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BioEM 2009 – Kongress der Bioelectromagnetics Society BEMS und derEuropean BioElectromagnetics Association EBEA vom 14.-19. Juni 2009 in Davos
Effekte elektromagnetischer Felder: Stand der Forschung
Höhepunkte von der BioEM 2009
von Lloyd Morgan*
Workshop der US Air Force Laboratories
Andrej Pakhomov, früher bei der Brooks Air Force Base und jetzt an der Old Dominion Uni-versity, eröffnete den Workshop. Das Militär arbeitet, zusammen mit der Old Dominion Univer-sity in Norfolk VA, mit sehr kurzen (Nanosekunden), sehr starken elektrischen Feldern, welcheZellmembranen und intrazelluläre Membranen (z.B. des Zellkerns) durchlöchern können. Diesesollen in Vorrichtungen zur Aussergefechtsetzung angewendet werden, ähnlich dem Taser. Wei-tere Anwendungszwecke dieser „Electroporation“ wurden mit der Herbeiführung von Zelltodund mit der Einführung von Krebsmedikamenten ins Innere der Zellen angegeben.René Sase präsentierte eine Tierstudie über biologische Effekte einer Mikrowellen-Expositi-on von derart hoher Leistung, dass er dachte, die Tiere müssten platzen (was sie jedoch nichttaten). Der Zweck war die Erforschung einer „Inhibition der
[Organ-]
Systeme“ und „Neutrali-sation“ von Menschen.In der Zusammenfassung seiner Ausführungen bemerkte er, es sei verfrüht, einen neuenSicherheitsstandard festzulegen, und er warnte die zuständigen Leute, sie sollten die Konse-quenzen einer Senkung des Grenzwertes sorgfältig bedenken, denn wenn dieser einmal ge-senkt sei, dann sei es hinterher „schwierig, wieder zum alten Standard zurückzukehren“.Er schlug vor, neu die Spezifische Absorption (SA) in Joule pro kg oder Gray (Gy) statt wiebisher die Spezifische Absorptionsrate (SAR) in Watt pro kg zu begrenzen. Er erwähnte abernicht, was eine solche Empfehlung implizieren würde, nämlich die Notwendigkeit, die akkumu-lierte Dosis (SA) während der gesamten Lebenszeit zu verfolgen, wie es mit den in Nuklearbe-trieben beschäftigten Mitarbeitern geschieht.Stephanie Miller behandelte das Active Denial System (ADS), das vom Militär zum Ausein-andertreiben von Personenansammlungen entwickelt wurde. ADS nutzt einen auf die Menschengerichteten Strahl von 95 GHz. Bei derart hohen Frequenzen dringt die Strahlung nur 1/3 mmtief in die Haut ein, gerade tief genug, um die Schmerzrezeptoren in der Haut zu erreichen. Sieverursacht eine heftige Schmerzempfindung ohne sichtbaren Gewebeschaden.
