vaters Zeit. Nachts pflegte Mutter zu lesen. Aber da gab’s keineneuen Bücher. Ich habe auf das Buch geschaut, das auf dem Buch “Zusammenfassungder Weltgeschichte” lag, was Mutter las: Es war ‘Himagiriviharam’.In dem Zimmer im Süden war das Bett fertig. Sie zog sich in ein Nachthemd um. Siesah auf die Uhr: Viertel vor neun. Genau um diese Zeit kam Prabhakaran zurück, wenner mit seinem Skatspiel fertig war und ein paar Bier hinter sich hatte.Mutter kam herein.“Kannst das Ventilator hierher bringen. Macht etwas Lärm. Sonst funktioniert es noch.”“Ich brauche es nicht.”Sie setzte sich auf das Bett und tat als ob sie schlafen wollte, damit die Mutter dasZimmer verlässt.“Auch wenn …..”Mutter wollte was sagen.“Sag schon!”“Was denn, wenn man sich fünfjahrelang zusammengelebt hat und dennoch sich trennenwill?”Sie sagte nichts.“Was denken sich die Leute, wenn sie das hören?”Sie drehte sich etwas um. Jetzt kann sie das Gesicht ihrer Mutter nicht mehr sehen.Plötzlich fragte sie, mit dem Trost, dass sie endlich mal ein Thema gefunden hatte,worüber sie reden konnte: “ Was kann man tun, wenn man hier anrufen will, wenn esnotwendig wäre?”“Jetzt gibt es eine Telefonzelle gleich in dem Zimmer neben der Apotheke. Kannstanrufen, wohin du willst.”Wieder fand sie keine Worte.“Was willst du jetzt tun?”“Ich überleg’s mir noch.”“Soll ich kommen? Soll ich mit Prabhakaran reden?”Sie sagte schnell: “Nein, nein”.Mutter guckte traurig an.“Hier braucht man keine Vermittlung.”Mutter ging weg.
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