PERSISCHERBRIEF
Iran allmählich der Gedanke einer Republik auf,
zuerst als
Gerücht,
dann
als eine Forderung einreiner fortschrittlicher Bevölkerungsgruppen - undschließlich als die unverhohlene Absicht des Diktators selbst. Hier aberscheint Riza Chan sich denn doch verrechnet zu haben: ein gewaltigerProtestschrei erscholl aus dem persischen Volk.Diese Ablehnung der republikanischen Staatsform
war nicht etwa durch
Treue zum Herrscherhaus bedingt, denn niemand in Persien empfandbesondere Liebe für die Dynastie der Kadscharen, die
man ihrer
turkmenischen Abstammung wegen immer als volksfremd betrachtet hatte; nochauch durch eine persönliche Zuneigung für
Schah
Ahmad mit
seinem
runden bartlosen Knabengesicht. Sie hatte einen ganz anderen Grund: dieFurcht des Volkes, auf staatlichem Wege< seinen religiösen Glauben zuverlieren, so wie es den Türken im Verlauf von Atatürks Reformen ergangen war. In ihrer Unwissenheit begriffen die Perser nicht sogleich,daß die Errichtung einer Republik in Iran nicht unbedingt dieselben Folgen haben müßte wie in der Türkei, um so mehr als
eine
republikanischeStaatsform dem Geiste des Islam an
sich weitaus
besser entspricht
als eine
monarchische. Den breiten Volksmassen war all dies unbekannt Unterdem konservativen Einfluß ihrer religiösen Führer
— und
vielleicht
auch
durch die Bewunderung, die Riza Chan öffentlich Kemal Atatürk zollte,in berechtigten Schrecken versetzt
—
sahen die Perser in seinen Pläneneine Bedrohung des Islam.Eine gewaltige Erregung bemächtigte sich der städtischen Bevölkerung,besonders in Teheran. Vor Riza Chans Amtsgebäude versammelte sicheine wütende Menschenmenge, mit Stöcken und Steinen bewaffnet, undstieß Flüche und Drohungen gegen den Diktator
aus,
der gestern noch
einHalbgott gewesen war. Riza Chan wollte ausgehen; man riet ihm dringend, einen Augenblick der Beruhigung abzuwarten und bis dahin imHause zu bleiben. Er wies die Ratgeber zurück und stieg, vollkommenunbewaffnet und mir von einen einzigen Ordonnanzsoldaten begleitet, indie Kutsche, die im inneren Hof
des Gebäudes für ihn
bereitstand.
Als der
Wagen das Tor verließ, fiel die Menge den Pferden in die Zügel.
Man
rißden Wagenschlag auf
—
»Zerrt ihn heraus, den Ketzer, zerrt ihn auf dieStraße!« Aber schon stieg er von selbst aus, zorngerötet
im
Gesicht, undbegann mit seinem Reitstöckeben auf die Köpfe und Schultern
der Leute
um ihn einzuschlagen: »Ihr Hundesöhne, fort von mir, fort!
Was
unter-
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Süper...