Plenarsession I: Hochfrequenz, Epidemiologie und Mensch
Mobiltelefone und Krebs – Gegenwärtige epidemiologische Bewertung
Anssi Auvinen, Epidemiologe bei der STUK, der finnischen Strahlenschutzbehörde, behan-delte dieses Thema. Er gab einen Überblick über die Studien zu Mobiltelefon und Krebsrisikound erwähnte deren widersprüchliche Ergebnisse: die einen fanden ein Risiko, die anderen „keines“. Er lenkte den Blick auf die verschiedenen Problemquellen in epidemiologischen Studi-en, die die Leistungsfähigkeit der Epidemiologie beeinträchtigen. Dabei unterstellte er, dassepidemiologische Studien das Problem des Krebsrisikos nicht lösen können.Er schloss seinen Vortrag mit einer offenkundig unrichtigen Prämisse. Weil die Hirntumor-häufigkeit nicht zugenommen hat, obwohl mittlerweile ein Grossteil der Bevölkerung ein Mobil-telefon benutzt, so könne folglich das Mobiltelefonieren kein erhöhtes Hirntumorrisiko bewir-ken. Der Grund für die Fehlerhaftigkeit dieser Prämisse liegt darin, dass die Latenzzeit für Hirn-tumor (der Zeitraum zwischen erster Exposition und Diagnose) 30 Jahre oder mehr beträgt,und es vor 30 Jahren noch keine Mobiltelefone gab.Als Epidemiologe wusste Dr. Auvinen, dass das eine falsche Prämisse war, oder hätte eswissen können. Entweder war er sich also der falschen Prämisse bewusst, und dann muss mansich fragen, warum er sie dennoch präsentierte, oder dann fehlt es ihm an Grundlagenwissenbezüglich Krebsepidemiologie, und dann muss man an seiner Fachkompetenz zweifeln.1 von 9
 
Seminar 2: Bildgebende Verfahren in der Medizin
Photoakustische, hochauflösende bildgebende Verfahren in der Krebsdiagnostik
Jeff Carson vom Lawson Health Research Institute of London in Ontario, Kanada, stellteeine neue bildgebende Technik mit Nah-Infrarot vor. Ich war überrascht, dass viele Gewebear-ten für diesen Frequenzbereich transparent sind (das Knochengewebe jedoch nicht). Diese neuaufkommende bildgebende Technik ist vor allem bei Brustkrebs anwendbar und kann Hämoglo-bin und Sauerstoff im (normalen und befallenen) Gewebe messen.Weil alle Organismen während evolutionärer Zeiträume der Nah-Infrarotstrahlung (Wärme)ausgesetzt waren, darf man erwarten, dass diese potentiell unschädlich ist, anders als Strah-lungsarten wie Mikrowellen und
[künstliche]
ionisierende Strahlung, welcher die Organismenim Laufe der Evolution nie ausgesetzt waren.
Plenarsession II: Sicherheit bei MRI
(moderiert von Wolfgang Kainz von der FDA)
Wie sicher ist Magnetic Resonance Imaging (MRI)
Diese Präsentation gab Sunder Rajan von der US Food and Drug Administration (FDA). DieFDA ist beauftragt, die Sicherheit von MRI-Maschinen abzuklären. Fast alle MRI-Geräte nutzenheute statische Magnetfelder von 1.5 Tesla [T], kombiniert mit intensiver Hochfrequenzstrah-lung. Das MRI-Bedienungspersonal ist statischen Magnetfeldern in der Grössenordnung von 1 Tregulär ausgesetzt. Das statische Magnetfeld der Erde beträgt 0.05 T; lebende Organismen wa-ren deshalb während ihrer Evolution nie derart hohen statischen Magnetfeldern ausgesetzt.Dr. Rajan sagte, im vorigen Jahr seien 40 Millionen MRI-Aufnahmen gemacht worden, undsolche Aufnahmen seien „auch bei mehrfacher Anwendung unschädlich“.Gegenwärtig werden einige 3.0T-Maschinen eingeführt. 7T und 9T-Maschinen sind in Ent-wicklung. Die FDA macht erste Studien um abzuklären, ob es bei Menschen schädliche Auswir-kungen gibt. Dafür werden sie 17 bis 25 Probanden einsetzen.Während der Fragestunde machte ich darauf aufmerksam, dass die „statistische Power“ bei17 bis 25 Probanden für die Ermittlung schädlicher Auswirkungen nicht ausreiche. Dr. Rajanantwortete: „Da haben Sie recht“, meinte aber, er sei nicht derjenige, der die Zahl der Proban-den festlege.Ich fragte auch, ob es irgendwelche Studien über eine Langzeit-Nachfolgeüberwachung derMillionen von Menschen gebe, die den intensiven Magnetfeldern von MRI-Maschinen ausgesetztgewesen seien. Dr. Rajan antwortete, solche Studien seien geplant. Ich stellte fest, es sei an-gesichts der bereits 25-jährigen Existenz von MRI-Maschinen „unverantwortlich“, dass die mitden Sicherheitsabklärungen betraute FDA bisher nie eine solche Studie gemacht hatte.
