Dämpfe und Wandvorhänge verschluckten entstehende Geräusche. Raffiniert aufgehängteSpiegel verwirrten die Sinne. Schwer atmend, schweigend und voller Spannung erwartetendie Kranken das Erscheinen des Meisters. Aus dem Nebenzimmer war betörende Musik zuhören, mitunter spielte Mesmer selbst auf einer Glasharmonika. Er verstand es meisterlich,auf diesem damals sehr populären Instrument Sphärenmusik erklingen zu lassen. Wenn dieStimmung durch die Atmosphäre und die beruhigende, mitunter auch aufpeitschende Musikbis zum Überlaufen geladen war, kam Mesmer herein. Oft trug er ein langes Seidenkleid,das ihm die Erscheinung eines Priesters oder Magiers verlieh. Mesmer blickte den Patiententief in die Augen, bestrich den einen mit seinem Magnetstab, fragte den anderen nachseinem Befinden, dritte versuchte er aus einer gewissen Distanz zu heilen, indem er Kreiseund Striche in die Luft zog. Die Heilung wurde durch die sogenannte magnetische Krisesignalisiert. Plötzlich begannen die Kranken zu schwitzen, zu schreien und zu stöhnen,zeigten jene Symptome, die von der Psychiatrie einige Jahrzehnte später unter der Diagnose„Hysterie“ zusammengefasst wurden.[iv]Wir erkennen heute unschwer, dass für diese dramatischen Vorgänge nicht ein magnetischesFluidum, eine geheimnisvolle, physikalische Naturkraft verantwortlich war, wie Mesmerglaubte, sondern die außergewöhnliche Suggestivkraft dieses begnadeten Arztes, der ohnesein Wissen die moderne Hypnotherapie begründete. Mesmers Patientinnen und Patientenwurden offenbar durch seine Behandlung, deren Rahmenbedingungen und durch seinecharismatische Persönlichkeit in einen tiefen Trance-Zustand versetzt. Bemerkenswert ist,dass weder der Arzt, noch die Kranken wussten, dass sie an einem hypnotischen Prozessteilnahmen, den sie erst recht auch nicht beabsichtigten. Sie waren vielmehr davonüberzeugt, das wesentliche Heilmittel sei eine Naturkraft, das Fluidum, die den Händen desArztes entströmte und durch den „Baquet“ gespeichert wurde.
Hypnose-Einleitung
Zum Verständnis der weiteren Erörterungen gilt es zwei Aspekte festzuhalten:1Es ist möglich; Menschen zu hypnotisieren, ohne dass ihnen dies bewusst ist und ohnedass die Bezeichnung „Hypnose“ auch nur einmal verwendet wird.2Die Einleitung und Vertiefung der Hypnose ist nicht an eine bestimmte Technik oderMethode gebunden. Vielmehr ist es nur erforderlich, die zu Hypnotisierenden in einenpassiven, entspannten Zustand zu versetzen und ihre ungeteilte Aufmerksamkeit auf denHypnotiseur (bzw. die von ihm produzierten hypnotischen Reize) zu lenken. Vonphantasiebegabten Hypnotiseuren wurden zahllose Verfahren erfunden, um dienhypnotischen Zustand einzuleiten.
Das Standard-Verfahren
Eine Standardprozedur zur Einleitung der Hypnose lässt sich im Kern wie folgt beschreiben.Der Hypnotisand liegt bequem und entspannt auf einer Couch. Hinter ihm sitzt derHypnotiseur. Er hält einen Finger in etwa 20 bis dreißig Zentimeter vor und etwa zehnZentimeter oberhalb der Nasenwurzel des Liegenden und spricht: „Bitte sehen Sie ganz festund ohne zu blinzeln auf meine Fingerspitze und horchen Sie ganz genau auf das, was ichzu Ihnen spreche. Ganz fest und ohne zu blinzeln auf meine Fingerspitze sehen und auf meine Stimme konzentrieren.“[v]
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