Topic in Focus 2: Hochfrequenzstrahlung und Blut-Hirn-Schranke
(moderiert von Dariusz Leszcynski)
Erhöhte Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke als Marker für Hirnschädigung infol-ge Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern des Mobilfunks
Präsentation durch John Finnie
1
, Abteilung für Veterinärdienste und Hanson Institut, Zen-trum für Neurologie in Adelaide, Australien.
 Abstract:
In der schriftlichen Zusammenfassungbestreitet Dr. Finnie die Relevanz bisheriger positiver Studienergebnisse bezüglich Durchlässig-keit der Blut-Hirn-Schranke (BHS). Er schreibt diese positiven Ergebnisse einer Übererwär-mung, einer Einengung der Versuchstiere oder einer unzulänglichen Ermittlung der Bestrah-lungsdosis zu. Er sagt, ein jegliches Hirnödem infolge Versagen der BHS sei wahrscheinlichfunktional und pathologisch unbedeutend, weil es nur fein und vorübergehend sei.]
Zu Beginn seiner Ausführungen bemerkte Dr. Finnie, dass wenn Mobiltelefonieren eineDurchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke bewirken würde, dies „schwerwiegende Auswirkungenhätte, selbst wenn es nur ein kleines Problem wäre“. Er zeigte eine Motorola-Vorrichtung, dieeine exakte Dosierung
[der Strahlung]
, aber keinerlei Bewegung für die Versuchstiere erlaubt,und meinte, eine derartige Einengung verursache den Tieren Stress, und dieser Stress „könneeine Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke verursachen“.Ich fragte, ob es Studien gebe, die zeigen, dass Stress in Tieren eine Durchlässigkeit derBlut-Hirn-Schranke verursache. Dr. Finnie sagte, es gebe keine solchen Studien. Ich stellte die
1Dr. Finnie wurde durch das Australian Centre for Radiofrequency Bioeffects Research (ACRBR), ein Fachverband der  Australischen Mobiltelefonindustrie, unterstützt. Er präsentierte seine Forschung an der Jahreskonferenz 2007 des ACRBR.
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rhetorische Frage, warum er dann diese Aussage gemacht habe. Mir schien, dass damit dieStudien, die eine Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke zeigen, in Zweifel gezogen werdensollten, obwohl es keinerlei Beweismaterial für einen derartigen Stress-Effekt gibt.
Nicht-thermische elektromagnetische Felder von Mobiltelefonen und Basisstationenhaben Auswirkungen auf das Gehirn von Säugetieren
Diese Präsentation wurde von Leif Salford, einem Neurochirurgen von der Universität Lundin Schweden, gegeben. Er begann mit der Bemerkung, dass die hochfrequente elektromagneti-sche Strahlung
[Microwave Radiation
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 ]
, die während der Evolution des Lebens auf der Erdenicht existierte, in den vergangenen 60 Jahren um den Faktor 10
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bis 10
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zugenommen hat.Seine Ergebnisse mit mehr als 2000 Ratten in mehreren Studien zeigen, dass Mobilfunkstrah-lung die Blut-Hirn-Schranke (BHS) durchlässig macht. Dadurch tritt für Neuronen toxisches Al-bumin in das Gehirn ein, was den Tod von Neuronen herbeiführt.Die alarmierenden Resultate zeigen, dass spezifische Absorptionsraten (SAR) von 1 Wattpro kg bestrahltes Körpergewebe ein signifikant erhöhtes Durchtreten von Albumin durch dieBHS bewirken, mit einem Maximum bei 100-mal tieferen SAR-Werten von 0.01 W/kg.Um die von Dr. Salford berichteten SAR-Werte für erhöhte Durchlässigkeit der BHS in einenZusammenhang zu stellen, sei angemerkt, dass die 10 Mobiltelefone mit dem höchsten SAR-Wert bei 1.6 bis 1.47 W/kg und die 10 Mobiltelefone mit dem niedrigsten SAR-Wert bei 0.43 bis0.22 W/kg liegen.Er bemerkte, dass die niedrigste Exposition von 0.01 W/kg, bei welcher die BHS am durch-lässigsten ist, einen Meter von einer mobil telefonierenden Person oder 200 m von einer Mobil-funk-Basisstation (Sendemast; „Antenne“) entfernt zu erwarten ist.
Session 6: Epidemiologie
Wohnsitz neben Hochspannungsleitungen und Sterblichkeit infolge neurodegenerati-ver Krankheiten: Längsschnittstudie der Schweizer Bevölkerung
Diese Präsentation wurde von Anke Huss vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin derUniversität Bern gegeben. In der Studie wurde die gesamte innerhalb von 50 m Abstand zu ei-ner 220/380 kV Hochspannungsleitung wohnende Bevölkerung untersucht. Zur Festlegung derOrte wurde das Geoinformationssystem (GIS) herangezogen. Für Personen, die in der Näheder Hochspannungsleitungen lebten, fand die Studie ein erhöhtes Risiko für Alzheimer'scheKrankheit, aber nicht für MS oder ALS. Das Risiko war umso höher, je näher jemand an derLeitung wohnte, und auch umso höher, je länger jemand dort wohnte.
Einfluss von Ableitströmen und Magnetfeldern auf das Risiko von Kinderleukämie
Robert Kavet vom Electric Power Research Institute (EPRI)
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gab eine Präsentation über dasRisiko für Kinderleukämie infolge Ableitströmen
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, Magnetfeldern und in Abhängigkeit vom In-stallationstyp
[wire code]
. Die Studie umfasste 514 Personen, wovon 245 Kinder, mit diagnos-tizierter Leukämie. Für die Ableitströme wurde die Spannung zwischen Badewasserhahn undWannenablauf gemessen und der Ableitstrom mittels des geschätzten Widerstandes, den einden Badewasserhahn berührendes Kind hat, berechnet. Dr. Kavet bemerkte, dass wegen derheutigen Kunststoffablaufrohre nur wenige Häuser eine Spannungsdifferenz zwischen Bade-wasserhahn und Wannenablauf hatten und deshalb die statistische Power für die Ermittlung ei-nes Effektes der Ableitströme auf Kinderleukämie gering war. Die Magnetfelder wurden in je-dem Raum eines Hauses gemessen. Für die Studie wurde ihr Mittelwert genommen. Die „WireCodes“ wurden nach der von Wertheimer & Leeper definierten Methode ermittelt.Er fand kein Risiko infolge Ableitströmen, kein Risiko infolge der Magnetfeldexposition, undein nahezu signifikantes Risiko für Kinderleukämie infolge des OHCC (ordinary high currentconfiguration) Wire Codes.Da ein Kind, wie vorauszusehen ist, die meiste Zeit im Kinderzimmer in seinem Bett ver-bringt, fragte ich, warum das Magnetfeld nicht im Kinderbett gemessen wurde. Dr. Kavets nichtgerade logische Antwort lautete: „Weil das eine Studie über Ableitströme war.“
2Microwaves: Frequenzen von 300 MHz bis 300 GHz; gemäss IEEE-Definition 1 bis 300 GHz3EPRI: Von der Elektrizitätsversorgungsindustrie finanziertes Forschungsinstitut in den USA, das für diese Industrie forscht4Eine Potentialdifferenz zwischen einer Wasserleitung (z.B.Badewannenarmatur) und einem leitfähigen Ablaufrohr verursacht Ableitströme.Diese Situation existiert in Häusern mit unkorrekter Elektroinstallation.5Wertheimer & Leeper zeigten ein Risiko für Kinderleukämie, indem sie in ihrer Arbeit von 1979 „Wire Codes“ als Ersatz für die Messung der Magnetfelder nahmen.
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